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Lieben

Du weißt, du bist überzeugt, es gibt ohne Liebe keine Freude, ohne Liebe kein Leben: ohne Liebe hungerst du nach etwas Unbekanntem, unerfüllt, leer. Du bist hohl, du hast nichts. Du bist einfach ein Gefäß ohne Inhalt. Du fühlst die Hohlheit, die Leere und das ganze Elend. Und du bist überzeugt, dass es Möglichkeiten gibt, dich zu erfüllen. Aber wenn du dich der Liebe näherst, kommt eine große Angst, ein Zweifel auf: Wenn du jetzt nachgibst, wenn du da wirklich hineingehst – wirst du dann jemals fähig sein, wieder zurückzukommen? Wirst du fähig sein, deine Identität, deine Persönlichkeit zu wahren? Ist es dieses Risiko wert? Und der Verstand beschließt, kein solches Risiko einzugehen, denn wenigstens „bist du da“ – wenn auch unterernährt, hungrig, unglücklich – aber wenigstens bist du da. Wenn du dich in irgendeine Liebe auflöst, wer weiß?

Du kommst abhanden, und was ist dann die Garantie, dass es Freude geben wird, dass es Seligkeit geben wird, dass es Gott geben wird?

Es ist die gleiche Angst, die ein Samenkorn fühlt, wenn es sich sterbend in den Boden aufzulösen beginnt. Es ist der Tod. Und das Samenkorn kann sich nicht vorstellen, wie aus dem Tod wieder Leben entstehen soll.

Liebe ist Tod. Und Liebende können nicht begreifen, dass dieser Tod nur von dieser Seite aus Tod ist. Von der anderen Seite her ist es die wahre Geburt.

Sie ist schmerzhaft. Und Angst kommt auf, und Zweifel kommen auf, und viele Male fühlst du es und wirst sagen: „So dringlich ist es auch wieder nicht.“ Der Verstand wird sagen: „Worauf lässt du dich ein? Wofür? Rette dich und flieh!“ Und der Verstand wird tausend Fluchtgründe finden, und der Verstand ist sehr schlau im Erfinden von Gründen. Er ist ein Rationalisierer. Wo Gründe fehlen, erfindet er welche. Und sie werden dir gefallen, weil sie deinem Ego gefallen.

Das ist das Unglück, das Dilemma, die Qual: Der Mensch möchte lieben, aber der Mensch bäumt sich auch dagegen auf zu lieben. Bevor du das nicht verstehst und trotz deiner Angst handelst, wirst du nie fähig werden zu lieben.
 

Osho, Auszug aus: The Wisdom of the Sands