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Featured Books The Book of Women Die Unterdrückung des Weiblichen, Teil 2

Die Unterdrückung des Weiblichen, Teil 2

Die Dschainas glauben, daß niemand aus einem weiblichen Körper heraus befreit werden kann. Nur der Mann kann befreit werden, nur er kann das Höchste erreichen – ihr Wort dafür ist Moksha, Befreiung –, aber nur vom Körper eines Mannes aus, nicht von dem einer Frau. Was ist verkehrt am Körper einer Frau? Es gibt überhaupt keinen Unterschied. Der einzige Unterschied ist physiologisch, und auch das ist kein allzu großer Unterschied – kein Unterschied, der einen Unterschied machen würde.

Die Sexualorgane des Mannes hängen nach außen, und die Sexualorgane der Frau hängen nach innen – das ist der einzige Unterschied. Das ist, wie wenn du deine Hosentasche nach außen stülpst – dann wird sie männlich. Wenn du sie nach innen, in ihre ursprüngliche Lage, zurückstülpst, wird sie weiblich. Das nennt ihr einen Unterschied? Die gleiche Tasche...?

Die Dschainas sagen, daß die Frau durch ihren weiblichen Körper verdammt sei. Zuerst muß sie ein Mann werden. Also gibt es zwar Dschaina-Nonnen, aber sie streben nicht nach Befreiung, sondern danach, im nächsten Leben als Mann wiedergeboren zu werden. Dann erst werden sie für ihre Befreiung arbeiten. Für sie gibt es einen Schritt mehr zu tun als für den Mann. »Ladies first« trifft hier nicht zu.

Aber eine Frau gab es in der Geschichte der Dschainas, die sehr viel Mut und Intelligenz besessen haben muß. Sie muß eine Rebellin gewesen sein. Sie rebellierte gegen diese Vorstellung. Ihr Name war Mallibhai. Sie rebellierte einfach gegen diese ganze Idee. Sie sagte: »Das hat der Mann nur erfunden!« Und ganz sicher muß sie eine charismatische Frau gewesen sein, denn sie wurde ein Dschaina-Mönch. Sie wollte auf keinen Fall Nonne werden, weil das Ziel einer Nonne ist, im nächsten Leben ein Mönch zu werden. Sie wurde ein Dschaina-Mönch. Eine Dschaina-Nonne darf Kleider tragen; sie soll nicht nackt herumlaufen – diese Stufe kommt erst im nächsten Leben, falls sie Erfolg hat.

Aber diese Frau, Mallibhai, war eine einzigartige Rebellin. Ich habe überall auf der Welt nachgeforscht – ich finde keine andere Frau vom gleichen rebellischen Geist. Sie wurde ein Mönch. Sie ließ ihre Kleider fallen und erklärte den Dschainas: »Ich bin ein Mönch, und ich strebe nach Befreiung. Und es ist mir ganz egal, was eure Schriften sagen.« Sie hatte zweifellos Charisma, und sie erfüllte alle Bedingungen, die ein Tirthankara (erleuchteter Meister) erfüllen muß – und die Dschainas mußten sie als Tirthankara akzeptieren.

Doch sie haben sie ausgetrickst. Als sie starb, änderten sie ihren Namen. Sie hieß Mallibhai – »bhai« bezeichnet eine Frau; daraus machten sie Mallinath – »nath« bezeichnet einen Mann. Wenn ihr also die Geschichtsbücher lest, werdet ihr nicht merken, daß von den vierundzwanzig Tirthankaras einer eine Frau war, weil sie statt Mallibhai den Namen Mallinath verwenden.

Sie haben die ganze Welt getäuscht, und sie haben ihr altes Spiel weitergespielt. Eine Frau hat den Beweis erbracht – und der Beweis einer einzigen Frau reicht für alle Frauen. Aber die verlogene Priesterschaft änderte ihren Namen, als sie starb. Und nicht nur den Namen haben sie geändert; sie haben auch ihre Statue geändert: Eine Männerstatue ist es, die in den Tempeln steht. In den Dschaina-Tempeln gibt es vierundzwanzig Tirthankara-Statuen – alles Männer!

Ich bin oft in Dschaina-Tempel gegangen und habe gefragt: »Wer ist Mallibhai?«
Und jedesmal wurde der Priester unruhig und sagte: »Äääh, Mallibhai...? Bist du ein Dschaina?«
Und dann sagte ich immer: »Nein, ich bin kein Dschaina. Aber ich bin auch kein männlicher Chauvinist. Welche von diesen vierundzwanzig ist Mallibhai?« – Und er zeigte es mir.
Aber ich sagte: »Das ist eine Männerstatue – die Sexualorgane hängen nach außen.«
Bald wurden sie vorsichtig ... jedesmal, wenn ich in einen Dschaina-Tempel wollte, sagten sie: »Der Tempel ist geschlossen. Du darfst nicht in den Tempel.«
Es ist eine männlich-chauvinistische Welt. Alle Hindu-Avatare sind Männer. Nicht eine einzige Frau wurde anerkannt. Nicht, daß es nicht Frauen mit viel mehr Stärke, viel mehr Kraft gegeben hätte als diese sogenannten Avatare, aber sie wurden nicht akzeptiert – nur weil sie Frauen sind und es eine Männerwelt ist.

Ein Mohammedaner kann vier Frauen heiraten; der Koran erlaubt es ihm. Einer Frau ist es jedoch nicht gestattet, vier Männer zu heiraten. Das ist doch ungerecht! Eine Frau darf eine mohammedanische Moschee nicht betreten – sie darf nur draußen beten. Sie ist unrein, nur weil sie eine Frau ist. Sie darf noch nicht einmal innerhalb der Moschee beten!

In einer Synagoge gibt es einen gesonderten Bereich für Frauen, abgetrennt. Sie darf nicht bei den Männern sitzen. Meistens hat sie im hinteren Bereich ihren Platz, oder ihr Platz ist auf der Empore.

Das erinnert mich an eine Geschichte ... ich weiß nicht, ob sie stimmt oder nicht. Als Golda Meir Ministerpräsidentin von Israel war, stattete Indira Gandhi, die indische Ministerpräsidentin, Israel einen Besuch ab. Sie wollte eine Synagoge besichtigen und wissen, wie die Juden beten und was sie so tun. Also nahm Golda Meir Indira Gandhi mit, und sie saßen auf der Empore.

Indira Gandhi fragte Golda Meir: »Ist es in der Synagoge Vorschrift, daß nur Ministerpräsidenten auf der Empore sitzen dürfen?« – denn Golda Meir und Indira Gandhi waren zwei Frauen. Golda Meir scheute sich, zu sagen, daß die Frau nach jüdischer Sitte getrennt sitzen muß. Doch Indira Gandhi dachte: »Es liegt wohl daran, daß wir beide Präsidentinnen sind; deshalb wird uns ein besonderer Platz zugewiesen.«

Ja, es war ein besonderer Platz, aber nicht für Ministerpräsidenten, sondern für zwei Frauen. Sogar wenn sie Ministerpräsidentin ist, egal – eine Frau ist eine Frau.

Selbst Buddha benahm sich äußerst respektlos gegenüber den Frauen. Er gab Frauen nicht die Erlaubnis, Nonnen zu werden; er verweigerte ihnen die Einweihung. Da scheint eine tiefliegende Angst in ihm zu sein. Und aus einer seiner Äußerungen geht das klar hervor, denn fast fünfzehn Jahre lang weigerte er sich beharrlich: »Ich werde keine Frauen einweihen.« Was ist diese Angst? Warum wollte er keine Frau einweihen, wo doch Frauen ihn darum baten, eingeweiht zu werden? Was war der Grund, sie daran zu hindern, nach der Wahrheit zu streben und zu suchen? Ist dies das Monopol des Mannes? Ist selbst die Wahrheit eine Ware und ein Monopol des Mannes?

Schließlich gab er sehr widerstrebend nach – gar nicht freudig. Er mußte nachgeben, weil die Frau, die ihn darum bat, jene Frau war, die bei ihm Mutterstelle vertreten hatte. Gautama Buddhas eigene Mutter war gestorben, als sie ihn zur Welt brachte. Die Schwester seiner Mutter blieb daraufhin unverheiratet und widmete ihr ganzes Leben, um Gautama Buddha aufzuziehen. Sie gab ihm mehr Liebe, als jede Mutter zu geben vermag, und dafür opferte sie natürlich ihr eigenes Leben; sie überschüttete ihn mit allem, was sie hatte. Als sie zu ihm kam – alt, mit Tränen in den Augen ... ihr Name ist Mahamaya – da sagte sie: »Ich weiß, daß du seit fünfzehn Jahren Frauen abweist, aber ich bin deine Mutter. Denke daran, ich habe dir mein ganzes Leben geopfert. Warum kannst du mir nicht die Einweihung geben? Kannst du nicht die Wahrheit, die du gefunden hast, mit mir teilen?«

Unter diesem Druck konnte er Mahamaya nicht zurückweisen; es wäre zu grausam gewesen. Doch was er sagte, war dennoch grausam. Er nahm sie an, er gab ihr die Einweihung – ungern, ganz ohne Zeremonie ... und nach der Einweihung sagte er: »Meine Religion hätte fünftausend Jahre dauern können, aber jetzt wird sie nur fünfhundert Jahre dauern, weil ich Frauen zugelassen habe. Sie werden sie zerstören.« Warum sollten Frauen sie zerstören? Ich kann das nicht so sehen.

In meiner Kommune sind mehr Frauen als Männer. Sie arbeiten genauso hart wie die Männer, aber vielleicht liebevoller als die Männer. Sie sind fähig zu lieben, mehr als der Mann. Sie haben die Kommune nicht zerstört – sie haben sie aufgebaut!

Warum hat Buddha solche Angst? Ich weiß, warum er Angst hat. Seine eigene tiefsitzende Angst ist, daß er vielleicht noch immer von Frauen fasziniert sein könnte. Zumindest kann er seinen Mönchen nicht trauen. Er weiß, sie werden fasziniert sein, und bald wird das, was er gelehrt hat – Keuschheit – zunichte gemacht sein. Die Keuschheit wird zerstört – aber wieso die Religion? Was hat Religion mit Keuschheit zu tun? Im Gegenteil: Wenn Männer und Frauen zusammen sind, kann die Religion wachsen. Es wird Kinder geben, und dann noch mehr Kinder, und es wird ein riesiger Baum werden.

Ich an seiner Stelle hätte gesagt: »Meine Religion hätte nur fünftausend Jahre gedauert, doch jetzt wird sie ewig dauern, denn jetzt, wo auch die Frauen dazugehören, ist sie vollständig. Mit Männern allein war sie unvollständig. Jetzt ist es eine richtige, lebendige Kommune, weil sie neues Leben hervorbringen kann.«

Aber diese Angst ... und diese Angst ist nur möglich, wenn sie auch irgendwo tief im Unterbewußtsein sitzt.
 

Auszug aus Osho, From Unconsciousness to Consciousness, Kapitel 6