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Osho E i n e Religiosität - eine Welt von Individuen

E i n e Religiosität - eine Welt von Individuen

 
Nach den Nationen sind die Religionen die zweite große Krankheit; sie haben Krieg geführt, sie haben getötet - aus Gründen, für die sich kein Mensch interessiert. Das Christentum war die erste Religion, die der Menschheit die Idee in den Kopf gesetzt hat, ein Krieg könne ebenfalls religiös sein. Und der Islam und andere Religionen sind seinem Beispiel gefolgt und haben sich im Namen Gottes gegenseitig abgeschlachtet. 
 
Ich sage: Krieg als solcher ist irreligiös. So etwas wie einen Kreuzzug, einen Jihad, einen heiligen Krieg kann es nicht geben! Wenn ihr den Krieg "heilig" nennt, was kann man dann noch unheilig nennen? Wer interessiert sich für Gott, außer den Priestern? Mir ist noch nie ein Mensch begegnet, der sich wirklich für Gott interessierte. Biete ihm mit der einen Hand fünf Dollar an und Gott mit der anderen - er wird die fünf Dollar nehmen und sagen: "Gott ist ewig, der kann warten. Im Augenblick bringen mich die fünf Dollar weiter." 
 
Aber die Priester interessieren sich deshalb für Gott, weil das ihr Geschäft ist, und weil sie möchten, dass ihr Geschäft blüht und gedeiht. 
 
Die Religionen haben die Ganzheit des Menschen zerstört. Sie haben ihn zerbrochen - nicht nur in Stücke, sondern in widerstrebende Stücke, und diese Stücke kämpfen nun unentwegt gegeneinander. Auf diese Art haben sie die Menschheit schizophren gemacht. Sie haben jedem eine gespaltene Persönlichkeit gegeben. Das ist auf sehr gerissene und schlaue Art passiert - indem sie euren Körper, euren Sex verdammt haben, indem sie euch gegen eure eigene Natur aufgehetzt haben. 
 
Alle Religionen sind gegen alles, was der Mensch genießen kann. Sie haben ein handfestes Interesse daran, den Menschen unglücklich zu halten, und jede Möglichkeit zu zerstören, dass er je Frieden, Freude und Erfüllung finden kann – das Paradies hier und jetzt. 
 
Euer Unglück ist absolut notwendig, damit es "die andere Welt" geben kann. Zum Beispiel: Wenn euer Sex wirklich erfüllt ist, dann braucht ihr Gott nicht, weil euer Leben erfüllt ist. Aber wenn euer Sex verdammt, unterdrückt, zerstört wird, wenn man euch seinetwegen Schuldgefühle einimpft, dann kann Gott ewig weiterleben. Gott leitet seine Energie aus eurem Selbstmord her! 
 
Die Religionen haben euch gelehrt, dass ihr nicht von dieser Welt seid, sondern dass ihr nur deshalb hier seid, um bestraft zu werden, um eure "Erbsünde" zu sühnen. Sie mussten es tun - um Gott zu erschaffen, der eine poetische Fiktion ist, und um den Himmel zu erschaffen, der eine Verlängerung der menschlichen Habgier ist, und um dem Menschen die Angst vor der Hölle einzujagen - mit anderen Worten: um an der Wurzel der menschlichen Seele Angst zu säen. Natürlich sind diese Fiktionen für die Priester sehr profitabel. 
 
Keine Religion akzeptiert die simple, natürliche und reale Tatsache, dass der Mensch eine Einheit ist - Körper und Bewusstsein in einem - und dass diese Welt nicht vom Menschen zu trennen ist. Der Mensch ist genauso in dieser Welt verwurzelt, wie es die Bäume sind. Und die Wurzeln gehören so wesentlich zum Baum wie die Blüten. Ja, ohne Wurzeln gäbe es keinen Baum! 
 
Dieser Planet, diese Erde, ist unsere Mutter, und wir alle sind Teil einer einzigen Lebenskraft - Teil einer einzigen ozeanischen Existenz. Und weil wir tief in unserer Mitte eins sind, existiert die Möglichkeit der Liebe. 
 
Ich bin gegen alle organisierten Religionen, ohne Ausnahme - aus dem einfachen Grund, dass die Wahrheit nicht organisiert werden kann. Sie ist keine Politik. 
 
All diese Religionen haben euch zu Rädchen in einer Masse, zu Abhängigen der Masse gemacht. Sie haben euch eure Individualität geraubt, eure Freiheit, eure Intelligenz. Und dafür haben sie euch scheinbare Glaubensinhalte gegeben, die nichts bedeuten. Glaube ist nur eine Strategie, um sich selbst zu täuschen. Ihr wollt euch nicht auf den Pfad des Suchens, Forschens, Entdeckens begeben. Er ist hart, denn ihr werdet viel Aberglauben aufgeben müssen, und ihr werdet euch deprogrammieren müssen von all den Konditionierungen der Vergangenheit, die euch davon abhalten, die Wahrheit zu erkennen, euch selbst zu erkennen. Kein Glaube kann helfen, und alle Religionen basieren auf Glauben. Eben darum nennt man sie auch "Glaubensbekenntnisse". Die Wahrheit ist eine Suche, kein Bekenntnis. Sie ist ein Nachforschen, kein Glauben. Sie ist eine Frage, ein Fragen. Wer diese Suche vermeidet, wird leicht verführbar, fällt leicht all denen zum Opfer, die nur darauf warten, euch auszubeuten. 
 
Und natürlich fühlt es sich in der Menge wohlig an. Es gibt sechshundert Millionen Katholiken. Da fühlt man sich wohl, und man hat das Gefühl, dass sechshundert Millionen Menschen sich nicht irren können. Du kannst dich irren, aber sechshundert Millionen Leute können sich nicht irren - nur, genau so denkt jeder von ihnen. Vierhundert Millionen Hindus haben das Gefühl, recht zu haben, und für die Mohammedaner, die Buddhisten und andere Religionen gilt dasselbe. 
 
Eine Religion sollte keine tote Organisation sein, sondern eher eine Religiosität, ein liebendes Herz, eine Freundlichkeit gegenüber dem Ganzen. Für das alles braucht man keine Heiligen Schriften. 
 
Alle so genannten Religionen haben euch das Grab geschaufelt, haben euer Leben, eure Freude zerstört und euch den Kopf voll gestopft mit Phantasien, Illusionen, Halluzinationen über Gott, über Himmel und Hölle und Wiedergeburt, und mit allem möglichen anderen Quatsch. 
 
Eine authentische Religiosität bedarf keiner Propheten, keiner Heilande, keiner Kirchen, keiner Päpste, keiner Priester - weil Religiosität das Aufblühen deines Herzens ist. 
 
Wenn sich Religiosität über die ganze Welt verbreitet, werden die Religionen endgültig verblassen, und es wird ein enormer Segen für die Welt sein, wenn der Mensch nur noch Mensch ist - weder Christ noch Moslem noch Hindu. 
 
Aber die Welt hat bisher noch keine Religiosität erlebt. Bevor Religiosität nicht zum Grundklima der Menschheit geworden ist, wird es überhaupt keine Religion geben - nur Aberglauben. Und ich bestehe deshalb darauf, es Religiosität zu nennen, damit es nichts Organisiertes wird. 
 
Religiosität ist eine individuelle Angelegenheit. Sie ist deine Liebesbotschaft an den ganzen Kosmos. Nur so wird es einen Frieden geben, der über alles Missverstehen erhaben ist... denn bisher waren alle Religionen Parasiten und haben die Menschen ausgesaugt, unterjocht, zum Glauben gezwungen. Und jeder Glaube ist gegen die Intelligenz. 
 
Ich sähe die ganze Welt liebend gern religiös - aber im Sinne einer unabhängigen Suche, geboren aus der Freiheit jedes einzelnen. 
 
Erstens also sollten die Nationen verschwinden, wenn die Welt überleben soll. Wir brauchen kein Indien und kein England und kein Deutschland. Zweitens sollten die Religionen verschwinden. 
 
Eine Menschheit genügt. 
 
Und eine Religiosität genügt. 
 
Meditation, Wahrheit, Liebe, Authentizität, Aufrichtigkeit - all das braucht kein Attribut... hinduistisch, christlich, mohammedanisch. Eine einzige Religiosität - eine Eigenschaft, nicht etwas Organisiertes. 
 
Sobald sich Organisation einmischt, wird es zu Gewalt kommen, denn dann gibt es Reibungen mit anderen Organisationen. Wir brauchen eine Welt von Individuen, ohne jegliche Organisationen. Ja, es kann Gruppen von Menschen geben, die ähnliche Gefühle haben, ähnliche Freuden, ähnlichen Jubel, aber es darf keinerlei Organisationen, Hierarchien, Bürokratien geben. 
 
Erstens keine Nationen, zweitens keine Religionen, und drittens eine Wissenschaft, die einzig und allein einem besseren Leben gewidmet ist, die für mehr Leben, höhere Intelligenz, mehr Kreativität arbeitet - nicht für mehr Krieg, nicht für die Zerstörung. Wenn diese drei Dinge möglich werden, kann die gesamte Menschheit vor der Vernichtung bewahrt werden - der Vernichtung durch ihre eigenen Führer, die religiösen, die politischen, die gesellschaftlichen.