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Osho "Ich habe nie für jemanden ein Meister sein wollen."

"Ich habe nie für jemanden ein Meister sein wollen."

 
Osho,
du hast gesagt, dass die Herzen deiner Sannyasins im Einklang mit deinem Herzen schlagen. Kannst du uns mehr über dieses Phänomen sagen? Wie kann ein Schüler vom Kopf zum Herzen gelangen? Kann es sein, dass der Schüler manchmal mit dir im Einklang ist und manchmal nicht? Und wenn das so ist, was veranlasst den Schüler, sich von dir zu entfernen, und was hilft ihm, wieder zurückzukommen? 
 
Das ist nicht so einfach zu verstehen. Alles, was mit dem Herzen zu tun hat, ist immer schwierig zu verstehen. Es gibt Schüler, die tagein, tagaus in tiefer Harmonie mit mir sind. Da gibt es keine Unterbrechung. Nur sie kann man wirklich Freunde nennen.
An dieser Stelle möchte ich etwas sagen, das ich mein ganzes Leben lang für mich behalten habe:
An einen schönen Morgen machte Gautam Buddha mit Ananda, der für ihn sorgte, einen Morgenspaziergang. Es war Herbst; die Bäume waren fast kahl und alle Blätter lagen auf dem Boden und raschelten im Wind. Buddha freute sich, als sie über diese Blätter gingen...die Musik dieser trocknen Blätter. 
 
Er hob ein paar Blätter auf. Ananda fragte ihn: "Bhagwan, ich wollte dich schon immer etwas fragen, aber wir sind selten unter uns; immer bist du von Leuten umgeben. Heute bist du allein in diesem Wald und ich kann der Versuchung nicht widerstehen. Ich wollte dich fragen: „Hast du uns alles gesagt, oder hast du ein paar Geheimnisse für dich behalten?“ Buddha sagte: „Siehst du diese Blätter in meiner Hand? Und siehst du all diese Blätter hier im Wald?“ Ananda nickte: “Ja, die sehe ich, aber ich verstehe nicht, wieso das eine Antwort ist.“ Buddha sagte: „Schau her: nur so viel habe ich gesagt, und so viele Geheimnisse habe ich für mich behalten, wie du Blätter in diesem Wald siehst.“
Meine Situation ist ganz anders. Ich habe den ganzen Wald gesagt; nur eins habe ich für mich behalten, nur ein Blatt. Buddha erklärte vor seinem Tod, dass er nach einem Vierteljahrtausend wiederkommen werde und sein Name werde Maitreya sein. Maitreya bedeutet der Freund. Buddhas kommen nicht zurück; kein Erleuchteter kommt je wieder, es ist nur so ein Ausdruck....
 
Aber was er da gesagt hat, ist sehr bedeutungsvoll. Es hat nichts damit zu tun, ob er wiederkommt oder nicht; er kann nicht wiederkommen. Was er damit meinte, war, dass die alte Beziehung zwischen Meister und Schüler in einem Vierteljahrtausend irrelevant werden würde. Es war die Klarheit seiner Einsicht – er hat nichts vorhergesagt – nur eine klare Wahrnehmung, dass die Dinge sich verändern. Genauso wie sie sich in der Vergangenheit verändert haben, so werden sie sich auch in der Zukunft ändern und in einem Vierteljahrtausend werde die Beziehung zwischen Meister und Schüler überholt sein. Dann wird der erleuchtete Meister nur ein Freund sein.
 
Ich habe nie ein Meister für jemand sein wollen. Aber die Leute wollen einen Meister, sie wollen Schüler sein; also habe ich diese Rolle gespielt. Es ist Zeit, dass ich euch sage, dass viele von euch jetzt fähig sind, mich als einen Freund zu akzeptieren. Diejenigen, die immer im Einklang mit mir sind, ohne Unterbrechung, sind die einzigen Freunde. 
 
Es gibt Leute, die manchmal mit mir mitschwingen und manchmal nicht. Du fragst, warum das so ist. Der Grund ist – das überrascht dich vielleicht – sie sind manchmal mit mir in Einklang, weil ich mit ihnen in Einklang bin, weil dass, was ich sage mit ihnen übereinstimmt. Sie fühlen: „Das stimmt genau.“ Sie sind nicht in Einklang mit mir. Im Gegenteil. Weil ich einige ihrer Ideen, ihrer Erwartungen erfülle, deshalb sind sie in Einklang mit mir. Das ist eine Illusion.
 
Sobald du wirklich mit mir im Einklang bist, kannst du nicht herausfallen. Wenn jemand herausfällt, dann heißt das einfach, dass ich etwas gesagt habe, etwas getan habe, das nicht in Übereinstimmung mit dir ist. Du bleibst der Richter. Du hast nicht aufgehört zu urteilen. Dein Ego ist noch da.
 
Ich machte immer morgens einen Spaziergang mit einem meiner Professoren. Eines Tages trafen wir auf dem Rückweg einen anderen Professor. Mein Professor war noch ganz neu; er hatte gerade vor zwei, drei Tagen in der Fakultät angefangen. Der andere Professor fragte mich: „Kommst du jeden Tag hierher?“ Ich sagte: „Ja, ich komme jeden Tag. Und seit drei Tagen kommt auch mein Professor mit.“ Mein Professor sah verärgert aus. Ich fragte ihn: „Was ist los? Du siehst wütend aus.“ Er antwortete: „Allerdings. Du kommst mit mir mit, aber du hast gesagt, ich käme mit dir mit.“ Ich sagte: „Ja, das stimmt, wie könnte ein Professor mit einem Schüler mitkommen? Es ist immer der Schüler, der mit dem Professor mitkommt. Verzeih mir, aber das zeigt einfach, dass du ein Idiot bist, und von morgen an wirst du mich nicht mehr begleiten.“ 
 
Die Leute sind sonderbar. Ich war seit zwei Jahren da und er erst seit drei Tagen, aber er wollte hören, dass ich ihn begleite. Das Ego will einfach von überall her Nahrung bekommen. 
 
Es ist also so: Wenn ich etwas sage, dass deine Erwartungen erfüllt, dann bist du mit mir, dann schlägt dein Herz mit mir, du bist mit mir in Einklang. Nein. Verzeih, dass ich so geradeheraus bin – nur ich bin mit dir. Sehr bald geschieht etwas – ich sage irgendetwas, tue irgendetwas – und dein Herz schlägt nicht mehr mit mir. 
 
Denke also daran: Wenn du mit mir im Einklang bist, dann ist das etwas Beständiges, ohne Unterbrechung. Was ich sage, was ich tue, spielt dann keine Rolle, denn du bist kein Richter. Du liebst mich so, wie ich bin. Ich urteile nicht über dich; ich liebe dich so wie du bist. Aber wenn das unbeständig ist, dann beurteilst du. Und anstatt mit mir zu gehen, versuchst du, mich mitzuschleppen. Das ist nicht sehr liebevoll.
 
Ich kann mit dir kommen, aber du lebst im Dunkeln und wirst mich in die Dunkelheit führen. Für mich ist es einfach, mit dir zu kommen, du kannst mein Licht nicht zerstören; ich kann deine Dunkelheit zerstören. Ich verliere nichts, wenn ich mit dir komme. Du wirst vieles verlieren müssen, wenn du mit mir kommst. Und wenn du jemanden liebst, bist du bereit alles zu verlieren, sogar dich selbst. Sobald du bereit bist, dich selbst zu verlieren, ist die Freundschaft vollkommen. Und das bringt große Schönheit.
Osho, The Last Testament, Volume 3, Chapter 23