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OSHO Times Emotional Ecology Widerstand gegen Meditation / Unglück loslassen

Widerstand gegen Meditation / Unglück loslassen

Widerstand gegen Meditation / Unglück loslassen

Du bietest Meditation als Heilmittel gegen mein Unglück an, aber ich spüre nur Widerstand dagegen. Der Gedanke, ruhig und still zu sein, ist für mich nicht aufregend, tatsächlich macht er mir Angst. Könntest du meinen Widerstand gegen Meditation erklären?

Der Gedanke an Ruhe und Stille ist für niemanden aufregend. Das ist nicht nur dein persönliches Problem. Es ist das Problem des menschlichen Verstandes an sich, denn ruhig und still zu sein bedeutet, in einem Zustand von Nicht-Verstand zu sein.

Der Verstand kann nicht still sein, er braucht ständiges Denken und ständige Sorgen. Der Verstand funktioniert wie ein Fahrrad: Wenn du in die Pedale trittst, fährt es. Wenn du damit aufhörst, fällst du um. Der Verstand ist ein Fahrzeug mit zwei Rädern, so wie ein Fahrrad, und dein Denken ist das ständige In-die-Pedale-treten. Sogar wenn du manchmal nur ein bisschen still bist, fängst du an, dir Sorgen zu machen. „Warum bin ich still?“ Ein kleines bisschen reicht schon, damit du dir Sorgen und Gedanken machen kannst, denn der Verstand kann nur auf eine Weise existieren – indem er läuft, immer hinter irgend etwas her oder vor etwas davon, aber immer läuft er. Der Verstand existiert, indem er läuft. In dem Moment, in dem du ihn stoppst, verschwindet er.

Du bist noch mit deinem Verstand identifiziert, du denkst, dass du dein Verstand bist. Daher kommt die Angst. Wenn du mit deinem Verstand identifiziert bist, ist es natürlich vorbei mit dir, sobald er stoppt, dann gibt es dich nicht mehr. Und du weißt nicht, was jenseits davon ist.

Die Wahrheit ist, du bist nicht dein Verstand, du bist etwas jenseits davon; darum ist es absolut notwendig, dass dein Verstand mal stillsteht und du zum erstenmal erfahren kannst, dass du nicht dein Verstand bist, denn es gibt dich ja noch. Dein Verstand ist weg aber du bist noch da...und mit mehr Freude, mit mehr Glanz, mehr Licht, mehr Bewusstheit, mehr Sein. Dein Verstand hat dir etwas vorgegaukelt und du bist darauf reingefallen.

Was du verstehen musst, ist die Identifikation...wie man sich mit etwas identifizieren kann, was man gar nicht ist.

Im Osten gibt es eine alte Parabel über eine Löwin, die von einem Hügel zum nächsten springt und genau in der Mitte einen kleinen Löwen zur Welt bringt. Der kleine Löwe fällt auf einen Weg, auf dem gerade ein Herde Schafe vorbei zieht. Natürlich mischt er sich unter die Schafe, er lebt mit ihnen und verhält sich wie ein Schaf. Er weiß nicht, dass er ein Löwe ist, nicht einmal in seinen Träumen. Wie könnte er? Um ihn herum gibt es nur Schafe und noch mehr Schafe. Er hat nie wie ein Löwe gebrüllt, denn ein Schaf brüllt nicht. Er ist nie allein gewesen wie ein Löwe, ein Schaf ist niemals allein. Ein Schaf ist immer in seiner Herde, in der Herde ist es gemütlich und sicher. Schau dir einmal an, wie Schafe laufen, sie laufen so dicht gedrängt, dass sie fast übereinander stolpern. Sie sind so ängstlich, allein zu sein.

Aber der kleine Löwe wurde älter. Es war schon merkwürdig, er war damit identifiziert, ein Schaf zu sein, aber die Biologie kümmert sich nicht um deine Identifikation, die Natur folgt nicht deinen Vorstellungen.

Er wuchs zu einem schönen jungen Löwen heran, und weil Wachstum so langsam vonstatten geht, gewöhnten sich die Schafe an den Löwen und der Löwe gewöhnte sich an die Schafe. Natürlich dachten die Schafe, dass er etwas verrückt ist. Er kann sich nicht benehmen – eben ein bisschen verrückt – und er wächst und wächst. Das sollte nicht so sein. Und dann gibt er vor, ein Löwe zu sein... aber er ist doch gar kein Löwe! Sie kennen ihn seit seiner Geburt, sie haben ihn aufgezogen, sie haben ihm ihre Milch gegeben. Kein Löwe ist Vegetarier, aber dieser Löwe war Vegetarier, weil die Schafe Vegetarier sind. Er fraß mit großem Vergnügen Gras.

Sie akzeptierten diesen kleinen Unterschied, dass er ein bisschen groß ist und wie ein Löwe aussieht. Ein sehr weises Schaf sagte: “Das ist nur eine Laune der Natur, ab und zu passiert das schon mal.“ Und er akzeptierte auch selbst, dass das so ist. Er hatte eine andere Farbe, er hatte einen anderen Körper, er musste ein Freak sein, unnormal. Aber der Gedanke, dass er ein Löwe wäre, war für ihn unmöglich. Er war von all diesen Schafen umgeben und der Schafspsychoanalytiker konnte es ihm erklären: „Du bist einfach eine Laune der Natur. Mach dir keine Sorgen, wir kümmern uns um dich.“

Aber eines Tages kam ein alter Löwe vorbei und sah diesen jungen Löwen aus der Schafsherde herausragen. Er traute seinen Augen nicht! So etwas hatte er noch nie gesehen, er hatte in der ganzen Geschichte noch nie davon gehört, dass sich ein Löwe mitten in einer Schafsherde bewegt und kein Schaf Angst vor ihm hat. Und der kleine Löwe bewegte sich genau wie die Schafe und starrte ins Gras.

Der alte Löwe traute seinen Augen nicht. Er vergaß, dass er ein Schaf für sein Frühstück reißen wollte, er vergaß sein ganzes Frühstück. Es war so ungewöhnlich, dass er versuchte, den jungen Löwen einzufangen, aber er war alt und der andere war jung – er lief ihm davon. Obwohl er glaubte, ein Schaf zu sein, war seine Identifikation vergessen, sobald Gefahr drohte. Er rannte wie ein Löwe, und der Alte hatte Mühe, ihn zu fangen. Aber schließlich gelang es ihm und der Junge schrie und weinte und sagte: „Vergib mir, ich bin nur ein armes Schaf.“ „Du Idiot,“ antwortete der alte Löwe, „halt an und komm mit mir zum Teich.“

In der Nähe gab es einen Teich und er nahm den jungen Löwen mit dorthin. Der Junge kam nur widerwillig mit, er ging nur sehr zögernd, aber was kannst du schon gegen einen Löwen ausrichten, wenn du ein Schaf bist? Wenn du ihm nicht folgst, kann er dich töten, also ging er mit. Der Teich war still, ohne die kleinste Welle, fast wie ein Spiegel. Und der alte Löwe sagte zu dem jungen: „Schau hinein. Schau mein Gesicht an und schau dein Gesicht an. Schau meinen Körper an und schau deinen Körper im Wasser an.“

Im Bruchteil einer Sekunde hörte man ein lautes Gebrüll! Es hallte von allen Hügeln wider. Die Schafe verschwanden und er war wie verwandelt – er erkannte sich selbst. Seine Identifikation mit den Schafen war nicht seine Wahrheit, sie war nur eine Vorstellung. Jetzt hatte er die Wahrheit gesehen. Und der alte Löwe sagte: „Ich brauche nichts mehr zu sagen, du hast verstanden.“

Der junge Löwe spürte eine seltsame Energie in sich aufsteigen, die hatte er bisher nie gespürt...so, als hätte er geschlafen. Er spürte eine ungeheure Kraft, dabei war er immer ein schwaches, bescheidenes Schaf gewesen. Seine ganze Bescheidenheit, seine ganze Schwäche löste sich einfach auf.

Dies ist eine alte Parabel über Meister und Schüler. Die Funktion des Meisters ist, den Schüler dahin zu bringen, dass er sehen kann, wer er ist, und dass es nicht stimmt, was er immer geglaubt hat.

Dein Verstand ist nicht von der Natur erschaffen. Merk dir den Unterschied: Dein Gehirn ist von der Natur erschaffen, dein Gehirn ist ein Mechanismus, der zum Körper gehört, aber dein Verstand ist von der Gesellschaft erschaffen, in der du lebst – von der Religion, von der Kirche, der Ideologie, der deine Eltern folgten, von dem Erziehungssystem, das dich unterrichtet hat, von allen möglichen Dingen. Deshalb gibt es einen christlichen Verstand, einen hinduistischen Verstand und einen kommunistischen Verstand. Das Gehirn ist natürlich, aber der Verstand ist ein erschaffenes Phänomen. Es hängt davon ab, zu welcher Schafsherde du gehörst. War sie hinduistisch? Dann benimmst du dich natürlich wie ein Hindu.

Meditation ist die einzige Methode, die dir bewusst macht, dass du nicht dein Verstand bist, und das gibt dir ungeheure Macht. Du kannst dann entscheiden, was an deinem Verstand in Ordnung ist und was nicht, denn du hast Distanz, du bist ein Beobachter, ein Zeuge. Dann bist du deinem Verstand nicht mehr verhaftet, und davor hast du Angst.

Du hast dich selbst völlig vergessen, du bist zu deinem Verstand geworden. Die Identifikation ist komplett. Wenn ich also sage: „Sei ruhig, sei still, sei achtsam und beobachte, wie deine Gedanken ziehen, dann drehst du durch und bekommst Angst. Es sieht wie der Tod aus. Auf eine Weise hast du recht, aber es nicht der Tod, es ist der Tod deiner Konditionierungen, die alle zusammen deinen Verstand ausmachen.

Wenn du einmal den Unterschied klar sehen kannst – dass du nicht dein Verstand bist und dass dein Verstand nicht dein Gehirn ist – dann passiert es sofort. Wenn du dich von deinem Verstand zurückziehst, siehst du plötzlich im selben Moment, dass dein Verstand in der Mitte ist, dass zu beiden Seiten dein Gehirn und dein Bewusstsein sind.

Dein Gehirn ist nur ein Mechanismus, mit dem du alles machen kannst, was du willst. Der Verstand ist das Problem, weil er von anderen gemacht ist. Das bist nicht du, er gehört dir noch nicht einmal, sein ganzer Inhalt ist geborgt.

Die Priester, die Politiker, die Menschen, die die Macht haben, die Menschen, die verlogene Interessen vertreten, interessieren sich nicht dafür, wer du wirklich bist, dass du etwas bist, das über den Verstand hinaus geht, das jenseits des Verstandes liegt. Ihr ganzes Bemühen ist, dich mit deinem Verstand identifiziert zu halten, denn dein Verstand wird von ihnen geführt, nicht von dir selbst. Du wirst auf subtile Weise betrogen, die Manager deines Verstandes sind außerhalb von dir.

Wenn das Bewusstsein mit dem Verstand identifiziert ist, ist das Gehirn hilflos. Das Gehirn arbeitet einfach mechanisch, es macht, was dein Verstand will. Wenn du dich davon abtrennst, verliert der Verstand seine Macht, wenn nicht, bleibt er bestimmend. Und darum hast du Angst vor der Meditation.

Das Ich gehört keiner Religion an, das Ich gehört keiner politischen Ideologie an, es gehört keiner Nation an.

Ich habe mich mit keinem Unsinn angefüllt, der sich „Heilige Schrift“ nennt, ich habe einfach meinen Verstand zur Seite geschoben. Ich benutze mein Gehirn direkt, man braucht keine Konditionierung, man braucht keinen Vermittler.

Aber deine Angst ist verständlich. Du bist mit bestimmten Konzepten groß geworden, und vielleicht hast du Angst, die zu verlieren.

Osho, The Path of the Mystic