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Meditation
Die Lebensweise der Bewusstheit



Eine Blume besitzt eine Form, sie hat eine gewisse Persönlichkeit. Ihr Duft jedoch ist formlos, er hat keine Persönlichkeit. Es gibt ihn, er existiert, jedoch nicht in einer festen Form. Er existiert auf formlose Art. Und auf die gleiche Weise existiert Gott – als Göttlichkeit. Die Erfahrung dieses Duftes stellt sich durch Meditation ein. Einen anderen Weg gibt es nicht, hat es nie gegeben und wird es auch nie geben.

Ein wirklich religiöser Mensch muss nur eines, er muss meditativ werden. Doch wenn man das Wortes « Meditation » hört, besteht die Gefahr, dass man falsche Vorstellungen damit assoziiert, denn im Englischen gibt es kein Wort, das dem Wort "dhyana" genau entspricht. Das Wort « Meditation » kommt dem nur in etwa nahe.

Im Englischen gibt es drei Wörter: Konzentration, Kontemplation, Meditation. Konzentration ist eine Sache des Verstandes. Du lenkst deinen Verstand auf ein bestimmtes Objekt, alles andere wird ausgeschlossen, du engst deinen Blickwinkel immer mehr ein. Daher kann im Zustand der Konzentration alles zu einer Ablenkung werden. Ein Hund fängt an zu bellen und du fühlst dich gestört, denn du hattest alles andere ausgeschaltet hast und plötzlich bellt da ein Hund. Deshalb wird jemand, der sich konzentriert, ständig wütend, weil jede Kleinigkeit - ein Moskito - seine Konzentration stören kann. Jede Kleinigkeit kann dich ablenken, weil du etwas Unnatürliches tust.

Konzentration ist unnatürlich. Sie ist aufgezwungen, sie ist eine Reglementierung. Sie hat etwas Militärisches. Es ist eine gewaltsame Anstrengung, den Verstand auf eine einzige Sache festzunageln. Doch der Verstand ist von Natur aus in Bewegung, etwas Fliessendes. In Bewegung zu sein, ist für ihn natürlich. Er ist ein dynamischer Prozess. Und diesen dynamischen Prozess versuchst du zum Stocken zu bringen.

Weil das gegen seine Natur ist, ist dem Verstand jeder Vorwand recht, um augenblicklich aktiv zu werden. Selbst wenn du den Verstand zwingen kannst, für längere Zeit still zu sein, sitzt du doch wie auf einem Vulkan. Es ist genau wie mit einem kleinen Kind: Du kannst es zwingen, indem du ihm sagst: « Setze dich in die Ecke und sei still, sonst bekommst du heute nichts zu essen.» Das Kind kann das. Du kannst von ihm verlangen : «Mach deine Augen.» Das kann es zwar, aber sieh doch, wie zappelig es ist, wie es die Augen zukneifen muss, nur damit sie nicht aufgehen, was es doch so gerne möchte. Du merkst ihm an, welche Unruhe in ihm steckt, doch irgendwie kann es sich beherrschen. Es fällt ihm sehr schwer. Genauso ergeht es dir bei der Konzentration.

Meditation ist weder Konzentration noch Kontemplation. Kontemplation bedeutet, dass du ein wenig beweglicher, ein wenig fliessender bist. Doch auch hier bleibst du an ein bestimmtes Subjekt gebunden. Bei der Konzentration bist du völlig festgelegt, bei der Kontemplation hast du etwas mehr Spielraum. Dein Geist kann Herumwandern, aber dennoch bleibst du angebunden. Wenn du zum Beispiel über Liebe nachdenkst, kannst du deine Gedanken schweifen lassen, aber sie müssen beim Thema bleiben.

Sicherlich hast du dabei mehr Freiheit als bei der Konzentration, dennoch ist diese Freiheit beschränkt. Du bist in einem grösseren Gefängnis, das ist alles, aber du bleibst gefangen. Und selbst hier gibt es Ablenkungen – weniger als bei der Konzentration, aber sie sind da.

Das Wort « Meditation » weckt falsche Vorstellungen. Man stellt sich vor, man müsse über etwas meditieren. Doch “dhyana,” das Sanskritwort, von dem das japanische Wort « Zen » abstammt, bedeutet. Es gibt kein Objekt und kein Subjekt, keine Konzentration und keine Kontemplation. Du sitzt einfach still da und beobachtest unbeteiligt. Ein Hund bellt - du beobachtest nur. Es ist keine Ablenkung. Irgendwo spielt Musik - du beobachtest. Es bedeutet keine Ablenkung, weil du keinerlei Anstrengung machst, dich zu konzentrieren. Du lässt alles zu, nichts wird ausgeschlossen. Die Freiheit ist nicht eingeschränkt. Das einzige, worauf du achten musst, ist, dich mit nichts zu identifizieren. Höre die Musik, aber werde nicht die Musik. Bleibe ein Beobachter.

Meditation lässt sich also definieren als Beobachten, Zeuge zu sein, nicht identifiziert zu sein. Das ist ein völlig anderes Phänomen und hat mit Konzentration oder Kontemplation nichts zu tun.

Du sitzt einfach am Straßenrand und beobachtest den Verkehr, den Gedankenstrom in deinem Kopf und lässt ihn bereitwillig alles machen, was er möchte, lässt ihn gehen, wohin er möchte – nach Timbuktu, nach Toronto … egal wohin. Du bleibst lediglich aufmerksam, wach, bewusst.

Und dadurch geschieht ein Wunder: Du wirst dir der Göttlichkeit in allem bewusst. Selbst das Bellen des Hundes bekommt eine göttliche Qualität. Vielleicht ist der Hund ein bisschen durchgedreht, dennoch ist er göttlich – nur umgekehrt geschrieben (dog - god), das ist alles. Du musst das Wort nur von hinten nach vorne lesen, ansonsten gibt es keinen Unterschied. Dann bekommt alles eine neue Bedeutung, stellt sich ein neues Gefühl ein, erscheint in neuem Glanz.

Wenn durch dein Beoachten alles durch eine Transformation geht, gewinnt es, einen Duft. Es gibt zwar keine Blume, aber einen ungeheuren Duft. Du bist in den Bereich des Unmanifesten eingetreten.
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