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OSHO Times Emotional Ecology Die Revolution genannt Ekstase

Die Revolution genannt Ekstase

Wie kommt es, dass wir meistens beschließen, unglücklich zu sein? Wieso merken wir nicht, dass wir wählen können?

Das ist eines der weitest reichenden Probleme der Menschen. Man muss da ganz tief hinsehen. Und nicht nur theoretisch, es betrifft euch direkt. So machen es alle, immer suchen sie sich das Falsche aus, das Traurige, Deprimierende, Elende. Dafür muss es schwerwiegende Gründe geben.

Zum ersten spielt die Art und Weise, wie ein Mensch erzogen wird,  eine entscheidende Rolle. Wenn man unglücklich ist, wird man immer irgendwie dafür belohnt, und wenn man glücklich ist, zieht man den Kürzeren.

Ein aufgewecktes Kind spürt von Anfang an den Unterschied. Immer wenn es unglücklich ist, sind alle freundlich zu ihm. Es wird mit Sympathie belohnt. Jeder versucht, so liebevoll wie möglich zu sein. Es wird mit Liebe belohnt. Und mehr noch, wenn ein Kind unglücklich ist, wird ihm mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Aufmerksamkeit ist Futter für das Selbstgefühl und wirkt wie eine alkoholische Stimulans. Es gibt uns Energie, und wir fühlen, dass wir jemand sind. Darum dieses starke Bedürfnis, dieser Wunsch nach mehr Beachtung.

Wenn sich alle um dich kümmern, fühlst du dich wichtig. Wenn dich keiner beachtet, meinst du, du bist gar nicht da, dich gibt es nicht, du bist eine Nicht-Existenz. Wenn dich die Mitmenschen beachten und sich um dich sorgen, bekommst du Energie. Das Ego lebt von Beziehungen. Je mehr Leute dich bewundern, desto stärker wird das Selbstgefühl. Wenn keiner hinschaut, verschwindet das Ego. Wenn sich alle völlig vergessen haben, wie kann das Ego existieren? Wie kannst du fühlen, dass du bist? Darum dieses Bedürfnis nach Gesellschaft, Verbindungen, Clubs. Überall in der Welt gibt es Clubs. Diese Clubs sind nur dazu da, den Leuten Beachtung zu verschaffen, die sonst völlig unbeachtet bleiben würden.

Es ist schwierig, der Präsident eines Staates zu werden oder Vorsitzender einer Aktiengesellschaft. Da ist es einfacher, Präsident von Lions Club zu werden. Man wird von einer gewissen Gruppe von Leuten beachtet, bekleidet einen wichtigen Posten und muss nichts weiter leisten. Wenn man Präsident von irgend einem Club ist, fühlt man sich wichtig, selbst wenn man überhaupt nichts tut. Und die Präsidenten wechseln jedes Jahr. Auf diese Weise werden alle mal beachtet. Es ist ein gegenseitiges Einverständnis, dass alle einmal wichtig sein dürfen.

Ein Kind lernt diese Regeln schon im Frühstadium. Die Politik ist, unglücklich auszusehen. Dann sind alle freundlich und man wird beachtet. Sieh krank aus, und du erlangst eine gewisse Bedeutung. Ein krankes Kind wird zum Diktator, und die ganze Familie muss gehorchen, und was das Kind sagt, wird gemacht.

Wenn ein Kind fröhlich ist, hört ihm niemand zu. Wenn es ihm gut geht, kümmert sich niemand darum. Von Anfang an lernen wir das Elende, Traurige, das Pessimistische, die dunkle Seite des Lebens zu schätzen. Das ist das eine. Zum anderen: Wenn man fröhlich ist, wenn man sich ekstatisch fühlt und ausgelassen ist, sind alle eifersüchtig. Mit Eifersucht meine ich, dass alle dagegen sind, keiner ist freundlich, alle sind Feinde. Darum habt ihr gelernt, nicht so ekstatisch zu werden, dass alle anderen feindlich gesinnt sind. Ihr habt gelernt, eure Seligkeit und euer Lachen zu verbergen.

Schaut euch die Leute an, wenn sie lachen... Meistens lachen sie aus Berechnung. Es kommt nicht aus dem Bauch, nicht aus der Tiefe des Wesens. Sie schauen erst um sich, taxieren dich, und dann lachen sie. Und auch nur eine bestimmte Zeit lang, solange wie es sich gehört, so lange, dass es nicht missverstanden werden kann und niemand eifersüchtig wird.

Selbst euer Lachen ist Politik. Das echte Lachen ist verschwunden. Seligkeit ist heutzutage unbekannt und ekstatisch zu sein, ist schier unmöglich geworden, weil es verboten ist. Wenn du unglücklich bist, kommt keiner auf die Idee, dass du verrückt bist, aber wenn du ekstatisch bist und herumtanzt, denken alle, dass du wahnsinnig geworden bist. Herumtanzen und singen gilt als schlechtes Benehmen. Wir sehen jemanden, der selig ist, und denken, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist.

Was für eine Gesellschaft ist das? Wenn jemand kaputt und elend ist, ist alles in Ordnung, er passt ins Bild, weil die ganze Gesellschaft mehr oder weniger unglücklich ist. Er ist ein ordentliches Mitglied und gehört dazu. Wenn jemand ekstatisch ist, denken wir, dass er durchgedreht ist, irregeworden. Er gehört nicht zu uns, und wir sind neidisch.

Wir verurteilen ihn aus Neid. So versuchen wir, ihn mit allen Mitteln in seinen früheren Zustand zurückzubringen. Diesen Zustand nennen wir normal. Die Psychoanalytiker, die Seelenärzte werden dafür sorgen, dass der Mensch wieder normal unglücklich wird.

Im Westen ist die ganze Gesellschaft gegen psychedelische Drogen. Das Gesetz, der Staat, die Regierung, die Anwälte, die Gerichte, die Legislative, die Priester, der Papst – alle sind dagegen. In Wirklichkeit sind sie nicht gegen psychedelische Drogen, sondern dagegen, dass die Leute ekstatisch werden. Sie haben nichts gegen Alkohol oder viele andere Drogen, aber sie sind gegen Halluzinogene, wie diese eine chemische Veränderung im Bewusstsein bewirken. Die uralte Kruste, das Gefängnis des Elends, das die Gesellschaft um euch errichtet hat, kann durchbrochen werden, man kann ausbrechen und ein paar Augenblicke lang ekstatisch werden.

Die Gesellschaft kann Ekstase nicht dulden, weil Ekstase die größte Revolution ist. Ich wiederhole: Ekstase ist die größte Revolution. Wenn die Menschen ekstatisch werden, wird die Gesellschaft verändert, weil unsere Gesellschaft auf Not und Unglück basiert.

Man kann keine glücklichen Menschen in einen Krieg führen. Nein! Ein glücklicher Mensch kann da nur lachen und sagen, dass ein Krieg völliger Unsinn ist. Glückliche Leute kann man nicht geldgierig machen. Sie werden ihr Leben nicht damit vertun, Reichtümer anzuhäufen. Für sie ist es Irrsinn, wenn jemand sein Wesen zerstört und sein Leben für tote Gegenstände hingibt. Man hat sich selbst abgetötet und besitzt eine Menge Geld, das ist doch vollkommener Wahnsinn. Aber es wird nicht als Wahnsinn erkannt, es sei denn man wird ekstatisch.

Wenn die Leute ekstatisch werden, muss sich die gesamte Gesellschaftsstruktur ändern. Diese Gesellschaft lebt von Not und Elend, darin liegt ihre Investition. Von Anfang an erziehen wir unsere Kinder zum Unglücklichsein, darum wählen sie auch später immer das Unglück.

Jeder hat morgens die Wahl. Und nicht nur morgens, wirklich immer, immer hat man die Wahl, glücklich oder unglücklich zu sein. Wir wählen immer wieder das Elend, weil es sich auszahlt und weil wir es so gewohnt sind. Es ist ein Verhaltensmuster. Ihr habt euch immer ausgesucht, unglücklich zu sein, und jetzt seid ihr geübt darin. Wenn der Verstand die Wahl hat, tendiert er sofort zum Unglücklichsein.

Unglücklichsein ist scheinbar eine Reise bergab und Ekstase geht bergauf. Es sieht so aus, als wäre es sehr schwierig, ekstatisch zu sein, aber das ist nicht wahr. Im Gegenteil. Ekstase ist bergab und Unglück ist bergauf. Unglück ist sehr schwer zu erreichen, aber ihr habt es geschafft, ihr habt das Unmögliche möglich gemacht, denn Unglücklichsein ist gegen die Natur. Keiner möchte unglücklich sein und alle sind es.

Die Gesellschaft hat da große Dinge vollbracht. Die Erziehung, die Kultur, die Eltern und Lehrer haben gute Arbeit geleistet. Sie haben aus ekstatischen, kreativen Menschen unglückliche Kreaturen gemacht. Jedes Kind wird ekstatisch geboren. Jedes Kind ist von Geburt aus ein Gott, und jeder Mensch stirbt als Verrückter.

Wenn ihr euch nicht davon erholt und eure Kindheit zurückfordert, könnt ihr nicht zu den weißen Wolken werden, von denen ich gesprochen habe. Das ist die ganze Anstrengung, das ganze Yoga, wie wird man wieder ein Kind? Wenn ihr wieder zu Kindern werden könnt, seid ihr von dem Elend befreit.

Nicht, dass ein Kind keine unglücklichen Momente hätte, die gibt es sicher, aber es lebt nicht im Unglück. Versucht das zu verstehen.

Ein Kind kann unglücklich sein, ungeheuer unglücklich in einem Augenblick, aber es ist so vollkommen versunken in seinem Unglück, so eins mit dem Unglück, dass keine Trennung zwischen ihm und dem Gefühl existiert. Das Kind ist nicht vom Unglück getrennt, es betrachtet das Unglück nicht als getrennt von sich. Das Kind ist das Unglück selbst, so sehr ist es verschmolzen. Wenn ihr mit eurem Unglück eins werdet, ist ein Unglück kein Unglück mehr. Wenn man völlig eins wird, liegt selbst darin eine eigene Schönheit.

Schaut euch ein Kind an, ich meine, ein unverdorbenes Kind, wenn es wütend ist. Die ganze Energie wird Wut, nichts wird zurückgelassen, es gibt kein Zurückhalten. Das Kind ist zur reinen Wut geworden, niemand innen, der manipuliert und kontrolliert. Da ist kein Verstand. Das Kind ist nicht wütend, es ist zur Wut selbst geworden. Seht diese Schönheit, das Erblühen der Wut. Kinder sehen nie hässlich aus. Selbst im Zorn sind sie schön. Sie sehen einfach lebendiger, vitaler, intensiver aus, ein Vulkan, zum Ausbruch bereit. Ein so kleines Kind und soviel Energie...

Danach ist das Kind ruhig, ganz friedlich und entspannt. Wir denken, dass es schlimm ist, so wütend zu sein, aber das Kind fühlt sich nicht schlecht, es war ein Genuss.

Wenn man mit irgendetwas eins wird, fühlt man sich glücklich. Wenn man sich von etwas absondert und getrennt fühlt, selbst wenn es Freude ist, fühlt man sich schlecht.

Das ist also der Schlüssel. Getrennt sein als ein Ego, ist die Basis allen Unglücks. Eins zu sein, dahinzufließen mit allem, was das Leben uns bringt, so völlig darin versunken zu sein, dass man nicht mehr ist, dass man sich völlig vergisst, ist Seligkeit.

Man hat immer die Wahl, aber ihr habt das vollkommen vergessen. Ihr habt fortwährend das Falsche gewählt und eine schlechte Gewohnheit daraus gemacht. Dann bleibt euch keine Wahl.

Seid aufmerksam. Erinnert euch jeden Augenblick daran, dass ihr es so gewollt habt, wenn ihr beschließt unglücklich zu sein. Schon allein das Bewusstsein, die Erkenntnis, dass dies meine Wahl ist, dass ich verantwortlich bin, dass ich mir das selbst antue, dass dies mein Tun ist, ist eine große Hilfe. Ihr werdet sofort den Unterschied merken. Die Qualität des Bewusstseins hat sich geändert, und jetzt ist es leichter für euch, in Richtung Glücklichsein zu gehen.

Wenn ihr einmal begriffen habt, dass es eure Wahl ist, dann seht ihr, dass das Ganze ein Spiel geworden ist. Wenn du gerne unglücklich bist, dann sei unglücklich, aber vergiss nicht, dass du es dir selbst ausgesucht hast. Und beschwere dich nicht. Niemand anders ist dafür verantwortlich. Es ist ein Drama. Wenn du es so haben willst, wenn du gerne leiden willst und dein Leben im Unglück verbringen möchtest, dann ist es deine Wahl, dein Theaterstück. Du spielst es, und spiele es gut!

Aber dann geh nicht zu anderen Leuten und frage, wie man aus dem Unglück herauskommt. Das ist absurd. Frage keinen Erleuchteten und keine Gurus, wie man glücklich wird. Die so genannten Gurus gibt es nur, weil ihr so dumm seid. Ihr schafft euch euer Unglück, und dann geht ihr hin und fragt andere, wie man es ungeschehen machen kann. Und ihr werdet damit immer weiter machen, wenn ihr nicht merkt, was ihr tut. Versucht doch, jetzt von diesem Moment an froh und glücklich zu sein.

Osho, Mein Weg: Der Weg der weißen Wolke