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Sexualität, Teil 2

Der Mann ist jahrhundertelang der Herr gewesen, und die Frau die Sklavin. Man hat sie versteigert, hat sie verkauft, hat sie bei lebendigem Leibe verbrannt. Alles, was an Unmenschlichem getan werden kann, hat man den Frauen angetan – und sie stellen die eine Hälfte der Menschheit dar.

Die Zukunft könnte ein völlig anderes Bild präsentieren. Alle Frauen der Welt müßten nur für ein getrenntes Wahlsystem kämpfen, in dem die Frauen nur Frauen und die Männer nur Männer wählen. Dann würde jedes Parlament zur Hälfte aus Frauen und zur Hälfte aus Männern bestehen. Und die Männer wären in kleine Parteien aufgespalten, aber die Frauen müßten darauf achten, keine Spaltungen zu erzeugen, sondern sich über die grundlegenden Dinge einig zu sein, denn es ist eine Frage von Tausenden von Jahren der Sklaverei. Ihr könnt euch Parteien nicht leisten. Es sollte nur eine einzige internationale Partei der Frauen geben, und diese sollte alle Regierungen der Welt übernehmen.

Dies scheint mir der einzige Weg, um den Status der Frauen zu verändern: die freie Anwendung wissenschaftlicher Methoden, die die Beziehung zwischen Mann und Frau transformieren können, und das Aufgeben des Konzeptes der Ehe, die etwas absolut Häßliches ist, weil sie schlichtweg eine Art von Privatbesitz darstellt. Menschen kann man nicht besitzen; sie sind kein Eigentum. Und die Liebe sollte einfach ein fröhliches Spiel sein. Und wenn ihr Kinder wollt, dann sollten die Kinder der Gemeinschaft gehören, so daß die Frau nicht mehr zur Mutter, Ehefrau oder Prostituierten abgestempelt ist. Diese Stempel müssen beseitigt werden.

Deine Frage: »Ich fühle mich so gefangen in der Angst, intim zu sein und völlig die Kontrolle zu verlieren.« Jede Frau hat Angst, denn wenn sie mit einem Mann die Kontrolle verliert, dreht der Mann durch. Er packt es nicht; seine Sexualität ist so begrenzt. Weil er der Gebende ist, verliert er beim Sex Energie. Die Frau verliert beim Sex keine Energie – im Gegenteil, sie fühlt sich bereichert. Nun, dies sind Tatsachen, die man in Rechnung stellen muß. Jahrhundertelang hat der Mann die Frau genötigt, sich zu kontrollieren; er hat sie auf Abstand gehalten und ihr nie erlaubt, allzu intim zu werden. Sein ganzes Gerede über Liebe ist eine Farce.

»In meinem Innern ist diese Wahnsinnsfrau eingesperrt. Wenn sie gelegentlich mal rauskommt, drehen die Männer für gewöhnlich durch, und dann verkriecht sie sich wieder in ihren Winterschlaf, sie geht auf Nummer sicher und ist total frustriert.«

Das ist nicht nur deine Geschichte; es ist die Geschichte aller Frauen. Alle leben sie in tiefer Frustration. Und weil sie keinen Ausweg finden, weil sie nicht wissen, was ihnen vorenthalten wird, haben sie nur ein Ventil: Man findet sie in den Kirchen, den Tempeln, den Synagogen, wo sie zu Gott beten. Aber dieser Gott ist ebenfalls ein männlicher Chauvinist. In der christlichen Dreifaltigkeit ist kein Platz für eine Frau. Alle sind Männer: der Vater, der Sohn, der Heilige Geist. Es ist der reinste Schwulen-Club.

Der Frau sind auf vielfältige Weise die Flügel gestutzt worden. Und der größte Schaden, der ihr zugefügt wurde, ist die Ehe – denn weder Mann noch Frau sind monogam. Psychologisch gesehen sind sie polygam. So hat man ihre ganze Psychologie auf widernatürliche Weise vergewaltigt. Und weil die Frau vom Mann abhängig war, mußte sie alle möglichen Erniedrigungen hinnehmen – denn der Mann war der Herr, er war der Besitzer, er hatte das ganze Geld. Und um seine polygame Natur zu befriedigen, erschuf der Mann sich Prostituierte.

Die Prostitution ist eine Begleiterscheinung der Ehe. Diese häßliche Institution der Prostitution wird nicht aus der Welt verschwinden, solange die Ehe nicht verschwindet. Sie ist ihr Schatten – denn der Mann will nicht in einer monogamen Beziehung festgenagelt sein, und er hat die Bewegungsfreiheit, er hat das Geld, er hat die Bildung, er hat die ganze Macht. So erfand er die Prostitution. Eine Frau kaputtzumachen, indem man sie zur Prostituierten macht, ist der häßlichste Mord, den man begehen kann. Groteskerweise sind alle Religionen gegen die Prostitution, dabei sind gerade sie deren Ursache. Sie alle sind für die Ehe und können eine einfache Tatsache nicht sehen: daß die Prostitution ihre Existenz der Ehe verdankt.

Jetzt versucht die Frauenemanzipationsbewegung, den Männern all die Dummheiten, die sie mit den Frauen angestellt haben, nachzumachen. In London, New York, San Francisco findet man männliche Prostituierte. Das ist ein neuer Trend. Es ist aber kein revolutionärer Schritt, es ist ein reaktionärer Schritt.

Das Problem ist, daß du nur dann eine orgasmische Erfahrung haben kannst, wenn du beim Sex die Kontrolle verlierst. Deshalb sollten zumindest meine Leute verstehen, daß die Frau stöhnen und seufzen und schreien muß. Das liegt daran, daß ihr ganzer Körper beteiligt ist – total beteiligt. Ihr braucht keine Angst davor zu haben. Es ist ungeheuer heilsam: Sie wird nicht mehr zickig zu euch sein, und sie wird nicht mehr an euch herummäkeln, denn all die Energie, die sonst in die Zickigkeit geht, wird transformiert in eine immense Freude. Und habt keine Angst vor den Nachbarn. Es ist ihr Problem, wenn sie sich über euer Stöhnen und Seufzen aufregen, es ist nicht euer Problem. Ihr behindert ja niemanden...

Macht eure Liebe zu einem wahren Fest, und nicht bloß zu einer schnellen Nummer. Tanzt, singt, macht Musik – und laßt den Sex nicht bloß im Kopf stattfinden. Zerebraler Sex ist nicht authentisch. Sex muß spontan sein. Ihr müßt dafür die richtige Situation kreieren. Euer Schlafzimmer sollte ein heiliger Ort sein, ein Tempel. In eurem Schlafzimmer solltet ihr nichts anderes machen. Singt und tanzt und spielt miteinander, und wenn die Liebe von allein passiert, ganz spontan, dann werdet ihr eine große Überraschung erleben: Die Biologie offenbart euch einen Schimmer von Meditation.

Und macht euch keine Gedanken darüber, daß die Frau ganz außer sich gerät. Sie muß verrückt werden: Ihr ganzer Körper gerät in einen völlig anderen Zustand. Sie kann die Kontrolle nicht behalten. Wenn sie kontrolliert, bleibt sie wie eine Leiche. Aber Millionen von Männern schlafen mit Leichen.

Ich habe eine Geschichte gehört über Kleopatra, die schönste Frau: Als sie starb, wurde ihr Körper nach altem ägyptischem Ritus drei Tage lang nicht begraben. In diesen drei Tagen wurde sie vergewaltigt – ihr Leichnam! Als ich das zum ersten Mal hörte, habe ich mich gefragt: Was muß das für ein Mann sein, der eine tote Frau vergewaltigt? Aber dann kam mir, daß das vielleicht gar nicht so abwegig ist, denn alle Männer haben die Frauen zu Leichen degradiert, zumindest wenn sie mit ihnen Liebe machen.

Die älteste Abhandlung über Liebe und Sex ist das Kamasutra von Vatsayana: Aphorismen über den Sex. Er beschreibt vierundachtzig Stellungen für den Geschlechtsverkehr. Als die christlichen Missionare in den Osten kamen, waren sie erstaunt, denn sie kannten nur eine einzige Stellung: der Mann obenauf. So hat der Mann mehr Bewegungsfreiheit, und die Frau liegt unter ihm wie eine Leiche.

Vatsayanas Vorschlag, daß die Frau oben sein sollte, trifft den Nagel auf den Kopf. Der Mann oben ist etwas sehr Unkultiviertes; die Frau ist zu zart. Aber der Grund, warum die Männer es so eingerichtet haben, daß sie oben sind, ist der, daß sie auf diese Weise die Frau unter Kontrolle haben. Begraben unter dem Monster, bleibt die Schöne zwangsläufig unter Kontrolle. Die Frau darf noch nicht einmal ihre Augen aufmachen, denn dann wäre sie ja eine Dirne. Sie muß sich wie eine Dame benehmen. Diese Position, mit dem Mann oben, nennt man im Osten die »Missionarsstellung«.

Du mußt deine Angst, mit einem Mann intim zu sein und völlig die Kontrolle zu verlieren, loslassen. Laß doch ruhig diesen Dummkopf Angst haben! Wenn er unbedingt Angst haben will, ist das seine Sache. Sei du einfach authentisch, sei du selbst. Sonst belügst du dich selbst, du machst dir etwas vor und machst dich kaputt. Was spielt es für eine Rolle, wenn der Mann durchdreht und nackt aus dem Zimmer rennt? Sperr ihn aus! Und laß die ganze Nachbarschaft wissen, daß dieser Mann spinnt. Aber du brauchst dich nicht zu kontrollieren und dir damit die Möglichkeit zu nehmen, eine orgasmische Erfahrung zu haben.

Durch die Erfahrung des Orgasmus erfahrt ihr Vereinigung und Verschmelzung, Egolosigkeit, Gedankenfreiheit, Zeitlosigkeit.

Dies kann euch auf den Weg bringen, nach einer Methode zu suchen, wie ihr auch ohne einen Partner, ohne den Mann, Ego, Verstand und Zeit hinter euch lassen und allein in die orgasmische Freude eintauchen könnt. Das nenne ich wahre Meditation.

Darum komm aus deinem Winterschlaf und hör auf, auf Nummer sicher zu gehen – und deine ganze Frustration wird verschwinden. Warum solltest du dir um den Mann Gedanken machen? Überlaß es ihm, sich zu fragen: »Was mach ich denn nur? Diese Frau wird ja ganz verrückt! Sie springt auf mich drauf und fängt an, mir das Gesicht zu zerkratzen...!« Mach dir keine Gedanken! Hab Spaß bei dem ganzen Spiel, geh spielerisch damit um. Und wenn ein Mann durchdreht ... es gibt noch Millionen anderer Männer! Eines Tages wirst du einen Typen finden, der verrückt genug ist und nicht durchdreht.
 

Auszug aus Osho, The Razor's Edge,, Kapitel 26