Friedrich Nietzsche ist für mich einer
der größten Seher der westlichen Welt. Seine Augen dringen wirklich
bis zur Wurzel eines Problems vor. Aber weil andere es nicht sehen
können – sie haben weder so durchdringende Augen, noch ist
ihre Intelligenz so scharf –, lebte der Mann allein, im Stich
gelassen, isoliert, ungeliebt, verachtet.
Er sagt in einem seiner Aphorismen: Die Religionen haben dem
Menschen eingehämmert, den Sex zu verdammen, dem Sex zu entsagen.
Aber geschafft hat die Religion es nicht. Obwohl der Mensch sich
die größte Mühe gegeben hat, ist er gescheitert. Denn der Sex ist
so tief in seiner Biologie verwurzelt, dass er seinen ganzen Körper
bestimmt. Der Mensch wird aus Sex geboren – wie soll er ihn da
loswerden, außer durch Selbstmord?
Der Mensch hat also versucht, seinen Sex loszuwerden, und die
Religionen haben ihn dabei unterstützt. Tausende von Disziplinen
und Strategien hat man dazu eingesetzt. Das Gesamtergebnis ist,
dass der Sex noch da ist, aber vergiftet. Dieses Wort vergiftet ist
eine ungeheure Erkenntnis: Die Religionen haben es nicht geschafft,
den Sex ganz zu nehmen, aber sie haben es sehr wohl geschafft, ihn
zu vergiften.
Und das gleiche trifft zu für andere Dinge. Die Religionen
verdammen es, wenn ihr im Komfort lebt. Nun, ein Mensch, der
komfortabel und luxuriös lebt, kann nicht Terrorist werden. Die
Religionen haben den Reichtum verurteilt und die Armut gepriesen.
Nun, ein Mensch, der reich ist, kann nicht Terrorist sein. Nur die
‚Gesegneten‘, die arm sind, können zu Terroristen werden. Denn sie
haben nichts zu verlieren. Und sie kochen über, gegen die ganze
Gesellschaft, weil andere etwas haben, was sie nicht haben. Die
Religionen haben versucht, sie zu trösten.