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About Meditation? Ist Meditation ein Glaube?

Ist Meditation ein Glaube?

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Glaube bedeutet einfach, dass du nicht weißt - und dennoch glaubst du. Mein ganzes Bemühen ist, dass du niemals glaubst bevor du nicht weißt. Wenn du weißt, gibt es nichts zu glauben, dann weißt du es. Ich zerstöre alle Glaubenssysteme und gebe dir keinerlei Ersatz. Daher ist es nicht einfach, mich zu verstehen.


Osho: The Last Testament, Vol. 1, Chapter 4


Glaube ist wie eine farbige Brille. Sie färbt die ganze Existenz in der gleichen Farbe wie deine Brille. Es wird nicht die wirkliche Farbe der Existenz sein; sie wird ihr von deiner Brille verfälscht. Ihr müsst alle euere Brillen beiseite legen. Ihr müsst der Wirklichkeit direkt begegnen, unmittelbar. Es sollte keine Idee, keine vorgefertigter Schlussfolgerung zwischen euch und der Existenz stehen

Ein echter Sucher befindet sich in einem Zustand, den Diogenes „agnosia“ nennt – ein Zustand des Nicht-Wissens. Sokrates sagte in seiner letzten Stunde: “Ich weiß nur eins - dass ich nichts weiß.“ Das ist der Zustand eines echten Suchers.

Im Osten haben wir das Meditation genannt: kein Glaube, kein Gedanke, kein Verlangen, kein Vorurteil, keine Konditionierung – tatsächlich gar kein Verstand. Ein Zustand von Nicht-Denken ist Meditation. Wenn du sehen kannst, ohne dass der Kopf sich einmischt, die Dinge verzerrt, interpretiert, dann siehst du die Wahrheit. Die Wahrheit ist schon überall, du musst nur deinen Verstand beiseite lassen.

Der Sucher muss eine grundlegende Voraussetzung erfüllen: Er muss den Verstand fallen lassen. Sobald der Verstand wegfällt, entsteht eine große Stille, denn der Verstand enthält deine ganze Vergangenheit; alle Erinnerungen aus der Vergangenheit verlangen nach deiner Aufmerksamkeit. Sie füllen dich, sie lassen keinen freien Raum in dir.

Und der Verstand bedeutet auch die Zukunft. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit heraus beginnst du über die Zukunft zu fantasieren. Es ist eine Projektion aus der Vergangenheit. Du hast auf eine bestimmte Weise gelebt, da hat es ein paar Augenblicke der Freude gegeben und viele, viele dunkle Nächte. Diese dunklen Nächte möchtest du nicht, du möchtest, dass deine Zukunft voll ist von den frohen Momenten. Du sortierst also aus: du nimmst ein paar Dinge aus der Vergangenheit und projizierst sie in die Zukunft, und du wählst einige andere und versuchst, sie in der Zukunft zu vermeiden. Deine Zukunft ist nichts anderes als eine verbesserte Vergangenheit – hier und da ein wenig modifiziert, aber dennoch ist es die Vergangenheit, denn das ist das einzige, was du kennst.

Dabei ist zu bedenken, dass diese wenigen Momente der Freude, die du in der Vergangenheit erfahren hast, eigentlich Teil dieser dunklen Nächte waren. Wenn du also diese Momente auswählst, kommen die dunklen Nächte automatisch mit; du kannst sie nicht vermeiden. Man kann nicht die Silberstreifen unabhängig von den dunklen Wolken wählen. In der dunklen Nacht siehst du den Himmel voller Sterne; am Tag verschwinden diese Sterne. Meinst du denn sie haben sich aufgelöst? Sie sind noch da, aber der Zusammenhang fehlt. Sie brauchen die Dunkelheit, nur dann sind sie sichtbar. Je dunkler die Nacht ist, desto heller leuchten die Sterne.

Im Leben ist alles mit einander verbunden. Deine Freuden sind mit deinen Schmerzen verbunden, deine Ekstase ist untrennbar mit deiner Agonie verbunden. Deine ganze Vorstellung von der Zukunft ist also reiner Unsinn. Du kannst es nicht manipulieren, das ist noch niemandem gelungen - denn du versuchst etwas zu tun, was nicht in der Natur der Dinge liegt. Es wird einfach nur eine Wiederholung deiner Vergangenheit sein.

Egal was du dir wünschst, es wird keinen Unterschied machen. Es wird immer wieder eine Wiederholung der Vergangenheit sein, vielleicht ein klein wenig anders, aber nicht wegen deiner Erwartungen, sondern weil das Leben sich ständig verändert, die Existenz verändert sich. Es wird also ein paar Unterschiede geben, aber keinen grundsätzlichen Unterschied – nur in unwesentlichen Dingen. Im Wesentlichen wird es die gleiche Tragödie sein.



Osho: I Am That, Chapter 11

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