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OSHO Times Body Dharma DIE KRANKHEIT DES TUNS

DIE KRANKHEIT DES TUNS

Mahamudra ist wie ein Geist, der sich an nichts mehr klammert.
Wenn du dich darin übst, erreichst du bald die Buddhaschaft.

Entspannung ist erst möglich, wenn man verstanden hat, was es heißt, beschäftigt zu sein – und zwar bis in die geheimsten Winkel. Selbst wenn du dich entspannen möchtest, kannst du es nicht, solange du nicht beobachtet, geprüft und begriffen hast, was passiert, wenn du beschäftigt bist. Denn Beschäftigtsein ist kein einfaches Phänomen.

Viele Menschen möchten sich gerne entspannen, können es aber nicht. Entspannung ist wie das Aufblühen einer Blume, es lässt sich nicht erzwingen. Du musst das ganze Phänomen vertehen – warum du so geschäftig bist, warum du dich so sehr mit Beschäftigungen eindeckst, warum du so besessen davon bist.

Merkt euch zwei Wörter: das eine ist 'Handeln', das andere ist 'Beschäftigung'. Handeln ist nicht Beschäftigung, und Beschäftigung ist nicht Handeln. Das sind zwei diametral entgegengesetzte Dimensionen. Handeln entspricht der Situation: du handelst, du gehst auf die gegebenen Umstände ein. Beschäftigung nimmt keine Rücksicht auf das, was die gegebene Situation erfordert. Du bist innerlich so unruhig, dass du die Situation nur zum Vorwand nimmst, um dich zu beschäftigen.

Handeln kannst du aus einer ruhigen Geistesverfassung. Es gibt auf der Welt nichts Schöneres. Beschäftigung kommt aus einer ruhelosen Verfassung. Es gibt nichts Hässlicheres. Handeln nenne ich dein Tun, wenn es relevant ist. Beschäftigung ist irrelevant. Handeln kommt aus dem Moment – spontan. Beschäftigung ist eine Bürde der Vergangenheit. Sie ist keine Erwiderung auf den gegenwärtigen Augenblick, sondern ein Trick, alle angestaute Unruhe der Vergangenheit im gegenwärtigen Augenblick loszulassen. Handeln ist kreativ. Beschäftigung ist ausgesprochen destruktiv – sie zerstört dich und sie zerstört andere.

Jetzt wirst du verstehen, was Entspannung heißt. Sie bedeutet, dass du keinen Drang nach Beschäftigung verspürst. Entspannung heißt nicht, wie ein toter Mann dazuliegen. Das kannst du auch gar nicht – du kannst dich höchstens totstellen. Denn wie kannst du wie ein Toter daliegen? Du lebst, du kannst es nur vortäuschen. Entspannung tritt ein, wenn aller Drang nach Geschäftigkeit schwindet. Die Energie ist zu Hause, sie läuft nicht in alle Richtungen davon. Sollte die Situation es erfordern, dann kannst du handeln, aber du suchst nicht nach einem Vorwand. Du bist mit dir selbst im Reinen. Entspannung heißt, bei sich zu sein.

Entspannung betrifft nicht nur den Körper, sie betrifft nicht nur den Geist, sie ist eine Sache des ganzen Organismus.

Du bist mechanisch beschäftigt – natürlich übermüdet, zerstreut, vertrocknet, erfroren. Deine Lebensenergie bewegt sich nicht. Nichts als Blocks und Blocks und wieder Blocks. Und was du auch tust, das tust du wie ein Wahnsinniger. Dabei entsteht natürlich die Sehnsucht nach Entspannung. Kein Wunder, dass Monat für Monat zahllose Bücher auf den Markt kommen, die einem beibringen wollen, wie man sich entspannt. Aber ich habe noch nie gesehen, dass jemand durch die Lektüre eines solchen Buches Entspannung gefunden hätte. Im Gegenteil, man wird noch hektischer dadurch, weil die bisher gewohnte Aktivität einfach ausgekuppelt wird. Die alte Besessenheit nach Geschäftigkeit ist nach wie vor da, die Krankheit ist da, aber indem man sich einfach hinlegt, gibt man vor, entspannt zu sein. Im Inneren herrscht heller Aufruhr, wartet ein Vulkan auf den Ausbruch, aber man entspannt sich entsprechend der Anleitung des Buches 'Wie entspanne ich mich?'

Es gibt kein Buch, das dir helfen kann, dich zu entspannen. Es sei denn, du lernst in deinem inneren Wesen zu lesen wie in einem Buch, aber dann ist Entspannung kein Muss.

Entspannung ist eine Abwesenheit – die Abwesenheit von Geschäftigkeit, nicht von Handeln.

Tu nicht das Geringste! Keine Yoga-Stellung ist nötig, keine Verrenkungen und Verschränkungen des Körpers sind notwendig. 'Tu nichts!' – Nichts ist erforderlich als die Abwesenheit allen Tuns. Und wie erreicht man das? Das erreicht man durch Verständnis. Verstehen ist die einzige Disziplin. Werde dir darüber klar, was deine Beschäftigungen sind, und im Augenblick, wo dir bewusst wird, was du tust, hören sie mittendrin plötzlich auf. Sobald du verstehst, warum du etwas tust, hört es auf. Und dieses Aufhören ist es, was Tilopa meint.

Entspannung bedeutet: dieser Augenblick ist mehr als genug, mehr als man gehofft hat, mehr, als man verdient hat. Nichts bleibt zu wünschen übrig, du hast mehr als genug, mehr als du dir hast träumen lassen. In diesem Zustand strebt deine Energie nirgendwohin. Sie wird zu einem reglosen See. In deiner eigenen Energie löst du dich auf. Dieser Augenblick ist Entspannung.

Entspannung ist weder Sache des Körpers noch des Geistes, Entspannung ist etwas Ganzheitliches.

Osho, Tantra: The Supreme Understanding

 


Nächste Woche: Teil 2: Mach einfach den Mund zu!