Entspannung bedeutet, einfach natürlich zu sein
Osho,
kannst du mehr über Entspannung sagen? Ich nehme tief in
meinem Kern eine Spannung wahr, und ich habe den Verdacht, dass ich
noch nie vollkommen entspannt gewesen bin. Als du neulich sagtest,
dass sich zu entspannen eines der komplexesten Phänomene ist, hatte
ich eine kurze Einsicht in ein reichhaltiges Gewebe, in dem die
Fäden von Entspannung und Loslassen eng mit Vertrauen verwoben
waren, dann kam Liebe hinzu und Akzeptanz, im Fluss sein, Einheit
und Ekstase …
"Totale Entspannung ist das Höchste. Das ist der Moment, in dem
du zum Buddha wirst. Das ist der Moment der Erkenntnis, der
Erleuchtung, des Christusbewusstseins. Im Augenblick kannst du noch
nicht total entspannt sein; im innersten Kern wird eine Spannung
bestehen bleiben.
Aber fange an, dich zu entspannen. Fange mit der
Peripherie an – das ist, wo wir sind, und wir können nur dort
anfangen, wo wir sind. Entspanne die Peripherie deines Daseins:
Entspanne deinen Körper, entspanne dein Verhalten, entspanne deine
Handlungen. Gehe entspannter, iss entspannter, sprich und höre
entspannter zu. Verlangsame jeden Prozess. Habe es nicht eilig,
überstürze nichts. Bewege dich so, als hättest du die ganze
Ewigkeit zur Verfügung – sie steht dir tatsächlich zur
Verfügung! Wir sind seit Urbeginn hier und wir werden bis zum Ende
hier sein, sofern es denn einen Anfang und ein Ende gibt. In
Wirklichkeit gibt es keinen Anfang und kein Ende. Wir sind immer
hier gewesen und wir werden immer hier sein. Die Formen ändern sich
ständig, aber nicht die Substanz; die Kleider ändern sich, aber
nicht die Seele.
Spannung heißt Hast, Angst und Zweifel. Spannung heißt ständige
Anstrengung, um sich zu schützen, um sicher zu sein, um
unangreifbar zu sein. Spannung heißt, sich jetzt schon auf morgen
einzustellen oder auf die Zeit danach – aus Angst, morgen
vielleicht nicht in der Lage zu sein, mit der Wirklichkeit fertig
zu werden, und sich deshalb besser schon jetzt darauf
vorzubereiten. Spannung heißt Vergangenheit. Du hast nicht wirklich
gelebt, sondern dich nur irgendwie durchgeschlagen; das lässt dich
nicht los, es bleibt an dir hängen.