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OSHO Times The Other: Myself Vertrauen

Vertrauen

Ich brauche dringend Vertrauen. Ich möchte besonders dir vertrauen können, und leide darunter, dass ich es nicht kann.

Menschen, die Vertrauen in sich selbst haben, vertrauen auch anderen. Menschen, die sich selbst nicht vertrauen, können niemandem vertrauen. Aus Selbstvertrauen entsteht Vertrauen. Wenn du dir selbst misstraust, dann kannst du mir nicht vertrauen – du kannst niemandem vertrauen.

Die Psychologen sagen, dass ein Mensch, der kein Selbstvertrauen besitzt, ein tiefgehendes Problem mit der Mutter hat. Die Mutter-Kind-Beziehung ist nicht so gelaufen, wie sie sollte. Wenn die Mutter dem Kind vertraut, wenn die Mutter das Kind liebt, dann lernt das Kind, die Mutter zu lieben und ihr zu vertrauen; sie ist die erste Person in der Erfahrungswelt des Kindes. Durch die Mutter wird sich das Kind der Welt bewusst. Die Mutter ist die Tür, durch die es die Existenz betritt.

Und nach und nach, wenn zwischen Mutter und Kind eine schöne Beziehung besteht, eine gegenseitige Offenheit und Sensibilität, ein tiefer Transfer von Energien, dann beginnt das Kind auch anderen Menschen zu vertrauen. Weil die erste Erfahrung schön war, hat es keinen Grund zu glauben, dass die zweite nicht auch schön wird. Es hat allen Grund zu glauben, dass die ganze Welt schön ist.

Wenn dich in deiner Kindheit eine Atmosphäre von tiefer Liebe umgeben hat, dann wirst du vertrauen. Vertrauen wird eine natürliche Eigenschaft für dich werden. Du wirst normalerweise niemandem misstrauen, es sei denn, jemand gibt sich wirklich Mühe, dein Vertrauen zu enttäuschen. Aber Misstrauen wird die Ausnahme sein.

Doch wenn dieses Grundvertrauen fehlt, wenn zwischen dir und deiner Mutter etwas schiefgegangen ist, dann wird Misstrauen zu deiner Grundeinstellung. Dann bist du grundsätzlich und von Natur aus misstrauisch. Dann bedarf es keiner besonderen Gründe. Und wenn jemand dein Vertrauen gewinnen möchte, muss er hart dafür arbeiten. Doch auch dann reicht dieses Vertrauen nicht weit, es ist auf diese eine Person begrenzt. Das ist das Problem.

Früher waren die Menschen sehr vertrauensvoll. Vertrauen war eine simple Eigenschaft, die man nicht zu üben brauchte. Nur wer ein großer Skeptiker werden wollte, ein Zweifler, musste viel üben und sich dazu erziehen. Die Leute waren vertrauensvoll, weil ihre Liebesbeziehungen sehr tief gingen. Aber in der modernen Welt ist Liebe fast verschwunden, und Vertrauen ist nichts anderes als der Höhepunkt der Liebe, der Zuckerguss der Liebe. Liebe ist verschwunden. Die Kinder werden in Familien geboren, wo Vater und Mutter sich nicht lieben. Die Mutter kümmert sich nicht um sie, es ist ihr gleichgültig, was mit ihnen geschieht. Im Grunde ist sie ärgerlich, weil die Kinder ihr zur Last fallen und ihr Leben stören. Frauen vermeiden es, Kinder zu bekommen, und wenn sie doch eins haben, empfinden sie es eher als Unglück. Sie haben eine zutiefst negative Einstellung zum Kind, und die überträgt sich und vergiftet das Kind schon sehr früh. Es kann der Mutter nicht vertrauen.

Ein solcher Mensch ist defensiv, sehr empfindlich. Wenn du zu so jemandem sagst: “Das hast du falsch gemacht”, dann wird er sehr wütend und springt dir sofort an die Gurgel. Er kann nicht einmal eine kleine, freundliche Kritik vertragen. Aber wenn er ein gutes Bild von sich hat, dann ist er bereit, zuzuhören, zu lernen und die Meinung anderer zu respektieren. Vielleicht haben sie ja recht, und er hat unrecht, doch das macht ihm nichts aus. In seien eigenen Augen bleibt er gut.

Wenn es dir also schwerfällt zu vertrauen, dann musst du zurückgehen; du musst tief in deine Erinnerungen eintauchen. Du musst in deine Vergangenheit zurückgehen und deine Psyche von den alten Eindrücken reinigen. Du schleppst sicher einen großen Haufen Müll aus der Vergangenheit mit dir herum. Befreie dich davon.

Und das ist der Schlüssel: Gehe zurück in die Kindheit, aber nicht in Form von Erinnerungen, sondern indem du sie wieder erlebst. Lass es zu einer Meditation werden. Gehe jeden Abend eine Stunde lang zurück. Versuche alles herauszufinden, was sich in deiner Kindheit ereignet hat. Je tiefer du gehen kannst, um so besser – denn wir verbergen so viele Geschehnisse und erlauben ihnen nicht, ins Bewusstsein vorzudringen. Gehe jeden Abend tiefer und tiefer hinein und komme wieder zurück. Dieser Prozess wird mindestens drei Monate dauern. Du wirst merken, wie du dich jeden Tag mehr erleichtert fühlst, und gleichzeitig wird Vertrauen in dir wachsen.

Sobald die Vergangenheit bereinigt ist und du alles gesehen hast, was geschah, bist du frei davon. Bewusstheit befreit, Unbewusstheit schafft eine Fessel.

So wird Vertrauen möglich.

Osho, The Beloved