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OSHO Times The Other: Myself Endlich allein!

Endlich allein!

Sich selbst im Alleinsein zu begegnen macht Angst und ist schmerzhaft, aber man muss es durchleiden. Man sollte nichts tun, um dem auszuweichen, man sollte nichts tun, um sich abzulenken, nichts, um dem zu entrinnen. Man muss es durchleiden und hinter sich lassen. Dieses Erleiden, dieser Schmerz ist ein gutes Zeichen dafür, dass dir eine Neugeburt bevorsteht. Denn jeder Geburt gehen Wehen voraus. Dem darf man nicht ausweichen, denn das gehört zum Wachstum dazu.

Aber woher kommt dieser Schmerz?

Das gilt es zu verstehen, denn wenn du es verstehst, kannst du es auch hinter dir lassen, und wenn du mit Verständnis hindurchgehst, wirst du es leichter und schneller hinter dir lassen können.

Warum tut es so weh, wenn du allein bist? Das Erste ist, dass dein Ego krank wird. Dein Ego hat nur dann Bestand, wenn es mit anderen zusammen ist. Es ist aus Beziehungen entstanden, es kann nicht aus sich selbst bestehen. Wenn also eine Situation entsteht, in der es nicht mehr existieren kann, spürt es, dass es erstickt, es hat das Gefühl, am Rande des Todes zu stehen. Das ist das tiefste Leiden überhaupt. Du hast das Gefühl, als würdest du sterben. Aber nicht du bist es, der stirbt, es ist dein Ego, das du immer für dich selbst gehalten hast, mit dem du  identifiziert warst. Es kann nicht fortbestehen, weil es dir von andern verliehen wurde. Es ist eine Leihgabe. Wenn du die anderen verlässt, kannst du es nicht mitnehmen.

Wenn du also allein bist, entfällt alles, was du über dich selber weißt, nach und nach wird sich dein Ego auflösen. Du kannst es zwar noch eine Zeit lang durchhalten und auch das nur aufgrund deiner Vorstellungskraft, aber lange geht das nicht. Ohne Gesellschaft bist du entwurzelt, der Boden, der dich nährte, ist nicht mehr da. Das ist der Grundschmerz.

Du weißt einfach nicht mehr, wer du bist. Du bist einfach eine Persönlichkeit in Auflösung, eine Persönlichkeit, die sich verflüchtigt. Aber das ist gut so! Denn solange dieses unechte Du nicht verschwindet, kann das echte nicht auftauchen. Solange du nicht völlig ausgewaschen und wieder sauber geworden bist, kann sich das echte nicht zeigen.

Dieses unechte Du hält den Thron besetzt. Es muss entthront werden. Indem du in Einsamkeit lebst, kann alles Unechte abfallen. Und alles, was dir von der Gesellschaft verliehen wurde, ist unecht. Wirklich, alles Verliehene ist unecht, nur alles Angeborene ist echt. Alles, was von dir aus deins ist, was du nicht von irgendjemand anderem hast, ist wirklich, ist authentisch. Aber das Unechte muss gehen. Und das Unechte ist eine große Investition –– was hast du nicht alles investiert! Wie hast du es nicht gehegt und gepflegt! All deine Hoffnungen hängen an ihm. Wenn es sich dann also aufzulösen beginnt, überkommt dich Angst, du fängst an zu bangen und zu zittern: Was tust du dir an?! Du richtest ja dein ganzes Leben, das ganze Gebäude zugrunde!

Diese Angst kann nicht ausbleiben. Aber durch diese Angst wirst du hindurch müssen, nur so kannst du angstfrei werden. Ich sage nicht, dass du mutig wirst; nein, ich sage, du wirst angstfrei.

Mut ist Teil der Angst. Du kannst noch so mutig sein, die Angst verbirgt sich gleich dahinter. Ich sage: angstfrei. Du wirst nicht mutig sein; es ist kein Mut erforderlich, wenn keine Angst da ist. Mut und Angst werden beide irrelevant. Sie sind nur zwei Seiten ein und derselben Medaille. Eure Mutigen sind genauso wie ihr, nur im Kopfstand. Euer Mut versteckt sich in euch, und an der Oberfläche ist eure Angst; ihre Angst versteckt sich in ihrem Innern, und ihr Mut ist nur Oberfläche. Wenn man also allein ist, ist man sehr mutig, aber wenn es drauf ankommt, kriegt man es mit der Angst zu tun.

Angstfrei wird man erst, wenn man durch die tiefste Angst überhaupt hindurchgegangen ist – nämlich die vor der Auflösung seines Egos, vor der Auflösung seines Image, vor der Auflösung seiner Charaktermaske.

Das ist ein Tod, weil du nicht weißt, ob sich hinterher ein neues Leben zeigen wird. Während des Vorgangs erfährst du nur Tod. Erst wenn du tot bist –– tot als der, der du bist, als dieses unechte Wesen –– wirst du wissen, dass dieser Tod nur eine Tür zur Unsterblichkeit war. Aber das wird sich erst hinterher zeigen. Während des Vorgangs stirbst du ganz einfach nur.

Alles, was dir bisher lieb war, wird dir genommen –– deine Persönlichkeit, deine Vorstellungen, alles, was dir als schön gegolten hatte. Alles das lässt dich im Stich. Du wirst nackt ausgezogen. All diese Rollen und Gewänder werden dir weggenommen. Und wenn sich das abspielt, stellt sich Angst ein, aber diese Angst gehört grundsätzlich dazu, ist notwendig, unerlässlich. Man muss da hindurch gehen. Du solltest dies verstehen, aber versuche nicht, dem auszuweichen. Denn jedes Ausweichen wird dich nur wieder zurückwerfen, und dann landest du wieder in deiner Persönlichkeit.

Alle, die sich in tiefe Stille und Abgeschiedenheit begeben, fragen mich jedes Mal: „Was soll ich machen, wenn die Angst kommt?“ Dann sage ich ihnen, nichts zu tun, nur die Angst auszuhalten.

Wenn das Zittern kommt, dann zittere. Warum dagegen angehen? Wenn sich eine innere Angst meldet und sie dich schüttelt, dann schüttle dich eben. Tu gar nichts. Lass es geschehen. Es wird von selbst wieder aufhören. Wenn du es abstellst...– und du kannst es abstellen, du kannst anfangen zu murmeln: „Rama, Rama, Rama.…“ Du kannst nach irgendeinem Mantra greifen, um dich auf andere Gedanken zu bringen. Das wird wirken wie ein Schnuller, und plötzlich ist die Angst nicht mehr da, du hast sie ins Unbewusste verdrängt. Da kam sie ja gerade her,– was nur gut war: Du warst auf dem bestem Wege, sie los zu werden. Denn wenn sie dich verlässt, schüttelt sie dich noch einmal so richtig durch.

Das ist nur natürlich; denn es entweicht aus jeder einzelnen Zelle deines Körpers, deines Geistes eine bestimmte Energie, die seit jeher unterdrückt war. Ein großes Schütteln und Zittern tritt ein; es wird sein wie ein Erdbeben. Die ganze Seele wird durcheinander geraten –– aber lass es geschehen. Unternimm gar nichts. Das ist mein Rat. Murmele noch nichtmal den Namen Rama. Unternimm gar nichts damit, denn was immer du unternimmst, wäre nur wieder Verdrängung. Einfach indem du diese Energie in Ruhe lässt, sie so sein lässt, wie sie ist, wird sie dich verlassen. Und wenn sie dann fort ist, wirst du wie neu geboren sein.

Osho,  The Book of Secrets , Talk #70