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About Meditation? Ist es möglich, ganz ohne eine Technik zu meditieren?

Ist es möglich, ganz ohne eine Technik zu meditieren?

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Die Frage, die du gestellt hast, ist in der Tat sehr wichtig, weil Meditation als solche überhaupt keiner Technik bedarf. Aber wir brauchen Techniken um die Hindernisse auf dem Weg der Meditation auszuräumen. Das muss also ganz klar verstanden werden: Meditation selber bedarf keiner Technik, sie ist ein einfaches Verstehen, ein Wach-sein, ein Bewusst-sein. Weder ist Wachheit eine Technik, noch ist Bewusstheit eine Technik. Aber auf dem Weg zur Wachsamkeit gibt es so viele Hindernisse; sie müssen ausgeräumt werden. Der Mensch hat jahrhundertlang diese Hindernisse angehäuft; sie müssen beseitigt werden. Meditation selber kann sie nicht ausräumen, man braucht bestimmte Techniken, um sie loszuwerden.

Die Aufgabe der Techniken ist es also einfach, den Boden zu bereiten, den Weg vorzubereiten, die Passage. In sich selber sind die Techniken nicht Meditation. Wenn du bei den Techniken aufhörst, hast du nicht begriffen, worum es geht. J. Krishnamurti bestand sein ganzes Leben lang darauf, dass es für Meditation keine Technik gibt. Und das Endergebnis war nicht, dass Millionen von Menschen einen Zustand der Meditation erreichten; das Endergebnis war, dass Millionen von Menschen überzeugt waren, dass man zum Meditieren keine Technik braucht. Aber sie dachten überhaupt nicht darüber nach, was sie mit den Hindernissen, den Hemmnissen machen würden. Also blieben sie intellektuell der Überzeugung, dass man keine Technik braucht.

Ich habe viele Anhänger von J. Krishnamurti getroffen, auch solche, die ihm sehr nah waren, und ich habe zu ihnen gesagt: 'Man braucht keine Technik, dem stimme ich völlig zu. Aber hast du oder irgend ein anderer, der J. Krishnamurti zugehört hat, zur Meditation gefunden?' Obwohl das, was er sagte, im Kern wahr ist, erwähnte er nur die positive Seite der Erfahrung. Es gibt auch eine negative Seite. Und für diese negative Seite braucht man alle möglichen Arten von Techniken - man braucht sie unbedingt - denn solange der Boden nicht gut vorbereitet ist und alles Unkraut und die wilden Wurzeln ausgegraben sind, kann man keine Rosen und andere schöne Blumen pflanzen. Die Rosen haben nicht das Geringste mit diesen Wurzeln zu tun, mit den wilden Pflanzen, die du ausgerissen hast. Aber es war absolut notwendig, dieses Unkraut zu entfernen, um den Boden in einen Zustand zu bringen, in dem die Rosen aufblühen können.

Du fragst, 'Ist es möglich, ohne eine Technik zu meditieren?' Es ist nicht nur möglich, es ist die einzige Möglichkeit. Man braucht überhaupt keine Technik - was die Meditation betrifft. Aber was wirst du mit dem Verstand anfangen? Dein Verstand wird dir tausenderlei Schwierigkeiten bereiten. Die Techniken sind notwendig um den Verstand aus dem Weg zu räumen, um einen Freiraum zu schaffen, in dem der Verstand ruhig werden kann, still, beinahe abwesend. Dann geschieht Meditation von ganz alleine.

Es ist nicht eine Frage der Technik. Du musst gar nichts tun. Meditation ist etwas Natürliches, etwas, das bereits in dir verborgen ist und versucht, seinen Weg in den freien Himmel zu finden, in die Sonne, an die Luft. Aber der Verstand umgibt sie von allen Seiten; alle Türen sind verschlossen, alle Fenster sind zu. Die Techniken sind notwendig um die Fenster zu öffnen, die Türen zu öffnen. Und augenblicklich steht der ganze Himmel für dich offen, mit all seinen Sternen, in all seiner Schönheit, mit allen Sonnenuntergängen, allen Sonnenaufgängen. Nur ein kleines Fenster hielt dich davon ab; schon ein kleines Staubkorn kann dir ins Auge geraten und dich daran hindern, den unendlich weiten Himmel zu sehen, weil du die Augen nicht aufmachen kannst. Es ist völlig unlogisch, dass nur ein kleines Staubkorn oder etwas Sand dich daran hindern können, die großen Sterne zu sehen, den unendlichen Himmel. Aber genau das können sie tun - und sie tun es. Techniken sind notwendig um diesen Staub, diesen Sand aus deinen Augen zu entfernen.

Und Meditation ist deine Natur, sie ist dein ureigenstes Potential. Sie ist ein anderer Name für Wachsamkeit.

Der junge Vater, der mit seinem Baby im Kinderwagen im Park spazieren ging, schien sich von dem Geheule, das aus dem Kinderwagen drang, nicht sonderlich stören zu lassen. 'Nimms leicht, Albert,' sagte er leise. 'Reg' dich nicht auf, sei ein guter Kerl.'
Ein erneutes Jaulen war zu hören. 'Ist ja gut, Albert,' murmelte der Vater, 'bleib ruhig.'
Eine junge Mutter, die vorbeikam, bemerkte, 'Ich muss Ihnen gratulieren. Sie wissen genau, wie man mit Babys spricht.' Dann tätschelte sie das Baby am Kopf und flötete: 'Was hast du denn, Albert?'
'Nein, Nein,' unterbrach sie der Vater, 'sein Name ist Peter; ich bin Albert.'
Er versuchte einfach nur, sich selber wachsam zu halten: 'Albert, verlier' nicht die Geduld.' Er will es nicht vergessen, sonst würde er dieses Baby vielleicht lieber in den See werfen!

Meditation ist einfach Bewusstsein ohne jede Anstrengung, eine mühelose Wachsamkeit; sie braucht überhaupt keine Technik. Aber dein Verstand ist so voller Gedanken, voller Träume, so sehr in der Vergangenheit, so sehr in der Zukunft; er ist nicht hier und jetzt; und Bewusstsein muss hier und jetzt sein. Die Techniken sind notwendig, um dir zu helfen, die Wurzeln der Vergangenheit abzuschneiden, deine Träume von der Zukunft abzuschneiden, dich so in diesem Moment sein zu lassen, als ob es nur diesen einen Moment gäbe. Dann braucht man keine weitere Technik.

Hymie Goldberg besuchte seinen Freund, Herrn Cohen, der im Sterben lag. 'Tu uns einen Gefallen', sagte Hymie Goldberg. 'Wenn du in den Himmel kommst, könntest du einen Weg finden, mich wissen zu lassen, ob sie da oben Fußball spielen?'
Herr Cohen sagte, er würde mit Sicherheit versuchen, mit seinem alten Freund Kontakt aufzunehmen, falls das möglich sei. Nur ein paar Tage nachdem Herr Cohen gestorben war, bekam Hymie Goldberg einen Anruf. 'Hallo, Hymie,' sagte Herr Cohen. 'Hier spricht dein alter Freund.'
'Cohen? Bist du es wirklich?' fragte Hymie. 'Klar,' antwortete sein Freund. 'Ich habe gute und schlechte Nachrichten für dich. Zunächst einmal, hier wird auf jeden Fall Fußball gespielt. Und die schlechte Nachricht ist, dass du nächsten Sonntag im Tor stehst.'

Das Leben ist eine komplizierte Angelegenheit. Es gibt gute und schlechte Nachrichten. Die gute Nachricht ist, dass man keine Technik braucht; aber die schlechte Nachricht ist, dass du es ohne eine Technik nicht begreifen wirst.


Osho: The Rebel, #24

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