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Osho Gott versus Existenz

Gott versus Existenz

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Was ist die Existenz? Ist es so etwas wie Gott? 
 
Die Existenz ist das, was ist, und Gott ist das, was nicht ist. Existenz ist eine Realität, Gott ist Fiktion. Existenz ist nur Meditierenden zugänglich, Menschen der Stille; Gott ist ein Trost für kranke Köpfe, kranke Psychen. 
 
Die Existenz ist nicht deine Erfindung – Gott ist es. Darum gibt es nur eine Existenz, aber Tausende von Göttern. Jeder erschafft sich einen Gott entsprechend seinen Bedürfnissen, seinen Leiden, seinen Erwartungen oder übernimmt einen alten Glauben an Gott. 
 
Gott ist ein großer Trost, aber er ist kein Heilmittel. Die Existenz ist kein Trost. Im Einklang mit ihr zu sein, heißt, gesund und ganz zu sein. Alle Religionen der Welt haben dich Gott gelehrt; ich lehre dich die Existenz. Ich lehre dich, in Einklang mit dem zu sein, was dich umgibt, was in dir ist und um dich herum. Sobald du damit im Einklang bist, gibt es keinen Tod mehr für dich, kein Leid, keine Anspannung, keine Sorgen, nur einen unglaublichen Frieden, der dich umgibt, eine Zufriedenheit, von der du nie zu träumen gewagt hast. 
 
Gott ist für diejenigen, deren Bewusstheit nicht wachsen kann, die zurückgeblieben sind, was Bewusstheit anbelangt. Er ist eine Art Spielzeug; zurückgebliebene Leute brauchen das. Und in dem Moment, wo ich sage, er ist ein Spielzeug, bleibt es dir überlassen, was du aus ihm machen willst - einen Affen oder einen Elefanten. Es hängt nur von dir ab, ihm vier Hände zu geben oder tausend Hände. Es ist deine Schöpfung. Seltsam genug, dass der Mensch glaubt, Gott habe alles erschaffen. 
 
Die Wahrheit ist, dass Gott selbst ein Produkt der menschlichen Fantasie ist.
 
Gott ist die größte Lüge, die du finden kannst, weil auf dieser Lüge tausende anderer Lügen beruhen. Kirchen, religiöse Organisationen vervielfachen die Lügen immer weiter, alles nur, um eine Lüge zu bewahren. Du musst die Psychologie des Lügens verstehen. Das erste, was du zum Lügen brauchst, ist ein gutes Gedächtnis, weil du dich erinnern musst. Du belügst jemanden wegen etwas, jemand andern wegen etwas anderem; du musst dich erinnern, was du zu dem einen gesagt hast, und was zu dem anderen. 
 
Für Wahrheit braucht man kein Gedächtnis. Wahrheit ist immer da, immer dieselbe. Du musst sie nicht in dein Gedächtnis stopfen. Das Gedächtnis macht dich unfrei, es ist ein Gefängnis; es klammert sich an dir fest, überzieht dich dermaßen, dass du allmählich völlig verschwindest. Die Wahrheit befreit dich von allen Lügen. Und plötzliche ist da eine Offenbarung, dass du Teil einer unermesslichen Wahrheit bist, die ich Existenz nenne. 
 
Du brauchst keine Kirchen, du brauchst keine Tempel, du brauchst keine Moscheen; du brauchst nur ein andächtiges Herz, ein liebendes Herz, ein dankbares Herz. Das ist dein wahrer Tempel. Das wird dein ganzes Leben verwandeln. Das wird dir helfen, nicht nur dich selbst zu entdecken, sondern eben jene Tiefe dieser unermesslichen Existenz. 
 
Wir sind wie die Wellen des Ozeans – immer nur an der Oberfläche; dabei ist der Ozean kilometertief. Der Pazifik ist acht Kilometer tief. Aber eine kleine Welle an der Oberfläche wird die Tiefe nie erfahren – ihre eigene Tiefe, denn sie ist nicht getrennt vom Ozean. Sie hält an ihrem kleinen Dasein fest, hat Angst vor dem Tod, Angst, sich in der Weite zu verlieren, der ozeanischen Unendlichkeit. 
 
Gott wurde erfunden.
 
Er war das Bedürfnis des Menschen; die Menschen brauchten einen Beschützer. In der Unermesslichkeit des Universums fühlt sich der Mensch so allein, so klein. Die ungeheure Weite lässt ihn erzittern. Was ist schon deine Existenz? 
 
Das erinnert mich an eine Geschichte von Bertrand Russel. Der Erzbischof von England sieht in einem Traum, dass er die perlenbesetzten Tore des Paradieses erreicht hat. Einerseits ist er hocherfreut, andererseits ist er sehr beunruhigt, weil die perlenbesetzten Tore so unermesslich weit sind, in beide Richtungen, dass er nicht das ganze Tor gleichzeitig sehen kann. Es ist so hoch, dass es außerhalb des Sehvermögens seiner Augen liegt. Und er selbst sieht aus wie eine kleine Ameise im Vergleich zu diesem riesigen Tor. Er ist ein bisschen ängstlich. Er ist kein gewöhnlicher Mensch, er ist der Erzbischof von England. Er fühlt sich erniedrigt von diesem Tor und die Angst steigt hoch: „Wenn das die Situation am Tor ist, wie ist dann erst die Situation drinnen?“ 
 
Mit ängstlichen Händen klopft er an die Tür, aber in der Unermesslichkeit dieses Raumes kann nur er sein Klopfen hören. Er braucht Tage, aber er klopft immer stärker und stärker. Schließlich öffnet sich ein kleines Fenster im Tor und Petrus schaut heraus mit tausend Augen und versucht herauszufinden, wer das Geräusch gemacht hat. Diese tausend Augen sind so glänzend, so wie Sterne, dass sich der Erzbischof noch kleiner fühlt – fast wie ein Nichts. 
 
Und Petrus fragt: „Wer immer du bist, wo immer du bist, bitte trete vor.“ 
 
Der Erzbischof zeigt sich. Er sagt zu Petrus: „Vielleicht kennst du mich nicht. Du kannst das bei Jesus Christus überprüfen, ich bin der Erzbischof von England.“ 
 
Petrus sagt: „Hab nie irgendwas gehört von dieser Sache, England.“ 
 
Der Erzbischof sagt: „Vielleicht hast du nie etwas von England gehört, aber du musst etwas von unserem wunderschönen Planeten gehört haben, der Erde.“ 
 
Petrus sagt: „Ich will deine Gefühle nicht verletzen, aber ohne die Kennziffer deiner Erde kann ich nicht herausfinden, wovon du sprichst. Ich muss zur Bibliothek gehen und nachschauen – wenn du mir die Kennziffer gibst – zu welchem Sonnensystem du gehörst, denn es gibt Millionen Sonnensysteme, und jedes Sonnensystem hat viele Planeten.“ 
 
Aber dem Erzbischof kam nie in den Sinn, dass die Erde eine Kennziffer haben könnte. Er sagt: „Ich kenne keine Kennziffer, aber ich bin der Erzbischof. Gehe einfach zu Jesus Christus und sage es ihm.“ 
 
Petrus sagt: „Du gibst mir Rätsel um Rätsel auf. Wer ist dieser Bursche, Jesus Christus?“ 
 
Der Erzbischof ist sehr bestürzt. Er sagt: „Du kennst Jesus Christus nicht, den einzigen Sohn Gottes?“ 
 
Petrus sagt: „Was mich betrifft, habe ich Gott nie gesehen; ich weiß nicht, ob es ihn gibt oder nicht. Ich bin nur der Torwächter. Vielleicht gibt es irgendwo im innersten Teil des Paradieses jemanden, der glaubt, Gott zu sein, aber ich bin ihm nie begegnet…“
 
Das ist so ein Schock, dass der Erzbischof schweißgebadet aufwacht. 
 
Die Geschichte ist bedeutsam, weil sie zeigt, wie klein wir sind und wie groß das Universum ist. Natürlich waren die Menschen der Urvölker nicht fähig, sich an den Gedanken dieser unendlichen Weite des Universums zu gewöhnen, ohne diesem etwas Persönlichkeit zu verleihen und ohne sich irgendwie auf diese Persönlichkeit zu beziehen. 
 
Gott war die Bemühung des primitiven Verstandes des Menschen, der Existenz eine Persönlichkeit zu verleihen. So wird sie zu Gott, dem Vater. So kannst du eine Beziehung zu ihr eingehen. Du magst sogar gegen ihn sein, aber wenigstens gibt es jemanden, für den oder gegen den du sein kannst; da gibt es jemanden, der größer ist als du, der dich beschützt, der deine Garantie ist. 
 
Gott ist einfach die Armut der menschlichen Bewusstheit.
 
Menschen die, wie Gautama Buddha, ihre innere Bewusstheit und dessen Höhepunkt erlangt haben, verneinten die Existenz Gottes. Jeder, der jemals im Inneren gesundet ist, der über den Verstand, den grundsätzlich kranken Verstand, hinausgegangen ist, hat Gott verneint. Gott als Erfindung taugt für Kindergartenkinder. Sie brauchen es – Parabeln, Fabeln, Geschichten. Aber sehr wenige Menschen sind über den Kindergarten hinausgekommen. 
 
Gott existiert, weil du dir deiner selbst nicht bewusst bist. Gott existiert, weil du keinen Kontakt mit deinem eigenen Zentrum hergestellt hast. In dem Moment, in dem du dich selbst erkennst, gibt es keinen Gott, und es gibt kein Bedürfnis nach irgendeinem Gott. In der Tat unterstütze ich Friedrich Nietzsche, der sagt: „Gott ist tot.“ 
 
Der zweite Teil seines Satzes ist sogar noch bedeutsamer: „Gott ist tot, und der Mensch ist jetzt frei.“ Dieser zweite Teil hat nicht viel Aufmerksamkeit bekommen von den Philosophen, von den Mystikern, von den Psychologen, doch der zweite Teil ist der wichtigste; der erste Teil nicht so. Tatsächlich ist der erste Teil im Grunde genommen falsch. Gott kann nicht sterben – Erfindungen sterben nie. In dem Moment, in dem du weißt, dass sie Erfindungen sind, stellt sich die Frage nach ihrem Tod nicht. Sie werden weder geboren, noch sterben sie. Gott ist von Anfang an nie geboren worden - wie kann er sterben? Der Tod ist das andere Extrem der Geburt.
 
Der erste Teil ist also nicht sehr wichtig, aber er hat von den Theologen viel Gewicht erhalten, weil sie Angst bekommen haben: „Das ist ein Sakrileg, den Leuten zu erzählen, Gott sei tot. Das heißt jetzt, dass keine Religion gebraucht wird.“ Sie bekamen Angst um ihr eigenes Geschäft. Aber sie vergaßen den zweiten Teil, der wichtiger ist. Er hat ungeheuer wichtige Konsequenzen. Er bedeutet, dass Gott eine Fessel war, Gott war eine geistige Behinderung, Gott war aus Angst entstanden. Gott war kein Schatz, sondern ein großes, gewaltiges Gewicht auf deinem Herzen und auf deinem Wachstum. 
 
Sobald Gott weg ist, ist der Menschen völlig frei zu wachsen und zu blühen.
 
Ein Gott ist ein Despot, ein Faschist. Ohne Gott wird die Welt zur Freiheit. Die Existenz verleiht jedem Individuum eine ungeheure Würde. Sie verleiht dem kleinsten Grashalm bis zum größten Stern des Universums riesige Bedeutsamkeit und Liebe; es gibt keine Unterschiede. Da gibt es Gleichwertigkeit und gleiche Chancen. Und es gibt keine Notwendigkeit zu beten und deine Zeit zu verschwenden, die heiligen Schriften zu lesen, die die unheiligsten Bücher der Welt sind. Da gibt es keine Notwendigkeit, von den Priestern ausgebeutet zu werden. Du bist zweifellos und urplötzlich frei von all diesen Ketten. Jetzt kannst du du selbst sein. 
 
Solange es einen Gott gibt, kannst du nie du selbst sein. Du bist nur eine Marionette, deine Fäden liegen in der Händen Gottes. In Indien gibt es die uralte Redewendung, dass sich nicht einmal ein kleines Blatt am Baum bewegt, solange es nicht die Anweisung von Gott erhalten hat, sich zu bewegen. Was immer du bist, aus der Sicht der Religionen bist du aus Lehm gemacht. Das Wort „human“ kommt von Humus, was Erde bedeutet. Und das Wort auf Hebräisch, Arabisch, Urdu, Hindi ist admi – es wird als Name für den ersten Menschen benutzt, Adam. Admi bedeutet Erde. Gott machte den Menschen aus Erde und hauchte der Puppe dann Leben ein. 
 
Nun, was für eine Art von Freiheit hast du jetzt? Jemand hat dir Leben eingehaucht und es liegt in seiner Hand, in jedem beliebigen Moment aufzuhören, dir Leben einzuhauchen. Was immer du tust, die Religionen glauben, dass es dein Schicksal ist, dass es dir quer über der Stirn geschrieben steht. Und es gab viele Hochstapler, die sogar versucht haben, zu lesen, was auf deiner Stirn steht. Astrologen, Handleser, Betrüger aller Art haben die Naivität und Unschuld der Menschheit ausgenutzt. Da gibt es Leute, die deine Hand lesen, die Linien anschauen, dir erzählen, was diese Linien bedeuten. Die ganze Betonung liegt darauf, dass du nicht dein eigenes Leben lebst; du bist nur Teil eines Schauspiels, und die Rolle, die du spielst, wurde vorher festgelegt. 
 
Das war das Argument, das Krishna, die Inkarnation des indischen Gottes - Mahabharata im großen Krieg – seinem Schüler Arjuna lieferte. Als Arjuna das riesige Massaker kommen sah, verlor er einfach die Nerven. Er war ein Mann gewaltigen Mutes und immenser Intelligenz. 
 
Er sagte: „Ich sehe einfach keinen Grund für diesen Krieg. Sogar wenn ich gewinne… und ich bin sicher, dass ich gewinnen werde“ – es gab keinen anderen Krieger seiner Qualität – „aber auf dem goldenen Thron des Sieges zu sitzen, umgeben von den Leichen all meiner Freunde und all meiner Feinde, all diesen schönen Menschen, reizt mich überhaupt nicht. Dieses Bild macht mich wahnsinnig. Anstatt zu kämpfen überlasse es lieber der anderen Seite – einem unbedeutenden Mann, einem Cousin. Lass ihn über das Land regieren, ich gehe in den Himalaya um zu meditieren, um ein Sannyasin zu werden. Ich habe jegliches Interesse am Kämpfen verloren.“ 
 
Krishna versuchte auf jede erdenkliche Art, ihn zu überzeugen, aber Arjuna ist ein großer Intellektueller; er argumentiert weiter gegen ihn. Schließlich sieht Krishna keinen anderen Weg mehr und greift zum letzten Mittel und sagt: „Es steht in deinem Schicksal geschrieben. Wenn du weggehst, gehst du von Gott weg. Dieser Krieg ist von Gott vorgegeben, um jene zu vernichten, die nicht rechtschaffen sind und um nur die überleben zu lassen, die rechtschaffen sind.“ Nun gibt es kein Argument mehr dagegen, weil Arjuna selber an Gott und das Schicksal glaubt. 
 
Arjuna führte den Krieg. Krishna war dafür verantwortlich, vor fünftausend Jahren, dass dieses Land wegen eines unwahren Beweises - komplett erfunden - verwüstet wurde. Dieser Krieg hat so viele Menschen getötet. Und er hat nicht nur Menschen getötet, er hat auch den Mut des Landes zerstört; es bekam Angst vor jeder kleinen Unruhe. 
 
Zweitausend Jahre Sklaverei… Ich möchte absolut klarstellen, dass die Menschen, die für diese zweitausend Jahre Sklaverei verantwortlich sind, die bedeutendsten Menschen Indiens sind. Die Liste wird angeführt von Krishna; Arjuna war nur sein Schatten. Dann kam Mahavira, der den Menschen eine so extreme Gewaltlosigkeit beibrachte, dass seine Jünger nicht einmal etwas anbauen können, weil Pflanzen leben. Denn wenn du sie anbaust, wirst du die Pflanzen töten müssen, wenn du die Ernte einbringst. Gautama Buddha ist der Dritte, der die Menschen gelehrt hat, zu akzeptieren, zufrieden zu sein, wo auch immer und was auch immer sie haben. Ob du arm, hungernd, erschöpft, versklavt bist – bleibe völlig zufrieden. 
 
Ihre Lehren waren großartig. Das muss in Erinnerung bleiben, sonst wird es von allen missverstanden. Ihre Lehren waren großartig, aber sie haben nie über alle Auswirkungen ihrer Lehren nachgedacht. Sie haben nie daran gedacht, dass ein Land, dem du Gewaltlosigkeit beibringst, dem du beibringst, alle Waffen fallen zu lassen während die ganze Welt dies nicht tut, dass du dieses Land in einen Opferzustand versetzt, von allen ausgebeutet. 
 
Und zweitausend Jahre lang kam ein Eroberer nach dem anderen nach Indien, beutete es aus und ging zurück. Schließlich kamen Mohammedaner und dachten: „Wieso sollten wir zurückkehren? Wir können die Menschen nicht nur ausbeuten, sondern über sie herrschen und hier bleiben.“ Und dann kamen die Briten und die Franzosen und die Portugiesen, sie alle versuchten, dass Land auszubeuten. Sie alle hatten ihre kleinen Taschen dabei. Großbritannien erwies sich als viel schlauer. Die Portugiesen hatten ihre kleinen Inseln Diu, Daman und Goa, und die Franzosen hatten einen kleinen Anteil des Landes, Pondicherry. Großbritannien hatte das ganze Land. 
 
Die Menschen blieben hungernd und erschöpft zurück, sie starben aus Hunger; und niemand hat jemals gedacht, dass diese großartigen Prinzipien auf eine Art für diese unglückliche Situation verantwortlich sind, die Indien während Jahrtausenden durchgemacht hat. Und sogar heute versucht niemand, alle Konsequenzen zu erkennen. Jeder bedeutende Grundsatz hat seinen eigenen dunklen Schatten dahinter. Und wenn du den dunklen Schatten nicht ebenfalls verstehst, wirst du bald von dem dunklen Schatten einverleibt. Wenn du ihn verstehst, kannst du das verhindern. 
 
Gott scheint das bedeutendste Prinzip zu sein, dass dem Menschen über Ewigkeiten hinweg vorgebetet wurde, aber niemand hat sich mit den Konsequenzen befasst. 
 
Wenn Gott den Menschen erschaffen hat, dann besitzt der Mensch keine eigene Individualität, dann kann er keine Würde beanspruchen, keine Freiheit.
 
Es ist unmöglich, dass eine Marionette verkünden könnte: „Ich will frei sein.“ Wenn Gott das Universum erschaffen hat, dann musste geschehen, was immer im Universum geschehen ist. Es war Gottes Wille. Keine Anstrengung von unserer Seite würde irgendetwas daran ändern. 
 
Und schließlich führt das dahin: Wenn Gott die Welt erschaffen hat, und wenn er hinter Atomwaffen und den Leuten, die sie gebaut haben steht, dann kann keine Bemühung des Menschen die Zerstörung des ganzen Planeten verhindern. Die Erschaffung der Welt in die Hände eines erfundenen Gottes zu legen, ist sehr gefährlich. Es macht uns komplett ohnmächtig. Wir können nichts tun. 
 
Deshalb ist mein Verständnis von Bewusstheit einfach das: Wenn Gott mit Nietzsches Erklärung nicht gestorben ist, müssen wir ihn töten! Wo immer du ihm begegnest, es ist nicht einmal nötig auch nur Hallo zu sagen. Töte ihn erst und dann kannst du Hallo sagen – einfach um die Formalitäten zu einzuhalten. Aber Gott wird überhaupt nicht benötigt. Mit Gott oben im Himmel wird der Mensch immer ein Sklave bleiben, und der Mensch wird immer unbewusst bleiben, und der Mensch wird nie danach streben, den Gipfel seines Potentials zu erreichen. 
 
Wenn Gott weg ist, magst du ein bisschen Angst haben – einfach aus alter Gewohnheit – aber diese Angst verschwindet.
 
Irgendwann erkennst du, dass du auf eigenen Füssen stehst und du etwas tun musst, um mehr Bewusstheit in dir zu schaffen, ein liebevolleres Herz zu schaffen, dass Gebete nutzlos sind, da gibt es niemanden, der sie beantwortet… Ja, manchmal wurden sie beantwortet. Wenigstens einmal bestimmt…
 
Ein armer Mann bat Gott über Monate hinweg: „Gib mir fünfzig Dollar. Ich will nicht viel, nur fünfzig Dollar.“ Erst betet er, aber dann dachte er: „Millionen von Leuten beten, und es gibt einen Gott und Millionen Gebete. Ob mein armseliges Gebet ihn jemals erreicht… Und um ihn herum muss so viel Lärm sein - Gebete aus allen Kirchen, allen Moscheen, allen Synagogen, allen Tempeln – wer kümmert sich da um mich? Es ist besser, einen Brief zu schreiben.“ 
 
Er schrieb ihm einen Brief: „Hiermit will ich dich daran erinnern, dass ich seit Monaten bete, aber die Antwort ist nicht gekommen. Es scheint, dass mein Gebet dich nicht erreicht hat. Ich kann das verstehen, wegen des vielen Lärms um dich herum durch all die Gebete. Und große Leute beten - der Papst und der Erzbischof und der Shankaracharya – wer kümmert sich schon um mein kleines Gebet? Und ich bitte nicht um viel – kein Paradies, kein Himmel, nichts, nur fünfzig Dollar. Schließlich habe ich mich entschlossen, den Brief zu schreiben.“ Und er schrieb in großen Buchstaben: „Fünfzig Dollar! Denk dran, es ist dringend.“ 
 
Aber dann war er sehr verstört, weil er die Adresse nicht kannte, an wen sollte er es richten. Er dachte: „Am besten adressiere ich es an: Gott, c/o Postminister. Wenn der Postminister seine Adresse nicht finden kann, wer kann das sonst?“ Der Brief erreichte den Postminister. Er schaute, er lachte und dann wurde er auch traurig. Er dachte: „Der Mann muss verzweifelt sein – niemand schreibt Gott Briefe. Und er bittet nicht um viel.“ 
 
Also sagte er zu all seinen Freunden: „Bitte schaut euch den Brief dieses armen Mannes an. Ihr spendet alle etwas und dann schicken wir ihm die fünfzig Dollar. Lasst wenigstens einmal ein Gebet erhört werden.“ Sie sammelten das Geld, aber sie sammelten nur fünfundvierzig Dollar. Der Postminister sagte: „Das macht nichts, wir sollten ihm wenigstens diese Summe schicken.“ 
 
Als die fünfundvierzig Dollar den Mann erreichen, zählte er das Geld nach, und schaute nach oben und schrie: „Gott, vergiss nicht. Wenn du mir nächstes Mal Geld schickst, schicke es nie mehr mit der Post! Diese gerissenen Kerle haben ihre Kommission einbehalten. Ich habe nur fünfundvierzig Dollar erhalten!“ 
 
Außer diesem habe ich nie erlebt, dass irgendein Gebet erhört wurde – und das nicht mal vollständig. Es gibt niemanden, der antworten könnte. Der Existenz muss man sich auf ganz andere Weise nähern. 
 
Gott muss verehrt werden. Gott muss angebetet werden. 
 
Mit der Existenz muss man durch Meditation in Berührung kommen. 
 
Es gibt nur zwei Arten von Religion in der Welt: die Religion des Gebets und die Religion der Meditation. Du siehst meinen Punkt. Die Religionen des Gebets glauben alle an Gott und die Religionen der Meditation glauben nicht an irgendeinen Gott. Weil Meditation dich nach innen bringt und dich erfüllt, gibt es keine Notwendigkeit für Gebete, und es gibt keine Notwendigkeit für irgendwelchen Trost. Du bist in solchem Jubel, in einem derart glückseligen Zustand; du kannst die ganze Welt segnen. 
 
Ich lehre dich die Existenz, und der Zugang zur Existenz liegt in deinem eigenen Sein; daher ist Meditation kein Gebet – denk dran, sie ist gegen Gebete. Gebete sind Teil dieses künstlichen Kauderwelsches über Gott, Himmel, Hölle. Gebete sind ein fester Bestandteil dieses ganzen Mülls. Meditation ist einfach der einzige echte Weg, um mit der Existenz in Kontakt zu treten. Und dieser Kontakt wird sofort zu einer Fusion und einem Verschmelzen. Du selbst wirst zur Existenz. Dann bist du in den Wolken und du bist in den Sternen, du bist in den Blumen und du bist im Regen. Du bist überall. Du bist nicht länger ein Tropfen, du bist zum Ozean geworden. 
 
Denk an die deutliche Unterscheidung zwischen Existenz und Gott. Gott bedeutet eine Enteignung deiner Intelligenz. Du akzeptierst die Demütigung, du akzeptierst: „Wir sind nur Marionetten; du bist die Macht. Was immer du mit uns tun willst, wirst du tun. Das Einzige, was wir tun können, ist beten.“ Er legt dich total lahm. Die ganze Idee von Gott ist widerlich. Die Existenz jedoch besitzt Frische und Schönheit und Wahrheit. 
 
Verwechsle diese beiden Worte nie. Eines ist Realität, das andere ist einfach eine Erfindung. 
 
Osho, Hari Om Tat Sat, Kapitel 9
 

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