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OSHO Times Emotional Ecology Zum Fliegen braucht man zwei Flügel

Zum Fliegen braucht man zwei Flügel

Intellektuelle wie ich benutzen ihren Verstand zu sehr, so sehr, dass wir die Welt nur noch durch unseren Intellekt betrachten können. Alle anderen Möglichkeiten klammern wir dadurch aus. Mein Leben ist langweilig und schal geworden, es hat keinen Glanz.

Das wirkliche Problem ist nicht, dass wir unseren Intellekt zu sehr benutzen, es ist vielmehr, dass unsere Gefühle zu wenig leben. In unserer Zivilisation werden Gefühle völlig missachtet, das Gleichgewicht ist verloren gegangen, der Mensch ist in Schieflage geraten. Wenn auch die Gefühle leben können und ihren Platz haben, gibt es keine Schieflage mehr.

Gefühle und Intellekt müssen in einem angemessenen Gleichgewicht sein, damit die Persönlichkeit des Menschen nicht krank wird. Es ist so, als wolltest du nur mit einem Bein gehen. Das kannst du ruhig machen, aber du kommst schlecht vom Fleck und du wirst sehr müde dabei. Du musst beide Beine benutzen. Gefühl und Intellekt sind zwei Flügel, wenn du versucht, nur mit einem Flügel zu fliegen, bist du frustriert. Du erfährst nie, wie beglückend es ist, mit beiden Flügeln im Gleichgewicht und in Harmonie zu schwingen.

Hab keine Angst, deinen Intellekt zu sehr zu benutzen. Nur durch den intelligenten Gebrauch deines Verstandes kannst du in Tiefen vordringen, die dein ganzes Potenzial entfalten. Bei intellektueller Arbeit wird deine Intelligenz nicht gebraucht. Intellektuelle Arbeit allein ist oberflächlich, sie berührt keine Tiefen und fordert dich nicht heraus. Du bist gelangweilt, deine Arbeit macht dir keine Freude. Freude erlebst du, wenn deine Individualität herausgefordert ist, wenn du dich beweisen und auf eine Herausforderung antworten musst. Wenn deine Intelligenz und dein Gefühl herausgefordert sind, bist du glücklich.

Ein Mensch ist schizophren, wenn nur ein Teil seiner Persönlichkeit lebendig ist und der andere ist tot. Dann kann selbst der lebendige Teil nicht mehr gut funktionieren, weil er überlastet ist. Die Persönlichkeit ist ein Ganzes, sie ist nicht gespalten. Genau genommen ist die ganze Persönlichkeit fließende Energie. Wenn diese Energie logisch benutzt wird, wird sie zu Intelligenz, wenn sie nicht logisch, sondern emotional benutzt wird, wird sie zu Herzenergie. Das sind zwei verschieden Ebenen; es ist dieselbe Energie, aber sie fließt durch verschiedene Kanäle.

Wenn du nur im Kopf bist und nie in deinem Herzen, dann kannst du nicht entspannen. Du kannst dann entspannen, wenn deine Energie durch einen anderen Kanal fließt. Entspannung bedeutet nicht, dass du nicht arbeitest, es bedeutet vielmehr, dass jetzt die gleiche Energie auf einer anderen Ebene arbeitet. Die Ebene, die vorher überladen war, kann sich dann entspannen.

Ein Mensch, der nur seinem Verstand gehorcht, kann nicht entspannen. Seine Energie fließt nicht in eine zweite Ebene, daher läuft sein Kopf unnötigerweise immer nur in eine Richtung. So entsteht Langeweile. Gedanken und immer mehr Gedanken kommen und gehen, die Energie ist verwaschen, vertan. Du erlebst keine Freude, im Gegenteil, du bist enttäuscht und angeekelt von dieser unnötigen Last. Aber man kann es dem Verstand, dem Intellekt nicht ankreiden, er hat keine andere Möglichkeit, denn es steht keine andere Tür offen, die Energie kreist und kreist in deinem Inneren.

Energie kann nicht stillstehen. „Energie“ bedeutet: Das, was nicht stillsteht, das, was ständig fließt. Wenn du entspannt bist, heißt das nicht, dass deine Energie stillsteht oder schläft, wissenschaftlich betrachtet fließt sie jetzt durch einen anderen Kanal, in einer anderen Ebene –– sie hat einen neuen Raum gefunden.

Auch wenn es ein neuer Raum ist, solange er dem, in dem du dich bisher aufgehalten hast, nicht völlig entgegengesetzt ist, kann dein Verstand nicht entspannen. Wenn du zum Beispiel an wissenschaftlichen Problemen arbeitest, kannst du mit einem Roman entspannen. Es ist etwas anderes: an wissenschaftlichen Problemen arbeitest du aktiv, es ist ein maskuliner Modus – – einen Roman zu lesen ist dagegen passiv, ein femininer Modus. Obwohl du denselben Verstand benutzt, bist du entspannt, weil du seinen anderen Pol benutzt. Du löst keine Probleme, du bist nicht aktiv, du wirst zum Empfänger, du empfängst etwas. Du bleibst zwar in derselben Ebene, aber jetzt ist dein Gefühl angesprochen, der entgegengesetzte Pol wird aktiv.

Wenn wir lieben, ist der Verstand gar nicht im Spiel. Es geschieht genau das Gegenteil: Der irrationale Teil deiner Persönlichkeit ist aktiviert. Intelligenz muss durch Liebe ausbalanciert werden, und Liebe muss durch Intelligenz ausbalanciert werden. Normalerweise findet man diese Balance nirgendwo.

Wenn jemand liebt und weist alle intellektuellen Beschäftigungen zurück, ist er auch bald gelangweilt. Selbst Liebe kann dich verspannen, wenn du rund um die Uhr nichts anderes willst. Wenn ihr Kick vorbei ist, ist die Freude auch vorbei, sie verliert das Spielerische, sie wird mühsam. Dasselbe geschieht mit einem Intellektuellen, der seine emotionale Seite unterdrückt.

Beide Seiten, beide Pole müssen im Gleichgewicht sein, nur so wird ein integriertes und individuelles menschliches Wesen geboren.

Osho, The Great Challenge