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OSHO Times Emotional Ecology Der Kniff, wie man Gefühle transformiert

Der Kniff, wie man Gefühle transformiert

Dies ist eine wunderbare Methode, sie wird euch sehr nützlich sein.

Zum Beispiel: Was tun, wenn du dich gerade sehr unzufrieden fühlst? Patanjali sagt, dann halte dir das Gegenteil vor Augen; wenn du unzufrieden bist, denke über Zufriedenheit nach: „Was ist Zufriedenheit?”

Stelle das Gleichgewicht her. Wenn dich Wut erfüllt, erinnere dich an Mitgefühl, führe dir vor Augen, was Mitgefühl ist – und schlagartig verändert sich deine Energie. Denn beides ist dasselbe: das Gegenteil ist immer dieselbe Energie. Kaum hast du es eingeladen, wirkt es wie Löschpapier. Wut ist da? Versenke dich in Mitgefühl.

Tue folgendes: Stelle dir eine Buddha-Statue hin. Diese Statue ist der Inbegriff von Mitgefühl. Jedes Mal, wenn du wütend wirst, geh in dein Zimmer, schaue auf den Buddha, setz dich hin wie ein Buddha – und empfinde Mitgefühl! Plötzlich siehst du, wie eine Transformation in dir stattfindet: Die Wut wandelt sich, die Aufregung legt sich. Mitgefühl kommt auf. Und es ist keine andere Energie; es ist dieselbe Energie – genau dieselbe Energie wie die Wut, nur dass sie ihre Qualität verändert, höher steigt. Probiere es!

Das ist keine Verdrängung, wohlgemerkt. Die Leute fragen mich: „Ist Patanjali ein Verdrängungskünstler? Oder ist es vielleicht keine Verdrängung, wenn ich wütend bin, statt dessen aber an Mitgefühl denke?” Nein. Das ist Sublimation – Verfeinerung, Umleitung. Wenn du wütend bist und deine Wut unterdrückst, ohne an Mitgefühl zu denken, das ist Verdrängung. Dann schluckst du alles nur runter und lächelst und tust so, als wärest du nicht wütend – dabei tobt innen die Wut und sie kocht und würde am liebsten explodieren. Das ist Verdrängung. Nein, hiermit verdrängen wir nichts und setzen uns auch nicht nur ein Lächeln auf oder dergleichen, nein, wir verlagern den inneren Pol.

Gegenüber liegt immer der Gegenpol. Wenn du dich hasserfüllt fühlst, denk an Liebe. Wenn dir Begierde zusetzt, denk an Wunschlosigkeit – und an die Stille, die sie mit sich bringt. Was immer geschieht – rufe das Gegenteil auf und beobachte, was in deinem Innern passiert. Wenn du erst einmal weißt, wie es geht, bist du endlich Herr im Hause. Jetzt hast du den Schlüssel, jetzt kannst du jederzeit Wut in Mitgefühl verwandeln, jederzeit Hass in Liebe und jederzeit Traurigkeit in Ekstase umschlagen lassen. Leid kann nur deshalb zu Seligkeit werden, weil Leid aus demselben Stoff ist wie die Seligkeit. Es ist keine andere Energie. Du brauchst nur zu wissen, wie du sie lenkst.

Und so findet keine Unterdrückung statt, weil die gesamte Wut-Energie zu Mitgefühl wird, nichts bleibt für Unterdrückung übrig. Du hast sie als Mitgefühl zum Ausdruck gebracht.

Es gibt zwei Möglichkeiten sich auszudrücken. Im Westen ist Katharsis sehr wichtig geworden. Encounter-Gruppen, Primärtherapie – all das beruht auf Katharsis. Meine eigene Dynamische Meditation ist eine kathartische Methode, weil die Menschen den Schlüssel zur Sublimation verloren haben. Patanjali verliert kein Wort über Katharsis. Warum erwähnt er sie nicht? Damals kannten die Menschen den Schlüssel, sie hatten noch einen spontanen Zugang dazu. Sie verstanden zu sublimieren. Ihr versteht das jetzt nicht mehr, also muss ich euch Katharsis lehren.

Es ist Wut da – sie lässt sich in Mitgefühl umwandeln. Aber ihr habt keine Vorstellung davon, wie das gehen soll. Es ist keine Kunst, die einem beigebracht werden könnte, es ist ein spontaner Zugang, der plötzlich zustande kommt. Man muss es einfach machen – und es im Tun einfach lernen, anders geht es nicht. Es ist wie mit dem Schwimmen: Du musst schwimmen und Fehler machen und manchmal in Gefahr geraten und dich verloren fühlen, den Tod vor Augen, weil du gleich ertrinken wirst. Durch all das musst du hindurch und irgendwann hast du es plötzlich, du weißt Bescheid! Und es ist so einfach – Schwimmen!

Patanjali spricht nie von Katharsis. Ich muss von ihr sprechen – euretwegen. Aber wenn ihr erstmal verstanden habt und sublimieren könnt, dann ist keine Katharsis mehr nötig. Katharsis ist in gewisser Hinsicht Energieverschwendung. Leider ist das im Augenblick aber nicht zu ändern. Ihr seid schon seit so vielen Jahrhunderten unterdrückt worden, dass ihr Sublimation mit Unterdrückung verwechselt. Folglich scheint nur Katharsis zu funktionieren: Erst müsst ihr euch vom Müll befreien; werdet erstmal ein wenig schwerelos, unbeschwert – danach kann man euch die Kunst der Sublimation lehren.

Sublimation heißt: die Energie auf höherer Ebene einsetzen – ein und dieselbe Energie, nur dass sie dadurch eine völlig andere Qualität bekommt. Du kannst folgendes versuchen: Wenn du das nächste Mal wütend oder traurig wirst, dann setz dich einfach still hin und erlaube der Traurigkeit, zu Heiterkeit überzuwechseln. Hilf nur ein ganz wenig nach – ein kleiner Rippenstoß genügt. Mach nicht zu viel und habe es nicht eilig. Die Traurigkeit wird sich anfangs ein wenig dagegen sträuben, sich in Richtung Heiterkeit zu bewegen; schließlich habt ihr sie seit Jahrhunderten, seit vielen Leben schon daran gehindert, in diese Richtung zu gehen. Also wird sie sich sträuben.

Sie wird scheuen wie ein Pferd, das du auf eine neue Bahn lenken willst, die es noch nie betreten hat. Sie will in das alte Verhaltensmuster zurück – die alte Bahn, das alte, eingefahrene Gleis. Aber lass nicht locker, rede ihr gut zu, leise aber bestimmt. Dann flüstere deiner Traurigkeit ins Ohr: „Hab keine Angst! Komm mit. Aus dir kann Glück werden und da ist nichts verkehrt und nichts unmöglich.”

Überrede sie nur etwas … rede mit deiner Traurigkeit und eines Tages merkst du plötzlich, dass deine Traurigkeit eine andere Bahn eingeschlagen hat: Aus ihr ist Glück geworden!

Osho, Yoga – The Alpha and Omega