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Featured Books The Book of Women Über die Frauenemanzipation, Teil 5

Über die Frauenemanzipation, Teil 5

Ich kann einfach nicht begreifen, wie du so verallgemeinernd über den männlichen und den weiblichen Typ reden kannst. Manchmal erwähnst du männliche und weibliche Prinzipien unabhängig vom Geschlecht, aber die meiste Zeit nennst du die Frauen »primitiv« und behauptest, sie suchten den »Wolf« im Mann. Was ist aber mit einer Frau, die es ganz natürlich findet, die Initiative zu ergreifen, oder die in ihrem Mann mehr eine Katze als einen Wolf sieht? Manche Männer sehnen sich wirklich danach, passiv zu sein, und manche Frauen müssen sich vielleicht selbst behaupten, um zu wachsen. Wie kannst du es einfach der Frauenemanzipation in die Schuhe schieben, daß sie die Frauen »überspannt« und allzu intellektuell macht?

Meine Aussage, daß die Frauen primitiver sind als die Männer, ist nicht als Verurteilung der Frauen zu verstehen, sondern als Verurteilung der Männer. Mit »primitiv« meine ich natürlicher, mehr in Harmonie mit der Existenz. Zivilisation ist eine Verfälschung; Zivilisation bedeutet eine Abkehr von der Natur. Je zivilisierter der Mensch wird, um so mehr steckt er im Kopf fest und verliert den Kontakt mit seinem Herzen. Das Herz ist immer noch primitiv. Gut, daß die Universitäten noch keinen Weg gefunden haben, um das Herz zu unterrichten und es zivilisiert zu machen. Darin besteht die einzige Hoffnung für das Überleben der Menschheit.

Die Frau ist die einzige Hoffnung für das Überleben der Menschheit. Bisher war der Mann beherrschend, und er war es aus einem sonderbaren Grund, nämlich deshalb, weil er sich tief im Innern der Frau unterlegen fühlt. Aus Minderwertigkeitsgefühlen und um diese zu kompensieren fing der Mann an, die Frau zu beherrschen.

Der Mann ist nur in einer Hinsicht stärker als die Frau: an Muskelkraft. In jeder anderen Hinsicht ist die Frau viel stärker als der Mann. Sie lebt länger als der Mann, fünf bis sieben Jahre länger; sie leidet weniger an Krankheiten. Auf hundertzehn Jungen werden hundert Mädchen geboren, doch bis zur sexuellen Reife ist die Zahl bereits ausgeglichen. Zehn Jungen haben sich schon verabschiedet. Die Frau hat bessere Abwehrkräfte gegen alle möglichen Infektionen und Krankheiten. Und die Zahl der Männer, die verrückt werden, ist fast doppelt so hoch wie die der Frauen, und es begehen auch mehr Männer Selbstmord: ebenfalls doppelt so viele.

Mit Ausnahme der Muskelkraft ist die Frau in jeder Hinsicht die Stärkere. Muskelkraft macht einen aber nicht wirklich überlegen; sie ist etwas Animalisches. In diesem Sinn ist ein Wolf viel stärker, ein Tiger noch viel stärker und ein Löwe noch viel viel stärker.

Dem Mann muß seine Unterlegenheit schon vor vielen Jahrtausenden klargeworden sein. Und das ist ein psychologischer Mechanismus: Wenn einem klar wird, daß man in einer Sache unterlegen ist, muß man es wettmachen. Eine häßliche Person wird versuchen, schön auszusehen, sie wird sich auf jede mögliche Weise den Anschein geben, schön zu sein. Sie wird es durch Kleider, durch Kosmetik versuchen; sie wird zur Kosmetikerin gehen, zum Schönheitschirurgen. Das ist Überkompensation. Sie ahnt, daß sie nicht schön ist, aber sie muß schön sein. Wer sich unterlegen fühlt, trachtet nach Überlegenheit. Durch seine Muskelkraft konnte der Mann beweisen, daß er der Herr ist, und auf diese Weise hat er die Frau seit jeher beherrscht.

Doch jetzt ist die Zeit für eine große Veränderung gekommen: Die Zukunft gehört den Frauen, nicht den Männern – denn was der Mann in der ganzen Vergangenheit hervorgebracht hat, ist häßlich: Kriege um Kriege um Kriege. Daraus besteht seine ganze Geschichte. Alles, was die Männer an Größe hervorgebracht haben, sind Leute wie Dschingis Khan, Tamerlan, Nadir Schah, Alexander der Große, Napoleon, Adolf Hitler, Mao Tse-tung.

Gewiß, es hat einige wenige Männer wie Gautama Buddha, Jesus Christus, Krischna gegeben – aber ist euch eines aufgefallen? – Sie alle wirken feminin. Das war etwas, das Friedrich Nietzsche an Buddha und Jesus kritisierte: daß sie feminin aussehen, daß sie weibisch seien. Zweifellos sieht Buddha feminin aus. Wenn ein Mann sich in sein Herz begibt, tritt etwas Feminines in ihm zutage. Er wird runder, weicher, verletzlicher.

Nietzsche konnte Gautama Buddha nicht verstehen. Er hat einmal gesagt, das schönste Erlebnis, das er je hatte, das Schönste, was er je sah, seien weder die Sterne noch ein Sonnenuntergang oder ein Sonnenaufgang, weder schöne Frauen noch Rosen und Lotusblumen gewesen – nein, nichts dergleichen. Ihr könnt euch sicher nicht vorstellen, was das Schönste war, was er je erlebt hatte: eine Parade von Soldaten mit blanken Schwertern, die in der Sonne aufblitzten – das war sein schönstes Erlebnis! Der Klang ihrer Stiefel war die größte Musik, die ihm je begegnet war – nicht Mozart, nicht Wagner, nein – der Klang von Stiefeln! Und das Regiment, das daherkam mit blanken Schwertern, die in der Sonne blitzten, das war sein schönstes Erlebnis.

Kein Wunder, daß er Buddha nicht verstehen konnte. Es war Friedrich Nietzsche, der dieses Jahrhundert prägte, und dieses Jahrhundert ist eines der häßlichsten. Er ist der Vater zweier Weltkriege, und vielleicht wartet er jetzt auf den dritten, wartet er auf die Geburt des dritten Krieges. Er sagt, der Krieg sei das Schönste auf der Welt, weil er das Größte im Menschen hervorholt. Er selbst wurde verrückt, und das scheint nur logisch. Ein solcher Mann muß ja verrückt werden.

Gewiß, es hat einige Buddhas gegeben. Doch wenn ihr genauer hinseht, werdet ihr entdecken, daß sie mehr feminin als maskulin waren. Alle großen Künstler dieser Welt entwickeln ebenfalls mit der Zeit eine Qualität von Weiblichkeit, Sanftmut, Eleganz und Anmut. Ein gewisses Aroma von Weichheit, Entspanntheit, Gelassenheit und Stille umgibt sie. Sie sind nicht mehr so fiebrig.

Was ich hier eigentlich lehre, ist, wie die ganze Welt weiblicher werden kann. Du mußt eine Vertreterin dieser häßlichen Bewegung sein, die sich Frauenemanzipation nennt. Nicht nur die Frau muß sich emanzipieren und befreien, auch der Mann muß sich befreien. Die Frau muß sich von ihrer Vergangenheit befreien, und der Mann muß sich von seiner Vergangenheit befreien. Wir brauchen diese Befreiung, wir brauchen einen befreiten Menschen. Und merkt euch, wenn ich »der« Mensch sage, ist die Frau immer inbegriffen. Frauen sind in diesem Punkt sehr empfindlich geworden.

Aber seid nicht dumm. Wenn ich rede, versucht ein bißchen mitfühlender zu sein. Ihr werdet keinen mitfühlenderen Menschen finden als mich. Ich mache keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Sie haben beide gelitten. Und so ist das immer mit dem Leiden; es ist ein zweischneidiges Schwert. Wenn du jemanden leiden läßt, mußt du selber leiden. Wenn du jemanden zum Sklaven machst, bist du selbst zum Sklaven geworden. Es ist immer gegenseitig.

Auszug aus Osho, The Book of Wisdom, , Kapitel 7