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About Meditation? Gibt es sonst noch etwas, was ich übers Meditieren wissen sollte?

Gibt es sonst noch etwas, was ich übers Meditieren wissen sollte?

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Anmerkung der Redaktion



Langeweile, Glückseligkeit und der Blues

Wenn man dem Negativen erlaubt hat sich auszudrücken, kann man es leichter beobachten, wenn es von Zeit zu Zeit auftaucht. Du hast den Druck abgelassen, und jetzt hat es dich nicht mehr so im Griff.

Langweile ist ein anderes Gefühl, das regelmäßig auftaucht. Nimm es einfach als ein Symptom des Verstandes wahr und als eine weitere Stimmung, die es zu beobachten gilt, ohne daran beteiligt zu sein, ohne darauf zu reagieren.

Wir möchten uns alle gerne von unserem Schmerz, unserer Verletztheit, unserer Langweile distanzieren, aber nicht von den guten Zeiten, den schönen Erfahrungen. Wenn man jedoch die Kunst des unbeteiligten Beobachtens erlernen will, ist es einfacher mit den positiven Gefühlen zu beginnen. Wenn du das gemeistert hast, fällt es dir leichter, nicht von dem Negativen herunter gezogen zu werden. Denke daran, dass alle Erfahrungen dem Verstand angehören – und unser Weg geht weit über die Beschränkungen des winzigen Verstandes hinaus.

Nichts forcieren...

Die alten Gewohnheiten des Verstandes können sich während des Meditierens bemerkbar machen. Du kannst zum Beispiel mit dir selbst in Konkurrenz treten – dich drängen, über deine Grenzen hinauszugehen, selbst wenn der Körper Schmerzen hat. [Natürlich kann der Verstand auch versuchen, deine Meditation zu sabotieren, indem er dir erzählt, du hättest deine Grenzen erreicht, ehe du richtig angefangen hast!]

…Dennoch dafür gehen

Wenn es ein Schlüsselwort gibt, das den Erfolg beim Meditieren garantiert, dann ist es Totalität oder Entschlossenheit. Wenn du zum Beispiel in der Osho Nataraj tanzt, dann tanze wirklich, mache nicht nur die Bewegungen, während dein Kopf mit etwas ganz anderem beschäftigt ist, wie: was machst du hinterher, oder über ein Gespräch nachgrübelt, das du gestern hattest. Sei auf jeder Ebene deines Seins präsent.

Folge den Anweisungen zu dieser Methode, aber dann beurteile selbst, wie weit du dich erschöpfen kannst, indem du dich auf deinen Körper einstimmst und mit dir in Kontakt bleibst. Es gibt eine feine Trennlinie zwischen Totalität und Übereifer, bis dahin wo du dir körperlichen Schaden zufügst. Nach und nach werden deine Bewusstheit und deine Sensibilität wachsen und werden als zuverlässige Barometer funktionieren. Gleichzeitig wird dein Verstand sich nicht mehr so stark einmischen.

In dieser Einführung sieht Osho Meditation als eine Art zu leben und nicht nur als eine Methode::

Meine ganze Bemühen ist, dir eine klare Vorstellung zu geben, wie du bewusster werden kannst; ich nenne es Meditation – beim Arbeiten, beim Gehen, beim Sitzen.

Ich glaube nicht an das, was andere Meditation nennen: du machst es zehn oder zwanzig Minuten lang und bist dann vierundzwanzig Stunden dein altes Selbst - und dann wieder zwanzig Minuten Meditation. Das ist dumm. Das ist so, als würdest du zu jemand sagen: Atme morgens zwanzig Minuten lang und dann vergiss es, denn du hast so viele andere Dinge zu tun. Am nächsten Morgen kannst du dann wieder zwanzig Minuten atmen. Für mich ist Meditation genau wie Atmen. Was immer du machst, egal wo du gerade bist, mache es bewusster.

Probiere es aus, denn man muss es schmecken, man muss es erfahren. Wenn du gehst, versuche ein paar Minuten bewusst zu gehen. Sei bei jedem Schritt bewusst. Und du wirst überrascht sein, dass die Qualität deines Gehens ganz anders ist; sie ist entspannt. Da gibt es keine Spannung aber eine subtile Freude, die durch dein entspanntes Gehen entsteht. Je mehr du dir dieser Freude bewusst wirst, umso mehr möchtest du wach sein.

Wenn du isst, iss mit Bewusstheit. Die Leute werfen einfach das Essen in den Mund und schlucken es, ohne es zu kauen. Leute, die an Fettleibigkeit leiden, können nicht aufhören zu essen. Kein Arzt wird ihnen helfen können, es sei denn sie werden beim Essen bewusst. Bewusstheit hat einige Begleiterscheinungen. Der Vorgang des Essens wird langsamer werden. Du wirst anfangen zu kauen, denn wenn du dein Essen nicht kaust, belastest du dein ganzes System nur unnötig. Dein Magen hat keine Zähne. Man muss jeden Bissen genau zweiundvierzig mal kauen, dann wird alles, was du isst flüssig.

Ein Mann der Bewusstheit trinkt nur; bevor er das Essen schluckt, hat er die festen Speisen in Flüssigkeit verwandelt. Und das Seltsame ist, wenn du zweiundvierzig Mal kaust, genießt du den Geschmack erst richtig. Der bewusste Mensch hat von einem Bissen zweiundvierzig Mal mehr Geschmack als der unbewusste. Es ist eine einfache Arithmetik: Der Unbewusste muss zweiundvierzig Bissen essen, nur um den gleichen Geschmack zu haben, und dann wird er dick und ist immer noch unbefriedigt. Er möchte immer noch mehr essen. Der Bewusste isst nur so viel wie sein Körper braucht. Er spürt sofort, wenn der Hunger weggeht und er zufrieden ist.

Meine Meditation hat einen ganz anderen Ansatz. Sie soll sich über vierundzwanzig Stunden erstrecken. Selbst wenn du einschläfst, bleibe wach und beobachte, wie der Schlaf über dich kommt, so langsam, so still, doch du kannst die Fußstapfen hören. Die Dunkelheit wächst, du entspannst dich – du kannst die Muskeln spüren, den Körper, die angespannten Teile, die den Schlaf verhindern – und bald wirst du sehen, wie der ganze Körper entspannt ist und der Schlaf gekommen ist. Und nach und nach geschieht eine große Revolution. Der Schlaf kommt zu dir, aber tief in deinem Innern bleibst du wach, selbst im Schlaf.

Religion ist ein sehr einfaches Phänomen. Theologie hat nichts mit Religion zu tun. Sie macht die Dinge unnötig kompliziert. Religion ist eine einfache Bewusstheit bei allem, was du tust, wo immer du bist. Und wenn dich diese Bewusstheit umgibt wie eine leuchtende Aura, wirst du dir zum ersten Mal des Universums bewusst – seiner Schönheiten, seiner Musik, seiner ewigen Lieder. Und das ist für mich die religiöse Erfahrung. In einer religiösen Erfahrung begegnest du keinem Gott. Da ist niemand, nur die reine Existenz. Aber alles ist lebendig – diese Blumen, diese Vögel im Flug, diese Sterne – alles ist lebendig. Aber weil du schläfst kannst du die Lebendigkeit, die dich umgibt, nicht erfahren.

Wir sind keine Insel. Kein Mensch ist eine Insel. Wir sind Teil dieses ganzen lebendigen, unendlichen Kontinents. Diese Blumen sind genauso Teil von uns wie wir Teil von ihnen sind. Jene weit entfernten Sterne sind genauso in uns wie wir in dem Universum sind. Diese Erfahrung der Einheit, des Einsseins, ist Befreiung.

Meine Lehre ist also sehr einfach: Meditation ist der Schlüssel; vollkommen bewusst zu sein ist das Resultat. Die Erfahrung des Einseins mit dem Ganzen ist die Belohnung.

Das ist meine Trinität; Meditation, Bewusstheit, Einssein.


Osho: Last Testament, Vol 2, Chapter 7

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