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Osho Eine Welt aus Kommunen

Eine Welt aus Kommunen

 
Meine Vision einer neuen Welt, der Welt aus Kommunen, bedeutet: keine Nationen, keine Großstädte, keine Familien, sondern Millionen von kleinen Kommunen, über die ganze Erde verstreut, in dichten Wäldern, üppigen, grünen Wäldern, in Gebirgen, auf Inseln. Die kleinste funktionsfähige Kommune kann fünftausend Menschen umfassen. Und die größte Kommune kann fünfzigtausend Menschen haben. Zwischen fünf- und fünfzigtausend - mehr als das ließe sich nicht mehr durchführen, denn sonst tauchte wieder die Frage nach Gesetz und Ordnung auf, und die Polizei und die Gerichte und all die alten Verbrecher hielten wieder Einzug. 
 
Eine Kommune ist die Proklamation eines Lebens ohne Ehrgeiz, der Gleichberechtigung aller. Aber vergesst nicht, worin ich mich von Karl Marx unterscheide. Ich bin nicht dafür, die Menschen zur Gleichheit zu zwingen. Denn das ist eine psychologisch unmögliche Aufgabe - und jedes Mal, wenn ihr gegen die Natur verstoßt, wird sie destruktiv und giftig. 
 
Keine zwei Menschen sind gleich. 
 
Aber ich bin leicht misszuverstehen. Versucht also, meinen Standpunkt sehr klar zu verstehen. Ich bin nicht für Gleichheit, aber ich bin auch nicht für Ungleichheit! Ich bin dafür, jedem die gleiche Chance zu geben, sich selbst zu leben. Mit anderen Worten: in meinen Augen ist jeder einzelne Mensch gleich einmalig. 
 
Die Frage nach Gleichheit oder Ungleichheit stellt sich erst gar nicht, weil zwei Individuen nicht gleich sind. Sie sind nicht zu vergleichen. 
 
Eine wirkliche Kommune, ein wirklicher Kommunismus, wird gleiche Wachstumschancen bereitstellen, aber dabei die Einmaligkeit jedes einzelnen berücksichtigen. 
 
Eine Kommune bedeutet, dass wir all unsere Energien, all unser Geld in einen Topf getan haben - alles in einen einzigen Topf, aus dem alle Menschen versorgt werden. Es muss absolute Freiheit des Ausdrucks geben - ob in Worten oder mit anderen kreativen Mitteln. Jedes Individuum sollte so respektiert werden, wie es ist, nicht nach Maßgabe irgendeines Ideals. Seine Grundbedürfnisse sollten von der Kommune erfüllt werden, und so wie die Kommune reicher wird, sollte jeder einzelne mit mehr Komfort, mit mehr Luxus versehen werden - denn ich bin nicht gegen Luxus oder Komfort. Ich bin kein Sadist, und ich möchte nicht, dass die Menschen im Namen irgendwelcher schönen Worte gequält werden. Niemand sollte im Namen von Religion oder im Namen von Sozialismus aufgeopfert werden. Keinerlei Selbstquälerei sollte gefördert werden. 
 
Der Mensch ist da, um zu jubeln, um sein Leben so schön, so friedlich, so komfortabel wie möglich zu leben. Ich bin absolut für alle fortschrittlichen Erfindungen, die den Menschen glücklicher machen können, die ihn länger leben, jünger und gesünder sein lassen, und die sein Leben eher zu Spiel und Spaß machen, statt zu einer qualvollen Reise von der Wiege bis zum Grab. 
 
Ich bin absolut für den Reichtum - aber es wird ein Reichtum der Kommune sein. Im Maße, wie die Kommune reicher wird, wird jeder einzelne reicher. Ich bin gegen Armut, ich bin kein Anbeter der Armut. Ich sehe nichts Spirituelles darin, arm zu sein; es ist reine Dummheit. Weder ist Armut spirituell, noch ist Krankheit spirituell, noch ist Hunger spirituell. Eine Kommune sollte so leben, dass sie immer reicher wird, und so leben, dass sie nicht zu viele Kinder produziert. Denn Überproduktion an Menschen schafft zwangsläufig Bettler, schafft zwangsläufig Waisen. Und sobald es Waisen gibt, tauchen die Mutter Teresas auf, um sie zum Katholizismus zu bekehren. 
 
Alle Kommunen sollten zusammenhängen, aber sie werden kein Geld austauschen. Geld sollte abgeschafft werden; es hat der Menschheit ungeheuer geschadet. Jetzt ist es Zeit, ihm Adieu zu sagen. Denn Geld lässt sich akkumulieren. Und wenn eine Kommune reicher wird als die anderen Kommunen, kommen durch die Hintertür wieder Reichtum und Armut herein, und der ganze Alptraum des Kapitalismus und die Klassen der Armen und Reichen und der Wunsch zu herrschen: weil ihr reich seid, könnt ihr andere Kommunen unterwerfen. Geld ist einer der Feinde des Menschen. Kommunen werden untereinander tauschen. Sie werden über ihre Radiosender bekannt geben, dass dieses und jenes Produkt bei ihnen zu haben ist. Wer andere Produkte hat, die sie brauchen, kann sie kontaktieren, und diese Dinge können auf freundliche Art und Weise ausgetauscht werden. Es gibt kein Feilschen, es gibt keine Ausbeutung. Aber eine Kommune sollte nicht zu groß werden, weil Größe ebenfalls gefährlich ist. 
 
Das Kriterium, wie groß eine Kommune sein darf, sollte sein, dass jeder jeden anderen kennt; da sollte die Grenze liegen. Sobald diese Grenze überschritten wird, sollte die Kommune sich in zwei Teile teilen. Genauso, wie sich zwei Brüder trennen, trennt sich eine Kommune, die zu groß geworden ist, in zwei Kommunen, zwei Schwesterkommunen. Und es wird ein tiefer Zusammenhang zwischen ihnen bestehen; Ideen und Fertigkeiten werden ausgetauscht, ohne all die Attitüden, die aus Besitzansprüchen kommen - wie Nationalismus und Fanatismus. Es wird nichts geben, was zu Fanatismus führen könnte. Es wird keinen Grund geben, sich als Nation zu verstehen. 
 
Eine kleine Gruppe von Menschen kann. das Leben viel leichter genießen, weil es an sich schon eine Freude ist, so viele Freunde, so viele Bekannte zu haben. 
 
Meine Vorstellung von einer Kommune ist ein Leben in kleinen Gruppen, die jedem genug Raum lassen und dennoch ein Leben in einer engen, liebenden Beziehung gewähren. Die Kommune nimmt sich eurer Kinder an, die Kommune sorgt für eure Bedürfnisse, die Kommune kümmert sich um eure medizinische Versorgung. Die Kommune wird zur authentischen Familie, ohne die Krankheiten, die früher durch die Familien kamen. Sie ist eine lockere Familie und in ständiger Bewegung. 
 
Ehen kommen nicht in Frage, und Scheidungen kommen nicht in Frage. Wenn zwei Menschen zusammenleben wollen, können sie zusammen sein, und wenn sie eines Tages nicht mehr zusammen sein wollen, ist das völlig in Ordnung. Sie waren aus eigenem Entschluss zusammen - jetzt können sie sich andere Freunde suchen. Ja, warum in diesem einen Leben nicht gleich mehrere Leben leben? Warum es nicht reicher machen? Warum sollte ein Mann an einer einzigen Frau festhalten, oder eine Frau an einem einzigen Mann - es sei denn, sie haben soviel Freude aneinander, dass sie ihr ganzes Leben lang zusammen sein wollen? 
 
Aber wenn man sich die Welt betrachtet, ist die Situation klar: die Erwachsenen wären gern ihre Familien los, Kinder wären gern ihre Familien los. Aber in einer Kommune braucht man keinen Lärm um nichts zu machen. Ihr könnt jeden Augenblick Adieu sagen - und trotzdem Freunde bleiben. 
 
Es wird ein reicheres Leben sein. Ihr werdet viele Männer und viele Frauen kennen gelernt haben. Jeder Mann hat etwas ganz Eigenes, und jede Frau hat etwas ganz Eigenes. 
 
In einer Kommune werden die älteren Menschen um ihrer Erfahrungen willen geliebt und geachtet sein. Die älteren Menschen werden die Lehrer, die Ratgeber sein. Alter wird nicht als etwas Hässliches gelten, sondern als etwas ungeheuer Anmutiges. Man hat alle kindischen und jugendlichen Torheiten hinter sich, man ruht nun ganz in sich und ist innerlich still geworden, nach einem Leben voller Meditation. Sie werden euch lehren, wie man stirbt - denn wenn sie sterben, werden sie mit solcher Anmut und Freude sterben! Das wird ihr letztes Geschenk an die Kommune sein. 
 
Die ganze Welt sollte eine Menschheit sein, aber über lauter kleine Kommunen verteilt, aus rein praktischen Gründen. Kein Fanatismus, kein Rassismus, kein Nationalismus - dann können wir zum ersten Mal alle Kriege vergessen. Wir können das Leben in aller Aufrichtigkeit lebenswert und genießenswert machen, spielerisch, meditativ, kreativ - und jedem Mann und jeder Frau die gleiche Chancen geben, sich zu entfalten und ihre Anlagen zur Blüte zu bringen.