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OSHO Times Emotional Ecology Zwischen Ausleben und Unterdrückung

Zwischen Ausleben und Unterdrückung

Werde aufmerksamer, und die Wut wird weniger, und die Gier wird weniger, und die Eifersucht wird weniger.

Was ich dir hier sage, ist nicht: 'Werde nicht wütend!', denn das hat man euch schon seit Jahrhunderten gepredigt. Eure sogenannten Heiligen haben euch gepredigt: 'Werde nicht wütend!', also hast du dir eine Taktik zugelegt, wie du die Wut unterdrücken kannst. Aber je mehr du die Wut unterdrückst, desto größer wird das Unbewusste, das du damit in dir kreierst. Du wirfst immer neue Dinge in den Keller, und dann bekommst du Angst, den Keller zu betreten, weil es da all diese Dinge gibt – Wut und Gier und Sex! Du weißt es! Du hast sie selbst hineingeworfen. Aller mögliche Müll liegt dort herum, und ein gefährlicher – Giftmüll! Du wirst da nicht bereitwillig reingehen!

Das ist der Grund, warum die Leute nicht nach innen gehen wollen – weil 'nach innen gehen' bedeutet, all diesen Dingen zu begegnen. Und niemand will diesen Dingen begegnen; man möchte ihnen aus dem Weg gehen. Seit Jahrtausenden hat man euch zur Unterdrückung angehalten, und wegen der Unterdückung seid ihr immer unbewusster geworden. Wie kann ich also zu euch sagen, dass ihr etwas unterdrücken sollt! Ich möchte euch gern das genaue Gegenteil sagen: 'Unterdrückt nichts – schaut hin, seid wach!' Wenn Wut aufsteigt, setzt euch in euer Zimmer, verschließt eure Türen und schaut hin.

Ihr kennt nur zwei Möglichkeiten: entweder ihr werdet wütend, gewaltsam, destruktiv, oder ihr unterdrückt es. Ihr kennt die dritte Möglichkeit nicht, und die dritte Möglichkeit ist der Weg des Buddha: Weder sich hinreißen zu lassen noch zu unterdrücken zu beobachten.

Sich-hinreißenlassen führt zu Gewohnheit. Wenn du heute wütend wirst und morgen wieder und dann übermorgen wieder, dann erzeugst du damit eine Gewohnheit; du richtest dich dazu ab, immer wütender zu werden. Dich hinreißen zu lassen kann also kein Ausweg für dich sein. Das ist der Punkt, wo sich die moderne Wachstumsbewegung festgefahren hat: Encountergruppen, Primärtherapie, Gestalt, Bioenergetik und was es da nicht alles für schöne Sachen auf der Welt gibt, aber sie alle stecken an einem bestimmten Punkt fest. Ihr Problem ist: Sie bringen euch bei, alles auszudrücken  – und das ist gut, weit besser als es zu verdrängen.

Gäbe es nur diese eine Alternative Unterdrücken oder Ausdrücken  – dann würde ich gern raten: Ausdrücken! Aber das ist nicht die wirkliche Alternative; es gibt eine dritte Wahl, und die ist weit wichtiger als diese beiden.

Wenn ihr euch ausdrückt, wird es euch zur Gewohnheit. Man lernt, indem man immerzu wiederholt, und dann kommt man nicht wieder raus.

In dieser Kommune laufen mndestens fünfzig Therapiegruppen, und zwar aus einem bestimmten Grund. Es dient einzig und allein dem Zweck, ein Gegengewicht zu den Jahrtausenden an Unterdrückung zu schaffen; es dient nur dem Gleichgewicht. Es dient nur dazu, Licht in alles hineinzubringen, was ihr als Christen, Hindus, Mohammedaner, Jainas, Buddhisten verdrängt habt. Es dient nur dazu, den jahrhundertealten Schaden wiedergutzumachen, den man euch zugefügt hat.

Aber denkt daran, diese Gruppen sind nicht Selbstzweck; sie bereiten euch lediglich auf die Meditation vor, sie sind nicht das Ziel; sie sind nur einfache Mittel, um alles ungeschehen zu machen, was man euch in der Vergangenheit Übles angetan hat.

Wenn ihr einmal alles aus eurem System hinausgeworfen habt, was ihr die ganze Zeit unterdrückt habt, muss ich euch aufwecken. Danach wird es einfacher sein, nur zu beobachten.

Ausleben führt zu Gewohnheit, Unterdrücken staut das Gift im Inneren an. Beim Ausleben wirfst du das Gift auf andere ab, aber sie werden es nicht still hinnehmen – sie werden es zurückwerfen. Es wird ein Match daraus: Du wirfst deine Wut auf die anderen, sie werfen ihre Wut auf dich  –– aber niemandem ist damit geholfen, jeder wird beschädigt und verletzt.

Wenn du unterdrückst ... Eben weil das Ausleben so unsinnig war, haben die Priester das Unterdrücken erfunden, weil es euch vor der Gefahr schützt. Unterdrücken sorgt dafür, dass du ein guter Bürger, ein Gentleman bleibst. Es bewahrt dich vor der Gefahr, dem Gesetz ins Netz zu gehen, dich im Widerstand zu verstricken; es bewahrt dich vor Reibung. Unterdrücken hilft dir, ein besseres Glied der Gesellschaft zu werden, das ist richtig. Aber es hinterlässt eine Wunde in dir, – einfach nur eine Wunde, und immer mehr Eiter sammelt sich in dir an. Nach außen hin ist seine Funktion, das Getriebe zu schmieren, aber innerlich wirst du immer wahnsinniger ...

Meditiere – – Meditation heißt Beobachten  –– und du wirst Freiheit und Seligkeit erreichen.

Osho, Dhammapada: The Way of the Buddha