Quantcast

OSHO Times Body Dharma Mach einfach den Mund zu!

Mach einfach den Mund zu!

Der Mund spielt wirklich eine große Rolle, denn das ist der Ort, wo sich dein erstes Tun abspielte; es waren deine Lippen, die sich zuallererst beschäftigten. Vom Mund aus begann alle Beschäftigung: mit ihm hast du eingeatmet, geschrieen, nach der Brust deiner Mutter gesucht. Und dein Mund ist seitdem in hektischer Bewegung geblieben.

Jedesmal, wenn du dich zum Meditieren hinsetzt, wenn du still sein willst, musst du als erstes den Mund fest verschließen. Wenn du den Mund vollkommen geschlossen hältst, berührt deine Zunge das Dach des Mundes: beide Lippen sind vollkommen geschlossen, und die Zunge berührt den Gaumen. Schließe den Mund also völlig – aber das kann erst geschehen, wenn du all das befolgt hast, was ich gesagt habe, nicht eher.

Nichts leichter als das! Den Mund zu schließen ist keine übergroße Anstrengung. Du kannst dich hinsetzen wie eine Statue mit völlig geschlossenem Mund – aber das bringt nicht deine Geschäftigkeit zum Stillstand. Tief im Inneren gehen die Gedanken weiter, das kannst du daran merken, dass du unmerkliche Schwingungen in den Lippen spürst. Andere mögen sie nicht wahrnehmen, diese Schwingungen sind zu subtil. Aber während du denkst, zittern deine Lippen leicht – ein kaum wahrnehmbares Zittern.

Bei wirklicher Entspanntheit hört auch dieses Zittern auf. Du redest nicht im Inneren weiter und beschäftigst dich mit nichts mehr. Und dann höre zu denken auf. Aber wie machst du das? Gedanken kommen und gehen. Lass sie kommen und gehen, das ist nicht das Problem. Du darfst dich nicht einfangen lassen; du bleibst auf Abstand, unberührt. Du siehst ihnen bloß zu, wie sie kommen und gehen, aber sie gehen dich nichts an. Schließe den Mund und du wirst ungestört bleiben. Nach und nach hören die Gedanken von alleine auf – sie brauchen deine Mithilfe, um dazusein. Wenn du sie unterstützt, dann kommen sie; wenn du mit ihnen kämpfst, dann kommen sie auch – beides sind Formen der Mithilfe: die eine positiv, die andere negativ. Beides sind Formen von Beschäftigung. Also beobachte nur.

Aber es ist sehr hilfreich, dabei den Mund fest zu schließen. Als erstes also – und das habe ich durch Beobachtung vieler Leute entdeckt – ist es gut, wenn du gähnst: mach den Mund so weit auf, wie es geht, spanne ihn so weit auseinander wie nur möglich, gähne so herzhaft, dass es sogar wehtut, und wiederhole das zwei- bis dreimal. Das macht es dem Mund leichter möglich, für längere Zeit geschlossen zu bleiben. Und als nächstes: rede zwei bis drei Minuten lang lauter Unsinn, nichts als Kauderwelsch. Was immer dir durch den Kopf geht, spricht es laut aus, und amüsiere dich darüber. Dann schließe den Mund.

Es ist immer leichter, vom entgegengesetzten Pol her anzufangen. Wenn du deine Hand entspannen willst, machst du sie am besten erst so fest wie möglich zur Faust; balle sie und spanne sie so sehr wie möglich an, fange also mit dem Gegenteil an – und dann lasse locker. Das führt zu einer tieferen Entspannung des Nervensystems. Schneide Grimassen, verzerre dein Gesicht, als wäre es aus Gummi, gähne und rede ein paar Minuaten lang nichts als Unsinn – und dann: Mund zu. Nach dieser Anspannung lassen sich Lippen und Mund tiefer entspannen. Verschließe den Mund und mach dich ganz zum Beobachter. Bald wird Stille über dich kommen.

Sei passiv: so, wie du am Ufer eines Flusses sitzt, der dahinströmt – du siehst ihm einfach zu, ohne Eifer, ohne Drang, ohne Eile. Niemand zwingt dich. Selbst wenn du woanders hinschaust, ist nichts verloren. Du schaust nur zu, du beobachtest nur. Eigentlich passt das Wort 'Beobachten' hier gar nicht. Denn 'Beobachtung' erinnert an Tätigkeit. Du blickst einfach nur ohne die kleinste Absicht. Du sitzt einfach am Ufer des Flusses: du blickst hinaus und der Fluss fließt vorbei. Oder du blickst zum Himmel hinauf, wo die Wolken treiben; du schaust untätig hin. Es ist unsagbar wichtig, diese Passivität genau zu verstehen: denn ihr seid so rastlos und geschäftig, dass selbst, wenn ihr einmal passiv seid, euer Eifer gleich wieder eine aktive Erwartung daraus macht. Und dann ist alles umsonst. Dann hat sich die Geschäftigkeit wieder durch die Hintertür eingeschlichen. Bleibe ein passiver Zuschauer.

Bei solcher Passivität entleert sich dein Geist automatisch. Die kleinen Wellen und Ausläufer deiner Aktivität, die Wellen, die deine Gedanken schlagen, legen sich nach und nach, bis die ganze Oberfläche deines Bewusstseins spiegelglatt ist. Du wirst zum stillen See.

Osho, Tantra: The Supreme Understanding, Talk #4

 

Nächste Woche: Teil 3, Sei wie ein hohler Bambus