Quantcast

Osho Ist eine harmonische Welt möglich?

Ist eine harmonische Welt möglich?

<< Back

Die Sehnsucht nach Utopia ist im Grunde die Sehnsucht nach der Harmonie im Menschen und in der Gesellschaft. Harmonie hat es noch nie gegeben; es hat immer Chaos geherrscht. 
 
Die Gesellschaft ist in verschiedene Kulturen, verschiedene Religionen, verschiedene Nationen unterteilt worden – und alle basieren auf Aberglauben. Keine dieser Unterteilungen ist gültig. Aber diese Unterteilungen zeigen, dass der Mensch in sich selbst geteilt ist: Sie sind die Projektionen seines eigenen inneren Konflikts. Er ist in seinem Inneren nicht eins, deshalb konnte er auch nicht außen eine Gesellschaft, eine Menschheit erschaffen. 
 
Die Ursache liegt nicht außen. Das Äußere ist nur die Reflektion des Inneren im Menschen. 
 
Der Mensch stammt von den Tieren ab. 
 
Dies wird von der modernen Psychoanalyse, insbesondere von der Schule von Carl Gustav Jung, fundiert unterstützt, denn im kollektiven Unbewussten des Menschen existieren Erinnerungen, die dem Tierreich angehören. 
 
Wenn ein Mensch tief in Hypnose versetzt wird, taucht er zuerst in seinen unbewussten Verstand ein, der einfach nur der unterdrückte Teil dieses Lebens ist. Wenn er noch tiefer hypnotisiert wird, gelangt er ins kollektive Unbewusste, das Erinnerungen an Tierleben enthält. Die Leute fangen an zu schreien -- in diesem Stadium sind sie keiner Sprache mächtig. Sie fangen an zu stöhnen oder zu weinen, aber Sprache ist nicht möglich; sie können rufen, aber auf eine tierische Art. Und im Zustand des kollektiven Unbewussten, wenn sie sich bewegen dürfen oder aufgefordert werden sich zu bewegen, dann bewegen sie sich auf allen Vieren – sie stehen nicht auf. 
 
Im kollektiven Unbewussten gibt es zweifellos Überreste, die darauf hinweisen, dass sie zu irgendeiner Zeit im Körper eines Tieres gelebt haben. Und verschiedene Menschen stammen von verschiedenen Tieren ab. Dies mag die Ursache so vieler Unterschiede in den Individuen sein. Und manchmal kannst du eine Ähnlichkeit wahrnehmen – jemand benimmt sich wie ein Hund, jemand benimmt sich wie ein Fuchs, jemand benimmt sich wie ein Löwe. 
 
Und es gibt große Unterstützung in der Volkskunst, in alten Parabeln wie Äsops Fabeln oder wie Panchtantra in Indien – die die allerälteste ist – in denen alle Geschichten von Tieren handeln, für den Menschen aber sehr bedeutsam sind und bestimmte menschliche Typen repräsentieren. 
 
Und der Mensch trägt immer noch viel vom Instinkt des Tieres in sich – seine Wut, seinen Hass, seine Eifersucht, seine Besitzgier, seine Durchtriebenheit. Alles, was im Menschen verurteilt wurde, scheint einem tief verwurzelten Unbewussten anzugehören. Und das gesamte Werk der spirituellen Alchemie besteht darin, wie man sich von der Tiervergangenheit befreit. 
 
Wenn der Mensch sich nicht von der Tiervergangenheit befreit, wird er gespalten bleiben. Die Tiervergangenheit und seine Menschlichkeit können nicht als Einheit existieren, denn Menschlichkeit hat genau die entgegengesetzten Qualitäten. 
 
Der Mensch kann also nur zum Heuchler werden. 
 
Was das formale Benehmen anbelangt, folgt er den Idealen der Menschlichkeit – von Liebe und Wahrheit, von Freiheit, von Nicht-Besitzenwollen, Mitgefühl. Es bleibt jedoch nur eine sehr dünne Schicht und jeden Moment kann das verborgene Tier zum Vorschein kommen; ein beliebiger Zwischenfall kann es zum Vorschein bringen. Und ob es sich nun zeigt oder nicht, das innere Bewusstsein ist gespalten. 
 
Dieses gespaltene Bewusstsein hat die Sehnsucht und die Frage hervorgerufen: Wie wird man, soweit es das Individuum betrifft, ein harmonisches Ganzes? Und dasselbe gilt für die ganze Gesellschaft: Wie können wir die Gesellschaft in ein harmonisches Ganzes verwandeln – in dem es keinen Krieg gibt, keinen Konflikt – keine Klassen, keine Rassentrennung, keine Spaltung durch Kaste, Religion oder Nation? 
 
Durch Menschen wie z.B. Thomas Moore, der das Buch Utopia geschrieben hat, wurde der Name gleichbedeutend mit allen idealistischen Zielen – aber sie haben das wirkliche Problem nicht erfasst. Deshalb scheint es, dass ihre Idee von einem Utopia sich niemals verwirklichen wird. Wenn du dir vorstellst, dass die Gesellschaft eine ideale Gesellschaft werden soll, ein Paradies, dann scheint es unmöglich zu sein: Es gibt so viele Konflikte, und anscheinend gibt es keinen Weg, diese in Harmonie zu bringen. 
 
Jede Religion will die ganze Welt erobern, nicht sie in Harmonie bringen. 
 
Jede Kultur will sich über die ganze Welt verbreiten und alle anderen Kulturen zerstören, nicht eine Harmonie zwischen ihnen herstellen. 
 
Utopia wurde also gleichbedeutend mit etwas, das einfach nur in der Vorstellung existiert. Und es gibt Träumer – eben jenes Wort `Utopia` bedeutet auch `das, was niemals eintreffen wird`. Und trotzdem denkt der Mensch immer wieder in diesem Sinne. Es scheint einen tief verwurzelten Drang zu geben... Aber sein Denken beschäftigt sich mit den Symptomen – deshalb scheint es niemals einzutreffen. Er befasst sich nicht mit den Ursachen. Die Ursachen sind die Individuen. 
 
Utopia ist möglich. Eine harmonische, menschliche Gesellschaft ist möglich, sollte möglich sein, da sie für jeden die beste Gelegenheit zu wachsen bietet, die beste Gelegenheit, er selbst zu sein. Eine Fülle von Möglichkeiten wird für jedermann vorhanden sein. Die Gesellschaft wie sie ist, scheint also absolut dumm zu sein. 
 
Die Utopisten sind keine Träumer, aber eure sogenannten Realisten, die die Utopisten verdammen, sind dumm. Aber beide stimmen sie in einem Punkt überein – dass in der Gesellschaft etwas getan werden muss. 
 
Prinz Kropotkin, Bakunin und ihre Anhänger möchten, dass alle Regierungen aufgelöst werden – als ob dies in ihren Händen läge, als ob du das einfach nur sagst und die Regierungen werden sich auflösen. Dies sind die Anarchisten, sie sind die besten Utopisten. Wenn man sie liest, scheint alles, was sie sagen, bedeutungsvoll zu sein. Sie haben jedoch nicht die Mittel, dies zu verwirklichen und sie haben keine Idee, wie es geschehen wird. Und dann gibt es Karl Marx, Engels und Lenin - die Marxisten, die Kommunisten, und verschiedene Schulen des Sozialismus, die mit verschiedenen Träumern verbunden sind. Sogar George Bernhard Shaw hatte seine eigene Idee vom Sozialismus, und er hatte eine kleine Gruppe, die Fabian Gesellschaft. Er hat eine andere Art sozialistischer Welt propagiert, völlig verschieden von der kommunistischen Welt, wie sie heute existiert. 
 
Es gibt Faschisten, die denken, dass es eine Frage von mehr Kontrolle und mehr Regierungsmacht ist; genau der Gegenpol zu den Anarchisten, die keine Regierung wollen – aller Ursprung der Korruption liegt in der Regierung. 
 
Und es gibt Menschen, die Faschisten, die alle Macht in den Händen von Diktatoren sehen wollen. Sie sagen, dass die Gesellschaft wegen der Idee der Demokratie auseinanderfällt, da in einer Demokratie der Niedrigste zum Herrscher wird. Er entscheidet, wer herrschen wird; und er ist der Unwissendste von allen, er hat kein Verständnis. Der Mob entscheidet, wie die Gesellschaft sein soll. Gemäß den Faschisten ist Demokratie also nur Mobokratie, es ist keine Demokratie – eine Demokratie ist nicht möglich. 
 
Den Kommunisten zufolge liegt das ganze Problem einfach nur an der Klassentrennung zwischen den Armen und den Reichen. Sie denken: Wenn alle Regierungsmacht in die Hände der Armen gelegt wird und sie eine Diktatur des Proletariats haben – wenn alle Klassen verschwunden sind und die Gesellschaft gleich geworden ist, dann wird bald kein Staat mehr nötig sein. 
 
Sie befassen sich alle mit der Gesellschaft. Und genau dort liegt ihr Versagen. 
 
So wie ich es sehe, ist Utopia nicht etwas, das nicht geschehen wird; es ist etwas, das möglich ist, wir sollten uns aber mit den Ursachen befassen und nicht mit den Symptomen. Und die Ursachen liegen in den Individuen, nicht in der Gesellschaft. 
 
Zum Beispiel war die kommunistische Revolution in Sowjet-Russland in siebzig Jahren nicht in der Lage, die Diktatur aufzulösen. Lenin hatte gedacht, dass zehn oder höchstens fünfzehn Jahre genug sein würden, dass sie bis dahin alle gleich gemacht hätten, Reichtum gleichmässig verteilt hätten – dann wäre eine Regierung nicht nötig. 
 
Aber nach fünfzehn Jahren stellten sie fest: Sobald der erzwungene Staat aufgehoben wird, die Menschen wieder ungleich werden. Es wird wieder reiche Menschen geben, und es wird wieder arme Menschen geben. Da ist etwas in den Menschen, das sie reich oder arm macht. Du musst sie also fast in einem Konzentrationslager halten, wenn du willst, dass sie gleich bleiben. Das ist aber eine seltsame Art von Gleichheit, denn sie zerstört alle Freiheit, alle Individualität. 
 
Und der Grundgedanke war, dass dem Individuum Chancengleichheit gegeben wird. Seine Bedürfnisse sollen in gleicher Weise erfüllt werden. Er wird alles haben, genau wie jeder andere. Alles wird geteilt werden. 
 
Aber das Endresultat ist genau das Gegenteil. Sie haben das Individuum fast zerstört, sie haben versucht, ihm Gleichheit und Freiheit und all das Gute zu geben, das den Individuen gegeben werden sollte. Dabei ist das Individuum an sich beseitigt worden. Sie haben angefangen sich vor dem Individuum zu fürchten; und der Grund ist, dass sie sich dessen immer noch nicht bewusst sind, dass egal, wie lange ein erzwungener Staat auch dauert – siebzig oder siebenhundert Jahre – dies keinen Unterschied machen wird. 
 
Sobald du die Kontrolle wegnimmst, wird es ein paar Leute geben, die wissen, wie man reich ist, und es wird ein paar Leute geben, die wissen, wie man arm ist. Und sie werden das Ganze einfach wieder von vorne beginnen. 
 
Am Anfang haben sie es versucht... denn die Idee von Karl Marx war, dass es im Kommunismus keine Ehe geben sollte. Und er war damit sehr sachlich: die Ehe war wegen des persönlichen Eigentums entstanden. Seine Logik war richtig. Es gab eine Zeit, in der es keine Ehe gab. Die Menschen lebten in Stämmen und genau wie die Tiere Liebe machen, haben die Menschen Liebe gemacht. 
 
Das Problem kam erst auf, als ein paar Leute, die gerissener, cleverer, mächtiger waren, etwas Besitz zustande gebracht hatten. Nun wollten sie, dass nach ihrem Tod ihre eigenen Kinder ihren Besitz erhalten sollten. Es ist ein natürliches Verlangen, dass, wenn ein Mensch sein ganzes Leben lang arbeitet und Besitz ansammelt, Land, oder ein Königreich erschafft, seine Kinder dies erhalten sollen. 
 
Auf eine subtile Art, wird er weiterhin herrschen, wird er weiterhin durch seine Kinder besitzen, weil sie von seinem Blut sind. Es ist ein Weg, einen gewissen Ersatz für Unsterblichkeit zu finden, da die Kontinuität erhalten bleibt: „Ich werde nicht da sein, aber mein Kind wird da sein – das mich repräsentieren wird, das mein Blut, meine Knochen und mein Mark sein wird. Und dann wird mein Kind da sein, und eine Kontinuität wird erhalten bleiben. In einem subtilen Sinne, werde ich also unsterblich sein. Ich kann nicht ewig leben, also ist dies ein Ersatz.“ 
 
Deshalb wurde die Ehe geschaffen; ansonsten war es für den Mann einfacher, keine Ehe zu haben, denn die Ehe war einfach eine Verantwortung – für die Kinder, für eine Ehefrau. Wenn die Frau schwanger ist, dann musst du sie ernähren.... Und es war vorher nicht nötig, all diese Verantwortung zu übernehmen. Die Frau übernahm die ganze Verantwortung. 
 
Aber der Mann wollte eine gewisse Unsterblichkeit, und sein Eigentum sollte von seinem eigenen Blut besessen werden. Und die Frau wollte einen gewissen Schutz – sie war verletzlich. Während sie schwanger war, konnte sie nicht arbeiten, konnte sie nicht auf die Jagd gehen; sie war auf jemanden angewiesen. 
 
Es war also in beider Interesse, einen Vertrag zu schließen, dass sie zusammenbleiben würden, in keiner Weise betrügen würden, denn das Blut sollte rein gehalten werden. 
 
Die Idee von Marx war also: Wenn der Kommunismus kommt und das Eigentum kollektiv wird, hat die Ehe keine Bedeutung mehr, da ihr Hauptgrund beseitigt ist – nun hast du kein Privateigentum. Dein Sohn hat nichts zum Erben. 
 
In der Tat, genau wie du kein Privateigentum haben kannst, so kannst du keine eigene Frau haben; das ist auch Eigentum. Und du kannst keinen eigenen Sohn oder eine eigene Tochter haben, denn auch das ist Privateigentum. Mit dem Verschwinden des Privateigentums, wird also auch die Ehe verschwinden. 
 
Nach der Revolution, für zwei oder drei Jahre haben sie es in Russland versucht, aber es war unmöglich. Privateigentum war verschwunden, aber die Menschen waren nicht bereit, die Ehe aufzugeben. Und sogar die Regierung fand, dass ihnen die ganze Verantwortung zufällt, wenn die Ehe verschwindet, die – für die Kinder, die für die Frau.... Warum also eine unnötige Verantwortung übernehmen? – Es ist keine Kleinigkeit. Es ist besser, die Ehe weiterbestehen zu lassen. 
 
Also haben sie die Verordnung rückgängig gemacht; sie haben Karl Marx einfach vergessen, denn innerhalb von nur drei Jahren fanden sie heraus, dass dies Schwierigkeiten verursachen wird und die Menschen nicht gewillt waren, die Ehe aufzugeben. 
 
Die Menschen waren auch nicht gewillt, Privateigentum aufzugeben – es wurde ihnen zwangsweise weggenommen. Fast eine Million Menschen wurden getötet – für kleine private Besitztümer. Jemand besaß ein kleines Stück Land, ein paar Morgen, und weil alles verstaatlicht werden sollte.... 
 
Obwohl die Menschen arm waren, wollten sie trotzdem an ihrem Besitz festhalten. Wenigstens hatten sie etwas; und jetzt sollte ihnen auch das noch aus den Händen genommen werden. Sie hatten gehofft, etwas mehr zu bekommen – darum hatten sie die Revolution gehabt und hatten dafür gekämpft. Nun sollte das, was sie hatten, ihnen aus den Händen genommen werden. Es sollte Regierungseigentum werden, es sollte verstaatlicht werden... 
 
Und für kleine Dinge - jemand hatte vielleicht ein paar Hennen oder eine Kuh, und er war nicht gewillt... denn das war alles, was er hatte. Ein kleines Haus... und er wollte nicht, dass es verstaatlicht werden sollte. 
 
Diese armen Menschen – eine Million Menschen wurden getötet, um dem ganzen Land zu zeigen, dass Verstaatlichung geschehen muss. Selbst wenn du nur eine Kuh hattest und diese der Regierung nicht gegeben hast, warst du erledigt. 
 
Und die Regierung dachte, die Menschen wären bereit, sich von ihren Dingen zu trennen ... die ausschließlich theoretischen und logischen Leute haben aber schon immer darin versagt, den Menschen zu verstehen. Sie haben sich niemals mit seiner Psyche befasst. 
 
Es war wahr, dass die Ehe nach der Entstehung des Privateigentums geschaffen wurde – die Ehe kam danach. Logischerweise, nachdem das Privateigentum abgeschafft ist, sollte die Ehe verschwinden. Aber sie verstehen den menschlichen Verstand nicht. Als das Eigentum weggenommen wurde, wurden die Menschen, da nichts mehr übrig war, untereinander sogar noch besitzergreifender. Ihr Land war weg, ihre Tiere waren weg, ihre Häuser waren weg. Jetzt wollten sie nicht auch noch ihre Ehefrau oder ihren Ehemann oder ihre Kinder verlieren. Das war zu viel. 
 
Logik ist eine Sache... und solange wir nicht versuchen, den Menschen mehr psychologisch und weniger logisch zu verstehen, werden wir immer Fehler machen. Marx hat sich als falsch erwiesen. 
 
Als alles weggenommen wurde, haben die Menschen noch mehr aneinander festgehalten, mehr als vorher, denn nun war dies ihr einziger Besitz: eine Frau, ein Ehemann, Kinder.... Und es war so eine Lücke in ihrem Leben; ihr ganzer Besitz war weg, und jetzt sollte auch noch ihre Ehefrau verstaatlicht werden. Sie konnten diese Idee nicht begreifen, da ihr Verstand und ihre Tradition ihnen sagten: „Das ist Prostitution.“ Ihre Kinder sollten verstaatlicht werden – das war es nicht, wofür sie in der Revolution gekämpft hatten. 
 
Schließlich musste die Regierung die Verfügung also wieder rückgängig machen. In der ersten Verfassung hatten sie erklärt, dass es nun keine Ehe mehr geben soll; die Frage der Scheidung kam gar nicht auf. Innerhalb von nur drei Jahren mussten sie dies ändern. Und zu dieser Zeit war die Ehe in Russland strenger als anderswo. Scheidung war schwieriger als anderswo, da die Regierung keine unnötigen Änderungen wollte. Das kreiert Schreibarbeit und mehr Bürokratie. Daher will die Regierung, dass die Leute zusammenbleiben und nicht unnötig den Partner wechseln. Und Scheidungen schaffen Gerichtsfälle wegen der Kinder – wer sie haben soll, der Vater oder die Mutter; es ist unnötig. 
 
Die Regierung ist um Effizienz bestrebt – weniger Bürokratie, weniger Schreibarbeit – und die Leute erzeugen unnötige Schreibarbeit, es ist also sehr schwierig, sich scheiden zu lassen. 
 
Und im Laufe der Zeit fanden sie heraus, dass es nicht möglich war, die Leute ohne Zwang gleich zu halten. Aber was ist das für ein Utopia, das durch Zwang erhalten werden muss? Und weil die Kommunistische Partei die ganze Macht hat, ist eine neue Art von Unterteilung entstanden, eine neue Klasse, die der Bürokraten: Diejenigen, die Macht haben, und diejenigen, die überhaupt keine Macht haben. 
 
Es ist sehr schwierig ein Mitglied zu werden, die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei in Russland zu erwerben, weil dies bedeutet, der Macht-Elite beizutreten. Die Kommunistische Partei hat viele andere Gruppen geschaffen – erst musst du Mitglied in diesen Gruppen werden und auf jede nur erdenkliche Weise überprüft werden. Wenn sie finden, dass du wirklich zuverlässig bist, absolut zuverlässig, vertrauenswürdig, dann darfst du der Kommunistischen Partei beitreten. Und die Partei vergrößert ihre Mitgliedschaft nicht, da dies bedeutet, die Macht zu teilen. 
 
Die Partei will so klein wie möglich bleiben, damit die Macht in wenigen Händen liegt. Nun gibt es eine mächtige Klasse. Siebzig Jahre lang hat dieselbe Gruppe das Land regiert, und das ganze Land war machtlos. 
 
Das Volk war weder unter kapitalistischer Herrschaft noch unter einer Feudalherrschaft jemals so machtlos. Unter den Zaren war es nicht so machtlos. Es war einem armen Mann möglich, wenn er intelligent genug war, reich zu werden. Jetzt ist es nicht so einfach. Du magst intelligent sein, aber es ist nicht so einfach, aus der Klasse der Machtlosen in die Klasse der Machthaber zu gelangen. Der Abstand zwischen den beiden Klassen ist weit größer als vorher. 
 
In einer kapitalistischen Gesellschaft gibt es immer Mobilität, weil es nicht nur Reiche und Arme gibt, sondern eine große Mittelklasse, und die Mittelklasse ständig in Bewegung ist. Ein paar Leute aus der Mittelklasse bewegen sich in die der Super-Reichen und ein paar mehr Leute bewegen sich in die Klasse der Armen. Ein paar arme Leute steigen in die Mittelklasse auf; ein paar reiche Leute fallen in die Mittelklasse oder sogar in die Klasse der Armen ab... es gibt Mobilität. 
 
In einer kommunistischen Gesellschaft herrscht ein absolut unbeweglicher Zustand. Klassen sind nun völlig voneinander abgetrennt. 
 
Sie wollten eine klassenlose Gesellschaft schaffen, und sie haben die strengste Gesellschaft mit unbeweglichen Klassen geschaffen. 
 
Es ist fast eine Wiederholung des Hinduismus. 
 
Was Manu vor fünftausend Jahren getan hat, haben die Kommunisten in Russland getan. Manu hat die Hindu Gesellschaft in vier Klassen unterteilt. Es gibt keine Mobilität. Du bist als Brahmane geboren, das ist die einzige Möglichkeit ein Brahmane zu sein. Und das ist die höchste Gesellschaftsschicht, die oberste Klasse. Dann, die Nummer zwei, sind die Krieger, die Könige – die Chhatriyas. Aber du bist in diese Kaste hineingeboren, es ist außer Frage, dass du wechseln kannst. Dann, die dritte, ist die Klasse der Vaishyas, der Geschäftsleute; du bist darin geboren. Und die vierte sind die Sudras – die Unberührbaren. 
 
Alle sind in ihre Kaste hineingeboren, bis das Christentum anfing, so viele Hindus zu konvertieren, insbesondere die Sudras, die bereit waren, sehr willig waren, Christen zu werden, denn dann wären sie wenigstens berührbar... Unter den Hindus sind Sudras unberührbar, und es gibt keine Möglichkeit, aus dieser Struktur herauszukommen. 
 
Dein ganzes Leben lang musst du dasselbe bleiben, was deine Vorfahren fünftausend Jahre lang geblieben waren. Fünftausend Jahre lang gab es eine geschichtete Gesellschaft. Wenn jemand ein Schuhmacher ist, dann hat seine Familie fünftausend Jahre lang Schuhe gemacht. Er kann keine andere Arbeit machen, er kann keinen anderen Beruf ergreifen. Das ist nicht erlaubt. 
 
Der Hinduismus war keine konvertierende Religion, denn die große Frage war, wenn du jemanden konvertierst, in welche Klasse wirst du die Person einordnen? Das Christentum ist eine konvertierende Religion, denn es hat kein Klassensystem; du wirst einfach ein Christ. Wenn Katholiken dich konvertieren, wirst du ein Katholik; wenn Protestanten dich konvertieren, wirst du ein Protestant. 
 
Aber im Hinduismus kannst du nicht konvertiert werden, aus dem einfachen Grund: Wo wirst du eingeordnet werden? Brahmanen werden dich nicht zulassen, und du würdest nicht bei den Sudras eingeordnet werden wollen, den Unberührbaren. Warum einer Religion beitreten, in der du nicht einmal berührt wirst? Sogar dein Schatten wird unberührbar sein. Und ein Brahmane muss ein Bad nehmen, wenn der Schatten eines Sudras auf ihn fällt. Der Sudra hat ihn nicht berührt, aber sein Schatten ist auch unberührbar. 
 
Obwohl der Hinduismus die allerälteste Religion ist, hat er sich nicht verbreitet; er ist geschrumpft. Der Buddhismus hat sich in ganz Asien verbreitet, und er ist nur fünfundzwanzig Jahrhunderte alt. Der Hinduismus ist mindestens zehntausend Jahre alt, oder mehr, aber er konnte sich nicht verbreiten, aus dem einfachen Grund, dass die Geburt ausschlaggebend ist. Du kannst nur durch Geburt ein Hindu sein, genau, wie du nur durch Geburt ein Jude sein kannst – und dies sind sie beiden ältesten Religionen. 
 
Dies sind wirklich die beiden grundlegenden Religionen. 
 
Das Christentum und der Islam sind Ableger des Judentums; und Jainismus und Buddhismus sind Ableger des Hinduismus. Jainismus und Buddhismus sind beide durch die Rebellion der zweiten Klasse entstanden – der Chhatriyas, der Krieger – denn sie hatten alle Macht. Sie waren die Könige, sie waren die Soldaten, sie hatten die Macht – und trotzdem war der Brahmane ihnen höhergestellt. So natürlicherweise, früher oder später, würden sie rebellieren, und letzendlich haben sie rebelliert. Gautam Buddha und Mahavira sind beide aus der zweiten Klasse. Sie wollten erste Klasse sein, sie hatten die Macht und die Brahmanen hatten nichts: Warum sollten diese die höchste Klasse sein? Es war also eine Rebellion. 
 
Aber obwohl diese beiden Religionen aus der Hindu Gemeinde hervorgegangen sind, war es eine seltsame Sache, dass nur der Buddhismus sich in ganz Asien verbreiten konnte. Der Jainismus konnte sich außerhalb Indiens nicht verbreiten. Der Buddhismus schaffte es, sich außerhalb Indiens zu verbreiten: Aus Indien ist er verschwunden, aber er hat ganz Asien erobert. Und der Grund war, dass Gautam Buddha, wegen seiner sehr mitfühlenden Einstellung, jedem erlaubte, dem Buddhismus beizutreten. 
 
Obwohl auch die Jainas gegen die Brahmanen rebelliert hatten, behielten sie die gleiche Denkweise bei – dass sie höher sind, als die beiden anderen Klassen. Sie wollten auch höher als die Brahmanen sein, aber sie fingen niemals an, andere zu konvertieren, denn wen würden sie konvertieren? Brahmanen werden nicht bereit sein, sich konvertieren zu lassen – sie sind bereits höher als jeder andere. Nur Sudras können konvertiert werden, denn sie werden auf der Werteskala erhöht werden. Aber die Jainas – Mahavira und seine Gruppe – waren nicht so mitfühlend, diese aufzunehmen. 
 
Der Jainismus ist also keine vollständige Kultur – er ist in allem vom Hinduismus abhängig – er ist nur eine Philosophie geblieben. Kein Jaina kann Schuhe machen – ein Hindu Sudra muss die Schuhe machen. Kein Jaina kann die Toiletten reinigen – ein Sudra muss diese Arbeit machen. 
 
Obwohl sie gegen die Brahmanen rebellierten, war ihre Rebellion nur gegen die Überlegenheit der Brahmanen gerichtet, sie wollten selber höher als die Brahmanen sein. Aber sie waren auch nicht dafür, die niederen Klassen zu erhöhen. 
 
Und das letztendliche Ergebnis war, dass die Jainas eine sehr kleine, in ihrer Anzahl begrenzte Religion geblieben sind. Und anstatt höher als die Brahmanen aufzusteigen, fielen sie, weil sie den Hinduismus verließen, sogar aus der zweiten Kategorie heraus. Weil sie den Hinduismus verließen, waren sie nicht länger Chhatriyas. Sie wurden nicht länger als Krieger angesehen und konnten dies wegen ihrer Gewaltlosigkeit nicht sein. Sie mussten die Idee zu kämpfen aufgeben. 
 
Die einzige Möglichkeit war, Geschäftsleute zu werden. 
 
Du kannst eine Klasse tiefer gehen - niemand hindert dich daran – sie mussten also aus der zweiten Klasse in die dritte Klasse absteigen, und sie wurden alle Geschäftsleute. Die Rebellion ist also ganz schwer gescheitert. Die Jainas wollten höher als die erste Klasse steigen; das Ergebnis ihrer Revolution war, dass sie aus der zweiten Klasse in die dritte Klasse abgestiegen sind. 
 
Und sie sind vollkommen abhängig von den Hindus. Für ihre manuelle Arbeit brauchen sie Arbeiter – sie können nicht arbeiten. Und weil sie Geschäftsleute wurden, sind sich die Hindu Vaishyas, die Hindu Geschäftsleute und die Jaina Geschäftsleute ganz langsam näher gekommen. Sie fingen sogar an, Ehen untereinander zu schließen. 
 
Nach und nach mussten sie sogar Brahmanen bitten, ihre Gottesdienste zu übernehmen – und sie hatten Geld, dafür zu bezahlen. Die Brahmanen haben also die Gottesdienste für die Jainas abgehalten – die gegen Brahmanismus, gegen Hinduismus sind; aber für alles haben sie Hindus gebraucht. 
 
Ihre Schuhe werden von den Sudras gemacht; ihre Toiletten werden von den Sudras gereinigt. Ihr Besitz muss von den Chhatriyas beschützt werden, weil sie kein Schwert in die Hand nehmen können. Sie können nicht töten, also können sie nicht kämpfen, sie können nicht in den Krieg ziehen; ihre Streitmacht kommt aus der Krieger-Kaste. Und letztendlich ihre Priester – die Brahmanen kommen als ihre Priester durch die Hintertür herein. 
 
Manu hat diese unbewegliche Gesellschaft – die immer noch dieselbe ist – vor fünftausend Jahren ausprobiert. Dies war auch eine Art Utopia, denn er dachte, dass es auf diese Weise keinen Klassenkampf geben würde. 
 
Der Klassenkampf kann auf zwei Arten beendet werden. Entweder, es darf keine Klassen geben; dann wird es auch keinen Klassenkampf geben... Das ist es, was der Kommunismus tut, aber er ist gescheitert, da eine neue Klasse entstanden ist. Die andere Art ist, die Klassen so zu schichten, dass es außer Frage ist, dass jemand in eine andere Klasse wechseln kann. Es wird keinen Kampf geben, also wird es keine Konkurrenz geben. Der Brahmane wird ein Brahmane bleiben. Er wird an der Spitze bleiben, ob er arm oder reich ist, das macht keinen Unterschied. Der Geschäftsmann wird ein Geschäftsmann bleiben. Er kann kein Brahmane werden, nur weil er reich ist, er kann die Kaste nicht kaufen. Er kann nicht aufsteigen; er wird dritter Klasse bleiben, egal, wie reich er auch ist. Die Sudras werden Sudras bleiben: Sie müssen die ganze dreckige Arbeit machen und können von dort nicht weg. 
 
Dies war auch ein Utopia. Die Idee war: Wenn die Klassen völlig unbeweglich sind, wird es keinen Kampf, keine Konkurrenz geben. In gewisser Hinsicht war Manu erfolgreicher als Marx, denn seine Idee ist fünftausend Jahre lang in Anwendung geblieben, und die Hindu-Gesellschaft in Indien ist niemals in einen Klassenkampf verwickelt gewesen. Es gibt die Armen, es gibt die Reichen, aber das ist für den Hindu nicht das wirkliche Problem. Sein wirkliches Problem sind diese vier Klassen, die absolut unbeweglich sind. Aber das ist sehr gefährlich, denn du hinderst die Menschen daran, sich in eine Richtung zu bewegen, in der sie ihr Potential erfüllt finden. Ein Sudra mag sich als ein großartiger Krieger herausstellen, es wird ihm aber niemals erlaubt sein. Ein Brahmane mag sich als ein großartiger Industrieller erweisen, aber er kann sich nicht soweit erniedrigen. 
 
Die Gesellschaft wurde also vom Klassenkampf befreit, aber das Individuum und sein Potential wurden völlig zerstört. Das Genie wurde zunichte gemacht. Auf genau die gleiche Art geschieht dies im Kommunismus: Das Individuum wird zerstört, sein Genie wird vernichtet. Niemand kann aufsteigen, selbst wenn er die Fähigkeit hat. 
 
Überall auf der Welt hat es Bemühungen gegeben, eine harmonische menschliche Gesellschaft zu schaffen, aber alle sind aus dem einfachen Grunde gescheitert, weil sich niemand darum gekümmert hat, warum sie natürlicherweise nicht harmonisch ist. 
 
Sie ist nicht harmonisch, weil jedes Individuum in sich gespalten ist, und seine Spaltungen auf die Gesellschaft projeziert werden. Und solange wir nicht die inneren Spaltungen im Individuum auflösen, wird es keine Möglichkeit geben, tatsächlich ein Utopia zu verwirklichen, und eine harmonische Gesellschaft in der Welt zu erschaffen. 
 
Die einzige Möglichkeit für ein Utopia ist also, dass deine Bewusstheit größer und deine Unbewusstheit kleiner wird, so dass letztendlich ein Moment in deinem Leben kommt, an dem es nichts mehr gibt, das unbewusst ist: Du bist einfach ein reines Bewusstsein. Da gibt es keine Spaltung. 
 
Und so ein Mensch, der einfach nur Bewusstheit hat kann der wahre Grundstein für die Schaffung einer Gesellschaft werden, in der es keine Spaltungen gibt. Mit anderen Worten, nur eine Gesellschaft, die erleuchtet genug ist, kann die Anforderung erfüllen, harmonisch zu sein – eine Gesellschaft erleuchteter Menschen, eine Gesellschaft aufrichtiger Meditierer, die die Spaltungen in sich gelöst haben. 
 
Anstatt an Revolution zu denken und die Gesellschaft und ihre Struktur verändern zu wollen, sollten wir uns mehr mit der Meditation befassen und damit, das Individuum zu verändern. Das ist der einzig mögliche Weg, auf dem wir eines Tages alle Spaltungen in der Gesellschaft lösen können. Aber zuerst müssen sie im Individuum gelöst werden - und sie können dort gelöst werden. 
 
Es ist fast wie die vierfache Unterteilung, wie Manu die Gesellschaft konzipiert hatte. Du hast das Bewusste, du hast das Unbewusste, du hast das kollektive Unbewusste und du hast das kosmische Unbewusste. Dies sind die vier Unterteilungen in dir; indem du tiefer gehst, gehst du in dunklere Bereiche. Manu hat auch die Gesellschaft in vier Teile eingeteilt. Der bewussteste Teil ist der Brahmane – er stellt den höchsten, den weisesten Teil dar. Aber er beginnt mit der Gesellschaft. 
 
Als Manu zum ersten Mal die Gesellschaft unterteilte, ist vielleicht jemand ein weiser Mann gewesen, aber dies bedeutet nicht, dass seine Söhne und Töchter auch weise sein werden, dass in einer Generation nach der anderen der weise Mann nur weise Menschen hervorbringen wird – das ist eine dumme Idee. Die erste Unterteilung mag vielleicht sehr genau gewesen sein. Er mag die Menschen richtig eingeteilt haben: Die bewussten Menschen an die Spitze, dann weniger bewusste Menschen, dann mehr unbewusste Menschen, dann absolut unbewusste Menschen. 
 
Und wenn Manu absolut unbewusste Menschen `Sudras`, Unberührbare, nennt, dann ist daran nichts falsch; philosophisch ist es absolut richtig. Aber praktisch hat er sich geirrt, weil er nicht daran gedacht hat, dass unbewusste Menschen nicht immer unbewusste Menschen hervorbringen. 
 
Es geschah, dass alle Erleuchteten aus der zweiten Kaste kamen – aus der Kriegerkaste - nicht aus der Kaste der Brahmanen, die die allerhöchste war. Es ist sehr seltsam. Sogar Hindu Inkarnationen – Rama und Krishna – gehörten alle zur zweiten Kaste; sie waren keine Brahmanen. 
 
Die Kaste der Brahmanen hat also keinen einzigen Erleuchteten hervorgebracht, da diese sehr selbstzufrieden wurden. Sie waren an der Spitze - was brauchst du mehr? Jeder würde ihre Füße berühren, sogar der König musste ihre Füße berühren. Sie waren die reinsten Menschen, es gab also keinen Drang mehr zu finden; es war genug. Es war sehr befriedigend und schmeichelhaft für ihre Egos. 
 
Warum ist es den Chhatriyas, der zweiten Kaste, passiert? Nach meinem Verständnis, war in ihnen, weil sie zweiter Klasse waren, ein enormer Drang, die Brahmanen zu übertreffen. Der einzige Weg, den sie finden konnten, die Brahmanen zu übertreffen, war, erleuchtet zu werden. Nur dann konnten sie die Brahmanen übertreffen, andernfalls konnten sie das nicht. 
 
Die Brahmanen sind die höchsten Gelehrten. Die Chhatriyas mussten etwas erreichen, das höher ist als das Lernen und die Gelehrsamkeit. Sie mussten etwas erreichen, das nicht durch die Geburt gegeben ist, damit die Brahmanen es nicht beanspruchen können. Nur durch die Geburt kann niemand Erleuchtung beanspruchen. 
 
Und es ist deshalb nur in der zweiten Kaste passiert, weil es Teil der menschlichen Psyche ist. Je näher du der höchsten Klasse bist, umso mehr Konkurrenzdenken ist in dir. Je entfernter du bist, desto weniger Hoffnung hast du, in der Lage zu sein, dich mit den Brahmanen zu messen. Der Geschäftsmann kann sich nicht vorstellen, in der Lage zu sein, sich zu messen. Der Sudra kann sich natürlich nicht einmal vorstellen oder davon träumen, zu irgendetwas in der Lage zu sein. Es ist ihm nicht einmal erlaubt zu lesen, es ist ihm nicht erlaubt etwas zu erlernen. Er wird in seinem Unbewusstsein vollkommen versklavt gehalten, es ist also außer Frage, dass ein Sudra erleuchtet wird. 
 
Der Geschäftsmann führt eine andere Art von Konkurrenzkampf, und zwar um Geld. Dies ist ein horizontaler Konkurrenzkampf unter Geschäftsleuten. Er versucht sich zu messen, indem er mehr Geld hat, und er weiß, dass er sich mit den Kriegern nicht messen kann: Ein Geschäftsmann ist kein Soldat. Und er kann sich mit dem Priester nicht messen, denn ein Geschäftsmann ist kein Gelehrter. 
 
Und die Brahmanen haben die großen alten Schriften und die Literatur ganz in ihrem Besitz gehalten. Sie durften diese Bücher ausschließlich an ihre Kinder, ihre Nachfahren weitergeben. Und für tausende von Jahren sind diese Bücher nicht gedruckt worden, obwohl das Drucken in China vor dreitausend Jahren begann, und es Indien ohne Schwierigkeiten hätte erreichen können. Die Leute müssen davon gewusst haben - sie sind ständig nach China gegangen und von dort gekommen. Wenn der Buddhismus sich in ganz China ausbreiten konnte, so ist es undenkbar, dass sie den Mechanismus und das Verständnis des Druckens nicht mitgebracht haben. 
 
Aber die Brahmanen waren gegen das Drucken. Sie waren sogar dagegen, ihre Schriften zu drucken. Als die Briten vor dreihundert Jahren kamen und Indien von den Mohammedanern eroberten, war es gegen den Willen der Brahmanen, dass die Schriften gedruckt wurden. Sie hatten Angst: Wenn sie erst einmal gedruckt sind, werden sie öffentliches Eigentum sein. Dann kann jeder sie lesen, und jeder kann ein Gelehrter werden. Sie wollten sie für sich behalten, also gab es nur handgeschriebene Kopien, die als eine Familientradition gehalten wurden. Jede Familie hatte also ihre eigene handgeschriebene Kopie bestimmter Schriften. Die Brahmanen haben dies monopolisiert. 
 
Die Chhatriyas, die zweite Kaste, versuchte – und dies war eine große Anstrengung – erleuchtet zu werden, um die Brahmanen zu übertreffen. Aber es ist sehr bedeutungsvoll zu verstehen, dass dadurch, dass sie erleuchtet wurden, sie eins wurden in sich, zweifellos höher stiegen als irgendein menschliches Wesen, das in sich gespalten war. Ihre Überlegenheit war unbestritten. 
 
Also kamen sogar Brahmanen zu den Erleuchteten, ohne sich daran zu stören, dass diese aus der zweiten Kaste kamen. Brahmanen haben also die Füße von Nicht-Brahmanen berührt – was unmöglich gewesen wäre. Aber ist der Nicht-Brahmane erst einmal erleuchtet, dann weiß der Brahmane, ihr Sein wurde eins. Und er weiß, dass das, was er selber sagt, nur nachgeplappert ist. Was aber dieser Mann weiß, ist nicht nachgeplappert. Er ist kein Gelehrter, er ist ein wirklich Wissender. Hunderte von Brahmanen waren also Schüler von Buddha, hunderte von Brahmanen waren Schüler von Mahavira. 
 
Die Welt kann in Harmonie sein, wenn Meditation überall verbreitet wird und die Menschen zu einem Bewusstsein ihrer selbst gelangen. Damit zu arbeiten wird eine völlig andere Dimension sein. 
 
Bis jetzt war es Revolution. Der Punkt war die Gesellschaft, ihre Struktur. Dies ist immer wieder auf verschiedene Arten gescheitert. Jetzt sollte es das Individuum sein – nicht die Revolution, sondern Meditation, Transformation. 
 
Und das ist leichter als man denkt. Vielleicht vergeuden sie sechs Jahre damit, einen Titel an einer Universität zu erlangen; und sie werden nicht denken, dass sie damit zu viel Zeit vergeuden, nur für einen Titel, der gar nichts bedeutet. 
 
Es geht nur darum, den Wert der Meditation zu verstehen. Dann ist es Millionen von Menschen leicht möglich, ihre inneren Spaltungen aufzulösen. Und sie werden die erste Gruppe der Menschheit sein, die harmonisch wird. Und ihre Harmonie, ihre Schönheit, ihr Mitgefühl, ihre Liebe – alle ihre Qualitäten – werden mit Sicherheit in der ganzen Welt widerhallen. 
 
Mein Bemühen ist es, Meditation gewissermaßen zu einer Wissenschaft zu machen, so dass sie mit Religion nichts zu tun hat. 
 
So kann sie jeder praktizieren – ob er ein Hindu ist oder ein Christ oder ein Jude oder ein Mohammedaner, es macht keinen Unterschied. Was seine Religion ist, ist bedeutungslos; er kann dennoch meditieren. Vielleicht glaubt er an gar keine Religion, vielleicht ist er ein Atheist; trotzdem kann er meditieren. 
 
Meditation sollte wie ein Lauffeuer werden. Dann gibt es etwas Hoffnung. Und die Menschen sind bereit: Sie haben sich nach etwas gesehnt, welches das ganze Klima in der Gesellschaft verändert. So wie sie ist, ist sie hässlich, sie ist verabscheuungswürdig. Sie ist bestenfalls erträglich. Irgendwie haben die Menschen sie ertragen. Aber zu ertragen, ist keine sehr erfreuliche Angelegenheit. 
 
Sie sollte ekstatisch sein. 
Sie sollte voller Freude sein. 
Sie sollte die Herzen der Menschen zum Tanzen bringen. 
 
Und wenn diese Spaltungen in einem Menschen erst einmal verschwinden, dann kann er alles klar sehen. Es geht nicht darum, dass er voller Wissen ist, es geht um seine Klarheit. Er kann in jede Dimension, jede Richtung mit solcher Klarheit, mit solch tiefer Einfühlsamkeit, Wahrnehmungsfähigkeit blicken, dass er vielleicht nicht voller Wissen ist, aber seine Klarheit wird ihm Antworten geben, die das Wissen nicht geben kann. 
 
Dies ist eines der allerwichtigsten Dinge – die Idee von Utopia – die dem Menschen seit tausenden von Jahren wie ein Schatten gefolgt ist. Aber irgendwie ist sie mit dem Verändern der Gesellschaft verwechselt worden; das Individuum ist niemals in Betracht gezogen worden. 
 
Niemand hat dem Individuum besondere Aufmerksamkeit geschenkt – und das ist die Grundursache aller Probleme. Aber weil das Individuum so unbedeutend zu sein scheint und die Gesellschaft so groß erscheint, denken die Menschen, dass wir die Gesellschaft verändern können, und sich dann die Individuen verändern werden. 
 
Das wird nicht so sein – denn `Gesellschaft` ist nur ein Wort; es gibt nur Individuen, es gibt keine Gesellschaft. Die Gesellschaft hat keine Seele – du kannst gar nichts in ihr verändern. 
 
Du kannst nur das Individuum verändern, wie unbedeutend es auch immer erscheinen mag. 
 
Und kennst du erst einmal die Wissenschaft, wie man das Individuum verändert, ist sie überall für alle Individuen anwendbar. 
 
Und mein Gefühl ist, dass wir eines Tages eine Gesellschaft erreichen werden, die harmonisch sein wird, die weit besser sein wird, als all die Ideen, die die Utopisten seit tausenden von Jahren hervorgebracht haben. 
 
Die Realität wird noch viel schöner sein. 
 
Auszug aus: Osho, Light on the Path, Kapitel 11
 

<< Back