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About Meditation? Was ist Vipassana?

Was ist Vipassana?

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Vipassana ist so eine einfache Methode, dass jedes kleine Kind sie machen kann. Tatsächlich kann ein kleines Kind das besser als du, weil sein Verstand noch nicht mit Müll gefüllt ist; er ist noch sauber und unschuldig...

Vipassana kann auf drei verschiedene Arten gemacht werden, und du kannst wählen, welche dir am meisten liegt. Die erste: Aufmerksamkeit für deine Handlungen, deinen Körper, deinen Verstand, dein Herz. Wenn du gehst, gehe mit Aufmerksamkeit. Wenn du deine Hand bewegst, bewege sie mit Aufmerksamkeit, im vollen Bewusstsein, dass du sie bewegst. Man kann sie auch völlig unbewusst bewegen, fast mechanisch; wenn du spazieren gehst, kannst du auch gehen, ohne jemals auf deine Füße zu achten. Werde also aufmerksam auf die Bewegungen deines Körpers. Wenn du ißt, sei aufmerksam auf die Bewegungen, die beim Essen nötig sind. Wenn du eine kalte Dusche nimmst, sei aufmerksam, wie die Kühle des Wassers dich berührt und Freude in dir hervorruft... Sei einfach aufmerksam. Es sollte nichts in einem unbewussten Zustand geschehen.

Und das gleiche gilt für den Verstand: Für jeden Gedanken, der auf dem Bildschirm deines Verstandes auftaucht, sei einfach Beobachter. Und ebenso für jede Emotion, die auf dem Bildschirm deines Herzens abläuft: Bleib einfach Zeuge – lass dich nicht hineinziehen, werde nicht identifiziert. Bewerte nicht: was ist gut, was ist schlecht – das hat nichts mit Meditation zu tun. Deine Meditation soll nicht-wertende Aufmerksamkeit sein.

Nach und nach wirst du imstande sein, auch ganz feine Stimmungen wahrzunehmen: wie Traurigkeit sich auf dich herabsenkt – so wie die Nacht sich ganz langsam auf die Welt herabsenkt – oder wie eine Kleinigkeit dich plötzlich fröhlich macht.

Sei einfach ein Zeuge. Denke nicht: »Ich bin traurig.« Sei dir einfach bewusst, dass Traurigkeit dich einhüllt, Freude dich einhüllt. Du siehst dich einer bestimmten Emotion oder Stimmung gegenüber. Aber du bist immer weit entfernt – ein Wächter auf dem Berge –, und alles andere spielt sich unten im Tale ab. Das ist eine Möglichkeit, wie du Vipassana machen kannst.

Und mein Gefühl ist, dass es für eine Frau die einfachste Möglichkeit ist, weil eine Frau sich ihres Körpers mehr bewusst ist als ein Mann. Es ist natürlich für sie. Sie achtet mehr darauf, wie sie aussieht, wie sie sich bewegt, wie sie sitzt; sie achtet immer auf ihre Anmut, und das ist nicht nur anerzogen, sondern biologisch bedingt und ganz natürlich für sie.

Mütter, die mindestens zwei oder drei Kinder geboren haben, können nach einer bestimmten Zeit spüren, ob sie einen Jungen oder ein Mädchen in ihrem Bauch tragen. Der Junge fängt an, Fußball zu spielen; er tritt hierhin und dorthin, er macht sich bemerkbar – er lässt dich wissen, dass er da ist. Das Mädchen bleibt still und entspannt.
Es ist also keine Frage der Konditionierung, denn sogar im Mutterleib kannst du den Unterschied zwischen einem Jungen und einem Mädchen erkennen. Der Junge ist hektisch; er kann nicht stillsitzen. Er ist überall. Er will alles tun und alles wissen. Das Mädchen verhält sich völlig anders...

Die zweite Art Vipassana besteht im Atmen: Aufmerksamkeit für das Atmen. Wenn der Atem hineingeht, hebt sich der Bauch, und wenn der Atem hinausgeht, senkt sich der Bauch wieder. Diese zweite Methode besteht also darin, aufmerksam auf das Heben und Senken des Bauches zu sein, einfach nur zu beobachten, wie der Bauch sich hebt und senkt... Und der Bauch ist der Quelle unseres Lebens am nächsten, weil das Kind über den Nabel mit der Lebensenergie der Mutter verbunden ist. Hinter dem Nabel befindet sich die Lebensquelle. Wenn also der Bauch sich hebt, ist es in Wirklichkeit die Lebensenergie, die Quelle des Lebens, die sich mit jedem Atemzug hebt und wieder senkt. Auch das ist nicht schwierig, und vielleicht sogar noch leichter als die erste Methode, weil es sich um eine einzige Technik handelt.

Bei der ersten Methode musst du auf den Körper achten, auf den Verstand und auf die Emotionen und Stimmungen; das heißt, sie besteht aus drei Schritten. Bei der zweiten gibt es nur einen einzigen Schritt: den Bauch mit seinen Auf- und Abbewegungen zu beobachten. Das Resultat ist das gleiche: Wenn du die Aufmerksamkeit auf deinen Bauch richtest, wird der Verstand ruhig, wird das Herz still, und die Stimmungen verschwinden.

Die dritte Art besteht darin, auf den Atem bei seinem Ein- und Austritt zu achten – wenn die Atemluft durch die Nasenlöcher streicht. Fühle den Atem an diesem Ende – dem anderen Pol, statt dem Bauch – fühle ihn an der Nase. Der einströmende Atem fühlt sich in den Nasenöffnungen kühl an. Und dann der ausströmende Atem... einströmender Atem, ausströmender Atem.

Dies ist ebenfalls möglich. Es ist leichter für Männer als für Frauen. Die Frau ist ihrem Bauch näher. Die meisten Männer atmen noch nicht einmal bis in den Bauch hinein. Ihre Brust hebt und senkt sich, weil wir ein falsches athletisches Ideal haben. Gewiss, der Körper hat eine schönere Form, wenn die Brust hervortritt und der Bauch fast verschwindet.

Das sind die drei Arten Vipassana – jede von ihnen ist geeignet. Und wenn du zwei Arten miteinander kombinieren willst, ist auch das möglich; dann wird deine Bemühung noch intensiver sein. Wenn du alle drei zusammen machen willst, kannst du sie miteinander kombinieren. Dadurch beschleunigt sich der Prozess. Doch es hängt ganz von dir ab – was sich für dich leicht anfühlt. Vergiss nicht: Das, was leicht ist, ist richtig.

Wenn deine Meditation sich einspielt, kommt der Geist zur Ruhe, das Ego verschwindet. Du wirst da sein, aber ohne ein Gefühl von »ich«. Dann sind die Türen offen. Dann warte einfach – mit liebender Sehnsucht, mit großer Bereitschaft im Herzen – warte auf den großen Augenblick, den größten Augenblick im Leben eines Menschen: die Erleuchtung.

Sie kommt... sie kommt gewiss. Sie hat noch nie gezögert, nicht einen einzigen Augenblick. Wenn du erst einmal in der richtigen Einstimmung bist, wird sie plötzlich in dir explodieren, wird sie dich transformieren. Dann stirbt der alte Mensch, und der neue Mensch wird geboren.

Ein Witz... Der Große Häuptling Sitting Bull leidet seit vielen Monden an Verstopfung. Darum schickt er seine Lieblingssquaw zum Medizinmann um Hilfe. Der Medizinmann gibt ihr drei Tabletten für den Großen Häuptling mit, und am nächsten Tag soll sie ihm berichten, ob es gewirkt hat.
Am nächsten Morgen kommt die Squaw mit der Botschaft: »Großer Häuptling keine Scheiße.« Also gibt ihr der Medizinmann die doppelte Dosis.
Tags darauf kommt sie mit der Botschaft wieder: »Großer Häuptling keine Scheiße.« Er sagt ihr, sie soll die Dosis wieder verdoppeln.
Doch wieder kommt sie mit der gleichen Botschaft. So geht das eine Woche lang, und schließlich rät ihr der Medizinmann, sie soll Sitting Bull die ganze Schachtel geben.
Am nächsten Morgen kommt sie ganz traurig wieder. »Was ist los, mein Kind?« fragt der Medizinmann. Die kleine Squaw schaut ihn mit Tränen in den Augen an und sagt: »Große Scheiße, kein Häuptling!«

Eines Tages wird es euch geschehen – und das wird ein großartiger Augenblick sein! Das nenne ich den richtigen Augenblick.


Osho: The New Dawn , Chapter 16

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