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Featured Books The Book of Women Die Unterschiede zwischen Mann und Frau (Teil 3)

Die Unterschiede zwischen Mann und Frau (Teil 3)

Mann und Frau sind grundsätzlich verschieden, und nicht nur verschieden – sie sind konträre Gegensätze. Deshalb ist die Anziehungskraft so groß. Anziehung kann es nur zwischen Gegensätzlichem geben. Ähnliches kann nicht so anziehend sein, denn was man selbst ist, kennt man schon.

Für den Mann ist die Frau das Unbekannte. Es ist anziehend, es ist ansprechend, es ist einladend. Es erweckt den Forscherdrang, erweckt die Neugier. Für die Frau ist der Mann das Unbekannte. Für den Mann tritt Gott in Form der Frau in diese Welt, denn Gott ist das Unbekannte. Für die Frau repräsentiert der Mann das Göttliche, denn er ist für sie das Unbekannte. Aus diesem Grund ist der Gegensatz so bedeutsam.

Als erstes muß man also verstehen: Sie sind verschieden, und nicht nur verschieden, sondern gegensätzlich – aber sie sind nicht ungleichwertig. Sie sind gleichwertig. Unterschiede sind vorhanden, Gegensätzlichkeit ist vorhanden, Polarität ist vorhanden, aber sie sind nicht ungleich, sie sind gleichwertig. Zwei konträre Gegensätze sind immer gleichwertig, sonst könnten sie nicht konträr sein.

Als zweites muß man verstehen: Der weibliche Körper existiert für einen völlig anderen Zweck – biologisch, physiologisch und chemisch betrachtet. Er hat eine andere Aufgabe zu erfüllen als der männliche Körper. Und er ist so verschieden vom männlichen Körper, daß man den Unterschied nur begreifen kann, wenn man die Biologie von einer tieferen Ebene her betrachtet. Der weibliche und der männliche Körper existieren in zwei unterschiedlichen Welten.

Die Frau birgt in sich den Mutterschoß, den Uterus. Das englische Wort woman leitet sich ab von man with a womb, Mann mit Uterus, mit Gebärmutter. Der Mutterschoß ist deshalb so wichtig – wichtiger als alles andere –, weil neues Leben nur durch ihn kommen kann. Die ganze Bewegung des Lebens geht durch ihn hindurch; er ist das Tor zu dieser Welt. Und weil die Frau den Mutterschoß in sich birgt, muß sie empfänglich sein; sie kann nicht aggressiv sein. Der Mutterschoß kann nicht aggressiv sein; er muß empfangen, muß eine Öffnung, eine Einladung für das Unbekannte sein. Der Mutterschoß ist der Gastgeber, und der Mann ist der Gast.

Und weil der Mutterschoß für den weiblichen Körper so grundlegend ist, spielt er für die ganze weibliche Psychologie eine Rolle: Die Frau ist nicht aggressiv, nicht forschend, nicht fragend, nicht zweifelnd – denn das alles gehört zur Aggression. Der Mann zweifelt, fragt, geht auf die Suche. Die Frau wartet. Der Mann wird kommen, um sie zu suchen. Die Frau ergreift nicht die Initiative, sie wartet einfach – und sie kann unendlich lange warten.

Das Warten spielt eine Rolle, es macht einen Unterschied. Wenn eine Frau in die Welt der Religiosität eintritt, muß sie einem völlig anderen Weg folgen als der Mann. Der Mann ist aggressiv: Er zweifelt, er forscht, er tut alles für seine Suche, versucht alles zu erobern. Er muß es tun, denn das ist ein Ausdruck der Aggressivität des Samens. Der ganze Körper des Mannes existiert als Ausdruck seiner Sexualität, und diese muß suchen und durchdringen.

Sämtliche Waffen, die der Mann bis heute entwickelt hat – selbst die Bombe, die H-Bombe – sind nur Projektionen der männlichen Sexualität, Projektionen des Penis. Der Pfeil, das Gewehr, die Bombe – sie durchdringen, sie treffen, sie überwinden Distanz. Selbst die Fahrt zum Mond ... eine Frau wird einfach lachen und es töricht finden: »Wozu dort hinfahren?« Doch der Mann findet es wert, sein Leben dafür aufs Spiel zu setzen, denn es ist eine Art von Durchdringung – ein Eindringen in die Geheimnisse des Lebens.

Je entfernter das Ziel, um so attraktiver erscheint es ihm. Der Mann will den Everest erreichen, er will den Mond erreichen, er will immer weiter vorwärtsdrängen. Er läßt sich durch nichts aufhalten, durch nichts hindern. Sobald etwas bekannt ist, wird es nutzlos: Es ist nicht mehr interessant. Immer tiefere Geheimnisse müssen durchdrungen werden – so als wäre die gesamte Natur eine Frau, in die der Mann eindringen muß, um sie zu erkennen.

Der Mann hat die Wissenschaft hervorgebracht. Die Frau kann nicht wissenschaftlich sein, weil ihr die grundlegende Aggression abgeht. Frauen können Träumer sein, denn Träumen bedeutet Warten; es entspricht dem Mutterschoß. Aber sie können nicht wissenschaftlich sein, können nicht logisch sein. Logik ist etwas Aggressives. Frauen können keine Skeptiker und Zweifler sein. Sie können Vertrauen haben, können treu sein – das fällt ihnen leicht, denn es entspricht dem Mutterschoß. Ihr ganzer Körper existiert für das Überleben des Mutterschoßes; ihr ganzer Körper ist ein natürlicher Nährboden für den Mutterschoß. Die Natur ist am Mutterschoß interessiert, weil durch ihn neues Leben in die Existenz kommt. Das gibt der Frau eine völlig andere Ausrichtung.

Für sie ist Religion eine Form von Liebe; es wird keine Suche nach der Wahrheit für sie sein. Schon allein der Begriff »Wahrheitssuche« hat etwas Männliches. Für die Frau kann Religion ein Warten auf den Liebsten, auf den Geliebten sein. Für sie kann Gott der Sohn sein, der Ehemann – aber nicht die Wahrheit. Das erscheint ihr zu nüchtern, zu trocken, kalt und tot; in dem Wort »Wahrheit« ist für sie kein Leben. Aber für den Mann ist »Wahrheit« ein höchst bedeutungsvolles Wort. Er sagt: »Die Wahrheit ist Gott, und wer die Wahrheit kennt, kennt alles.« Und so folgt der Mann dem Weg, indem er erobert. Die Natur muß erobert werden.

Die Wissenschaft beruht auf Aggression, denn ihr ganzes Bemühen geht dahin, das Mysterium zu durchdringen und es aufzulösen, um zur Erkenntnis zu gelangen. Ihr ganzes Streben geht dahin, das Universum zu entmystifizieren. Wissen bedeutet: Jetzt wissen wir es! Jetzt ist es kein Mysterium mehr! Und solange das Mysterium nicht gelöst ist, kann der Mann nicht in Frieden leben. Das Universum muß entmystifiziert werden; alles muß vom Wissen durchdrungen werden. Es darf kein Geheimnis zurückbleiben.

Die Frauen können warten, und sie können unendlich lange warten; ihre Geduld ist unendlich. Das muß so sein, weil das Kind neun Monate lang ausgetragen wird. Es wird jeden Tag schwerer und schwerer und schwerer, und alles wird immer schwieriger. Man muß geduldig sein und warten; man kann gar nichts tun. Man muß sogar diese Bürde lieben, muß warten und träumen, bis das Kind geboren wird. Und seht euch eine werdende Mutter an: Sie wird immer schöner, denn während sie wartet, erblüht sie. Eine Frau, die Mutter wird, erlangt eine andere Art von Anmut; sie ist umgeben von einer gewissen Aura, denn sie ist jetzt auf ihrem Höhepunkt. Sie ist dabei, die wichtigste Aufgabe, welche die Natur für ihren Körper vorgesehen hat, zu erfüllen. Jetzt reift etwas in ihr heran, und bald kommt sie zur Blüte.

Die Frau orientiert sich ganz an der Natur. Sie lebt mit der Natur, ist mehr im Einklang mit der Natur als der Mann. In Indien haben wir die Frau Prakriti genannt: die »Urnatur«, die Erde, den natürlichen Ursprung. Sie ist natürlicher. Ihre Orientierung und ihre Ziele sind natürlicher. Sie verlangt nie das Unmögliche; sie erstrebt das, was möglich ist. Der Mann hat die Eigenart, immer das Unmögliche anzustreben. Mit dem Möglichen gibt er sich nie zufrieden. Bloß ein zufriedener Ehemann zu sein genügt ihm nicht. Eine Frau ist glücklich, wenn sie einfach eine zutiefst zufriedene Ehefrau und Mutter sein kann. Darin besteht die Erfüllung ihres Lebens.

Die Biologen nennen dafür einen Grund: Der Mann trägt eine physiologische Unausgeglichenheit in sich, ein hormonelles Ungleichgewicht. Die Frau ist vollständiger, ausgewogener, mehr wie ein Kreis; sie ist im Gleichgewicht. Man sagt, daß die erste Zelle, aus der man stammt, entscheidet, ob man männlich oder weiblich wird. Dreiundzwanzig Chromosomen stammen von der Mutter und dreiundzwanzig Chromosomen vom Vater. Wenn die dreiundzwanzig von der Mutter und die dreiundzwanzig vom Vater dreiundzwanzig symmetrische Paare bilden, entsteht ein Gleichgewicht, und es wird ein Mädchen. Wenn ein Gleichgewicht, eine Symmetrie entsteht, wird ein Mädchen geboren. Der Vater hingegen weist ein ungleiches Chromosomenpaar auf, das in der Mutter ausgeglichen ist. Wenn eine Samenzelle mit diesem unvollständigen Chromosom auf das Ei der Mutter trifft, wird ein männliches Kind, ein Junge geboren, weil ein Ungleichgewicht gegeben ist.

Dieses Ungleichgewicht macht sich bemerkbar vom ersten Tag an, an dem ein Mädchen oder Junge geboren wird: Der Junge zeigt sich von Anfang an ruhelos, während das Mädchen vom ersten Tag an friedlich ist. Schon im Mutterleib merkt es die Mutter, denn die Jungen sind unruhig: Sie strampeln und stellen schon im Mutterbauch alles mögliche an. Ein Mädchen liegt ruhig und schläft. Von daher wissen Mütter, ob ein Junge oder ein Mädchen geboren wird, weil ein Junge keine Ruhe gibt.
 

Auszug aus Osho, Die Verbotene Wahrheit, Kapitel 18