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OSHO Times Emotional Ecology Die Leere meiden

Die Leere meiden

Je mehr du besitzt, umso weniger kannst du lieben. Und Liebe ist das Tor. Oder: je weniger du lieben kannst, desto mehr bist du auf den Besitz von Dingen aus. Dinge sind Ersatz.

Lasst uns das zu verstehen suchen. Ein Kind wird geboren. Wenn die Mutter es liebt – die Psychologen haben das herausgefunden, sie haben diesen Punkt sehr genau erforscht – wenn die Mutter das Kind liebt, trinkt es nie zuviel Milch. Nie, denn es weiß – es ist ein stilles Einverständnis – dass die Mutter immer für es da ist und immer bereit, mit ihm zu teilen. Wozu also Angst haben? Wenn die Mutter das Kind liebt, trinkt das Kind nur soviel Milch wie nötig. Wenn das Kind geliebt wird, sieht man es nie einen dicken Bauch bekommen.

Das Kind ist gut proportioniert. Sicher, denn die Mutter ist ständig besorgt, dass das Kind genug trinkt und genug Nahrung aufnimmt. Aber auch das Kind hat begriffen, dass die Mutter da ist, sobald es sie braucht. Es kann sich auf ihre Liebe verlassen.

Aber wenn die Mutter das Kind nicht liebt, dann hat es Angst vor der Zukunft. Es ist keine Liebe da, es gibt da kein stilles Einverständnis. Folglich isst es, trinkt es so viel Milch wie es kann, wann immer sich eine Gelegenheit bietet. Schon jetzt wird es ein Knauser, es hat bereits begonnen, Dinge zu horten – im Körper. Es hat Angst. Wer weiß, was morgen ist? Auf diese Mutter ist kein Verlass. Es muss sich für Notzeiten eindecken. Und so sammelt es Fett an, isst es mehr als nötig.

Menschen, die in ihrer Kindheit nicht geliebt worden sind, essen auch später mehr. Da hilft kein Fasten; die einzige Hilfe wäre das Erscheinen der Liebe. Sie essen nur. Essen ist ihr Ersatz für die Liebe. Sobald jemand da ist, der sie liebt, merken sie augenblicklich, dass sie aufgehört haben, sich zu überessen.

Liebe und Nahrung – beides kommt aus der Mutterbrust. Die erste Erfahrung von Liebe kommt aus der Mutterbrust, und auch die erste Erfahrung von Nahrung kommt aus der Mutterbrust. So wird Liebe mit Nahrung assoziiert. Wenn weniger Liebe da ist, muss das durch ein Mehr an Nahrung wettgemacht werden.

Wenn genug Liebe da ist, kannst du es dir leisten, nicht viel zu essen. Es ist nicht so nötig. Habt ihr das schon gemerkt? Jedesmal, wenn ihr euch verliebt, verschwindet der Hunger. Man hat einfach keinen Hunger. Liebe erfüllt dich so sehr, dass du dich voll fühlst. Du isst weniger.

Einmal kam eine Frau, sie wollte mich sprechen. Sie war ganz ratlos. Ihr Mann war gestorben, und sie erzählte mir: 'Da ist etwas, das ich bisher für mich behalten habe, ich habe es keinem gesagt, denn niemand würde mich verstehen. Aber vielleicht verstehst du es, dir will ich es wohl sagen. Und ich werde mich danach leichter fühlen, egal, ob du verstehst oder nicht. Aber sag es bitte keinem weiter!'

Ich sagte: 'Was ist denn?' Sie sagte: 'Als mein Mann gestorben war, spürte ich in derselben Nacht einen großen Hunger. Die Leiche lag im Haus. Was sollten die Leute denken, wenn ich jetzt essen ging? Die ganze Familie war wach, die Verwandten waren alle gekommen und viele Freunde waren da. Und ich hatte Hunger wie noch nie im Leben!'

Sie musste sich also wie ein Dieb in ihre eigene Küche schleichen. Im Dunkeln aß sie. Und seitdem fühlt sie sich schuldig. 'Mein Mann war eben gestorben – wie konnte ich in einem solchen Augenblick hungrig sein? Seine Leiche lag da, und ich aß im Dunkeln in meiner Küche, wie ein Dieb.' Sie fragte: 'Wie war das möglich?'

Ich sagte: 'Es ist eine ganz einfache Sache: der Mensch, den du geliebt hast, starb. Im gleichen Augenblick fühlst du dich leer. Jetzt musste diese Leere mit irgendetwas gefüllt werden.'

Inzwischen habe ich mit vielen Menschen gesprochen, und ich bin zu dem Schluss gelangt, dass ihr mehr esst, wenn ihr traurig seid. Jedesmal, wenn ihr tiefen Kummer habt, seid ihr hungriger als sonst. Wenn ihr glücklich seid, durch nichts bedrückt, fröhlich, liebevoll, und ihr werdet mit Liebe überschüttet – wer denkt da ans Essen? Da ist ein kleiner Happen schon Nahrung genug. Die Liebe hat so viel zu geben!

Menschen, die nicht lieben können, werden immer zu Geizhälsen, Habsüchtigen, Hortern von Sachen.

Osho, Come Follow to You, Vol. 2, Talk #12