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Leben

Ich habe ein altes Sufi-Gleichnis gehört:
Zwei Schüler eines großen Meisters gingen im Garten des Meisters spazieren. Es war ihnen erlaubt, jeden Tag dort zu gehen, morgens und abends. Das Gehen war eine Art Meditation, eine Gehmeditation – genauso wie Zenleute Gehmeditation machen. Man kann nicht vierundzwanzig Stunden lang still sitzen – die Beine brauchen ein wenig Bewegung, das Blut braucht ein wenig Zirkulation – deshalb meditiert man im Zen und im Sufismus ein paar Stunden lang sitzend und dann beginnt man, im Gehen zu meditieren. Aber die Meditation geht weiter: ob gehend oder sitzend, der innere Fluss bleibt derselbe.

Beide waren sie Raucher. Beide wollten sie den Meister um Raucherlaubnis fragen. Daher beschlossen beide: 'Also morgen! Schlimmstenfalls kann er nein sagen – aber wir wollen ihn fragen. Und es scheint kein so frevelhafter Akt zu sein, im Garten zu rauchen; im Hause selbst werden wir nicht rauchen.'

Am nächsten Tag trafen sie sich im Garten. Der eine wurde wütend – wütend, weil der andere rauchte – und sagte: 'Was soll das heißen? Ich habe auch gefragt, aber er hat einfach glatt abgelehnt und nein gesagt. Und du rauchst? Hältst du dich nicht an seine Anordnungen?' Der andere sagte: 'Aber zu mir hat er ja gesagt.'

Dies schien ausgesprochen ungerecht. Und der erste sagte: 'Ich werde gehen und augenblicklich nachfragen, warum er zu mir nein und zu dir ja gesagt hat.'

Der andere sagte: 'Warte einen Augenblick! Erzähle mir bitte, worum du gebeten hast.'
Er sagte: 'Worum ich gebeten habe? Ich habe ganz einfach gebeten: ,Darf ich beim Meditieren rauchen?‘ Da hat er nein gesagt und ganz böse ausgesehen.'
Der andere begann zu lachen; er sagte: 'Jetzt weiß ich, was los ist. Ich habe gefragt: ,Kann ich beim Rauchen meditieren?‘ Er hat ja gesagt.'

Es kommt immer drauf an. Nur ein kleiner Unterschied, und schon ist das Leben etwas völlig anderes. Nun, es ist ein großer Unterschied, zu fragen: 'Kann ich beim Meditieren rauchen?' Es ist einfach häßlich; aber zu fragen 'Kann ich beim Rauchen meditieren?', das ist vollkommen in Ordnung. Gut! Wenigstens meditierst du.

Das Leben ist weder Glück noch Unglück.
Das Leben ist eine leere Leinwand, und man muss sehr kunstfertig damit umgehen.

Ein Landstreicher klopfte an die Tür eines Gasthauses namens 'Zum Georg mit dem Drachen'.
'Haben Sie für einen armen Mann vielleicht einen Bissen zu essen übrig?' fragte er die Frau, die an die Tür gekommen war.
Sie schrie 'Nein!' und knallte die Tür zu.
Einige Sekunden später klopfte der Landstreicher noch einmal. Dieselbe Frau kam zur Tür.
'Könnte ich einen Bissen zu essen haben?', sagte der Landstreicher.
'Verschwinde, du Nichtsnutz!', schrie die Frau. 'Und untersteh dich, zurückzukommen.'
Nach ein paar Minuten klopfte der Landstreicher erneut an. 'Pardon', sagte er, 'aber könnte ich diesmal mit Georg sprechen?'
 

Osho, Auszug aus: The Secret