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Lieben

Ich möchte, dass es keine Familien gibt, ich möchte, dass es keine Staaten gibt – ich möchte nicht, dass die Welt in Teile zerlegt wird. Ich möchte eine Welt aus lauter freien Individuen, die in spontaner Liebe leben, die in Stille leben, in Spiel, ohne alle Verdammung von Spaß, ohne alle Angst vor der Hölle – weil wir das Paradies hier erschaffen können. Wir haben absolut das Potential dazu, aber wir nutzen es nicht. Im Gegenteil, wir errichten jedes nur mögliche Hindernis, damit die Erde kein Paradies werden soll.

Ich bin nicht gegen die Liebe. Ich bin zu sehr für die Liebe, und gerade deshalb bin ich gegen Beziehungen, gegen Ehen. Es ist möglich, dass zwei Menschen ihr ganzes Leben zusammenleben. Niemand sagt, dass ihr euch trennen müßt, aber dieses Zusammenleben wird nur aus Liebe zueinander sein, ohne Einmischung und Verletzung der Individualität des anderen, seiner geheimsten Seele; das verlangt seine Würde.

Ich spreche von Liebe als einem spirituellen Phänomen, nicht als Biologie. Biologie ist nicht Liebe, sondern Wollust. Die Biologie ist am Weiterbestehen der Arten interessiert; die Idee der Liebe ist nur ein biologischer Bestechungsversuch. Sobald du mit einer Frau oder einem Mann geschlafen hast, merkst du plötzlich, dass du kein Interesse mehr hast, zumindest für vierundzwanzig Stunden. Und es kommt auf dein Alter an – mit zunehmendem Alter achtundvierzig Stunden, zweiundsiebzig Stunden…

Ein neuer Kommandant trifft im Stützpunkt der französischen Fremdenlegion ein und lässt sich vom Hauptmann alle Gebäude zeigen. Nachdem er seinen Rundgang beendet hat, sieht der Kommandant den Hauptmann scharf an und sagt: „Augenblick, Sie haben mir nicht das kleine blaue Gebäude da drüben gezeigt. Wozu wird das verwendet?“

Der Hauptmann sagt: „Tja, Herr Kommandant, wissen Sie, da stellen wir das Kamel unter. Immer wenn unsere Männer den Wunsch nach einer Frau verspüren… “
„Schon gut!“, sagt der Kommandant angewidert.

Etwa zwei Wochen später verspürt der Kommandant selbst ein Verlangen nach einer Frau. Er geht zum Hauptmann und sagt, indem er seine Stimme senkt und verstohlen um sich blickt: „Sagen Sie, Hauptmann, ist das Kamel bald irgendwann zu haben?“

Der Hauptmann sagt: „Einen Augenblick bitte“, und öffnet sein Buch: „Jawohl, Herr Kommandant, das Kamel ist morgen Nachmittag um zwei Uhr zu haben.“
Der Kommandant sagt: „Merken Sie mich vor.“

Am nächsten Tag, Punkt zwei Uhr, geht der Kommandant zu dem kleinen, blauen Gebäude und öffnet die Tür. Drinnen sieht er das süßeste Kamel, das er je gesehen hat. Er macht die Tür zu. Der Hauptmann hört ein mächtiges Gebrüll und Geschrei, rennt hinüber und stürmt in die Hütte. Er findet den Kommandanten nackt, mit Kamelhaar und Kot bedeckt.

„Pardon, Herr Kommandant“, sagt der Hauptmann, „aber wäre es nicht klüger, es wie die andern Männer zu halten und mit dem Kamel in die Stadt zu reiten und sich dort eine Frau zu suchen?“
 

Osho, Auszug aus: The Hidden Splendor