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Osho Familien sind überholt

Familien sind überholt

 
Neue Formen des Zusammenlebens werden entstehen müssen. Ich rede lieber nicht von "Gesellschaft", um eine Verwechslung zu vermeiden. Ich nenne das neue Zusammenleben eine "Kommune". 
 
Das Wort ist aufschlussreich. Es bedeutet: wo Menschen nicht nur zusammenleben, sondern wo Menschen in tiefer Kommunion miteinander sind. 
 
Zusammenleben, das ist das eine... das tun wir sowieso, in jeder Stadt, jedem Ort... Tausende von Menschen leben zusammen, aber was für einen Zusammenhalt haben sie? Die Leute kennen nicht einmal ihre Nachbarn. Sie wohnen im gleichen Wolkenkratzer - Menschen zu Tausenden - und erfahren nie, dass sie im gleichen Haus wohnen. Es gibt keinen Zusammenhalt, weil es keine Kommunion gibt. Es ist einfach eine Masse, keine Gemeinschaft. Darum würde ich das Wort "Gesellschaft" lieber durch das Wort "Kommune" ersetzen. 
 
Die Gesellschaft basiert seit je auf bestimmten Prinzipien. Diese werdet ihr abschaffen müssen, sonst wird die Gesellschaft nicht verschwinden. Die erste und wichtigste Zelle der Gesellschaft ist bis heute die Familie. Wenn die Familie so bleibt, wie sie ist, dann kann die Gesellschaft nicht verschwinden, dann können die Religionen nicht verschwinden. Dann gelingt es uns nicht, eine Welt, eine Menschheit zu schaffen. Die Familie ist die eigentliche Wurzel von Millionen Krankheiten; sie ist der Grundbaustein, aus dem die Staaten gemacht sind, die Rassen gemacht sind, die religiösen Organisationen gemacht sind. Und die Familie hat allen Männern und Frauen der Menschheit jegliche Lebensfreude genommen. Heute endet im Westen jede dritte Ehe in Scheidung, mit all den grauenvollen juristischen Schlachten um Kinder und Besitz. Ein Großteil aller Gewaltverbrechen und Morde auf der Welt spielen sich in der Familie, zwischen Familienmitgliedern ab. 
 
Die Grundstruktur der Familie ist Besitz. Der Ehemann besitzt die Ehefrau, und beide besitzen die Kinder. Und im gleichen Augenblick, wo man einen Menschen besitzt, hat man ihm seine Würde, seine Freiheit, ja seine Menschlichkeit an sich geraubt. Man hat ihm alles genommen, was schön ist, und ihm dafür Handschellen angelegt - vielleicht aus Gold geschmiedet. Schöne Käfige, als Ersatz für seine Schwingen - aber diese goldenen Käfige können ihm nicht den Himmel und die Freiheit des Himmels schenken. Die Familie versucht, dich von der übrigen Gesellschaft abzuschneiden, so wie dein Staat dich von anderen Staaten abschneidet. Die Strategie ist immer die gleiche: Spaltung. 
 
Sobald die Familie abgeschafft ist, wird viel psychologische Krankheit abgeschafft sein, wird viel politischer Wahn abgeschafft sein. 
 
Das erste ist also: in einer idealen Kommune wird es keine Familien geben. Was daraus folgert, ist klar: es wird keine Ehen geben. 
 
Der Liebe sollte erstmalig der Respekt zuteil werden, der ihr seit Jahrhunderten schuldig geblieben ist. Liebe sollte das einzige Gesetz zwischen zwei Menschen sein. Wenn sie beschließen, zusammenzuleben, sollte allein die Freude die bindende Kraft zwischen ihnen sein. Und vergesst nicht: so wie alles Wirkliche, verändert sich auch die Liebe. Nur unwirkliche Dinge, Plastikdinge, sind von Dauer. 
 
Die Ehe ist zwar dauerhaft, aber ihre Dauer kommt daher, dass sie die Liebe tötet. Nur auf dem Grab der Liebe errichtet die Ehe ihr Haus. Natürlich führt sie dann zu Agonie, Qual, Leiden, Unterwerfung und zur totalen Zerstörung der Spiritualität des Menschen. 
 
Eine ideale Kommune ist eine Kommunion, ein Zusammenfinden freier Geister. Kinder sollten der Kommune gehören, nicht den Eltern. Eltern haben genug Schaden angerichtet; man darf ihnen nicht weiter erlauben, ihre Kinder zu verderben - auch wenn all ihre Absichten gut sind. Aber was soll man mit ihren guten Absichten anfangen? Die Ergebnisse sind durchweg grauenhaft. 
 
Sie lehren ihre Kinder, konkurrieren zu können, und Konkurrenzkampf bringt Neid und Eifersucht. Sie lehren ihre Kinder, jemand zu werden in der Welt, sich "einen Namen zu machen." Damit wird das Leben zum Kampf, nicht zum Jubel, sondern zum ständigen Krieg - so destruktiv, dass es euch alle Freude, allen Lebenssaft, alle Blüten raubt. Was bleibt, sind klappernde Gerippe, die sich um Macht, um Geld, um Positionen zanken. Das Leben wird zum Schlachtfeld. 
 
Und schuld sind allein die Eltern. Sie haben ihr Leben als Ehrgeizlinge gelebt, sie haben sich selber zerstört. Jetzt vererben sie ihren Kindern ihre unerfüllten Träume, ihre nicht erreichten Ziele. Auf diese Weise zeugen sich Krankheiten fort, von einer Generation zur anderen. 
 
Wir müssen die Kinder vor der Vergangenheit schützen. 
 
Der einzige Weg ist, dass sie einer Kommune angehören. Kinder sollten nicht bei ihren Eltern leben, sondern in kommunalen Wohnhäusern, damit die Eltern nicht ihren Geist vergiften können. Die Eltern können sich mit ihnen treffen und die Wochenenden mit ihnen verbringen, aber grundsätzlich werden sie unabhängig aufwachsen. Und die Kommune sollte Sorge tragen, dass sich keinerlei religiöse oder politische Ideologie einmischt, keine Staatsangehörigkeit, Rasse, Kaste... all diese Dinge, die trennen. Das ist der einzige Weg, mit der Vergangenheit zu brechen. Es wird enorm helfen, wenn die Kinder alles in einem anderen Licht sehen können. 
 
Und einen Vater und eine Mutter zu haben, ist psychologisch gefährlich; denn wenn das Kind ein Junge ist, fängt er an, seinen Vater nachzuahmen; wenn das Kind ein Mädchen ist, fängt sie an, die Mutter nachzuahmen - und das führt zu großen psychologischen Problemen. 
 
Vater und Mutter sollten in den Hintergrund treten, und an ihre Stelle sollten Onkel und Tanten treten. Es sollte lauter Onkel und lauter Tanten geben... vielleicht sollte die Mutter die Obertante und der Vater der Oberonkel sein, aber mehr auch nicht. Es ist gut, dass die Familie schon verschwindet. 
 
Wenn die Kinder der Kommune anvertraut werden - ich habe damit experimentiert und fand es außerordentlich erfolgreich - sind die Kinder sehr viel glücklicher, denn sie sind sehr viel freier. Keine Konditionierung wird ihnen eingeimpft. Sie werden eher reif. Weil niemand versucht, sie abhängig zu machen, werden sie unabhängig. Niemand reißt sich ein Bein aus, um ihnen zu helfen; also müssen sie lernen, wie sie sich selber helfen können. Das bringt Reife, Klarheit, eine gewisse Stärke. 
 
Und mit der verschwindenden Familie werden die Staaten verschwinden, weil die Familie die Grundzelle des Staates ist. 
 
Also bin ich jedes Mal hocherfreut, wenn ich feststelle, dass die Familie verschwindet - weil ich weiß, dass nach ihr der Staat an der Reihe ist. Mit der Familie werden die so genannten Religionen verschwinden, denn es ist die Familie, die euch eure Religion, eure Nationalität und alle möglichen anderen Dinge aufzwingt. Wenn erst einmal die Familie verschwunden ist, wer soll euch dann noch das Christentum aufzwingen oder den Hinduismus? 
 
Im Augenblick wird jeder gezwungen, so zu sein, wie es den Vorstellungen anderer entspricht. Das bringt Unglück und großes Leid und nimmt dem Leben alle Freude und Fröhlichkeit. Jeder sollte er selbst sein und genau das zum Leben beitragen, was seiner Natur entspricht - indem er Musik macht oder Bilder malt oder Gedichte schreibt oder besseres Obst, besseres Getreide züchtet, bessere Straßen baut. Jedem sollte erlaubt sein, sein eigenes Potential erfüllt zu sehen. 
 
Eine ideale Kommune gesteht jedem Einzelnen Würde zu. Eine ideale Kommune entfaltet so viel Intelligenz wie nur möglich, und gestattet den Menschen, auf intelligente Art weiterzureifen, nach ihrer Wahrheit zu suchen und zu forschen - denn nur so wird man intelligenter. 
 
Indem man sucht und forscht, wird die Intelligenz geschliffen wie ein Schwert. Der Mensch hat in der Unintelligenz gelebt, weil die Religionen der Welt allesamt nur auf einem bestanden haben: Glauben. Und Glauben ist Gift für die Intelligenz. Sie haben immer nur eines betont: blindes Gottvertrauen. Und blindes Gottvertrauen ist gegen alles Wachstum. 
 
Der neue Mensch, den ich heranbilde, wird kein Glaubenssystem und wird kein blindes Gottvertrauen haben. Er wird ein Suchender sein, ein Forscher, ein Fragensteller; sein Leben wird ein Leben voll ungeheurer Entdeckungen sein - Entdeckungen sowohl in der Außenwelt wie Entdeckungen in der Innenwelt. 
 
Ich möchte, dass jeder Mensch ein Entdecker wird: in der Außenwelt ein Galilei, ein Kopemikus, ein Kolumbus; und ein Gautam Buddha, ein Zarathustra, ein Chuang Tse der Innenwelt. Mein ganzes Bestreben richtet sich auf einen einzigen Punkt: den neuen Menschen zu schaffen, einen "Zorba the Buddha".
 
In einer vorbildlichen Kommune wird jeder die Eigenschaften beider haben, die Eigenschaften eines Alexis Sorbas und die Eigenschaften des Buddha - ungeheuer interessiert an der Außenwelt, und gleichermaßen verliebt in die innere Suche. An dem Tage, an dem du beides zugleich bist, bist du der neue Mensch geworden, und der neue Mensch wird der Retter der Menschheit sein.
 
Eine Kommune sollte ein Zusammenschluss von Suchenden sein, von Liebenden, von Freunden, von kreativen Menschen aus allen Lebensbereichen. Wir können hier auf Erden ein Paradies schaffen.