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Osho Das Recht zu sterben

Das Recht zu sterben

 
Außerdem schlage ich Sterbehilfe vor. So, wie wir ja auch Geburten begrenzen - Geburtenkontrolle - gebe ich euch ein neues Wort: Sterbekontrolle. Aber kein Staat ist bereit zur Sterbekontrolle. Selbst wenn jemand ab einem gewissen Alter sterben möchte und sein Leben voll gelebt hat, keine Verantwortungen mehr hat - sich vielmehr selbst zur Last fällt, wird er gezwungen, weiterzuleben; denn das Gesetz verbietet den Selbstmord. 
 
Ich schlage vor - nehmen wir einmal siebzig als das durchschnittliche Sterbealter an, oder achtzig oder neunzig -, dass ein Mensch dann die Freiheit haben sollte, die Gesundheitsbehörde zu bitten: "Ich möchte von meinem Körper befreit werden." Es ist sein gutes Recht, wenn er nicht mehr leben möchte, denn er hat genug gelebt. Er hat alles getan, was er tun wollte, und jetzt möchte er nicht an Krebs oder Tuberkulose sterben sondern wünscht sich einfach nur einen entspannten Tod. 
 
Jedes Krankenhaus sollte einen besonderen Bereich haben, mit einem besonderen Betreuerstab, wo die Leute hinkommen, sich entspannen und Hilfe erhalten können, auf eine schöne Art und Weise zu sterben ohne überhaupt krank zu sein, betreut von Berufsmedizinern. 
 
Wenn die Gesundheitsbehörde meint, dass die betreffende Person unentbehrlich ist, wenn die Gesundheitsbehörde meint, dass sie von größter Wichtigkeit ist, dann kann man sie bitten, noch ein wenig länger zu leben. In solchen wenigen Fällen sollte man die Menschen bitten, noch etwas länger zu bleiben, weil sie der Menschheit eine so große Hilfe sind, weil sie anderen Menschen so viel helfen können. Aber wenn auch diese Menschen nicht weiterleben wollen, so ist das ihr Geburtsrecht. Man kann sie fragen, man kann sie bitten, und wenn sie akzeptieren, gut. Aber wenn sie sagen: "Nein, wir sind nicht mehr interessiert", dann haben sie zweifellos jedes Recht zu sterben. 
 
Es ist einzusehen, warum man versucht, das Leben eines Kindes zu retten; aber warum rettet man das Leben alter Menschen, die gelebt haben, die genug gelebt haben, die gelitten, genossen und alle möglichen Dinge getan haben, gute wie schlechte? Jetzt ist es Zeit - lasst sie gehen. Aber die Ärzte können sie nicht gehen lassen, weil es illegal ist. Sie können ihnen nicht den Sauerstoff oder andere lebenserhaltende Systeme abstellen, und so rettet ihr immer wieder Sterbende oder schon fast Tote. 
 
Kein Papst lässt zu, dass diesen Menschen erlaubt wird sich von ihrem Körper zu befreien. Und was ist noch an ihren Körpern dran? Dem einen fehlen die Beine, dem andern fehlen die Hände; beim dritten arbeitet das Herz nicht mehr, also arbeitet eine Batterie für das Herz. Beim vierten funktionieren die Nieren nicht mehr, also übernehmen Maschinen die Arbeit der Nieren. Aber was sollen diese Leute? Was werden sie tun, selbst wenn ihr sie weiter so in Gang haltet? 
 
Ja, allenfalls garantieren sie den Arbeitsplatz einiger Leute - mehr aber auch nicht. Aber wie kreativ wird das Leben sein, dass sie noch führen werden? Und wie sieht es mit ihrer Freude aus, bei alldem, was mit ihnen angestellt wird? Ständig bekommen sie Spritzen. Sie können nicht schlafen, also gibt man ihnen Schlaftabletten. Sie können nicht wach werden, also bekommen sie Aufputscher ins Blut gespritzt, damit sie aufwachen müssen. Aber was ist der Grund? - der Eid des Hippokrates? Zum Teufel mit Hippokrates! Er hatte keine Ahnung, was man einmal aus seinem Eid machen würde. Statt Medizin ist hier ein Meditierer vonnöten, um dem Sterbenden zu zeigen, wie man meditiert. Denn jetzt braucht er keine Medizin mehr, jetzt braucht er Meditation - das Wissen, wie man sich entspannt und friedlich aus dem Körper zurückzieht. 
 
Jedes Krankenhaus braucht Meditierer - sie sind so unentbehrlich wie die Ärzte. Bisher wurden nur deswegen keine Meditierer gebraucht, weil es immer nur die eine Aufgabe gab: Leben zu retten. Jetzt gibt es eine zweite Aufgabe: den Menschen beim Sterben zu helfen. Jede Universität sollte ein Institut haben, wo Meditation gelehrt wird, damit die Leute vorbereitet und schon ganz aufs Sterben eingestellt sind wenn die Zeit zu sterben kommt - voller Freude, voller Jubel. 
 
Aber Selbstmord ist ein Verbrechen und dies wird als Selbstmord ausgelegt werden, und ich werde als jemand dastehen, der illegale Dinge unters Volk bringt. Mir geht es um Wahrheit, nicht um Gesetze. Die Wahrheit ist, dass ihr das Leben, die ganze Natur aus dem Gleichgewicht geworfen habt. Bitte gebt ihm das Gleichgewicht zurück. 
 
Ich schlage vor, in einer öffentlichen Bewegung zu fordern, dass wenn Menschen lang genug gelebt haben und von ihrem Körper befreit werden wollen, ihnen die Krankenhäuser einen bequemen, angenehmen Tod bereiten sollen. Das Vernünftigste wäre, wenn jedes Krankenhaus eine besondere Abteilung hätte, die mit allem ausgerüstet ist, um den Tod zu einer angenehmen, erfreulichen Erfahrung zu machen.