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OSHO Times Body Dharma Körperweisheit

Körperweisheit

Ich bin ständig krank, und ich denke, es kommt daher, dass ich meinen Körper zu sehr antreibe. Dann fühle ich mich nicht mehr in meiner Mitte, und der Körper reagiert mit Krankheit.

Du scheinst mit deinem Verständnis auf der richtigen Fährte zu sein. Jeder sollte lernen, besser zu verstehen, wie sein Körper funktioniert. Wenn du versuchst, ihm mehr aufzuzwingen, als er aushalten kann, muss er früher oder später krank werden.

Es gibt eine gewisse Grenze, wie weit du deinen Körper antreiben kannst; es geht nicht unbegrenzt. Vielleicht arbeitest du zu hart. Für andere mag es gar nicht so hart aussehen, aber das ist nicht der Punkt. Dein Körper hält vielleicht nicht so viel aus; er braucht möglicherweise mehr Ruhepausen. Und das Endergebnis wird das gleiche sein. Anstatt zwei bis drei Wochen sehr hart zu arbeiten und dann anschließend zwei bis drei Wochen völlig flach zu liegen, könntest du auch sechs Wochen durcharbeiten und die Arbeit auf die Hälfte reduzieren. Das ist doch eine einfache Arithmetik, oder?

Wenn du dich zu sehr antreibst, ist das sehr gefährlich, denn es kann viele subtile Abläufe in deinem Körper stören. Wenn du dich ständig überarbeitest, wirst du erschöpft und deprimiert sein und musst dich ins Bett legen – und dann fühlst du dich auch noch schlecht deswegen! Reduziere stattdessen dein Tempo, beweg dich langsamer – mach überhaupt alles langsamer. Ändere zum Beispiel deine Art zu gehen. Geh langsamer, atme langsamer, sprich langsamer, iss langsamer. Wenn du normalerweise zwanzig Minuten zum Essen brauchst, nimm dir vierzig Minuten dafür Zeit. Lass dir mehr Zeit im Bad. Wenn du normalerweise zehn Minuten brauchst, nimm dir zwanzig Minuten. Insgesamt sollten alle Aktivitaten mit der halben Geschwindigkeit ablaufen.

Und es geht dabei nicht nur um deine beruflichen Aktivitäten. Dein ganzer Tagesablauf sollte sich verlangsamen. Du solltest vierundzwanzig Stunden lang dein Tempo auf ein Minimum, auf die Hälfte zurückschrauben. Dein gesamtes Lebensmuster, dein ganzer Lebensstil sollte sich ändern. Sprich langsamer, ja, lies sogar langsamer, denn der Verstand neigt dazu, alles auf die gleiche Art und Weise zu tun.

Jemand, der bei der Arbeit ein Workaholik ist, wird auch schnell lesen, schnell sprechen, schnell essen – er ist zwanghaft geworden. Was auch immer er tut, tut er schnell, selbst wenn es gar nicht nötig ist. Sogar bei seinem Morgenspaziergang wird er es eilig haben, obwohl er nirgendwo hin muss. Man geht einfach spazieren, und es ist egal, ob man dabei zwei oder drei Kilometer zurücklegt. Aber ein Mensch, der im Hamsterrad lebt, ist immer in Eile. Es ist nur eine Gewohnheit, ein mechanisches, roboterhaftes Verhalten, das zur zweiten Natur geworden ist. Du kannst damit aufhören.

Reduziere von heute an dein Tempo bei allem, was du tust, auf die Hälfte. T'ai Chi wird dir gut tun, es wird dir sehr viel Spaß machen. Ob im Stehen oder im Gehen – sei langsam. Das wird dir viel mehr Bewusstheit bringen, denn wenn man etwas ganz langsam macht – zum Beispiel die Hand ganz langsam bewegt – wird es einem viel tiefer bewusst. Bewegt man die Hand schnell, ist es mechanisch.

Wenn du langsamer werden willst, musst du bewusst alles verlangsamen – anders ist es nicht möglich. Du hast zuviel gemacht, dein Körper konnte damit nicht Schritt halten, darum ist er zusammengeklappt.

Man muss ein paar grundlegende Voraussetzungen verstehen:

So etwas wie „die menschliche Natur“ gibt es nicht. Es existieren so viele „menschliche Naturen“, wie Menschen auf der Erde leben; darum kann es keinen Maßstab geben.

Der eine ist ein schneller Läufer, der andere ein langsamer Geher. Man kann sie nicht miteinander vergleichen, weil jeder er selbst ist, völlig einzigartig und individuell. Darum mach dir deswegen keine Gedanken. Dein Problem kommt nur daher, dass du vergleichst. Wenn du siehst, dass jemand anders so viel tut und sich nie ausruht, und du machst nur ein bisschen und musst schon eine Pause einlegen, dann fühlst du dich schlecht und denkst, deine Leistung wäre nicht so gut, wie sie sein sollte.

Aber wer ist der andere, und wie kannst du dich mit ihm vergleichen? Du bist du, und er ist er. Wenn er gezwungen wäre, ganz langsam vorzugehen, würde er vielleicht krank. Dann wäre das gegen seine Natur. So wie du es gemacht hast, geht es gegen deine Natur. Darum hör auf deine Natur. Hör immer auf deinen Körper. Er flüstert höchstens, er schreit nicht, denn er kann nicht schreien. Er gibt dir seine Botschaften nur durch Flüstern. Wenn du aufmerksam bist, wirst du sie verstehen können. Und der Körper hat seine eigene Weisheit, die viel tiefer ist als die des Verstandes. Der Verstand ist noch unreif. Der Körper existierte schon viele Jahrtausende vor dem Verstand. Der Verstand ist eine spätere Errungenschaft; er weiß noch nicht so viel. Alle wesentlichen Dinge hat der Körper selbst in der Hand. Nur die unwesentlichen Dinge – wie zum Beispiel das Denken – hat er dem Verstand überlassen: über die Philosophie nachzudenken, über Gott, die Hölle und die Politik.

Darum höre auf den Körper und vergleiche nicht. Es gab noch nie einen Menschen wie dich, und es wird auch nie wieder einen solchen Menschen geben. Du bist absolut einzigartig – in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Du kannst dir also von niemandem etwas abschauen, und du kannst auch niemanden imitieren. Also vergiss das einfach. Verlangsame dein Tempo zwei Wochen lang, und fang in diesem Moment damit an.

Osho, A Rose is a Rose is a Rose