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Featured Books The Book of Women Die Unterschiede zwischen Mann und Frau (Teil 2)

Die Unterschiede zwischen Mann und Frau (Teil 2)

In China hat man jahrtausendelang geglaubt, die Frau habe keine Seele. Darum konnte der Ehemann sie töten, ohne daß das Gesetz sich einmischte, denn sie war sein Eigentum. Wenn er seine Möbel zerstören wollte, war es nicht gegen das Gesetz, und wenn er seine Frau zerstören wollte, war es auch nicht gegen das Gesetz. Es war die größte Beleidigung überhaupt: daß sie keine Seele habe.

Der Mann hat der Frau jegliche Bildung und finanzielle Unabhängigkeit vorenthalten. Er hat ihr die gesellschaftliche Bewegungsfreiheit genommen, weil er Angst hatte. Er weiß, daß sie ihm überlegen ist, er weiß, daß sie schön ist, er weiß, daß es gefährlich ist, ihr die Unabhängigkeit zu gewähren. Also hat es all die Jahrhunderte hindurch keine Unabhängigkeit für die Frau gegeben. Die mohammedanische Frau mußte sogar ihr Gesicht verbergen, damit niemand außer dem Ehemann die Schönheit ihres Antlitzes, die Tiefe ihrer Augen sehen konnte.

Im Hinduismus mußte die Frau dem Ehemann in den Tod folgen. Was für eine Eifersucht! Euer ganzes Leben lang habt ihr sie besessen, und selbst nach dem Tod wollt ihr sie noch besitzen! Ihr habt Angst. Sie ist schön, und wenn ihr nicht mehr da seid... wer weiß, sie könnte ja einen neuen Partner finden, der vielleicht besser ist als ihr. So hat sich die Tradition des Sati (der Witwenver¬brennung) über Jahrtausende gehalten – die häßlichste Sache, die man sich vorstellen kann!

Der Ehemann stirbt. Vielleicht ist seine Frau noch jung, in der Blüte ihrer Jahre; darum muß man sie zwingen, auf den Scheiterhaufen zu springen. Um das zu ermöglichen, wurde ein besonderes Arrangement getroffen: Gereinigte Butter wurde in großen Mengen über den Scheiterhaufen gegossen. Das erzeugte so viel Rauch, daß man nicht sehen konnte, was dahinter geschah. Eine dunkle Wolke hüllte den ganzen Scheiterhaufen ein. Und rundherum – es war so heiß, daß die Musiker weiter weg stehen mußten – da gab es große Trompeten, Trommeln und allerlei Musikinstrumente, angeblich, weil es ein Fest war, aber sie dienten in Wirklichkeit dazu, die Schreie der Frau zu übertönen, die bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Sie würde gerne weglaufen, doch rund um den Scheiterhaufen standen Priester mit brennenden Fackeln in den Händen und wenn die Frau versuchte, herauszulaufen, wurde sie ins Feuer zurückgestoßen. Und hinter den Musikern stand eine große Zahl von Priestern, die mit lauter Stimme Mantras aus den alten Veden rezitierten.

Dieses ganze Spektakel wurde nur inszeniert, um eine Frau zu töten, so daß keiner merken sollte, daß man sie gegen ihren Willen tötete. Die Menge, die außerhalb stand, jubelte vor Freude. Es war ein großes Ereignis: Eine Frau hatte ihre Liebe zu ihrem Mann unter Beweis gestellt, bis zur letzten Sekunde seines Lebens.

Wie viele Millionen Frauen wurden auf diese Weise verbrannt... und alles nur wegen der Eifersucht des Mannes – weil er keine Garantie hat, wenn er nicht mehr da ist. Erst die britische Kolonialver¬waltung setzte dem in Indien ein Ende, denn es war nichts anderes als Mord. Aber dann haben die Hindus den Witwen verboten, wieder zu heiraten. Sie rasierten ihnen den Kopf, nahmen ihnen ihr schönes Haar, das einen Teil ihrer Persönlichkeit ausmacht. Sie nahmen ihnen allen Schmuck und untersagten ihnen, Farbe in ihrer Kleidung zu tragen. Sie durften nur noch Weiß tragen. Man versuchte, sie um jeden Preis häßlich zu machen. Eine Witwe darf an keinen Festlichkeiten teilnehmen; sie ist völlig isoliert. Sogar in ihrem eigenen Haus darf sie nicht in die Küche, sondern muß draußen sitzen. Und sie darf um nichts bitten, was sie gerne hätte. Sie muß mit allem vorliebnehmen, was man ihr gibt, mit den Resten. Sie darf auch nicht in einem Bett schlafen, sondern muß auf dem Boden liegen. Das ist schlimmer als der Tod. Auf diese Weise kann sie noch fünfzig Jahre weiterleben! Sie muß all die niedrigen Arbeiten im Haushalt erledigen und darf niemandem vor die Augen treten.

Der Mann ist ein großer Egoist. Darum nenne ich ihn einen männlichen Chauvinisten. Der Mann hat diese Gesellschaft geschaffen, und in dieser Gesellschaft ist für die Frau kein Platz.

Doch sie hat ihre eigenen, großartigen Qualitäten! Während zum Beispiel der Mann das Potential zur Intelligenz besitzt, hat die Frau das Potential zur Liebe. Das soll nicht heißen, daß sie keine Intelligenz besitzt. Sie kann große Intelligenz haben, doch man muß ihr die Möglichkeit geben, sie zu entfalten. Die Liebe hingegen ist ihr angeboren. Sie besitzt mehr Mitgefühl, mehr Güte, mehr Verständnis.

Mann und Frau sind wie zwei Saiten einer Harfe, doch beide leiden, wenn sie getrennt voneinander sind. Und weil sie leiden und den Grund dafür nicht kennen, nehmen sie Rache am anderen.

Die Frau kann für die Gestaltung einer organischen Gesellschaft von ungeheurem Nutzen sein. Sie ist anders als der Mann, aber nicht ungleichwertig. Sie ist dem Mann gleichwertig. Sie hat ihre eigenen Talente und Fähigkeiten, und diese werden unbedingt benötigt.

Es genügt nicht, Geld zu verdienen; es genügt nicht, Erfolg in der Welt zu haben. Wichtiger ist ein schönes Heim, und die Frau hat die Begabung, jedes Haus in ein Heim zu verwandeln. Sie vermag es mit Liebe zu füllen; dafür hat sie das Feingefühl. Sie vermag den Mann zu beleben, ihm Entspannung zu bringen.

In den Upanishaden gibt es einen eigenartigen Segen für neue Paare. Ein junges Paar kommt zum Seher, und er gibt ihnen seinen Segen. Er sagt speziell zu dem Mädchen: »Ich hoffe, daß du Mutter von zehn Kindern wirst und schließlich dein Ehemann zu deinem elften Kind wird. Und nur wenn du deinem Mann zur Mutter wirst, bist du eine richtige Ehefrau.« Das ist sehr eigenartig, doch dahinter steht eine tiefe psychologische Einsicht. Die moderne Psychologie hat herausgefunden, daß jeder Mann in der Frau seine Mutter sucht, und jede Frau im Mann ihren Vater.

Darum scheitert jede Ehe: Weil ihr eure Mutter nicht findet. Die Frau, die ihr geheiratet habt, ist nicht zu euch ins Haus gekommen, um eure Mutter zu werden. Sie will eure Frau sein, eure Geliebte. Aber dieser Segen aus den Upanishaden, der fünf- bis sechstausend Jahre alt ist, wird durch die Erkenntnisse der heutigen Psychologie bestätigt.

Eine Frau – jede Frau – ist ihrem Wesen nach Mutter. Der Vater ist eine künstliche Einrichtung, nichts Natürliches ... doch die Mutter wird immer unersetzbar sein. Man hat Experimente durchgeführt, bei denen man Kinder mit allem Nötigen versorgte – mit Nahrung, Medikamenten, den perfektesten wissenschaftlichen Einrichtungen aller Art –, doch seltsamerweise verkümmerten die Kinder immer mehr und starben innerhalb von drei Monaten. So fand man heraus, daß der Körper und die Wärme der Mutter eine absolute Notwendigkeit sind, damit das Leben sich entwickeln kann. Diese Wärme am Anfang in diesem unermeßlichen, kalten Universum ist eine absolute Notwendigkeit, damit das Kind sich nicht im Stich gelassen fühlt, sonst verkümmert es und stirbt.

Es ist nicht nötig, daß der Mann sich der Frau unterlegen fühlt. Dieser Gedanke entsteht nur, weil ihr Mann und Frau als zwei getrennte Spezies auffaßt. Sie gehören beide zur selben Menschheit, und beide haben Qualitäten, die sich gegenseitig ergänzen. Beide brauchen sich gegenseitig, und nur zusammen sind sie vollständig.

Man sollte das Leben mit Leichtigkeit nehmen. Unterschiede sind keine Widersprüche. Unterschiede können sich gegenseitig unterstützen und enorm bereichern. Eine Frau, die euch liebt, kann eure Kreativität bereichern; sie kann euch zu Gipfeln inspirieren, von denen ihr nie geträumt habt. Und sie fordert nichts. Sie will nur eure Liebe, und diese steht ihr zu.

Die meisten Dinge, durch die Männer und Frauen sich voneinander unterscheiden, sind ankonditioniert. Unterschiede sollten gewahrt bleiben, denn sie machen die Anziehung zwischen Mann und Frau aus, aber man sollte sie nicht benutzen, um den anderen zu verurteilen.

Im Westen haben die Frauen durch die Frauenemanzipation an Weiblichkeit eingebüßt, weil sie sich gezwungen sehen, es dem Mann gleichzutun. Es ist aber keine Frage von Gleichheit oder Ungleichheit. Wenn sie es dem Mann gleichtun, verlieren die Frauen ihre Weichheit, ihre Anmut, ihre Schönheit – das kann ich beobachten.

Im Osten findet man in den höchsten Kreisen der Gesellschaft Frauen, wie man sie im Westen nirgendwo findet. Die westliche Frau eifert dem Mann nach. Das könnte ihr gelingen – es gelingt ihr bereits –, doch dann wird sie immer ein zweitklassiger Mann sein. Sie sollte sich aber bemühen, eine erstklassige Frau zu sein.

Ich sehe, daß die westliche Frau in jeder Hinsicht an Liebreiz verliert. In ihrer Kleidung verliert sie an Liebreiz, in ihrem Verhalten, in ihrer Sprache ... in allem verliert sie an Anmut. Nur um es den Männern gleichzutun, rauchen jetzt auch die Frauen. In Indien würde keine kultivierte Frau der oberen Gesellschaftsschicht daran denken zu rauchen, es sei denn, sie ist verwestlicht. Sie würde nicht daran denken, die gleichen Kleider wie die Männer zu tragen, denn es geht nicht nur um die Kleider – der ganze Körper verändert sich. Es ist das Denken, das alles verändert.

Die westliche Frau ist dabei, ihre Brüste zu verlieren; sie haben ihr die schönen runden Formen gegeben, das Einzigartige an ihr. Die ganze Geschichte der Malerei, Dichtung und Literatur kreist um den schönen Busen der Frauen, aber die westliche Frau ist dabei, ihn zu verlieren. Was ist passiert? Es ist der Wandel im Denken. Sie verliert ihren runden Po. Sie wird allmählich zu einem geraden Strich ohne Kurven. Und gerade die Kurven machten die ganze Schönheit ihres Körpers aus – dieses wunderbaren Kunstwerkes! Sie verliert ihre Wohlproportioniertheit. Ihr Gesicht wirkt kantig und vertrocknet. Selbst die schönsten Frauen im Westen sehen hart aus, kämpferisch. Das dient weder den Frauen noch ihrer Befreiung.

Ein Mann zweiter Garnitur zu werden, das ist keine Emanzipation. Wirkliche Emanzipation bedeutet, eine Frau erster Güte zu werden. Und Mann und Frau sind bereits gleich; sie sind die beiden Hälften eines Ganzen.

Es gibt so viele historische Belege für die Schönheit, Würde, Spiritualität und großartige Liebe der Frauen! Die Männer haben versagt, nicht die Frauen.

Ich würde mir wünschen, daß beide zu einem organischen Ganzen werden und gleichzeitig absolut frei bleiben, denn Liebe erzeugt niemals Sklaverei. Liebe gewährt Freiheit. Dann können wir eine bessere Welt erschaffen. Die eine Hälfte der Welt, die Frau, durfte nie ihren Anteil beisteuern, doch sie hat der Welt ein ungeheures Potential an Fähigkeiten zu geben. Es hätte die Welt zu einem wunderbaren Paradies gemacht.

Ich erwarte nicht, daß die Frauen gleich sein sollen, daß sie die gleichen Kleider tragen, daß sie sich wie Männer benehmen oder eine grobe Sprache benutzen, nur weil der Mann das tut. Die Frau sollte in ihrer Seele nach ihrem eigenen Potential forschen und es entwickeln, dann wird die Zukunft für sie schön sein.

Mann und Frau sind weder gleich noch ungleich; sie sind einzigartig. Und durch das Zusammentreffen von zwei einzigartigen Wesen kommt etwas Wunderbares in diese Existenz.
 

Auszug aus Osho, The Sword and the Lotus, Kapitel 5