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Osho Die Menschen auf Macht vorbereiten

Die Menschen auf Macht vorbereiten

 
Menschen, die eines Tages Macht ausüben werden, müssen darauf vorbereitet werden. Im Augenblick, bisher, seit Jahrtausenden, bereitet ihr niemanden darauf vor. Wenn jemand Boxer wird, schiebt ihr ihn auch nicht einfach in den Ring und sagt: "Los!" Er muss es erst lernen. Wenn jemand das Schwert führen soll, braucht er Jahre dazu. Sonst weiß er nicht einmal, wie er das Schwert halten soll, kann er unmöglich damit umgehen, damit kämpfen. Erst muss er herausfinden, wie man es aus der Scheide zieht, wie man es hält. Es gehört Training dazu. Ihr gebt niemandem eine Gitarre in die Hand, wenn er das Instrument noch nie gesehen hat, und erwartet, dass er sich als ein Amadeus Mozart oder als Ravi Shankar entpuppt. 
 
Nun, da seid ihr selber schuld. 
 
Diese Leute an der Macht, habt ihr sie etwa geschult? Hat je einer bedacht, dass die Leute, die so viel Macht in den Händen halten werden, gewisse Qualitäten brauchen, damit sie ihre Macht auch nicht missbrauchen? Es ist nicht ihre Schuld. Ich schlage also zwei Institute vor, für jede Universität. Das eine Institut ist für Deprogrammierung. Jeder, der ein Studium abschließt, muss erst ein Zeugnis vom Institut für Deprogrammierung vorlegen, worin steht, dass man dich jetzt als Christ, als Hindu, als Moslem, als Jude deprogrammiert hat - oder was immer deine Handelsmarke war. Das Institut hat dich ausgemistet; denn genau da lag seit altersher unser Problem. 
 
Wenn du seit fünfzig oder sechzig Jahren etwas Bestimmtes geglaubt hast, und ich plötzlich sage, dass das alles Unsinn ist, wirst du dich aufregen, wirst du Widerstand leisten; denn das heißt, dass du sechzig Jahre lang ein Dummkopf gewesen bist. Aber wenn du Mumm und Intelligenz besitzt, ist immer noch Zeit genug, aus der alten Fahrrille herauszukommen. 
 
Meine Religiosität ist nichts anderes als die Wissenschaft des Deprogrammierens. Und ihr dürft das nicht mit dem Deprogrammieren verwechseln, das es in Kalifornien gibt - das sind Re-Programmierer! Wenn jemand vor dem Christentum davongelaufen ist, holen sie ihn ins Christentum zurück - und das nennt ihr Deprogrammieren? 
 
Deprogrammieren heißt, dass du einfach ohne Programm bleibst - ohne Religion, Rasse, Kaste, Nationalität... du wirst allein dir selbst überlassen, um ein individueller Mensch zu sein. 
 
Und vier Jahre ist Zeit genug. Deprogrammieren dauert nicht so lange; nur ein paar Stunden im Monat, vier Jahre lang, und du wirst deprogrammiert sein. Und du bekommst nicht eher ein Examenszeugnis von deinem Seminar, als bis dir das Deprogrammierungs-Institut bescheinigt hat, dass dieser Mensch Jetzt kein Etikett mehr hat, dass er jetzt einfach nur noch „ein Mensch ist." 
 
Das zweite Institut wird ein Institut für Meditation sein; denn es genügt nicht, einfach nur zu deprogrammieren. Das Deprogrammieren befreit dich von deinem Schrott, aber du bleibst leer zurück - und es ist schwer, leer zu sein. Du würdest wieder Schrott ansammeln. Auf dich selbst gestellt kannst du nicht allein lernen, wie du frohen Herzens mit deiner Leere leben kannst - aber genau das ist die ganze Kunst der Meditation. 
 
Dieses Institut wird dir eine einfache Meditation geben, es ist nichts Kompliziertes nötig. Die Universitäten und die Intelligenz neigen dazu, alles kompliziert zu machen. Es genügt eine einfache Methode der Atem-Beobachtung; aber du musst jeden Tag eine Stunde lang ins Institut gehen. Du sitzt einfach still und bist Zeuge deiner Verstandesprozesse, während du deine Aufmerksamkeit auf das Atmen richtest. Du brauchst nichts zu tun. Sei einfach Zeuge, ein Beobachter, ein Zuschauer, der sich den Verkehr des Verstandes anschaut – vorüber ziehende Gedanken, Wünsche, Erinnerungen, Träume, Phantasien. Halt einfach Abstand, kühl, ohne Verurteilung, ohne Wertung. Sobald du den Dreh gefunden hast, ist es die einfachste Sache von der Welt. 
 
Zum Meditieren gehören ein paar wesentliche Dinge, die man bedenken muss: Das erste ist ein entspannter Zustand - kein Kampf, keine Kontrolle, keine Konzentration. Das zweite ist Beobachtungsbereitschaft - sei Zeuge von allem, was in dir vorgeht. Und das dritte ist: enthalte dich jedes Urteils und jeder Wertung. Sei einfach ein Zeuge. Der Körper verändert sich, der Geist verändert sich, die Gefühle verändern sich - nur der Zeuge bleibt der gleiche. 
 
Indem du das Zuschauen übst, bemerkst du, dass die Gedanken und Gefühlswolken sich allmählich auflösen und das riesige Blau deines inneren Himmels erscheint - du wirst einen Geschmack davon bekommen, was es heißt, über den Körper-Geist-Herz-Komplex hinauszugehen. Sobald du diesen Zustand erfahren hast, hast du von Meditation gekostet. Und Meditation ist Frieden, Meditation ist Freude - Meditation ist Erfüllung. 
 
Auf der einen Seite entrümpelt dich also das Deprogrammierungsinstitut, es leert dich aus, es macht dich zum Vakuum, und auf der anderen Seite hilft dir das Meditationsinstitut immer mehr, dich an deiner Nichts-heit, deiner Leere, deinem Vakuum zu freuen, an seiner Reinheit, seiner Frische. Und wenn du dann anfängst, es zu genießen, bekommst du das Gefühl, dass es überhaupt nicht leer ist, dass es voller Freude ist. Es hat anfangs leer ausgesehen, weil du daran gewohnt warst, soviel Gerümpel in dir zu haben, und jetzt ist dieses Gerümpel entfernt worden, und jetzt sagst du, dass es leer aussieht. 
 
Es ist wie ein Raum voller Möbel. Du hast ihn immer nur voller Möbel gesehen. Dann eines Tages kommst du, und alle Möbel sind weg, und du sagst: "Der Raum sieht so leer aus." Der Raum ist nicht leer, der Raum ist einfach nur rein. Der Raum ist geräumig, zum ersten Mal. Vorher war er voll gestellt, voll gestopft, voller Gerümpel. Jetzt ist er reiner Raum. 
 
Du musst Meditation lernen, um deine Leere zu genießen. 
 
Und das ist einer der größten Tage im Leben - wenn ein Mensch anfängt, die Leere, das Alleinsein, das Nichts zu genießen, denn danach wirst du dein ganzes Leben meditativ leben können. 
 
Und mit „meditativ leben“ meine ich liebevoll sein, wach sein, ein Zeuge sein. Was immer du tust, das tu mit Freude und Totalität - tu es so, als wäre es in diesem Augenblick das Allergrößte auf der Welt. Egal was du tust - wenn du es mit solcher Intensität, mit solcher Liebe, mit solcher Ehrfurcht tust, wird es dich transformieren. Wenn etwas dich nicht transformiert, ist es nicht Meditation. 
 
Aber alle Religionen haben unter "Meditation" immer nur Beten verstanden - Gebete, die nichts anderes sind als Beschwerden und Wünsche. Sie führen dich nicht in dein innerstes Sein, in keinen höheren Bewusstseinszustand - du bleibst der gleiche. Und im Namen von Meditation gibt es Hunderte von so genannten Lehrern, die immer nur Menschen ausbeuten. Bei ihren Lehren geht es nur darum, den Verstand durch Konzentrationsübungen zu disziplinieren. Aber Konzentration ist ein Verstandesphänomen, sie stärkt den Verstand nur noch mehr! Und Meditation heißt, kurz gesagt, nichts anderes, als einen Abstand zu schaffen zwischen dir und deinem Verstand. 
 
Zum Beispiel ist die Transzendentale Meditation heute ein Paradebeispiel für angebliche Meditationen: du konzentrierst dich auf ein Wort, ein "heiliges Wort", und du wiederholst es, so schnell du kannst - ohne Lücken dazwischen. Das erzeugt eine Art künstlichen Schlaf und entlastet dich vom Denken. Es ist eine genussvolle Übung, und hinterher wirst du dich erfrischt fühlen. Ich habe nichts dagegen - nur nennt es bitte nicht Meditation. Und nennt es nicht transzendental. Das sind die falschen Wörter dafür. Es ist hypnotische Autosuggestion, und mehr nicht. 
 
Meditation wird aus dir ein neues Wesen, einen neuen Menschen machen - ein neues Bewusstsein, welches keine Angst, keinen Ernst, keine Gier, keinen Hass kennt, nichts von jenen dunklen Emotionen und Empfindungen, die so abstoßend, so krankhaft, so Ekel erregend sind. Meditation kennt nur das, was dich erhebt, was dich immer mehr erhebt. Dann kann dich niemand mehr reprogrammieren, niemand auf der ganzen Welt. 
 
Ehe das Meditationsinstitut dir kein Zeugnis gibt, nimmt dir die Universität auch kein Examen ab. Das Examen kommt erst, wenn eine Bescheinigung vom Deprogrammierungsinstitut und ein Abschlusszeugnis vom Meditationsinstitut vorliegt. Es kommt auf dich an - du kannst es in einem Jahr schaffen, du kannst es in zwei Jahren schaffen, du kannst es in drei Jahren schaffen, in vier Jahren. Aber vier Jahre sind mehr als genug. Jeder Schwachsinnige muss, wenn er vier Jahre lang auch nur eine Stunde pro Tag sitzt und nichts tut, zwangsläufig das finden, was Buddha oder Laotse gefunden haben; was ich gefunden habe. 
 
Es ist keine Frage von Intelligenz, von Talent, von Genie - es ist nur eine Frage von Geduld. 
 
Du bekommst also vom Universitätsinstitut für Meditation ein Zeugnis - das Meditationsexamen. Erst dann machst du dein Examen in Geisteswissenschaften oder Volkswirtschaft oder Naturwissenschaft, nicht vorher. Und genauso mit dem zweiten Examen; zuerst legst du es in Meditation ab - aber dafür musst du zwei Jahre mit dem Deprogrammierungsinstitut weitermachen, weil man dich nicht so leicht laufen lassen darf. 
 
Diese Prozesse laufen gleichzeitig ab - Deprogrammieren und Meditieren. Das eine Institut reinigt dich immer weiter, macht dich immer leerer; das andere füllt dich immer mehr - nicht mit einer Sache, sondern mit einer Qualität: Seligkeit; eine liebevolle Art, Mitgefühl; ein ungeheures Wertgefühl, ohne jeden Grund. Einfach nur dass du lebst, atmest, ist Beweis genug, dass die Existenz dich für wert hält, da zu sein. Du bist der Existenz unentbehrlich. 
 
Wenn also jemand an der Universität weiterstudiert, besucht er auch weiterhin das Institut für Meditation, eine Stunde täglich. Und bevor er seinen M.A., seinen Magister Artium bekommt, macht er erst seinen M.M., den Magister der Meditation. Dies sind Zulassungs-Zeugnisse für das Magister-Examen. Und ich möchte, dass es so weitergeht: Wenn du promovieren willst, dann machst du noch drei Jahre Deprogrammierung und drei Jahre Meditation. Das sind Pflichtfächer bis zum Schluss, so dass du, wenn du die Universität verlässt, nicht nur ein intelligenter Mensch bist, bestens informiert, sondern auch ein Meditierer - entspannt, behutsam, friedlich, alles wahrnehmend, aufmerksam, intuitiv. Und du bist dann auch kein Christ mehr, kein Hindu mehr, kein Amerikaner mehr, kein Russe mehr. All das ist zu Asche geworden, nichts davon ist mehr übrig. 
 
Das ist der einzige Weg, die Politiker durch die Intelligenz abzulösen. Aber so, wie die Intelligenz jetzt ist, wird sie nicht viel nützen, weil diese Leute noch immer in den Krallen der Machtpolitik sind. 
 
Genau deshalb mache ich diese beiden Bedingungen. Wenn du einen Doktor machen willst, wirst du auch einen Doktortitel in Meditation haben müssen. Während deiner Ausbildung wirst du auf eine sehr stille und unmerkliche Art darauf vorbereitet, Macht auszuüben, aber so, dass die Macht dich nicht korrumpieren kann, dass du sie nicht missbrauchen kannst.