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OSHO Times The Other: Myself Der innere Kritiker

Der innere Kritiker

Ich bin sehr selbstkritisch. Wenn ich andere Leuten getroffen habe, denke ich immer darüber nach, was ich gesagt habe und was ich hätte sagen können.

Das ist eine schlechte Angewohnheit. Selbstbewusstheit ist gut, aber Selbstkritik ist nicht gut, weil sie nie im richtigen Moment kommt. Wenn die Situation vorbei ist, dann kritisierst du dich. Bewusstheit ist in der Gegenwart und Kritik bezieht sich auf die Vergangenheit. Du kannst sie nicht ungeschehen machen, du kannst es nicht noch einmal tun. Die Vergangenheit ist für immer vorbei, daran kann man nichts ändern. Es ist einfach Unsinn, auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Denn indem du daran denkst, verschwendest du schon wieder die Gegenwart, machst genau das gleiche. Sei in allem bewusst – in Beziehungen, Arbeit, Meditation…was immer es ist.

Wenn die Situation da ist, wenn etwas geschieht, sei bewusst, niemals kritisch. Denn in diesem Augenblick der Bewusstheit, kann etwas transformiert werden. Wenn du achtsam bist, tust du vielleicht vieles nicht, du wirst etwas anderes tun. Wenn du bewusst bist, kannst du viele Fehler nicht begehen, die du immer kritisierst. Bewusstheit ist noch nie etwas gewesen, das man irgendwie hätte kritisieren können. Ein Mensch, der bewusst ist, bereut nie etwas. Was er nicht tun konnte, hat er nicht getan. Es hat keinen Sinn sich zu kritisieren, sich zu bedauern. Das sind alles Krankheiten. Lass sie also fallen.

Es ist ein Egotrip. Du tust etwas, und dann beginnst du, es im Geiste zu verbessern. Das zeigt lediglich, dass du etwas getan hast, was unter der Würde deines Egos war. Du warst wütend – dabei hältst du dich für einen sehr, sehr guten Menschen, der nie wütend ist – und jetzt bist du wütend gewesen. Danach merkst du, dass dein hohes Selbstbild verrutscht ist. Was tun? Jetzt fühlst du dich in deinen eigenen Augen verurteilt.

Wie kannst du jetzt anderen ins Gesicht sehen? Wo du doch überall verbreitet hast, dass du ein guter Mensch bist und niemals wütend wirst und dies und jenes. Was wird jetzt aus dieser Reklame, die du für dich gemacht hast? Du kanst nicht zugeben, dass du wütend warst oder gierig oder geizig oder was auch immer. Da gibt es nur eine Möglichkeit, ziehe dich an deinen eigenen Haaren hoch, raff dich zusammen, bereue. Du sagst, das war falsch, das hätte ich nicht tun sollen, ich hätte etwas anderes tun sollen. Jetzt bemalst du dein Image. Du könntest sagen: Ich war wütend, aber es war nur ein kleiner Ausrutscher. Ich bereue es. Seht, ich habe Tränen in den Augen, ich bin kein schlechter Mensch. Vielleicht gehst du sogar zu demjenigen hin, auf den du wütend warst und bittest ihn um Vergebung. Aber auch das ist ein Egotrip. Du wirst dich wieder wie ein sehr guter Mensch fühlen! Du hast dein Ansehen zurückgewonnen. Dein Selbstbild sitzt wieder auf dem Thron.

Wenn du wirklich fühlst, die Wut war falsch, dann vergiss die Vergangenheit. Sobald jetzt Wut aufkommt, bleibe wachsam. Das ist die wirkliche Reue. Bleibe achtsam. Ich sage nicht, du sollst die Leute nicht um Verzeihung bitten. Tue es, aber nicht aus Reue – nicht für deine Wut, sondern für deine Unbewusstheit. Siehst du den Unterschied?

Wenn du wirklich fühlst, dass die Wut falsch war, dann gehe zu dem andern hin und sage, ich war unbewusst. Ich habe mich wie ein Idiot benommen, wie ein Betrunkener. Ich war unbewusst, wie unter Drogen. Ich war nicht wirklich anwesend, als ich es tat. Bitte für deine Unbewusstheit um Verzeihung, nicht für deine Wut. Das wirkliche Problem ist die Unbewusstheit.

Sei also nächstes Mal bewusster. Ob es Wut, Hass, Eifersucht oder Gier ist, es gibt tausenderlei Möglichkeiten…doch die wirkliche Krankheit ist Unbewusstheit. Dies sind alles Facetten der selben Sache. Wenn du das ändern willst – diese Probleme, wirst du nie mithalten können, denn es gibt Tausende.

Osho, Be Realistic: Plan for a Miracle