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Featured Books The Book of Women Über die Frauenemanzipation, Teil 6

Über die Frauenemanzipation, Teil 6

Der Tag, an dem die Frauen befreit sind, wird auch für den Mann ein großer Tag der Befreiung sein. Doch macht die ganze Sache nicht so häßlich! Sonst kann es passieren – ich fürchte, es besteht diese Möglichkeit, sie ist sehr wahrscheinlich –, daß durch den Kampf gegen die Männer die Frau etwas Wertvolles verliert. Etwas, das der Mann noch nicht kaputtgemacht und zerstört hat, könnte die Frau selbst durch ihr Kämpfen gegen den Mann kaputtmachen. Wenn ihr erbittert kämpft, geht euch die Schönheit des Weiblichen verloren und ihr werdet selbst so häßlich wie die Männer.

Durch Kämpfen läßt es sich nicht bereinigen; nur durch Verstehen läßt es sich bereinigen. Ihr müßt mehr und mehr Verstehen verbreiten.

Gebt diese Idee auf, Männer oder Frauen zu sein! Wir alle sind Menschen. Ein Mann oder eine Frau zu sein ist eine ziemlich oberflächliche Angelegenheit. Macht nicht so viel Aufhebens darum; es ist nicht so wichtig. Macht daraus kein solches Theater!

Und was ich sage, kann manchmal verallgemeinernd aussehen, weil ich nicht immer sämtliche Details berücksichtigen kann, sonst wäre mein Reden zu sehr mit Fußnoten befrachtet, und ich hasse Bücher mit Fußnoten! Ich lese sie einfach nicht. Sobald ich Fußnoten sehe, werfe ich das Buch weg – es wurde bestimmt von irgendeinem Pandit, einem Schriftgelehrten, einem Narren geschrieben!

Du sagst: »Ich kann einfach nicht begreifen, wie du so verallgemeinernd über den männlichen und den weiblichen Typ reden kannst...«

Ich rede immer von Typen; das Geschlecht spielt keine Rolle. Immer wenn ich »Mann« sage, meine ich den männlichen Typ, und wenn ich »Frau« sage, meine ich den weiblichen Typ. Aber ich kann nicht jedesmal »männlicher Typ« und »weiblicher Typ« sagen. Und du hast ganz recht: Es gibt Frauen, die keine Frauen sind, sondern Wölfinnen, und Männer, die keine Wölfe sind, sondern Katzen. Dann trifft aber alles, was ich über den männlichen Typ sage, auf diese Frauen zu, die Wölfinnen sind, und alles, was ich über Frauen sage, trifft auf Männer zu, die Katzen sind.

Ich rede nicht vom biologischen Unterschied zwischen Mann und Frau, ich rede vom psychologischen Unterschied. Ja, es gibt Männer, die viel femininer sind als alle Frauen, und es gibt Frauen, die viel maskuliner sind als alle Männer. Aber das ist kein sehr schöner Zustand; das ist häßlich, denn es erzeugt eine Spaltung in dir. Wenn du den Körper eines Mannes und die Psyche einer Frau hast, wird in dir ein Konflikt, ein Klassenkampf, ein Bürgerkrieg stattfinden. Du wirst dich ständig hin und her gerissen fühlen, wirst mit dir uneins und angespannt sein.

Wenn du physiologisch eine Frau bist und die Psyche eines Mannes besitzt, wirst du viel Lebensenergie in unnötigem Widerstreit vergeuden. Es ist viel besser, in einem harmonischen Gleichgewicht zu sein: ein männlicher Körper mit einer männlichen Psyche, ein weiblicher Körper mit einer weiblichen Psyche.

Die Frauenemanzipationsbewegung schafft unnötige Probleme. Sie macht aus den Frauen Wölfinnen und bringt ihnen das Kämpfen bei. Der Mann ist der Feind. Aber wie könnt ihr euren Feind lieben? Wie könnt ihr in einer intimen Beziehung mit eurem Feind sein?

Der Mann ist kein Feind. Die Frau, wenn sie wirklich Frau sein will, muß mehr und mehr zu ihrer Femininität finden, muß ihre Weichheit und Verletzlichkeit voll entfalten. Und der Mann, wenn er wirklich Mann sein will, muß so tief wie möglich in seine Maskulinität gehen. Wenn ein richtiger Mann und eine richtige Frau zusammentreffen, begegnen sich die polaren Gegensätze, die Extreme. Aber nur die Extreme können sich verlieben, nur die Extreme können Intimität genießen. Nur die Extreme ziehen sich gegenseitig an.

Zur Zeit zeichnet sich eine Art »Einheitslook« ab: Die Männer werden immer femininer, die Frauen immer maskuliner. Früher oder später werden alle Unterschiede verlorengehen. Das wird eine sehr farblose Gesellschaft geben, total langweilig.

Ich wünsche mir, daß die Frau so feminin wie möglich wird – nur dann kann sie erblühen. Und der Mann muß so maskulin wie nur möglich werden – nur dann kann er erblühen. Wenn sie polare Gegensätze sind, gibt es zwischen ihnen eine große Anziehung, eine starke magnetische Kraft. Und wenn sie sich dann nahe kommen und wirklich intim begegnen, bringt jeder seine eigene Welt, seine eigene Dimension, seinen eigenen Reichtum mit. Dann wird ihr Zusammentreffen ein ungeheurer Segen sein und ein großes Heil.

Ich dachte, du wüßtest alles. Ich dachte, darum geht es bei der Erleuchtung: zu wissen. Aber du weißt gar nichts von den Frauen, und daß sie vertrauen, gerade weil sie einander ins Herz schauen. Der Haß der Frauen untereinander ist eine männliche Erfindung, um sie uneinig und machtlos zu halten. Und wer will schon ein Mann sein? Osho, ich bin fassungslos. Wie kannst du nur solchen Unsinn reden? Mein Verstand dreht durch, und mein Herz auch. Was soll ich tun?
Du mußt zuviel von dem Zeug geschluckt haben, das die Feministinnen verbreiten. Du bist randvoll damit. Nächstes Mal, wenn du zu mir kommst, muß ich dir mal in die Augen schauen, denn alle Leute, die bis zum Scheitel voll mit solchem Zeug sind, haben braune Augen! Und ich wette, du hast auch lesbische Neigungen!

Du sagst: »Ich dachte, du wüßtest alles.« Da liegst du absolut falsch. – Ich weiß nichts. Nichts zu wissen ist am intimsten.

Wenn du mit dieser Vorstellung hierher gekommen bist, bist du an den Falschen geraten; dann bist du hier am falschen Ort. Wir feiern die Unwissenheit! Wir demolieren hier jegliche Art von Wissen! Unsere ganze Arbeit besteht darin, dir die Unschuld wiederzugeben – die Unschuld, die du hattest, bevor du geboren wurdest. Die Zen-Leute nennen es »das ursprüngliche Gesicht«. Diese Unschuld ist angeboren. Wissen wird dir von der Gesellschaft eingeimpft, von den Menschen deiner Umgebung, von der Familie. Unschuld ist dein eigen; Wissen ist immer von anderen. Je mehr Wissen du in dir trägst, um so weniger bist du du selbst.

Erleuchtung hat nichts mit Wissen zu tun. Sie bedeutet Freisein von Wissen, absolutes Transzendieren des Wissens. Sie bedeutet Hinausgehen über das Wissen. Darum habe ich dieses großartige Sutra für den Anfang dieser Vortragsreihe ausgewählt: »Nichts zu wissen ist am intimsten.«

Ein Erleuchteter ist jemand, der keine Barriere zwischen sich selbst und der Existenz errichtet. Und Wissen ist eine Barriere. Wissen trennt dich von der Existenz; es hält dich getrennt. Nicht zu wissen vereint dich. Liebe ist eine Form von Unschuld. Unschuld ist eine Brücke; Wissen ist eine Wand. Wer hätte je gehört, daß Menschen, die viel wissen, erleuchtet wurden? Sie sind von der Erleuchtung am weitesten entfernt. Die Erleuchtung wächst nur auf dem Boden der Unschuld.

Unschuld bedeutet kindliches Staunen, Ehrfurcht. Der Erleuchtete ist jemand, der in fortgesetztem Staunen lebt – denn er weiß nichts; darum wird alles wieder zum Mysterium. Für den, der weiß, sind die Dinge entmystifiziert; für den, der nicht weiß, sind sie re-mystifiziert. Je mehr du weißt, um so weniger Staunen ist in deinem Herzen. Je mehr du weißt, um so weniger wirst du die großartige Erfahrung der Ehrfurcht haben können. Du kannst nicht sagen: »Ah, dies!« Du kannst nicht ekstatisch sein. Der Wissende ist so sehr beladen, daß er nicht tanzen kann, nicht singen kann, nicht lieben kann. Für den Wissenden gibt es keinen Gott, denn Gott bedeutet reines Staunen, Ehrfurcht, Mysterium. Deshalb hat sich mit der Zunahme des Wissens auf dieser Welt Gott immer weiter und weiter entfernt.

Friedrich Nietzsche konnte erklären: »Gott ist tot«, weil er so viel wußte. Er war zweifellos ein großer Philosoph, und die Philosophie muß zwangsläufig zu dem Schluß kommen, daß es keinen Gott gibt, denn Gott bedeutet einfach das Mysteriöse, das Wunderbare. Durch Wissen reduziert sich jedes Wunder auf eine ganz normale Gesetzmäßigkeit. Das ganze Mysterium reduziert sich auf Formeln.
 

Auszug aus Osho, Ah, This!, , Kapitel 4