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Featured Books The Book of Women Gibt es den perfekten Partner?

Gibt es den perfekten Partner?

Findet man eigentlich nie den perfekten Ehepartner?

Perfekte Menschen gibt es nicht. Und wenn es sie gäbe, wären diese perfekten Menschen sehr langweilig. Das Unvollkommene ist das, was das Leben interessant macht. Stelle dir nur einmal den perfekten Ehemann vor, die perfekte Ehefrau: Sie würden sich zu Tode langweilen!

Bertrand Russell soll einmal gesagt haben: »Ich will allein schon deshalb nicht in den Himmel kommen, weil dort die ganzen Heiligen und Weisen sind – und alle sind perfekt. Der Himmel muß furchtbar langweilig sein.«

Stell dir vor, es gäbe nur perfekte Leute – was für ein Leben wäre das? Bertrand Russel hat recht: In der Hölle ist viel mehr Leben als im Himmel. Der Himmel ist mit Sicherheit langweilig und tot.

Perfektion bedeutet Tod, und Perfektion läßt sich nirgends auf der Welt finden. Die Welt existiert durch Unvollkommenheit, denn in der Unvollkommenheit liegt das Wachstum, liegt die Evolution. Perfektion bedeutet, daß man in eine Sackgasse geraten ist; der Weg geht nicht mehr weiter, man steckt fest.

Du fragst mich: »Findet man eigentlich nie den perfekten Ehepartner?« – Sehr schwierig, fast unmöglich!

Ich habe von einem Mann gehört, der sein Leben lang nach der perfekten Frau suchte, und natürlich starb er als Junggeselle. Als er im Sterben lag, fragte ihn jemand: »Du hast dein ganzes Leben lang nach einer perfekten Frau gesucht. Hast du keine einzige Frau finden können, die perfekt war?«
Er sagte: »Wer sagt denn, daß ich sie nicht gefunden habe? Ich bin viele Male einer perfekten Frau begegnet.«
»Ja und? Warum hast du sie nicht geheiratet?«
Er sagte: »Weil sie den perfekten Mann gesucht hat!«

Es ist schon äußerst schwierig, einen perfekten Menschen zu finden – und du willst gleich zwei perfekte Menschen finden – unmöglich! Das ist noch nie passiert; das kann gar nicht passieren.

Und wie würde eine perfekte Ehe aussehen? Wenn die Frau eine echte Frau und der Mann ein echter Mann ist, ist Spannung unvermeidlich, und diese Spannung hat etwas Schönes. Ja, sie macht erst die Schönheit einer Ehe aus. Ein bißchen Konflikt ist natürlich; ohne Konflikte fehlt das Salz in der Beziehung. Es ist, wie wenn im Essen das Salz fehlt – es wird nicht gut schmecken. Eurem Leben fehlt dann die Würze. Wenn die Frau eine richtige Frau ist und der Mann ein richtiger Mann, dann werden sie polare Gegensätze sein – und darin besteht ihre Anziehung.

Ja, gelegentlich werden sie sich ganz nahe kommen, und diese Nähe wird große Freude mit sich bringen – und dann werden sie wieder auseinanderfallen. Es wird ein ständiger Prozeß von Zusammenkommen und Auseinandergehen sein. Sooft sie auseinandergehen, wird es Streit geben, denn auf diese Weise können sie sich voneinander entfernen.

Streiten ist nichts als ein Hilfsmittel. Wenn ihr das begreift, könnt ihr sehen, daß Streit ein Hilfsmittel ist, um sich zu trennen. Und jede Trennung ist schön, denn sie gibt euch Gelegenheit für neue Flitterwochen. Danach könnt ihr euch wieder neu begegnen. Sich zu streiten und den anderen wiederzugewinnen, sich zu streiten und sich wieder zu versöhnen, das ist etwas Schönes. Wenn es nie Streit gibt, werden diese beiden Menschen keine richtigen Menschen sein.

Es ist die Nacht vor der Hochzeit. »Schatz, ich muß dir etwas gestehen«, sagt der junge Mann. »Wenn du dir’s noch anders überlegen willst, ist es mir auch recht, aber du mußt eines wissen: Ich bin ein Sadist.«
»Ach, Liebster, ich bin so froh, daß du mir das sagst!« antwortet das Mädchen. »Ich habe dir auch etwas verheimlicht: Ich bin eine Masochistin!« Eine perfekte Ehe, zwischen einem Sadisten und einer Masochistin! Unübertrefflich!
Also heiraten die beiden und fahren in die Flitterwochen. Am Abend im Hotel reißt sich die Braut die Kleider vom Leib, wirft sich aufs Bett und stöhnt mit kehliger Stimme: »Schlag mich! Bitte, schlag mich!«
Und der Bräutigam steht über ihr, die Arme verschränkt, und antwortet: »Da kannst du lange warten!«

Er ist wirklich ein Sadist, denn würde er sie schlagen, dann wäre das ja keine Qual, sondern eine Freude für sie; sie will ja geschlagen werden. Also sagt er: »Da kannst du lange warten!« und steht da mit gekreuzten Armen ... Auch diese perfekte Ehe ist gescheitert!

Ich habe noch nie gehört, daß eine Ehe perfekt gewesen wäre. Es heißt, perfekte Ehen würden im Himmel geschlossen. Vielleicht stimmt das auch, aber noch keiner ist von dort zurückgekommen. Und wie wäre denn eine solche perfekte Ehe? Ohne Spannung, ohne Individualität, weder beim Mann noch bei der Frau. Sie würden nie zusammenkrachen, würden sich nie streiten. Sie würden zuckersüß miteinander sein. Aber zuviel Zucker erzeugt Diabetes!

Ist es okay, zu heiraten und Kinder zu haben?
Meditiere über ein paar von Murphys Sutras:
Erstens: Es ist gut, gelegentlich verheiratet zu sein.
Zweitens: Ein kluger Mann erzählt der Frau, daß er sie versteht, ein dummer versucht es ihr zu beweisen.
Drittens: Die Ehe macht, daß die Welt sich dreht – aber das gleiche bewirkt auch ein Kinnhaken.
Viertens: Wie kann man eine Ehe vor der Scheidung retten? Die einzige Möglichkeit ist, nicht bei der Hochzeit zu erscheinen.
Und fünftens: Die Frau ist Gottes zweiter Fehler – der erste war zweifellos der Mann –, und zwei Fehler zusammengenommen ergeben keinen Geniestreich.

Darum sei auf der Hut! Wenn du heiraten willst – welches Recht hätte ich, dir davon abzuraten? Ich kann dir nur helfen, ein bißchen bewußter zu werden. Überlege es dir gut, bevor du springst!

Auszug aus Osho, The Dhammapada: The Way of the Buddha, 7. Band, 10. Kapitel; Zen: Zest, Zip, Zap and Zing, 5. Kapitel