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Über die Frauenemanzipation

Bist du gegen die Frauenemanzipation?
Ich bin nicht gegen die Frauen; ich bin ganz und gar auf ihrer Seite. Aber die Emanzipationsbewegung ist häßlich – und ich weiß, daß die männlichen Chauvinisten dafür verantwortlich sind. Sie haben den Frauen im Lauf der Jahrtausende so viel Schlimmes angetan, daß die Frauen jetzt Rache nehmen wollen. Doch immer wenn man sich rächen will, wird man destruktiv. Die Bewegung befindet sich noch in einer destruktiven Phase; sie ist noch nicht kreativ. Und ich bin gegen jede Destruktivität.

Es hat keinen Sinn, ständig auf die vergangenen Wunden zu schauen. Es hat keinen Sinn, sich für die Vergangenheit zu rächen. Man sollte lernen, zu vergeben und zu vergessen. Gewiß, es war unrecht – aber akzeptiert es! Was auch immer den Frauen über die Jahrtausende angetan wurde, war unrecht. Sie sind von den Männern ausgebeutet worden. Die Männer sind absolut brutal und tierisch mit ihnen umgegangen. Der Mann hat die Frau zur Sklavin reduziert – ja, mehr noch, er hat sie zu einem Ding, zu einem Besitz gemacht. Doch was bringt es, Rache zu nehmen? Dann werdet ihr die Täter und die Männer die Opfer sein. Dann zeigt sich der Chauvinismus nur in neuer Gestalt: als weiblicher Chauvinismus. Dadurch kann die Sache nicht in Ordnung kommen. Dann dreht sich der Spieß nur um, und die Frauen tun den Männern Schlimmes an, und diese werden früher oder später Rache nehmen wollen. Wie soll das je ein Ende nehmen? Es ist ein Teufelskreis.

Mein Gefühl sagt mir, daß es den Frauen viel leichter fällt, damit aufzuhören und aus dem Teufelskreis auszusteigen, als den Männern, weil die Frauen mehr Liebe und mehr Mitgefühl haben. Die Männer sind aggressiver, gewalttätiger. Ich habe nicht viel Hoffnung für die Männer, aber ich erhoffe mir viel von den Frauen. Und darum bin ich auch kein Befürworter der aggressiven Haltung und Vorgehensweise der Frauenemanzipationsbewegung.

Hier gibt es viele Frauen, die der feministischen Bewegung angehört haben. Sobald sie mir näherkommen, ändern sich ihre Haltung und ihre Vorgehensweise.

Die Probleme des Lebens lassen sich nur durch Liebe lösen; sie lassen sich nicht durch gewaltsames Vorgehen lösen.

Mann und Frau sind zwei verschiedene Welten; darum ist es so schwierig, einander zu verstehen. Die Vergangenheit war voller Mißverständnisse, doch in Zukunft muß das nicht unbedingt so sein. Wir können eine Lektion aus der Vergangenheit lernen, und die wichtigste Lektion besteht darin, daß Männer und Frauen mehr Verständnis füreinander aufbringen und ihre Verschiedenheiten besser akzeptieren müssen. Diese Verschiedenheiten sind wertvoll; sie müssen nicht zu Konflikten führen. Vielmehr sind sie die Ursache für die gegenseitige Anziehung.

Wenn sämtliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen verschwinden würden, wenn ihre psychologische Beschaffenheit identisch wäre, dann würde auch die Liebe verschwinden, weil die Polarität fehlen würde. Mann und Frau sind wie der negative und positive elektrische Pol: Sie werden magnetisch voneinander angezogen, sie sind entgegengesetzte Pole. Natürlich ergeben sich daraus Konflikte. Aber durch Verständnis, durch Mitgefühl, durch Liebe, durch wohlwollendes Hineinversetzen in die Welt des anderen lassen sich alle Probleme lösen. Es ist unnötig, noch mehr Konflikte zu erzeugen – genug ist genug!

Der Mann hat die Befreiung genauso nötig wie die Frau. Beide brauchen Befreiung – die Befreiung vom Denken, vom Verstand. Sie sollten zusammenarbeiten und sich gegenseitig darin unterstützen, vom Verstand freizuwerden. Das wird die wahre Befreiungsbewegung sein.

 

Auszug aus Osho, The Dhammapada, Band 10,, Kapitel 2