Quantcast

Über Meditation? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Sportarten wie Laufen und Meditation?

<< Back

Du wirst Laufen nicht als Meditation betrachten, aber Läufer hatten hin und wieder schon sehr tiefe Erfahrungen von Meditation. Sie waren überrascht, weil sie nicht danach gesucht hatten; wer denkt schon, dass ein Läufer Gott erfahren wird? Aber es ist geschehen und nun wird Laufen immer mehr zu einer neuen Art der Meditation.

Es kann beim Laufen geschehen. Wenn du jemals ein Läufer warst, wenn es dir gefiel, am frühen Morgen zu laufen, wenn die Luft frisch und jung ist und die ganze Welt aus dem Schlaf kommt, gerade aufwacht, und du bist gelaufen und dein Körper funktionierte wunderbar und die frische Luft und die neue Welt, aus der Dunkelheit der Nacht wiedergeboren, und alles singt um dich herum und du fühltest dich so lebendig... dann kommt ein Moment, in dem der Läufer verschwindet und nur Laufen da ist. Körper, Geist und Seele fallen in Einklang und plötzlich entlädt sich ein innerer Orgasmus.

Läufer stoßen manchmal zufällig auf die Erfahrung des Vierten, Turiya; trotzdem werden sie die Erfahrung verpassen, weil sie denken, dass es nur am Laufen lag, dass sie diesen Moment so genossen haben; dass es ein schöner Tag war, dass der Körper gesund war und die Welt schön, dass es nur eine besondere Stimmung war. Sie werden davon keine Notiz nehmen. Aber falls sie es bemerken, das habe ich selber beobachtet, dann kommen Läufer der Meditation leichter nahe als irgendjemand sonst. Das Joggen kann eine große Hilfe sein, das Schwimmen kann eine große Hilfe sein. All diese Dinge müssen in Meditationen verwandelt werden.

lass die alten Vorstellungen von Meditation fallen, dass es Meditation sei, einfach in einer Yogahaltung unter einem Baum zu sitzen. Das ist nur einer der Wege und er ist vielleicht für ein paar Leute geeignet, aber nicht für alle.

Für ein kleines Kind ist das keine Meditation, es ist Folter. Für einen lebendigen jungen Menschen, der vor Leben sprüht, ist es Unterdrückung, nicht Meditation.

Vielleicht könnte es für einen alten Menschen, der schon gelebt hat, dessen Energien bereits abnehmen, Meditation sein. Die Menschen sind verschieden, es gibt viele Arten von Menschen. Für jemanden mit wenig Energie ist es vielleicht die beste Meditation, in einer Yogahaltung unter einem Baum zu sitzen, weil die Yogahaltung am wenigsten Energie verbraucht; am allerwenigsten. Wenn die Wirbelsäule aufrecht ist und sich im rechten Winkel zur Erde befindet, verbraucht dein Körper so wenig Energie wie nur möglich. Sobald du dich nach links oder nach vorne beugst fängt dein Körper an, mehr Energie zu verbrauchen, denn die Schwerkraft beginnt, dich nach unten zu ziehen und du musst dich selber halten, dich selber aufrecht halten, damit du nicht umfällst. Das ist ein Energieaufwand. Man hat herausgefunden, dass eine aufrechte Wirbelsäule am wenigsten Energie verbraucht.

Dann ist es für Leute mit wenig Energie auch sehr hilfreich, wenn die Hände sich beim Sitzen auf dem Schoß berühren, denn wenn die Hände sich gegenseitig berühren, beginnt deine Körperelektrizität, sich in einem Kreis zu bewegen. Sie verlässt deinen Körper nicht; sie wird zu einem inneren Kreislauf, die Energie bewegt sich in deinem Inneren.

Du musst wissen, dass Energie immer über die Finger nach außen gelangt, Energie kann nie aus runden Dingen freigesetzt werden. Zum Beispiel kann dein Kopf keine Energie abgeben, er bewahrt sie. Energie wird über die Finger, die Fußzehen und die Hände abgegeben. In einer bestimmten Yogahaltung liegen die Füße so zusammen, dass ein Fuß die Energie abgibt und der andere sie aufnimmt; eine Hand gibt Energie ab und sie geht in die andere Hand hinein. Du nimmst deine eigene Energie immer wieder auf, du wirst zu einem inneren Energiekreislauf. Das ist sehr erholsam, sehr entspannend.

Die Yogahaltung ist die entspannteste Haltung, die möglich ist. Sie ist sogar entspannender als der Schlaf, denn wenn du schläfst, ist dein gesamter Körper der Schwerkraft unterworfen. Wenn du dich in der Horizontalen befindest, ist das auf eine ganz andere Art entspannend. Es ist entspannend, weil es dich in die alten Zeiten zurückversetzt, als der Mensch ein Tier war, horizontal. Es ist entspannend, weil du regredierst; es hilft dir, wieder ein Tier zu werden.

Deshalb kannst du in einer liegenden Haltung nicht klar denken, es wird schwierig, zu denken. Probiere es aus. Du kannst leicht träumen, aber du kannst nicht so leicht denken; zum Denken musst du sitzen. Je aufrechter du sitzt, desto bessere Chancen hast du, zu denken. Das Denken kam spät; als sich der Mensch aufrichtete kam das Denken. Als der Mensch noch horizontal lebte, gab es das Träumen aber es gab kein Denken. Wenn du dich also hinlegst, fängt das Träumen an und das Denken verschwindet. Es ist eine Art Entspannung, weil das Denken aufhört; du regredierst. Die Yogahaltung ist eine gute Meditation für diejenigen, deren Energie niedrig ist, für die, die krank sind, für die, die alt sind, für die, die ihr ganzes Leben gelebt haben und nun dem Tod immer näher kommen. Tausende buddhistischer Mönche sind in der Lotusposition gestorben, denn die beste Haltung um den Tod zu empfangen ist die Lotusposition denn in der Lotusposition bist du hellwach, und weil die Energien verschwinden werden, werden sie von Moment zu Moment weniger. Der Tod kommt. In der Lotusposition kannst du deine Wachheit bis ganz zum Ende beibehalten. Und hellwach zu sein während du stirbst ist eine der großartigsten Erfahrungen, es ist der Gipfel-Orgasmus.

Und wenn du wach bist während du stirbst, dann wirst du eine ganz andere Art von Geburt erfahren: Du wirst wach geboren werden. Wer in einem wachen Zustand stirbt, der wird in einem wachen Zustand geboren werden. Wer unbewusst stirbt, der wird unbewusst geboren. Wer mit Bewusstheit stirbt, der kann für sich den richtigen Mutterleib aussuchen; er hat die Wahl, er hat es verdient. Ein Mensch, der unbewusst stirbt, hat kein Recht, sich den Mutterleib auszusuchen; der Mutterleib kommt unbewusst, zufällig.

Jemand, der in diesem Leben mit perfekter Wachheit stirbt, wird nur noch einmal wiederkommen, denn ein nächstes Mal wird nicht mehr nötig sein. Es ist nur noch wenig Arbeit zu tun: Das nächste Leben wird diese Aufgabe erledigen. Für einen, der mit Bewusstheit stirbt, bleibt nur noch eines übrig: er hatte noch keine Zeit, seine Bewusstheit als Mitgefühl auszustrahlen. Das nächste Mal kann er seine Bewusstheit als Mitgefühl verströmen. Und solange Bewusstheit nicht zu Mitgefühl wird, bleibt etwas unvollendet, bleibt etwas unvollkommen.

Das Laufen kann eine Meditation sein.

Joggen, Tanzen, Schwimmen, das alles kann eine Meditation sein. Meine Definition von Meditation ist: wann immer dein Körper, dein Geist und deine Seele in Einklang sind, ist es Meditation, weil es das Vierte ins Spiel bringt. Und wenn du dir darüber im Klaren bist, dass du es als Meditation tust - nicht, um an den Olympischen Spielen teilzunehmen, sondern als Meditation; dann hat es eine ungeheure Schönheit.

In der neuen Kommune werden wir alle möglichen Arten von Meditationen einführen. Diejenigen, die gerne schwimmen, bekommen die Gelegenheit, zur Schwimm-Meditation zu gehen. Diejenigen, die gerne laufen, bekommen ihre Gruppe, in der sie meilenweit laufen können. Jeder nach seinen Bedürfnissen, nur so kann diese Welt voller Meditation sein; anders nicht.

Wenn wir nur eine starre Struktur der Meditation anbieten, wird das lediglich für ein paar Leute passen. In der Vergangenheit war das eines der Probleme: starre Strukturen der Meditation, nicht fließend; festgelegt, so dass sie für bestimmte Leute passten und alle anderen wurden im Dunkeln gelassen.

Meine Arbeit ist es, Meditation wirklich für jeden zugänglich zu machen.

Egal, wer meditieren möchte, Meditation sollte ihm seinem Typ gemäß zugänglich gemacht werden. Wenn er ausruhen muss, dann sollte Ruhe seine Meditation sein. 'Still sitzen, nichts tun, der Frühling kommt und das Gras wächst von alleine' - das wird dann seine Meditation sein. Wir müssen in der Meditation ebenso viele Dimensionen finden, wie es Menschen auf der Welt gibt. Und die Struktur sollte nicht rigide sein, weil nicht einmal zwei Individuen sich völlig gleichen. Die Struktur sollte sehr fließend sein, damit sie zu den Individuen passt. In der Vergangenheit war es Brauch, dass das Individuum sich der Struktur anpassen musste.

Ich bringe eine Revolution. Das Individuum muss nicht der Struktur angepasst werden, die Struktur muss für das Individuum passend gemacht werden. Meine Achtung vor dem Individuum ist absolut. Mir geht es nicht so sehr um die Mittel; Mittel und Wege können abgeändert, anders gestaltet werden.

Deshalb finden hier so viele verschiedene Meditationen statt. Wir haben hier gar nicht genügend Möglichkeiten, sonst wärest du überrascht, wie viele verschiedene Türen der Tempel Gottes hat. Und du wärest auch überrascht, dass es eine spezielle Tür gibt, nur für dich, die für niemanden sonst da ist. Das ist Gottes Liebe zu dir, seine Achtung vor dir. Du wirst an einer besonderen Tür empfangen, nicht an einem öffentlichen Tor; du wirst als besonderer Gast empfangen.

Aber egal welche Meditation, das Wesentliche ist, dass sie diese Vorraussetzung erfüllt: dass Körper, Verstand und Bewusstsein, dass alle drei in Einklang sind. Dann steht eines Tages plötzlich das Vierte vor der Tür: das Zeuge-Sein. Oder, wenn du es so nennen willst, Gott. Nenne es Gott oder Nirvana oder Tao oder wie immer du willst.


Osho: The Book of Wisdom, #23

>

<< Back