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OSHO Times Emotionale Ökologie Die Gans mit dem Namen Achtsamkeit

Die Gans mit dem Namen Achtsamkeit

Ich gerate oft in Panik und habe Angst, dass ich verrückt werde.

Das Wesentliche, das du dabei verstehen musst, ist, dass du nicht dein Verstand bist – weder der heitere noch der dunkle. Wenn du dich mit der schönen Seite identifizierst, dann ist es unmöglich, dich nicht mit der hässlichen Seite zu identifizieren; das sind die beiden Seiten derselben Medaille. Du kannst sie ganz haben oder ganz wegwerfen, aber Du kannst sie nicht teilen.

Und die ganze Sorge des Menschen ist, dass er das wählen will, was schön aussieht, hell; er will die silberne Seite und die dunkle Wolke hinter sich lassen. Aber er weiβ nicht, dass die silberne Seite ohne die dunkle Wolke nicht existieren kann. Die dunkle Wolke ist der Hintergrund, absolut erforderlich damit sich silberne Seiten zeigen.

Wählen bedeutet Sorge.

Mit Wählen schaffst du dir Probleme.

Wahllos zu sein bedeutet: der Verstand ist da und hat eine dunkle Seite und eine helle Seite – na und? Was hat das mit dir zu tun? Warum solltest du dir darum Sorgen machen?

In dem Moment, in dem du nicht wählst, verschwinden alle Sorgen. Ein groβes Akzeptieren entsteht, dass der Verstand genau so zu sein hat, dass dies die Natur des Verstandes ist – und es ist nicht dein Problem, weil du nicht dein Verstand bist. Wenn du dein Verstand wärst, dann gäbe es überhaupt kein Problem. Wer würde dann wählen und wer würde über Transzendenz nachdenken? Und wer würde versuchen zu akzeptieren und Akzeptanz zu verstehen?

Du bist getrennt davon, total separat.

Du bist nur der Beobachter und sonst nichts.

Aber du bist ein Beobachter, der sich mit allem, was er angenehm findet, identifiziert – und vergisst, dass das Unangenehme gleich dahinter als Schatten folgt. Du wirst nicht von der angenehmen Seite gestört – du genieβt sie. Die Probleme kommen, wenn sich das absolute Gegenteil zeigt – dann wirst du zerrissen.

Aber du hast mit all dem angefangen. Du hast vergessen, dass du ein Beobachter bist und hast dich identifiziert. Die biblische Geschichte vom Sündenfall ist eine reine Erfindung. Doch dies ist das echte Fallen – das Herausfallen aus dem Beobachter – du identifizierst dich und verlierst das Beobachten.

Versuche es ab und zu: Lass den Verstand sein, was immer er ist. Erinnere dich, dass du nicht er bist. Und du wirst eine groβe Überraschung erleben. Je weniger du identifiziert bist, umso weniger kraftvoll wird der Verstand sein, denn seine Kraft kommt aus deiner Identifikation; sie saugt dein Blut. Aber wenn du abseits und daneben stehst, dann fängt der Verstand an zu schrumpfen.

Der Tag, an dem du nicht mal für einen einzigen Moment mit deinem Verstand identifiziert bist, ist eine Offenbarung: Der Verstand stirbt einfach; er ist nicht mehr da. Wo er so voll war, wo er so konstant war – Tag ein Tag aus, im Wachen und im Schlaf – plötzlich ist er nicht mehr da. Du schaust dich um und da ist Leere, da ist Nichts.

Und mit dem Verstand verschwindet das Selbst. Dann gibt es nur noch eine gewisse Qualität von Bewusstheit, ohne ein “Ich” darin. Am ehesten kannst du es so etwas wie “sein” nennen, aber nicht “ich bin.” In dem Moment, in dem du das Sein kennst, ist es universell geworden.

Mit dem Verschwinden des Verstandes verschwindet das Selbst. Und damit verschwinden viele Dinge, die dir wichtig waren, die für dich problematisch waren. Du hast versucht, diese Dinge zu lösen und sie wurden immer komplizierter; alles war ein Problem, eine Sorge, und es sah so aus als gäbe es keinen Ausweg.

Ich erinnere dich an die Geschichte ‘Die Gans ist raus’. Sie handelt von dem Verstand und deinem Sein.

Der Meister sagt dem Schüler, er soll über folgenden Koan meditieren: Eine kleine Gans wird in eine Flasche gesteckt, gefüttert und gepäppelt. Die Gans wird gröβer und gröβer und füllt die ganze Flasche. Jetzt ist sie zu groβ; sie kann nicht mehr durch den Flaschenhals herauskommen – die Öffnung ist zu klein. Und der Koan ist, dass du die Gans herausbringen musst, ohne die Flasche zu zerschlagen und ohne die Gans umzubringen.

Das ist für den Verstand unfassbar.

Was kannst du machen? Die Gans ist zu groβ. Du kannst sie nicht herausholen, ohne die Flasche zu zerbrechen, aber das ist nicht erlaubt. Oder du kannst sie herausholen, indem du sie tötest; dann kümmert es dich nicht, ob sie lebt oder nicht. Das ist auch nicht erlaubt.

Tag ein, Tag aus meditiert der Schüler und findet keinen Weg. Er denkt an diese und jene Möglichkeit, aber es gibt tatsächlich keinen Weg. Müde und absolut erschöpft, eine plötzliche Einsicht... plötzlich versteht er, dass der Meister nicht an der Flasche und nicht an der Gans interessiert sein kann; sie müssen etwas anderes repräsentieren. Die Flasche ist der Verstand, du bist die Gans... und durch Beobachten ist es möglich. Obwohl du nicht der Verstand bist, kannst du dich so stark damit identifizieren, dass du ganz darin bist!

Er läuft zum Meister und sagt, die Gans ist drauβen. Und der Meister sagt, “Du hast es verstanden. Jetzt lass sie drauβen. Sie ist nie drinnen gewesen.”

Wenn du anfängst, mit der Gans und der Flasche zu kämpfen, dann gibt es überhaupt keine Lösung für dich. Es ist die Einsicht, “Der Koan muss für etwas anderes stehen; ansonsten hätte der Meister mir ihn nicht gegeben. Und was kann es sein?” – denn die ganze Funktion von Meister und Schüler, ihr ganzes Geschäft ist der Verstand und das Bewusstsein.

Bewusstsein ist die Gans, die nicht in der Flasche des Verstandes steckt. Aber du glaubst, dass sie drinnen ist und fragst alle anderen, wie du sie herausbekommen kannst. Und es gibt Idioten, die dir mit Techniken helfen, sie herauszubekommen. Ich nenne sie Idioten, denn sie haben die Sache überhaupt nicht verstanden.

Die Gans ist drauβen, sie war nie drinnen, also stellt sich die Frage, wie man sie herausbekommt, erst gar nicht.

Der Verstand ist einfach nur eine Folge von Gedanken, die vor dir wie auf einem Bildschirm vorbeiziehen. Du bist der Beobachter. Aber du fängst an, dich mit den schönen Dingen zu identifizieren – das sind Bestechungsgeschenke. Und sobald du dich von den schönen Dingen einfangen lässt, verfängst du dich auch in den hässlichen Dinge, denn Verstand kann nicht ohne Gegensätze existieren.

Die Bewusstheit kann nicht mit Gegensätzen bestehen, und der Verstand kann nicht ohne Gegensätze bestehen. Bewusstheit ist nicht gespalten, aber der Verstand ist gespalten. Also beobachte einfach. Ich lehre dich keine Lösungen. Ich lehre dich die Lösung: Tritt einfach einen kleinen Schritt zurück und beobachte. Schaff eine Distanz zwischen dir und deinem Verstand.

Ob etwas gut, schön, wunderbar ist, ob du es gern ganz nah genieβen möchtest oder ob etwas hässlich ist – bleibe so weit wie möglich davon entfernt. Schau es dir an, wie du dir einen Kinofilm ansiehst. Aber Menschen identifizieren sich sogar mit Filmen...

Tritt einfach beiseite, lass den Verstand vorbei.

Und bald wirst du sehen können, dass da überhaupt kein Problem ist – die Gans ist drauβen. Du musst nicht die Flasche zerbrechen, und du musst auch die Gans nicht umbringen.

Osho, Beyond Psychology