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OSHO Times Emotional Ecology Sich mit seinen Gefühlen anfreunden

Sich mit seinen Gefühlen anfreunden

Ich habe eine Angst in mir, die mich verschließt und hart und traurig und verzweifelt und wütend und hoffnungslos macht. Sie scheint so subtil zu sein, dass ich nicht einmal wirklich mit ihr in Kontakt komme. Wie kann ich sie klar erkennen?

Das einzige Problem mit Traurigkeit, mit Verzweiflung, Wut und Angst, Hoffnungslosigkeit, Schmerz und Kummer ist, dass du sie loswerden willst. Das ist das einzige Hindernis.

Du musst mit ihnen leben; du kannst nicht einfach vor ihnen fliehen. Sie bieten dir genau die Situationen, in denen du dein Leben integrieren und wachsen kannst. Sie sind die Herausforderungen des Lebens. Akzeptiere sie. Im Nachhinein erweisen sie sich als Segen. Wenn du sie vermeiden willst, wenn du sie irgendwie loswerden willst, dann entsteht ein Problem. Denn wenn du etwas loswerden willst, schaust du nie direkt hin, und dann verstecken sich die Dinge vor dir, weil du sie verurteilst. Dann verziehen sie sich tiefer ins Unbewusste und verstecken sich in der dunkelsten Ecke deines Wesens, wo du sie nicht finden kannst. Und je tiefer sie gehen, desto mehr Schwierigkeiten bereiten sie dir. Wenn sie von den unbekannten Winkeln deines Wesens aus wirken, bist du ihnen hilflos ausgeliefert.

Das erste ist also: Unterdrücke nie etwas. Was ist, ist. Akzeptiere, was immer kommt – lass es an die Oberfläche kommen. Eigentlich reicht es nicht aus zu sagen: "Verdränge nichts." Wenn du es zulassen kannst, würde ich lieber sagen: "Freunde dich damit an."

Bist du traurig? Freunde dich damit an. Hab Mitgefühl mit deiner Traurigkeit – auch sie hat ein Recht zu sein.

Lass sie zu, umarme sie, sitze mit ihr zusammen und halte ihre Hand. Sei freundlich, sei verliebt in deine Traurigkeit. Sie ist schön. Es ist nichts Schlimmes daran. Wer hat dir gesagt, dass es nicht in Ordnung ist, traurig zu sein? Im Gegenteil: Wer traurig ist, hat Tiefe. Lachen ist flach; Glück bleibt an der Oberfläche. Traurigkeit geht durch Mark und Bein.

Nichts geht so tief wie Traurigkeit.

Mach dir also keine Sorgen. Bleibe bei deiner Traurigkeit, und sie wird dich tief nach innen führen. Du kannst dich davon treiben lassen, und du wirst dadurch etwas Neues in deinem Wesen kennen lernen, das du vorher noch nicht kanntest. Manche Dinge können sich nur offenbaren, wenn man traurig ist; sie kommen nie zum Vorschein, wenn man glücklich ist. Dunkelheit ist auch gut, Dunkelheit ist auch göttlich.

Ein Mensch, der geduldig traurig sein kann, wird eines morgens feststellen, wie aus einer unbekannten Quelle Freude in seinem Herzen aufsteigt. Diese unbekannte Quelle ist die Existenz. Du hast es dir verdient, indem du wahrhaft traurig gewesen bist. Wenn du wahrhaft hoffnungslos, verzweifelt, unglücklich gewesen bist, wenn du in der Hölle gelebt hast, dann hast du dir den Himmel verdient. Du hast dafür bezahlt.

Stelle dich dem Leben. Begegne dem Leben.

Es wird schwierige Augenblicke geben, aber eines Tages wirst du sehen, dass sie dich stärker gemacht haben, weil du ihnen entgegen getreten bist. Sie mussten kommen. Diese schwierigen Augenblicke sind hart, solange du durch sie hindurch gehst, aber später wirst du merken, dass sie dir eine Integrität gegeben haben. Ohne sie wärst du nie so in deinem Zentrum verwurzelt.

Unterdrücke also nie etwas, sondern bringe es zum Ausdruck.

Selbst wenn du deswegen leiden musst – dann leide. Du wirst kein Verlierer sein. Dieses Leiden wird dich mehr und mehr dazu befähigen, das Leben zu genießen, dich am Leben zu erfreuen.

Osho, The Art of Dying