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Der Orgasmus, Teil 2

Der Orgasmus, Teil 2

Kannst du noch mehr über Sex und Tod sagen?
Eine richtige sexuelle Erfahrung ist auch eine Erfahrung des Todes: Du stirbst. Darum haben die Menschen solche Angst vor Sex, solche Angst vor Frauen. Ich habe nicht viele Leute getroffen, die keine Angst vor Frauen hatten. Diese Angst ... die Frau hat dir das Leben geschenkt, sie muß dir auch den Tod bringen.

Betrachtet einmal die Vorstellung der Hindus von Kali, Mutter Kali: Sie ist Leben und Tod zugleich, Gebende und Nehmende. Eine schöne Frau – aber schwarz, schwarz wie der Tod. Eine schöne Frau – aber sehr gefährlich. So gefährlich, daß sie auf dem Körper ihres Gatten tanzt und ihn fast umbringt. Shiva liegt da, und sie tanzt auf seinem Körper, zertrampelt ihn beinahe. Um den Hals trägt sie eine Girlande von Schädeln, und in einer Hand hält sie einen abgehackten Kopf, frisch abgehackt, von dem noch das Blut tropft. Die Leute im Westen können sich nicht vorstellen, warum eine Mutter so gefährlich sein sollte, warum eine schöne Frau auf eine so gefährliche, schreckliche, abstoßende Weise dargestellt wird. Die Hindus wissen es besser. Sie sind tiefer in das Mysterium des Lebens eingedrungen als alle anderen. Sie wissen, daß Sex und Tod so nahe beisammen liegen, daß sie fast eins sind.

Wenn das Sexzentrum anfängt, zu pulsieren und Wellen durch den ganzen Körper zu schicken, fängt auch das an Todeszentrum zu pulsieren. Deshalb wurde Orgasmus zu einem bloßen Wort. Ihr gelangt im Sex nicht zum Orgasmus, könnt es nicht – es sei denn, ihr akzeptiert den Tod.

Nur dann könnt ihr zum Orgasmus kommen, denn Orgasmus bedeutet, alle Kontrolle zu verlieren. Orgasmus bedeutet, den Verstand zu verlieren. Orgasmus bedeutet, daß der ganze Körper vor Ekstase bebt, bis in jede Faser, jede Zelle. Der ganze Körper feiert in einer nie gekannten Seligkeit, und der Verstand hat aufgehört, zu kontrollieren und zu manipulieren.

Der Mann erreicht nur einen lokalen Orgasmus – nur eine Ejakulation, aber das ist kein Orgasmus. Denn wenn der Orgasmus von dir Besitz ergreift, bist du nicht mehr da – dann ergreifen Leben und Tod zugleich Besitz von dir. Dann packt dich die Furcht. Seit Tausenden von Jahren haben die Frauen keinen Orgasmus erfahren, und selbst heute bekommen in Indien nicht einmal zwei Prozent der Frauen einen Orgasmus. Erst in den letzten Jahren hat der Mann herausgefunden, daß auch die Frau einen Orgasmus haben kann. Es wurde unterdrückt, weil die Frau, wenn sie zum Orgasmus kommt, so verrückt wird, daß sie zu Kali wird. Sie wird vor Ekstase so verrückt, daß sie anfängt, auf deiner Brust herumzutanzen und ganz außer sich zu geraten. Sie ist nicht mehr sie selbst; sie wird zu einer Urkraft, zu einem Wirbelsturm, einem Orkan. Sie wird lachen und weinen, und man weiß nicht, was alles passieren kann. Die ganze Nachbarschaft wird wissen, daß eine Frau zum Orgasmus gekommen ist.

Sex ist etwas so Privates. Wir haben ihn zu einer geheimen, verborgenen Angelegenheit gemacht, die im Dunkeln passiert. Die Partner können sich nicht einmal sehen, und die Frau hat gelernt, absolut passiv und unbeweglich zu bleiben – alles aus Angst. Denn wenn sie erst einmal weiß, wie schön es ist, so völlig außer sich zu geraten, dann ist sie nicht mehr kontrollierbar. Dann ist es unmöglich für einen Mann, eine Frau zu befriedigen, denn die Frau kann viele Orgasmen bekommen, der Mann aber nur einen. Eine Frau kann innerhalb von Minuten wenigstens sechs Orgasmen haben – zwischen sechs und sechzig. Dann wird es für jeden Mann unmöglich, die Frau zu befriedigen. Sie wird total verrückt, weil sie so natürlich ist. Es ist ratsamer, sie zu unterdrücken.

Man hat den Sex unterdrückt, weil er ein Aspekt des Todes ist. Nur zwei Dinge sind auf der Welt so sehr unterdrückt worden: Sex und Tod. Immer wenn eine Kultur den Sex unterdrückt, wird sie den Tod nicht so sehr unterdrücken; das ist dann unnötig, weil die Unterdrückung des Sex allein ausreicht. Immer wenn eine Kultur den Tod unterdrückt, macht sie sich nicht die Mühe, auch den Sex zu unterdrücken; das ist dann unnötig, weil die Unterdrückung des Todes allein ausreicht. Wenn man das eine unterdrückt, unterdrückt man beide, weil beide zusammenhängen – und beide müssen befreit werden.

Erst dann lebt ihr total, doch dann lebt ihr immer am Rande des Todes. Ihr lebt im Sein, aber euer Blick ist ins Nicht-Sein gerichtet. Darin besteht die Schönheit und auch der Schrecken. In der Tat haben alle natürlichen, schönen Dinge immer auch etwas Schreckliches.

Es gibt Spinnen ... während sie Liebe machen, fängt die weibliche Spinne an, ihren Liebhaber aufzufressen. Während er sie liebt und auf ihr draufsitzt, beginnt sie ihn zu verspeisen. Frauen sind gefährlich! Und sie fängt beim Kopf an. Als erstes frißt sie den Kopf, weil er ihr dann nicht weglaufen kann. Er aber macht weiter – der Kopf ist längst weg, aber wer braucht schon den Kopf? Wenn es ums Lieben geht, wer braucht dazu einen Kopf?

Sein Kopf ist weg, und allmählich verschwindet er, Stück für Stück – aber er macht immer weiter. Was noch von ihm übrig ist, zittert weiter. Die Spinnenmännchen dieser Gattung machen nur ein einziges Mal Liebe. Aber was für eine Liebe! Was für eine Totalität! Was für eine Geilheit! Heilige Spinne!

Sex ist ein Problem für mich. Manchmal wünsche ich mir, es gäbe ihn gar nicht. Ich habe oft das Gefühl, daß mit mir etwas nicht stimmt, aber ich habe immer so getan, als wäre alles in Ordnung und als würde es mir Spaß machen.
Da muß etwas geschehen, nicht wahr? Denn das ist eine verkehrte Einstellung, und du schaffst dir nur unnötig Probleme damit und verpaßt vieles, was für deine Entwicklung nötig ist. Eines Tages muß man Sex hinter sich lassen, aber der Weg, wie man darüber hinauskommt, geht mitten hindurch. Und wenn du nie richtig hineingehst, wird es sehr schwierig sein, darüber hinauszugehen. Um es zu transzendieren, muß man in die Erfahrung hineingehen.

Vermutlich hast du einfach eine bestimmte Haltung zum Sex übernommen; es ist eine Konditionierung.

Auf der ganzen Welt werden die Menschen irgendwie verdorben – und sie werden dadurch verdorben, daß man ihnen beibringt, sich schuldig zu fühlen, wenn sie Spaß haben. Als ob etwas daran verkehrt wäre, wenn du glücklich bist! Wenn du unglücklich bist, scheint alles in Ordnung zu sein, aber wenn du glücklich bist, stimmt etwas nicht! Man hat das Glück der Menschen unterdrückt und verdrängt – aber solange du noch nicht vor Glück explodiert bist, hast du die ganze Chance des Lebens verpaßt.

Das Leben existiert zu diesem Zweck: damit wir lernen, absolut glücklich zu sein. Damit du lernst, wie du dabei explodieren kannst.

Natürlich ist Sex die beste Möglichkeit für diese Explosion. Er ist eine der natürlichsten Methoden, um einen Schimmer von Samadhi zu bekommen – einem tiefen Zustand von Meditation und Glückseligkeit. Es gibt viele andere Methoden, um diese Glückseligkeit zu erlangen, aber keine ist so natürlich. Sex ist der natürlichste Weg – ein biologisches Standardprogramm. Es ist Gottes Geschenk an uns, damit jeder Mensch – ob religiös oder nicht, ob Hindu oder Mohammedaner, ob Kommunist oder Atheist, ob er nun an Gott glaubt oder nicht – damit jeder einen Funken des Jenseitigen bekommen kann, eine Erfahrung von etwas, das jenseits des Körpers und des Verstandes liegt.

Du mußt dir drei Dinge merken und sie ausprobieren: Erstens, sei aktiv, wenn du Liebe machst. Wenn du aktiv bist, kann es leichter passieren. Wenn du passiv bist, kann es nicht so leicht passieren. Sag also deinem Freund, daß er die Rolle der Frau übernehmen soll, und du übernimmst die Rolle des Mannes. Mach ein Spiel daraus. Laß ihn passiv sein und werde du aktiver. Wenn man aktiv ist, ist man stärker beteiligt, wird die Energie stärker aktiviert. Dann kann man nicht mehr so leicht mittendrin aufhören. Aber wenn du passiv bist, kannst du jederzeit aussteigen, weil du gar nicht richtig drin bist. Dann bist du bloß ein Zuschauer. Werde also aktiver, okay? Aber das ist nur eine vorübergehende Maßnahme. Wenn du erst einmal zur Erfahrung des Orgasmus gekommen bist, ist es nicht mehr notwendig. Dann kannst du wieder zu deiner alten Rolle als Frau zurückkehren. Es ist nur vorübergehend. Sag also deinem Freund, er soll die Frau spielen, und du bist der Mann, der Aktive.

Das zweite: Bevor ihr anfangt, Liebe zu machen, tanzt miteinander. Macht einen wilden Tanz daraus. Singt laut, tanzt und spielt Musik, wenn ihr wollt. Verwendet Räucherstäbchen im Zimmer und macht das ganze zu einem schönen Ritual – fast zu etwas Heiligem.

Die Menschen bereiten sich nicht schrittweise auf den Liebesakt vor. Zwei Liebende sitzen beieinander und plötzlich fangen sie an, sich zu lieben. Es geht zu schnell – besonders für die Frau; es ist zu abrupt. Für den Mann ist es nicht abrupt, weil seine Energie anders funktioniert; seine Sexualität ist mehr örtlich. Die Sexualität der Frau ist totaler – ihr ganzer Körper ist daran beteiligt. Wenn also kein Vorspiel vorausgeht, kann die Frau nie so tief in den Sex hineingehen.

Zuerst tanze und singe und laß die Energie in Schwung kommen, und dann sei der aktive Teil. Und werde richtig wild dabei! Gehe nicht nach einem bestimmten Muster vor – sei einfach wild. Wenn du schreien willst, mach dir keine Sorgen. Wenn du singen willst, mach dir keine Sorgen. Wenn du einfach nur unsinnige Laute von dir geben willst, tu es.

Und drittens: Beobachte dich tagtäglich, von morgens bis abends, wie du auch bei anderen Tätigkeiten deine Freude blockierst. Du mußt dein ganzes Muster ändern. Wenn du ißt, iß mit Freude, denn alles ist mit allem verbunden. Wenn du tanzt, freu dich! Wenn du mit jemandem sprichst, fühle die Freude, das Strahlen, das Fließen. Wenn du auf der Straße gehst, freu dich. Wir wissen ja gar nicht, was wir alles versäumen! Ein ganz normaler Spaziergang auf der Straße – man kann ihn so sehr genießen! Wer weiß – vielleicht ist es das letzte Mal? Vielleicht kannst du morgen nicht mehr auf dieser Straße gehen. Vielleicht kannst du morgen nicht mehr die Sonne spüren. Der Wind wird noch da sein, aber du vielleicht nicht mehr. Wer weiß, was morgen ist? Dies könnte dein letzter Tag sein!

Darum freue dich über jeden Augenblick, als wäre es dein letzter. Nimm ihn als Ganzes in dich auf, quetsche ihn bis zum äußersten aus, laß nichts von ihm übrig. Dann lebt man intensiv und leidenschaftlich.

Der Sex ist nur eine Nebenerscheinung deiner Gesamteinstellung zum Leben. Darum kannst du nicht einfach nur den Sex ändern – das geht nicht. Alles ist miteinander verbunden, nicht wahr? Darum wirst du alles verändern müssen.

Iß mit Freude! Du darfst nicht einfach deinen Körper mit Essen vollstopfen – genieße es! Es ist ein Sakrament. Gehe – und genieße es! Es ist ein Geschenk Gottes, und man sollte dafür dankbar sein. Wenn du mit jemandem redest, genieße es.

Fang also ab sofort an, alles zu genießen, auch wenn es scheinbar gar nichts mit Sex zu tun hat. Das Ergebnis wird sein, daß du, wenn du viele Dinge genießen kannst, auch Sex mehr genießen wirst. Wenn du andere Dinge nicht genießen kannst, kannst du auch den Sex nicht genießen.

Das ist meine Beobachtung: daß die Einstellung zum Sex deine Haltung zum Leben symbolisiert. Sie sagt alles über dein Leben insgesamt aus.

Auszug aus Osho, Zen: The Special Transmission, Kapitel 6; The Shadow of the Whip, Kapitel 15