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Osho Verwirrung durch Glauben

Verwirrung durch Glauben

 
Es ist ein komplexes Phänomen, weil du von den Eltern, der Gesellschaft, den Schulen, den Hochschulen und den Universitäten erzogen worden bist. Bevor du auch nur eine einzige bedeutungsvolle Frage über das Leben gestellt hast, bist du bereits mit Antworten überladen. 
 
Das Kind hat nicht nach Gott gefragt, aber die Eltern zwingen es zu glauben, dass Gott die Welt erschaffen hat.
 
Das ist reine Korruption. Das Kind ist unschuldig – es vertraut seinem Vater, seiner Mutter, seinen Brüdern, Schwestern, den Älteren und Nachbarn. Es vertraut – es kann sich nicht vorstellen, dass alle es belügen. Es gibt keinen Grund, warum es denken sollte, dass alle es belügen. Alle lieben sie es, wie könnten sie lügen? Und dies ist die Komplexität… Alle lügen über die höchste Wahrheit, ohne es zu wissen. Ohne selbst etwas erfahren zu haben, belasten sie ihre Kinder mit so viel Unsinn – was die eigene Entwicklung des Kindes verhindern wird, die Reinheit seines Bewusstseins. Es ist eine sehr unbewusste Liebe. Sie wissen nicht, was sie tun. Es ist ihnen von ihren Eltern angetan worden und sie wiederholen es einfach. 
 
Und auf diese Weise gibt die eine Generation alle ihre Krankheiten an die nächste weiter. Und Jahrhunderte lang bleiben alle möglichen idiotischen Ideen bestehen, bleiben am Leben, weil es Menschen gibt, die an sie glauben. Sie sind bereit, für diese Ideen zu sterben, sie sind bereit, für diese Ideen zu töten und diese Ideen sind nichts weiter als reine Erfindung. 
 
Komplexität entsteht, weil das Kind notgedrungen mit Menschen aufwächst, die unbewusst sind – sie können nur Schaden anrichten. Zwangsläufig geben sie ihm ihre eigenen Überzeugungen weiter, obwohl sie genau wissen, dass ihre Überzeugungen ihnen nicht geholfen haben, dass ihre Überzeugungen und ihre Ideologien sie nicht befreit haben. Trotzdem denken sie, dass etwas besser ist als gar nichts: „Vielleicht haben wir nicht hart gearbeitet. Vielleicht haben wir uns selbst nicht an unsere eigenen Philosophien gehalten. Die Philosophien sind nicht falsch, wir sind falsch.“ 
 
Die Situation ist genau umgekehrt: Die Philosophien sind falsch. 
 
Und haben sich diese Philosophien erst einmal im Verstand des Kindes festgesetzt, werden genau diese zur Grundlage seiner Intelligenz, seiner intellektuellen Entwicklung.
 
Das ist es, was Komplexität hervorruft, und die Komplexität hat immer mehr zugenommen. In der Vergangenheit war ein Hindu nur mit hinduistischem Aberglauben belastet; er wusste nichts über Judaismus, er wusste nichts über konfuzianische Ideologie. Er hatte keine Ahnung, was andere Menschen auf der Welt dachten. Er lebte in seiner eigenen kleinen Welt, in der jeder dasselbe dachte. Diese Welt ist jetzt verschwunden. Jetzt sind dem Hindu mohammedanische Ideen, christliche Ideen, jüdische Ideen bekannt; die Komplexität hat sich vertausendfacht. Er kennt nicht nur die theistischen Theorien, er kennt auch die Atheisten, die Kommunisten und die Agnostiker. So viele Ideen und widersprüchliche Gedanken schwirren in seinem Kopf. 
 
Wegen dieser Widersprüchlichkeiten ist er verkrüppelt, er kann überhaupt nichts tun – denn was immer er auch tun will, es gibt eine Idee, die sagt, dass das nicht richtig ist. 
 
Wenn er ein Vegetarier sein will… Jainas und Buddhisten sind seit fünfundzwanzig Jahrhunderten Vegetarier. Und kein Jaina hat jemals daran gedacht, kein Vegetarier zu sein, aber nun tauchen Fragen auf. Nicht ein einziger Vegetarier war in der Lage, einen Nobelpreis zu gewinnen – seltsam. Du hast den reinsten Verstand; diese Fleischesser haben dicke Schädel. Du bist reines Gemüse – Kohl, Blumenkohl, schöne Dinge – aber kein einziger Nobelpreis. Seltsam. Aber diese Fleischesser…
 
Hindus essen kein Rindfleisch; Juden essen es, und Juden gewinnen 40% aller Nobelpreise. Es ist einfach unvorstellbar, es steht in keinem Verhältnis zur Anzahl ihrer Bevölkerung. Und sie essen Rindfleisch! Fragen tauchen auf. Und man hat herausgefunden, dass Vegetarier niemals den Nobelpreis gewinnen werden. Bestimmte Proteine sind nicht im Gemüse enthalten, sie sind nur im Fleisch enthalten. Ich habe eine Alternative gefunden. In meiner Kommune - es war eine vegetarische Kommune - habe ich allen Kommunemitgliedern unbefruchtete Eier gegeben. Diese sind vegetarisch, da sie nichts Lebendiges enthalten – aber sie enthalten all die Proteine, die für die Entwicklung der Intelligenz nötig sind. Nun sind die Vegetarier absolut gegen mich. Am liebsten würden sie mich umbringen – obwohl sie Vegetarier sind. Sie wollen niemanden töten, aber sie sind bereit, mich umzubringen: „Dieser Mann lehrt die Menschen, Eier zu essen.“ Sie sehen einen einfachen Tatbestand nicht: Ein unbefruchtetes Ei ist nicht lebendig, es ist reines Protein. Und es macht die vegetarische Ernährung vollständig und gleichwertig besonders für die Intelligenz. Es enthält sogar mehr Proteine als Fleisch. 
 
Wenn du von allen möglichen Ideen umgeben bist, entstehen zwangsläufig Zweifel.
 
Alle Religionen dieser Welt haben den Glauben zur Basis des menschlichen Verstandes gemacht. Es ist kein Zufall, dass Religion `Glaube` genannt wird. Es ist Glaube, worauf sie begründet ist. Es war völlig richtig, nicht zu zweifeln, da jeder denselben Glauben hatte. Es war sehr schwierig zu zweifeln, nur ganz besondere, talentierte Menschen, Genies, haben gezweifelt. Jetzt ist die Situation vollkommen anders. 
 
Die Mohammedaner sagen, dass Gott die Welt erschaffen hat und dass Gott alle Tiere als Nahrung für den Menschen erschaffen hat. Die Christen glauben das auch. Die Juden glauben das auch, dass Tiere eine Nahrung sind. So wie Gemüse und Früchte, so sind auch die Tiere eine Nahrung. Sie sind alle als Nahrung für den Menschen erschaffen worden. Nun ist die halbe Welt christlich; die zweitgrößte Religion ist der Islam; die zwei größten Religionen, also Millionen von Menschen glauben an die tierische Nahrung. Natürlich ruft dies Zweifel im Verstand derjenigen Menschen hervor, die mit dem Gedanken gelebt haben, dass man Tiere nicht essen darf, dass dies gefühllos ist, hässlich, unästhetisch; dass es dich entehrt, dass es nicht menschlich ist. Nun kommen Zweifel auf, Zweifel, die bedeutsam sind – denn Jesus isst Fleisch, Mohammed isst Fleisch, Moses isst Fleisch, Ramakrishna isst Fisch, und trotzdem erreichen sie das Allerhöchste. Zweifel muss aufkommen im Verstand derer, denen gesagt wurde, dass dein Bewusstsein sich nicht entwickeln kann, wenn du Fleisch isst. 
 
Und so ist es mit allem. Zum Beispiel der Jainismus glaubt nicht an Gott. Es gibt keinen Gott im Jainismus; im Buddhismus gibt es keinen Gott – die beiden großen Religionen des Ostens sind gottlose Religionen. Alle anderen Religionen außer Jainismus und Buddhismus, haben immer geglaubt, dass Gott das Zentrum der Religion ist. Wie kann es eine Religion ohne einen Gott geben? Zweifel kommen auf. 
 
Ganz Asien war buddhistisch. Nie fragt ein buddhistisches Kind: „Wer hat die Welt erschaffen?“ Seltsam… Millionen von Kindern, aber nie fragt ein buddhistisches Kind, wer die Welt erschaffen hat. Es gibt keinen Schöpfer; die Frage der Schöpfung ist Unsinn. Die Existenz ist immer hier gewesen, sie ist ewig. Die Idee einer Schöpfung und eines Schöpfers an sich ist dumm. Nun ist der Glaube derer erschüttert, die an Gott als das zentrale Thema der Religion geglaubt haben. 
 
Der Glaube fast aller Menschen ist erschüttert, da sie sehen können, dass ein anderer ohne diesen Glauben, mit absolut entgegengesetzten Ideologien, ein ebenso gutes Leben führt wie sie es führen – vielleicht sogar ein besseres. 
 
Die Buddhisten haben ohne Gott ein besseres Leben geführt, als alle, die an Gott geglaubt haben. Und der Grund ist klar – denn es gibt keinen Gott, die ganze Verantwortung ruht auf deinen Schultern. Du kannst nicht zu Gott beten, denn alle Gebete sind sinnlos. Nur deine Taten werden ausschlaggebend sein, nicht deine Gebete. Der Weg des Betens ist der Weg des unfähigen Menschen, der gar nichts tut. Er führt sein Leben einfach weiter und betet, dass Gott helfen möge. `Wenn Gott da ist, voller Barmherzigkeit – und ich bin ein so kleiner Sünder verglichen mit seinem Mitgefühl – dann brauche ich mir keine Sorgen zu machen.`
 
Omar Khayyam, einer der größten Poeten, sagt, dass du so viel Alkohol trinken kannst wie du willst, und jeder der dir verbietet Alkohol zu trinken, weil das eine Sünde ist, ruft in dir einen Zweifel an Gott hervor. Seine Logik sieht sehr seltsam aus, ist aber sehr klar. Er sagt: „Gott ist barmherzig, und wenn ich keine Sünden begehe, bedeutet dies, dass ich kein Vertrauen in die Barmherzigkeit Gottes habe. Lasst mich so viele Sünden wie möglich begehen – denn ich habe Vertrauen, ich glaube daran, dass Gott barmherzig ist. Er wird mir vergeben.“ 
 
Er war ein großer Denker. Er sagt: „Beim Versuch, ein tugendhaftes Leben zu führen, hegst du den Verdacht in dir, dass Gott dir nicht vergibt.“ Vielleicht unbewusst - aber diejenigen, die an Gott glauben, leben nicht so tugendhaft wie die, die nicht an Gott glauben. Denn wenn es keinen Gott gibt, musst du tugendhaft leben. Du kannst dich auf keine Barmherzigkeit von jemandem verlassen, nur deine Taten werden ihre Früchte tragen. Also, was immer du auch tust, du bist verantwortlich für die Früchte, die es hervorbringt. Du bist die Ursache, du bist die Wirkung. Die Buddhisten, die Jainas – die nicht an Gott glauben – haben also tugendhafter gelebt als diejenigen, die an Gott glauben. Seltsam… 
 
Die Welt ist klein geworden, und all diese Glaubensrichtungen sind nun nicht länger verborgen, sondern sind für jedermann zugänglich – alle diese Dinge haben im Verstand eine enorme Komplexität geschaffen.
 
Der Verstand ist mit Tausenden von Widersprüchen belastet. 
Ich habe gehört, dass ein Tausendfüßler, ein kleines Tier mit einhundert Beinen, einen Morgenspaziergang macht. Ein kleines Kaninchen wundert sich - es hat einen philosophischen Verstand - und es beginnt zu denken: „Wie schafft dieser Bursche einhundert Beine? Wie kann er sich merken, welches als erstes gehen soll, welches als zweites, welches als drittes? Einhundert Beine, mein Gott!“
Es hielt den Tausendfüßler an und sagte: „Onkel, verzeih mir, dass ich deinen Morgenspaziergang störe, aber ich bin ein etwas philosophischer Typ. Ich habe eine Frage, die nur du beantworten kannst.“
Der Tausendfüßler sagte: „Was für eine Frage?“
Es sagte: „Wenn ich deine hundert Beine sehe, frage ich mich, wie schaffst du das, dir zu merken, welches als erstes geht, welches als zweites, welches als drittes, bis zu einhundert?“
Der Tausendfüßler sagte: „Ich habe mir nie darüber Gedanken gemacht. Ich laufe seit meiner Kindheit – die Frage hat sich mir nie gestellt. Vielleicht bin ich nicht philosophisch. Aber ich werde versuchen, es herauszufinden. Du wartest unter dem Baum und ich werde laufen und sehen.“
Und innerhalb von Minuten fiel er auf den Boden, denn bei einhundert Beinen die Übersicht zu behalten und sich zu merken, welches hinter welchem geht… er stolperte, kam durcheinander, fiel hin. Er war sehr wütend auf das Kaninchen.
Und er sagte: „Hör zu, stelle niemals einem anderen Tausendfüßler so eine Frage. Wir kommen sehr gut ohne diese Philosophie aus. Auf meinem Morgenspaziergang bin ich so gut gelaufen und jetzt denke ich, dass ich nicht weitergehen sollte. Ich sollte zurückgehen und mich ausruhen. Du hast mich vor so ein ermüdendes und komplexes Problem gestellt – und dabei siehst du so unschuldig aus! Und denke daran, behalte diese Philosophie für dich.“ 
 
All diese Glaubensrichtungen haben auf eine Art sehr gut funktioniert, denn niemand hat Fragen gestellt. Aber auf einmal sind alle Grenzen gefallen. Die ganze Welt ist eins geworden. 
 
Jeder einigermaßen intelligente Mensch ist sich bewusst, dass alle Theorien Erfindungen sind.
 
Jetzt wird ein völlig neuer Ansatz gebraucht. Alle alten Ansätze sind nicht mehr zeitgemäß. Glauben ist nicht mehr zeitgemäß. 
 
Auszug aus: Osho The Osho Upanishad, Kapitel 18