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Lieben

Osho,
was ist Liebe? Warum habe ich solche Angst vor Liebe? Warum fühlt sich Liebe an wie eine unerträgliche Qual?

Du fragst: Was ist Liebe? Sie ist das tiefe Verlangen, eins zu sein mit dem Ganzen, das tiefe Verlangen, „Ich“ und „Du“ in einer Einheit aufzulösen. Liebe ist deshalb dieses tiefe Verlangen, weil wir von unserer eigenen Quelle abgeschnitten sind. Aus dieser Trennung heraus entsteht der Wunsch, wieder ins Ganze zurückzufallen, eins damit zu werden.

Wenn du einem Baum seinen Boden nimmst, wenn du ihn entwurzelst, dann fühlt der Baum ein großes Verlangen, wieder in der Erde verwurzelt zu sein, weil das sein wahres Leben war. Nun stirbt er. Abgetrennt kann der Baum nicht existieren. Er muss in der Erde, mit der Erde, durch die Erde existieren. Genau das ist Liebe.

Dein Ego ist zu einer Barriere zwischen dir und deiner Erde geworden – dem Ganzen. Der Mensch erstickt, er kann nicht atmen, er hat seine Wurzeln verloren. Er wird nicht mehr genährt. Liebe ist ein Verlangen nach Nahrung. Liebe ist, Wurzeln in der Existenz zu schlagen.

Und das ist leichter, wenn du mit dem entgegengesetzten Pol zusammenfällst – daher wird der Mann von der Frau angezogen und wird die Frau vom Mann angezogen. Der Mann kann durch die Frau seinen Boden finden, er kann durch die Frau wieder geerdet werden, und die Frau kann durch den Mann geerdet werden. Sie sind komplementär. Der Mann allein ist halb, in dem verzweifelten Bedürfnis, ganz zu sein. Die Frau allein ist halb. Wenn diese zwei Hälften sich treffen und ineinander verschmelzen, fühlt man sich zum ersten Mal verwurzelt, geerdet: große Freude steigt im Innersten auf.

Nicht nur in der Frau findest du dann deine Wurzeln, sondern – durch die Frau – auch in Gott. Die Frau ist nur eine Tür; der Mann ist nur eine Tür. Mann und Frau sind Türen zu Gott. Das Verlangen nach Liebe ist das Verlangen nach Gott. Ihr mögt dies begreifen oder ihr mögt dies nicht begreifen; aber das Verlangen nach Liebe ist in Wirklichkeit der Beweis der Existenz Gottes.

Es gibt keinen anderen Beweis. Weil der Mensch liebt, ist Gott. Weil der Mensch nicht ohne Liebe leben kann, ist Gott.

Der Drang nach Liebe besagt einfach, dass wir „allein“ leiden und sterben, „gemeinsam“ aber wachsen und genährt, erfüllt und befriedigt werden.

Du fragst: Was ist Liebe? Warum habe ich solche Angst vor Liebe? Und genau deshalb hast du auch Angst vor der Liebe – weil du in dem Moment, wo du in die Frau eintauchst, dein Ego verlierst; und auch die Frau verliert, wenn sie in den Mann eintaucht, ihr Ego.

Das muss jetzt verstanden werden: du kannst nur dann im Ganzen verwurzelt sein, wenn du dich selber verlierst; anders geht es nicht. Du wirst vom Ganzen angezogen, weil du dich ungenährt fühlst; aber dann, wenn der Moment kommt, dich im Ganzen aufzulösen, wirst du plötzlich sehr ängstlich. Eine große Angst steigt auf, weil du dich selber verlierst. Du schreckst zurück. Das ist das Dilemma. Jeder einzelne Mensch hat sich dem zu stellen, muss dem begegnen, muß da hindurchgehen, muss es verstehen und transzendieren.

Du musst verstehen, dass beide Dinge aus derselben Quelle kommen. Du fühlst, dass es schön wäre, sich aufzulösen – keine Sorgen, keine Angst, keine Verantwortung. Du wirst ein Teil des Ganzen, so wie es die Bäume sind und die Sterne sind. Allein schon die Vorstellung ist phantastisch! Sie öffnet Türen, mysteriöse Türen, die in dein Innerstes führen, sie lässt Dichtung entstehen! Sie ist romantisch. Aber wenn du dich tatsächlich darauf einlässt, dann kommt die Angst auf: „Ich werde verschwinden – und wer weiß, was dann passiert?“

 

Osho, Auszug aus: The Wisdom of the Sands