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Osho Eifersucht, Liebe und Sich Beziehen im 21. Jahrhundert

Eifersucht, Liebe und Sich Beziehen im 21. Jahrhundert

 
Osho,
Was ist Eifersucht?
 
Eifersucht ist einer der am weitesten verbreiteten Bereiche psychologischer Unkenntnis in Bezug auf sich selbst, andere und ganz besonders soweit es Beziehungen betrifft. 
 
Die Leute denken, dass sie wissen, was Liebe ist - sie wissen es nicht. Und ihr Missverständnis in Bezug auf die Liebe lässt die Eifersucht entstehen. Unter ,Liebe' verstehen die Leute eine spezielle Art von Monopol, eine Art Besitzrecht - ohne eine einfache Tatsache zu begreifen: Sobald du ein lebendiges Wesen besitzt, hast du es umgebracht. 
 
Das Leben kann man nicht besitzen. Du kannst es nicht in der Hand halten. Wenn du es haben willst, müssen deine Hände offen sein.
 
Aber das läuft schon seit Jahrhunderten falsch; es ist uns so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir die Liebe nicht von der Eifersucht unterscheiden können. Sie sind fast schon zu ein und derselben Energie geworden.
 
Zum Beispiel fühlst du dich eifersüchtig, wenn dein Geliebter zu einer anderen Frau geht. Das bringt dich jetzt sehr durcheinander, aber ich sage dir, wenn du nicht eifersüchtig wirst, kommst du in noch grössere Schwierigkeiten - dann wirst du denken, dass du ihn nicht liebst - denn in dem Fall solltest du eifersüchtig sein. Man hat Eifersucht und Liebe völlig durcheinandergebracht.
 
Genaugenommen liegen Welten dazwischen. Ein Verstand, der eifersüchtig sein kann, kann nicht liebevoll sein und umgekehrt: Ein Verstand, der liebevoll ist, kann nicht eifersüchtig sein. 
 
Worin besteht die Verwirrung? Du musst es betrachten, als sei es nicht deine Frage - jemand anders hat gefragt, es ist sein Problem - so dass du beiseite treten kannst und das ganze Bild siehst. Das Gefühl der Eifersucht ist ein Nebenprodukt der Ehe.
 
In der Welt der Tiere und Vögel gibt es keine Eifersucht. Ab und zu gibt es einen Kampf um ein Liebesobjekt aber ein Kampf ist weitaus besser als Eifersucht, weitaus natürlicher als sich in Eifersucht zu verstricken und dein Herz mit eigenen Händen zu verbrennen.
 
Die Ehe ist eine vom Menschen erfundene Institution, sie ist nicht natürlich; daher hat uns die Natur nicht mit einem Verstand ausgestattet, der mit der Ehe umgehen kann. Aber der Mensch hielt es für notwendig, dass eine Art legales Abkommen zwischen Liebenden besteht, denn die Liebe selbst ist aus Träumen gemacht, sie ist nicht zuverlässig... in einem Moment ist sie da und im nächsten Moment ist sie verschwunden.
 
Du möchtest Sicherheit für den nächsten Moment, für deine gesamte Zukunft. Jetzt bist du jung, bald wirst du alt sein und du möchtest, dass deine Frau, dein Mann im Alter, wenn du krank bist, bei dir ist. Aber dafür muss man ein paar Kompromisse machen und wann immer du Kompromisse machst, gibt es Ärger.
 
Dies ist der Kompromiss, den die Menschen gemacht haben: um sich der Zukunft gewiss zu sein, um zu wissen, was morgen ist, damit die Frau, die dich liebt, dich garantiert für immer lieben wird, damit es keine kurzfristige Affaire ist... 
 
Deshalb sagen religiöse Leute, dass Ehen "im Himmel geschlossen werden" ...ein seltsamer Himmel, denn wenn diese Ehen im Himmel geschlossen werden, was macht man dann in der Hölle? Die Ehen tragen nicht die Zeichen, den Duft, die Frische, die Schönheit des Himmels. Sie sind eindeutig ekelhaft, hässlich... sie sehen eindeutig nach Hölle aus. Aber der Mensch hat sich mit der Ehe arrangiert, weil das der einzige Weg war, Privatbesitz zu haben.
 
Tiere haben keinen Privatbesitz - es sind alles Kommunisten, und weit bessere Kommunisten als die Menschheit je hervorgebracht hat. Sie haben keine Diktatur des Proletariats und sie haben ihre Freiheit nicht verloren, aber sie haben keinerlei Privatbesitz.
 
Auch der Mensch hat jahrtausendelang ohne die Ehe gelebt, aber das waren die Zeiten als es keinen Privatbesitz gab. In dieser Zeit wurde gejagt; der Mensch war ein Jäger. Und diese Menschen hatten damals keine Kühlsysteme für die Vorräte, keine Technologie - egal, was für Nahrung sie hatten, sie musste so schnell wie möglich aufgegessen werden. Sie konnten nur hoffen, dass sie morgen wieder neue Nahrung bekommen.
 
Weil sie nichts ansammeln konnten, tauchte die Frage der Ehe nicht auf. Die Menschen lebten in Kommunen, in Stämmen; sie liebten sich, sie vermehrten sich, aber am Anfang gab es kein Wort für ,Vater'. Das Wort ,Mutter' ist viel älter und viel natürlicher. Du wirst überrascht sein, zu hören, dass das Wort ,Onkel' älter ist als das Wort ,Vater' - denn jeder, der im Alter deines Vaters war... du wusstest nicht, wer dein Vater war. Männer und Frauen vermischten sich voller Freude, ohne jeden Zwang, ohne legale Bande, aus freien Stücken. Wenn sie sich treffen und zusammen sein wollten, war es keine Frage, ob einer dominierte. Die Kinder wussten nie, wer ihr Vater war, sie kannten nur ihre Mutter. Und sie kannten viele Männer des Stammes; einer von ihnen musste ihr Vater sein, deshalb waren sie alle Onkel.
 
Und als der Privatbesitz entstand, zusammen mit dem Ackerbau... Von der Jagd konnte der Mensch nicht lange überleben. Die Menschen haben ganze Tierarten komplett ausgerottet. Hunderte von Arten, die einst auf diesem Planeten sangen und tanzten... Der Mensch hat sie aufgegessen. Es musste etwas passieren, weil man sich nicht auf das Jagen verlassen konnte. Heute magst du Nahrung bekommen, morgen musst du vielleicht hungern. Und es war sehr arbeitsintensiv. Solange er auf der Suche nach Tieren war konnte der Mensch seine anderen Talente, sein Genie nicht entwickeln. Aber der Ackerbau hat das gesamte Leben des Menschen verändert.
 
Ich muss euch an die Tatsache erinnern, dass der Ackerbau die Entdeckung der Frau ist, nicht die des Mannes. Die Frau war gebunden - sie konnte nicht auf die Jagd gehen. Sie war die meiste Zeit schwanger, sie war schwach, sie trug noch eine andere Seele in sich. Sie brauchte Fürsorge, Schutz... also lebte sie im Haus. Sie fing an, den Wohnraum schöner zu gestalten - und das könnt ihr sogar heute noch sehen, nach tausenden von Jahren.
 
Wenn du das Zimmer eines Junggesellen betrittst, kannst du sofort sagen, dass es ein Junggesellenzimmer ist. Wenn du den Junggesellen selber siehst, könntest du vielleicht nicht sagen, ob er einer ist oder nicht, aber sein Zimmer ist mit Sicherheit ein Junggeselle! Die Frau fehlt, ihre Berührung fehlt. Das Haus eines Junggesellen ist nie ein Zuhause, es ist nur der Ort, wo er schläft. Es ist nicht etwas, womit er eine gewisse Intimität verbindet, eine gewisse kreative Beziehung.
 
Das Zuhause, das Dorf, die Stadt, die gesamte Zivilisation existiert wegen der Frau, weil sie nicht jagen musste und im Kopf und im Herzen andere Werte hatte - sie war ästhetischer, anmutiger, erdiger, weltlicher, ohne jedes Interesse an Himmel und Hölle und Gott und Teufel und dem ganzen Mist! Keine Frau hat je eine einzige religiöse Schrift verfasst. Keine Frau hat je als Philosoph über abstrakte, weit entfernte Dinge nachgedacht.
 
Das Bewusstsein der Frau ist nur an der näheren Umgebung interessiert - sie möchte ein schönes Haus haben, einen schönen Garten. Sie möchte ihre eigene kleine Welt kreieren - gemütlich, bequem. Sie bringt eine gewisse Qualität in ein totes Haus - es wird ein lebendiges Zuhause. Es ist eine magische Verwandlung.
 
Der Mann jagte weiterhin und die Frau fing an, sich umzusehen... der Mann hatte keine Zeit. Er war auch ohne Geschäft immer beschäftigt, aber die Frau hatte alle Zeit der Welt. Die grundlegende Arbeit des Jagens wurde von den Gruppen der Männer erledigt und die Frau begann, sich umzusehen. Sie entdeckte den Ackerbau weil sie sah, wie wilde Früchte wachsen, sie sah viele andere Dinge wachsen, und sie sah auch, dass die Frucht jedes Jahr stirbt, der Samen in die Erde zurückfällt, und wenn der Regen kommt spriesst der Samen und wird zu tausenden von Pflanzen. Sie begann, zu experimentieren, um herauszufinden, was essbar war und was nicht. Wenig später, als das Jagen immer schwieriger wurde, mussten die Männer den Frauen zustimmen: "Wir müssen unseren gesamten ökonomischen Schwerpunkt verlagern. Wir müssen uns für den Ackerbau entscheiden, für Früchte, Gemüse. Und das liegt in unserer Hand - wir können soviel produzieren, wie wir wollen, so, wie wir es brauchen und es gibt eine enorme Vielfalt." 
 
Ganz langsam begannen die Nomaden, die wandernden Stämme... denn Jäger können nicht an einem Ort bleiben. Sie müssen hinterherziehen, wenn die Tiere flüchten. Sobald man vom Jagen abkam und der Ackerbau unsere neue Lebensgrundlage wurde, geschah parallel dazu noch etwas Neues.
 
Es gab mächtige Leute und es gab Leute, die schwach waren. Es gelang den Leuten, die körperlich mächtig, kräftig waren, viel Grund und Boden als Eigentum zu beanspruchen. Sie verdienten viel... ganz langsam fing der Tauschhandel an, denn wenn dein Ernteertrag zu gross ist, was willst du damit anfangen? Du musst tauschen; dann kanst du viele andere Sachen haben. Das Leben wurde komplexer, aufregender. 
 
Aber ein Problem machte sich bemerkbar: wenn jemand stirbt, wer erbt dann seinen Besitz? Niemand wollte, dass irgendein XYZ seinen Besitz erbt. Sie wollten, dass ihr Besitz einmal ihrem eigenen Fleisch und Blut gehört. 
 
Es waren ökonomische Gründe, die die Ehe entstehen liessen, nicht das Verständnis von Liebe. Ihre blosse Entstehung war ein Fehler, stand unter den falschen Sternen. 
 
Und weil der Mann der Ehe zustimmen musste... Die Frau war sehr bereit dazu, aus dem einfachen Grund, dass sie während dem Zeitalter der Jagd jahrtausendelang finanziell nicht Teil der Gesellschaft war, der Mann war alles. Der Mann behielt seine Macht, obwohl sich die gesamte Gesellschaftsstruktur änderte. Aus dem Nomadenleben der Jäger wurde ein friedliches Dorfleben, aber die Sorge des Mannes um seinen Besitz... Er wollte einen Vertrag mit der Frau haben um sicher zu gehen, dass der Sohn, den sie gebar, nicht von einem anderen war, sondern von ihm. Zu diesem einfachen Zweck musste die gesamte Freiheit der Frau zerstört werden. Sie musste beinahe wie eine Gefangene leben oder noch schlimmer. 
 
Der Mann stimmte zu - unter Zwang, er machte einen Kompromiss. Wenn die Frau ein paar Dinge verlieren sollte - ihre Bewegungsfreiheit, die Freiheit, ihre Geliebten zu wechseln - dann war der Mann auch bereit, seine Freiheit zu opfern. Ihre gegenseitige Hingabe sollte für immer währen. 
 
Aber das ist gegen die Natur. Selbst wenn du es willst, die Natur wird dich nicht unterstützen. Die Natur ist für die Freiheit und nicht für irgendeine Form der Begrenzung. 
 
So tauchten neue Probleme auf. Die Männer fanden Prostituierte, die mit niemandem verheiratet waren oder, wie man es in Indien ausdrückte, die Prostituierte war die Ehefrau der ganzen Stadt: Nagarvadhu. Sie gehört jedem, sie ist ein Gebrauchsartikel, du musst bezahlen und ihren Körper und ihre Zeit kaufen. Wegen der Ehe war es sehr schwierig, verheiratete Frauen zu finden, denn da wurde es noch komplizierter: sie hatten ihre Ehemänner... Prostituierte waren da gut. 
 
Und ihr werdet überrascht sein, zu hören, dass in Indien jede Stadt ihre Top-Prostituierte hatte - sie war das schönste Mädchen aus dieser Stadt. Weil sie so schön war, war es nicht in Ordnung, dass sie einen Mann heiratete, sie musste geteilt werden. Sie war so schön - wenn sie geheiratet hätte, hätte es Ärger und Probleme gegeben - die Leute verliebten sich ständig in sie. Es war besser, sie frei zu halten für jeden, der zahlte. 
 
Die Ehe schaffte das Misstrauen. Der Mann war immer misstrauisch ob des Kind, das sie bekamen auch von ihm war. Und das Problem war, dass der Vater keine Möglichkeit hatte, zu bestimmen, ob es seins war. Nur die Mutter wusste es. Weil der Vater keine Möglichkeit hatte, sicher zu sein, baute er immer mehr Mauern um die Frau herum auf - das war die einzige Möglichkeit, die einzige Alternative - um sie vom Rest der Menschheit abzuschneiden. Ihr keine Bildung zu geben, denn Bildung verleiht den Menschen Flügel, Gedanken, versetzt sie in die Lage, zu revoltieren; also keine Bildung für Frauen. Keine religiöse Erziehung für Frauen, denn Religion bringt Heilige hervor und die Gesellschaft wird seit Jahrhunderten von Männern dominiert - der Mann kann sich nicht vorstellen, dass eine Frau höher und heiliger sein kann als er selber. 
 
Der Mann hat jede Wachstumsmöglichkeit der Frau schon an den Wurzeln beschnitten. Sie ist nur eine Gebärfabrik um Kinder zu produzieren. Von keiner Kultur der Welt ist sie als dem Manne gleich akzeptiert worden. Es gibt sogar Kulturen wie die chinesische, die den Frauen die Seele absprechen; die Frau ist nur eine Maschine, ohne Seele. 
 
In China konntest du deine Frau umbringen, es gab kein Gesetz dagegen. Die Frau war dein Besitz und wenn du den zerstören wolltest, war niemand dafür zuständig, das zu verhindern. 
 
Auf der ganzen Welt wurde die Frau unterdrückt. Und je mehr sie unterdrückt wurde, umso mehr wurde ihre ganze Energie sauer. Weil sie keine Freiheit besitzt, der Mann aber jede Freiheit hat, verwandeln sich all ihre unterdrückten Emotionen, Gefühle, Gedanken - ihre gesamte Individualität - in das Phänomen der Eifersucht. Sie hat ständig Angst, dass ihr Mann sie verlassen könnte, zu einer anderen Frau gehen könnte, sich für eine andere Frau interessieren könnte. Er könnte sie verlassen und das ist für sie problematisch: sie hat keine Ausbildung, sie ist finanziell nicht in der Lage, auf ihren eigenen Füssen zu stehen. So wie sie aufgewachsen ist, kann sie nicht in die Welt gehen; ihr wurde von Anfang an erzählt, dass sie schwach sei... 
 
Die indischen Schriften besagen, dass das Mädchen in der Kindheit vom Vater beschützt werden sollte, in der Jugend vom Ehemann und im Alter von ihrem Sohn. Von der frühesten Kindheit bis ins Grab muss sie beschützt werden. Sie kann nicht gegen die männlich-chauvinistische Gesellschaft revoltieren. Das einzige, was sie tun kann ist, ständig Fehler zu finden, die natürlich da sind. Meistens hat sie nicht unrecht, meistens hat sie recht. 
 
Wann immer sich ein Mann in eine andere Frau verliebt, verändert sich etwas in ihm der ersten Frau gegenüber. Jetzt sind sie wieder Fremde, es gibt keine Brücke. Sie wurde verkrüppelt, versklavt und jetzt ist sie verlassen worden. Ihr ganzes Leben ist eine Qual. 
 
Aus dieser Qual heraus entsteht Eifersucht. Eifersucht ist der Ärger der Schwachen - jemand, der nichts tun kann, aber innerlich kocht, der die ganze Welt verbrennen möchte, aber nicht weiter tun kann als zu heulen und zu schreien und Wutanfälle zu bekommen. 
 
Diese Situation wird bestehen bleiben bis die Ehe ein Museumsstück geworden ist. 
 
Heute ist die Ehe nicht mehr notwendig. Vielleicht war sie nützlich. Vielleicht war sie nicht nützlich, sondern nur ein Vorwand um die Frau zu versklaven. Man hätte die Dinge anders regeln können, aber jetzt bringt es nichts mehr, in die Vergangenheit zurückzugehen. 
 
Ob richtig oder falsch, eines ist gut an der Vergangenheit: sie ist vorbei. 
 
Und soweit es die Gegenwart und die Zukunft betrifft, ist die Ehe absolut irrelevant, sie passt nicht mit der menschlichen Entwicklung zusammen und widerspricht allen Werten die uns lieb sind - Freiheit, Liebe, Freude. 
 
Weil der Mann wollte, dass die Frau vollkommen gefangen ist, verfasste er religiöse Schriften, die ihr vor der Hölle Angst machen, die eine Gier nach dem Himmel erwecken... sofern sie sich an die Regeln hält. Diese Regeln existieren nur für Frauen, nicht für die Männer. Jetzt ist ganz klar, dass es gegen ihre psychische Gesundheit geht, die Frauen noch länger in dieser giftigen Situation der Eifersucht leben zu lassen. 
 
Und die psychische Gesundheit der Frauen beeinflusst die psychische Gesundheit der ganzen Menschheit - auch der Mann wird von der Frau geboren. Die Frau muss zu einem unabhängigen Individuum werden. 
 
Die Auflösung der Ehe wird auf der Welt ein grosses, festliches Ereignis sein - und niemand hält dich davon ab: wenn du deine Frau oder deinen Mann liebst, könnt ihr viele Leben lang zusammenleben, niemand hält euch davon ab. Die Abkehr von der Ehe gibt dir einfach deine Individualität wieder. Niemand besitzt dich.
 
Du musst nicht mit einem Mann schlafen, nur weil er dein Ehemann ist und das Recht hat, das zu verlangen. Meine Sichtweise ist: wenn eine Frau mit einem Mann schläft, weil sie mit ihm schlafen muss, ist das Prostitution - nicht nur vereinzelt, sondern massenhaft! 
 
Vereinzelt ist es besser, da hast du die Möglichkeit, etwas zu ändern. Diese massenhafte Prostitution ist gefährlich, du hast keine Möglichkeit, etwas zu ändern. Und du hattest zum ersten mal geheiratet - du solltest noch eine Chance bekommen, weil du ein Amateur bist. Ein paar Ehen werden dir zumindest helfen, reifer zu werden; vielleicht findest du dann die richtige Frau. Und unter der richtigen Frau verstehe ich nicht die Frau, die "für dich gemacht ist." 
 
Keine Frau ist für dich gemacht und kein Mann ist für irgendeine Frau gemacht. Unter der richtigen Frau oder dem richtigen Mann verstehe ich: wenn du ein paar Beziehungen verstanden hast, wenn du in ein paar Beziehungen warst, dann wirst du verstehen, was zwischen euch unglückliche, quälende Situationen hervorruft und welche Situationen ein liebevolles, friedliches, glückliches Leben schaffen. Mit verschiedenen Menschen zu leben ist ein absolut notwendiger Erziehungsschritt auf ein richtiges Leben hin, soweit es die Liebe betrifft. 
 
Du solltest zuerst in ein paar Beziehungen den Abschluss machen, die Reifeprüfung. In der Hochschule, in der Universität, solltest du durch ein paar Beziehungen gehen. Und du solltest mit der Entscheidung keine Eile haben - das ist nicht nötig, die Welt ist gross und jedes Individuum hat seine eigene einzigartige Qualität und Schönheit. 
 
Und wenn du so durch ein paar Beziehungen gehst, wird dir allmählich klar, welche Art von Mann für dich ein Freund sein kann - weder Herr noch Sklave. Und die Freundschaft bedarf keiner Ehe, denn Freundschaft ist etwas viel höheres. 
 
Du fühlst dich eifersüchtig, weil du diese Eifersucht als Erbe mitbekommen hast. Bei mir wirst du viele Dinge ändern müssen - nicht, weil ich es sage, sondern weil du verstehst, dass eine drastische Veränderung notwendig ist. 
 
Zum Beispiel hat sich überall auf der Welt die Vorstellung verbreitet, dass es die Ehe kaputt macht, wenn der Mann hin und wieder zu einer anderen Frau geht. Das ist völlig verkehrt. Im Gegenteil, wenn jede Ehe am Wochenende frei hat, wird das eure Beziehungen noch mehr festigen - denn deine Ehe behindert deine Freiheit nicht, denn deine Frau versteht das Bedürfnis nach Vielfalt. Das sind menschliche Bedürfnisse. 
 
Die Priester und die Moralisten und die Puritaner entscheiden sich zuerst für ein Ideal. Sie kreieren wunderschöne Ideale und dann zwingen sie euch die Vorstellung auf, dass ihr den Idealen entsprechen sollt. Sie wollen euch alle zu Idealisten machen. Wir leben seit zehntausend Jahre unter dem dunklen und trostlosen Schatten des Idealismus. 
 
Ich bin ein Realist. Ich habe keine Ideale. Die Realität zu verstehen und mit der Realität zu gehen ist für mich der einzige richtige Weg für intelligente Männer oder Frauen. 
 
Mein Verständnis ist - und es basiert auf tausenden von Experimenten - wenn die Ehe keine so enge, rigide Angelegenheit ist, sondern flexibel, einfach eine Freundschaft... so dass eine Frau dir sagen kann, dass sie einen schönen jungen Mann getroffen hat und das Wochenende mit ihm verbringen wird - "Und wenn du Interesse hast, kann ich ihn mit hier her bringen, du wirst diesen Menschen auch lieben." Und wenn der Ehemann sagen kann, nicht geheuchelt, sondern als ein authentisches menschliches Wesen, "Deine Freude und dein Glück sind auch meine Freude. Wenn du jemanden gefunden hast, vergiss das Haus, ich kümmere mich darum. Geniesse es, denn ich weiss, wann immer du zurückkommst, hat diese frische Liebe dich selber erfrischt. Eine neue Liebe wird dir neue Jugend geben. Geh du diese Woche und nächste Woche werde ich mein eigenes Programm haben."
 
Das ist Freundschaft. Und wenn sie nach Hause kommen, können sie darüber reden, was für einen Mann sie getroffen hat, wie er wirklich war, dass es gar nicht so grossartig war... Du kannst ihr von der neuen Frau erzählen, die du getroffen hast... Zuhause hast du einen Schutz. Ab und zu kannst du in den Himmel wandern, frei und wild, und dann zurückkommen und dort wartet deine Frau immer auf dich - nicht, um zu kämpfen, sondern um an deinen Abenteuern teilzunehmen. 
 
Dafür braucht man einfach nur ein wenig Verständnis. Es hat nichts mit Religion zu tun, es ist einfach eine etwas intelligentere Verhaltensweise. 
 
Du weisst genau, egal, wie schön der Mann oder die Frau auch sein mag, früher oder später beginnt sie, dir mächtig auf die Nerven zu fallen. Denn dieselbe Geographie, dieselbe Topographie, dieselbe Landschaft... 
 
Der Geist des Menschen ist weder für die Monotonie noch für die Monogamie geschaffen. Es ist absolut natürlich, nach Abwechselung und Vielfalt zu verlangen. Und es ist nicht gegen deine Liebe. Im Grunde genommen wirst du, je mehr andere Frauen du kennst, deine eigene Frau noch mehr loben - du wirst ein tieferes Verständnis haben. Deine Erfahrung wird dich bereichern... je besser du ein paar Männer kennengelernt hast, umso genauer wirst du deinen eigenen Mann verstehen können. 
 
Die Vorstellung von Eifersucht wird verschwinden - ihr seid beide frei und ihr versteckt nichts. 
 
Mit Freunden sollten wir alles teilen, besonders die schönen Momente - Momente voller Liebe, Momente voller Poesie, Momente voller Musik... die sollte man teilen. Auf diese Art wird euer Leben immer reicher werden. Vielleicht stimmt ihr euch so sehr aufeinander ein, dass ihr euer ganzes Leben zusammen verbringt, aber es gibt keine Ehe. 
 
Die Eifersucht wird solange bestehen bleiben, wie die Ehe die wichtigste Grundlage der Gesellschaft ist. 
 
Gib einfach dem Mann aus ganzem Herzen absolute Freiheit. Und sag ihm, dass er nichts verstecken muss: "Es ist beleidigend, wenn du etwas versteckst. Es bedeutet, dass du mir nicht vertraust." Und dasselbe muss mit dem Mann geschehen, dass er seiner Frau sagen kann: "Du bist genauso unabhängig wie ich es bin. Wir sind zusammen um glücklich zu sein, wir sind zusammen, um in noch grössere Glückseligkeit hineinzuwachsen. Und wir werden alles füreinander tun, aber wir werden nicht unsere gegenseitigen Gefangenenwärter sein." 
 
Freiheit zu schenken ist eine Freude, Freiheit zu haben ist eine Freude. Du kannst so viel Freude haben, aber du verwandelst diese ganze Energie in Elend, in Eifersucht, ins Kämpfen, in den ständigen Versuch, den anderen unter dem Pantoffel zu halten. 
 
Ich habe von einem Mann gehört, der wegen dem Verhalten seiner Frau in äusserster Wut und Verzweiflung war. Es war nicht ihre Schuld... sie war Nymphomanin. Was kann man da tun? Der eine hat Kopfschmerzen, der andere ist Nymphomane. Sie verliebte sich ständig in jeden! Er brachte sie zum Arzt. 
 
Sie war eine schöne Frau. Der Arzt bat sie in den Untersuchungsraum. Er ging mit ihr und bald, nach ein paar Minuten, hörte man ein Seufzen und Stöhnen... und der Mann sass im Büro und hörte zu - das war zu viel! Er ging in den Raum und konnte nicht glauben, was er sah - der Arzt schlief mit seiner Frau. Der Mann sagte, "Was ist hier los?" 
 
Die Frau sagte, "Du Idiot, du wirst es nie verstehen. Jetzt fragst du, was los ist! Kannst du das nicht sehen?" 
 
Aber der Mann war rasend. Er sagte, "Ich frage nicht meine Frau, ich frage sie, Doktor! Was ist hier los?" 
 
Der Arzt sagte, "Nichts ist los, Peter, du machst den Aufstand. Ich messe einfach ihre Temperatur." 
 
Peter war in Rage. Er hatte so viel gelitten und nun auch noch der Arzt... und was für einen Unsinn redet er, dass er ihre Temperatur misst? Also nahm er sein Klappmesser heraus und fing an, dem Arzt damit auf der Schulter zu reiben. Der Arzt sagte, "Was willst du damit sagen? Was machst du da?" 
 
Er sagte, "Nichts. Aber pass auf. Wenn das Ding da rauskommt, vergiss nicht - es sollte besser Zahlen drauf haben!" 
 
Wir haben diesen Zirkus geschaffen, anstelle von Kultur. Auf verschiedene Arten geht es so immer weiter. Ich hoffe, dass du in deinem Leben aufhören kannst, Teil dieses dummen Spiels zu sein. 
 
Und es ist einfach: wenn du dich selber verstehst, bist du in der Lage, auch deine Frau zu verstehen. Kommen in deinen Träumen keine anderen Frauen vor? Im Grunde genommen ist es ein seltenes Phänomen, wenn jemand im Traum seine eigene Frau sieht. Die Leute sehen in ihren Träumen nie ihre Ehefrauen oder Ehemänner. Die haben sie schon genug gesehen! Jetzt auch noch in der Nacht, sogar im Traum keine Freiheit... 
 
Du siehst die Frauen deiner Nachbarn, die Männer deiner Nachbarn in deinen Träumen... du solltest verstehen, dass wir irgendwie eine verkehrte Gesellschaft geschaffen haben, eine Gesellschaft, die nicht der Natur des Menschen entspricht. Das Bedürfnis nach Abwechselung und Vielfalt ist in jedem intelligenten Menschen eine grundlegende Qualität. Je intelligenter du bist, umso mehr Vielfalt möchtest du - es besteht eine Beziehung zwischen Intelligenz und Vielfalt. Ein Büffel ist zufrieden mit einer Sorte Gras; im ganzen Leben wird er kein anderes Gras berühren. Er hat nicht den Verstand, sich zu ändern, Neues kennenzulernen, neue Gegenden zu entdecken, neue Abenteuer anderswo zu suchen. 
 
Dichter, Maler, Tänzer, Musiker, Schauspieler - du wirst feststellen, dass diese Leute liebevoller sind, aber ihre Liebe ist nicht auf Individuen beschränkt. Sie sind liebevoller, aber liebevoll zu allen Individuen, mit denen sie in Kontakt kommen. Es sind intelligente Menschen, sie sind der kreative Teil der Menschheit.
 
Idioten wollen nichts ändern. Sie haben Angst vor Veränderung, denn jede Veränderung bedeutet, dass du wieder etwas lernen musst. Der Idiot möchte etwas einmal lernen und dann sein ganzes Leben dabei bleiben. Das kann eine Maschine sein, es kann eine Ehefrau sein, es kann ein Ehemann sein - das ist egal. Du hast eine Frau kennengelernt, du kennst ihr Gemecker, du hast dich dran gewöhnt... manchmal nicht nur daran gewöhnt, du bist sogar süchtig danach. Wenn deine Frau auf einmal nicht mit dir meckert, wirst du die ganze Nacht nicht schlafen können - was ist passiert? Was ist falsch gelaufen? 
 
Einer meiner Freunde beklagte sich ständig über seine Frau: "Sie ist immer traurig, macht ein langes Gesicht, und ich habe solche Sorgen, wenn ich das Haus betrete... Ich versuche, meine Zeit in diesem oder jenem Club zu verbringen, aber schliesslich muss ich doch nach Hause zurück und da ist sie dann." 
 
Ich sagte zu ihm, "Mach folgendes - nur mal als Experiment. Sie war immer ernst, sie hat immer gemeckert; ich kann mir nicht vorstellen, dass du das Haus mit einem Lächeln betrittst. 
 
Er sagte, "Glaubst du, dass ich das schaffen kann? Sobald ich sie sehe, gefriert etwas in mir - lächeln?" 
 
Ich sagte, "Nur als Experiment. Mach heute folgendes: kauf schöne Rosen - es ist die Jahreszeit dafür; und die beste Eiscreme, die du auftreiben kannst - Tutti Frutti; und geh lächelnd nach Hause, sing ein Lied!" 
 
Er sagte, "Wenn du das sagst, werde ich es tun, aber ich glaube nicht, dass das irgend einen Unterschied macht." 
 
Ich sagte, "Ich werde hinter dir her kommen und sehen, ob es einen Unterschied macht oder nicht." 
 
Der arme Kerl tat sein Bestes. Unterwegs lachte er immer wieder. Ich sagte, "Warum lachst du?" 
 
Er sagte, "Ich lache über das, was ich da tue! Ich wollte, dass du mir rätst, mich von ihr scheiden zu lassen und du schlägst vor, dass ich mich benehme, als ob ich in die Flitterwochen gehe!" 
 
Ich sagte, "Stell dir einfach vor, dass es die Flitterwochen sind... aber streng dich an!" 
 
Er öffnete die Tür und da stand seine Frau. Er lächelte und dann lachte er über sich selber, denn zu lächeln... Und diese Frau stand da, beinahe wie ein Stein. Er schenkte ihr die Blumen und die Eiscreme und dann kam ich herein. 
 
Die Frau konnte nicht glauben, was da geschah. Als der Mann auf die Toilette gegangen war fragte sie mich, "Was ist los? Er hat noch nie etwas mitgebracht, er hat noch nie gelächelt, er ist noch nie mit mir ausgegangen, er hat mir noch nie das Gefühl gegeben, geliebt und respektiert zu werden. Was für ein Wunder ist geschehen?" 
 
Ich sagte, "Nichts; ihr habt nur beide etwas falsch gemacht. Also, wenn er jetzt gleich aus der Toilette kommt, dann geh und umarme ihn." Sie sagte, "Umarmen?" 
 
Ich sagte, "Umarme ihn! Du hast ihm schon so viel gegeben, gib ihm jetzt eine gute Umarmung, gib ihm einen Kuss..." Sie sagte, "Mein Gott..." 
 
Ich sagte, "Er ist dein Mann, ihr habt beschlossen, zusammen zu leben. Entweder ihr lebt voller Freude zusammen oder ihr sagt euch voller Freude Adieu. Es gibt keinen Grund... es ist so ein kurzes Leben. Warum das Leben zweier Menschen unnötigerweise verschwenden?" 
 
Genau in dem Moment kam der Mann aus der Toilette. Die Frau zögerte ein wenig aber ich schob sie, also umarmte sie den Mann und der bekam eine solche Angst, dass er umfiel! Er hatte nie gedacht, dass sie ihn umarmen würde. Ich musste ihm aufhelfen. Ich sagte, "Was ist passiert?" 
 
Er sagte, "Es ist nur, dass ich mir nie vorstellen konnte, dass diese Frau einen umarmen und küssen kann - aber sie kann! Und als sie gelächelt hat, sah sie so wunderschön aus." 
 
Wenn zwei Menschen in Liebe zusammenleben, sollten sie Wert darauf legen, dass ihre Beziehung ständig weiterwächst, jedes Jahr mehr Früchte trägt, mehr Freude hervorbringt. Einfach still beieinandersitzen ist genug... 
 
Aber all das ist nur möglich, wenn wir die alte Vorstellung von der Ehe fallen lassen. Mehr als Freundschaft ist unnatürlich. Und wenn die Ehe vom Gericht abgestempelt wird, vor Gericht unter diesem Stempel umgebracht wird... Du kannst die Liebe nicht unter den Arm des Gesetzes bringen. 
 
Liebe ist das höchste Gesetz. Du musst nur ihre Schönheiten, ihre Gesetze entdecken. Du sollst nicht wie ein Papagei all die grossen Werte wiederholen, die den Menschen zum höchsten Ausdruck des Bewusstseins auf diesem Planeten machen. Du solltest sie in deiner Beziehung erproben, üben.
 
Und dies ist meine merkwürdige Erfahrung: wenn einer der Partner anfängt, sich auf den richtigen Pfaden zu bewegen, dann folgt früher oder später auch der andere. Denn beide haben Hunger nach Liebe, aber sie wissen nicht, wie sie dem näher kommen können. 
 
Keine Universität lehrt, dass Liebe eine Kunst ist und dass das Leben dir nicht einfach schon gegeben ist; du musst es von der Pike auf lernen. 
 
Und es ist gut, dass wir jeden Schatz, der im Leben verborgen ist, mit eigenen Händen entdecken müssen... und die Liebe ist einer der grössten Schätze, die es im Leben gibt. 
 
Aber anstatt Reisegefährten zu werden, auf der Suche nach Liebe, Schönheit und Wahrheit, vergeuden die Menschen ihre Zeit mit Kämpfen, mit Eifersucht. 
 
Werde einfach ein bisschen wach und fang mit der Veränderung bei dir selber an - erwarte sie nicht vom anderen. Beim anderen wird sie auch beginnen. Und ein Lächeln kostet nichts, es kostet nichts, zu lieben, es kostet nichts, deine Freude mit jemanden, den du liebst, zu teilen. 
 
Osho,
Und was ist Liebe?
 
Liebe ist die einzige Religion, der einzige Gott, das einzige Geheimnis, das man leben und verstehen muss. 
 
Wenn du die Liebe verstehst, dann hast du alle Mystiker der Welt verstanden. 
 
Es ist nichts Schwieriges. Es ist so einfach wie dein Herzschlag oder wie das Atmen. Du bringst es mit, es ist nichts, was die Gesellschaft dir gibt. Und das ist es, was ich betonen möchte: du bringst die Liebe bei der Geburt mit - aber natürlich genauso wenig entwickelt wie alles andere auch. Das Kind muss wachsen. 
 
Die Gesellschaft nutzt diese Lücke aus. Die Liebe des Kindes braucht Zeit, um zu wachsen; in der Zwischenzeit konditioniert die Gesellschaft den Geist des Kindes immer weiter mit Vorstellungen von Liebe, die nicht wahr sind. Wenn dann die Zeit für dich gekommen ist, die Liebe zu erforschen, bist du so voller unsinniger Ideen über die Liebe, dass nicht viel Hoffnung besteht, dass du in der Lage bist, das Authentische zu finden und das Falsche zu entlarven. 
 
Zum Beispiel wird jedem Kind überall auf tausenderlei Weise erzählt, Liebe sei ewig: sobald du jemanden liebst, liebst du ihn für immer. Wenn du jemanden liebst und später das Gefühl bekommst, dass du ihn nicht liebst, dann heisst das nur, dass du diesen Menschen von Anfang an nicht geliebt hast. Nun, das ist eine sehr gefährliche Idee. Sie gibt dir die Vorstellung von einer immerwährenden Liebe und im Leben ist nichts für immer... die Blumen blühen am Morgen und abends sind sie nicht mehr da. 
 
Das Leben ist ein ständiges Fliessen; alles verändert und bewegt sich. Nichts ist statisch, nichts ist für immer. Man hat dir die Vorstellung einer immerwährenden Liebe gegeben, die dein ganzes Leben zerstören wird. Du wirst von der armen Frau ewige Liebe erwarten und die Frau wird ewige Liebe von dir erwarten. Die Liebe wird zweitrangig, die Dauer wird zur Hauptsache. 
 
Und Liebe ist eine so zarte Blüte, du kannst sie nicht zwingen, dauerhaft zu sein. Du kannst Plastikblumen haben; das ist das, was die Leute haben - die Ehe, ihre Familie, ihre Kinder, ihre Verwandten, alles aus Plastik. 
 
Plastik hat eines an sich, was sehr spirituell ist: es ist immerwährend. 
 
Wahre Liebe ist genauso unsicher wie dein Leben . 
 
Du kannst nicht sagen, dass du morgen noch hier sein wirst. Du kannst nicht mal sagen, dass du den nächsten Moment überleben wirst. Dein Leben verändert sich ständig - von der Kindheit zur Jugend, zum Erwachsenenalter, zum Alter, zum Tod, es verändert sich immer weiter. Eine wirkliche Liebe wird sich auch verändern. 
 
Wenn du erleuchtet bist ist es möglich, dass deine Liebe jenseits der gewöhnlichen Gesetze des Lebens angelangt ist. Sie verändert sich nicht, noch ist sie permanent, sie ist einfach da. Es geht nicht mehr darum, wie man liebt - du bist die Liebe selbst geworden, also ist alles, was du tust, liebevoll. Nicht, dass du etwas besonderes tust, was Liebe ist - deine Liebe fängt an, durchzuscheinen und überzufliessen, egal, was du tust. 
 
Aber vor der Erleuchtung wird deine Liebe genauso sein, wie alles andere auch: sie verändert sich. 
 
Wenn du begreifst, dass sie sich verändern wird, dass deine Frau sich ab und zu für jemand anderen interessieren wird und dass du verständnisvoll, liebevoll und unterstützend sein musst und ihr erlauben musst, dem Weg ihres inneren Wesens zu folgen... für dich ist das eine Chance, deiner Frau zu beweisen, dass du sie liebst. Du liebst sie - selbst wenn sie jemand anderen liebt, das ist irrelevant. Wenn ihr das versteht ist es möglich, dass eure Liebe ein Leben lang anhält, aber vergiss nicht, sie wird nicht permanent sein. Sie wird ihre Höhen und Tiefen haben, es wird Veränderungen geben. 
 
Es ist so einfach zu verstehen. Als du anfingst, zu lieben, warst du jung, ohne Erfahrung; wie kann deine Liebe noch die selbe sein, wenn du ein reifer Mensch geworden bist? Auch deine Liebe wird eine gewisse Reife erlangen. 
 
Und wenn du alt bist wird deine Liebe einen anderen Geschmack haben. Die Liebe wird sich immer weiter verändern und ab und zu wird sie einfach eine Gelegenheit zur Veränderung brauchen. In einer gesunden Gesellschaft wird das möglich sein und dennoch wird es deine Beziehung mit jemandem nicht zerstören. 
 
Aber es kann sein, dass du viele male im Leben den Geliebten wechseln musst. Das ist nicht schlimm. Im Grunde wird es dich bereichern, wenn du im Leben häufig den Geliebten wechselst, und wenn die ganze Welt dem folgt, was ich euch über die Liebe sage, dann bereichert es die ganze Welt.
 
Aber eine falsche Vorstellung hat alle Möglichkeiten zerstört. Sobald dein Partner jemand anderen anschaut - einfach nur schaut und du in seinen Augen eine Anziehung entdeckst - schon freakst du aus. Du musst begreifen: wenn der Mann aufhört, sich auf der Strasse für schöne Frauen zu interessieren, für schöne Schauspielerinnen im Kino... Das ist es, was du willst; du möchtest, dass er sich für nichts und niemand ausser dir interessiert. Aber du verstehst die Psychologie des Menschen nicht. Wenn er sich nicht für die Frauen auf der Strasse oder im Kino interessiert, warum sollte er sich dann für dich interessieren? Sein Interesse an Frauen ist die Garantie dafür, dass er sich für dich interessiert, dass noch die Möglichkeit besteht, dass eure Liebe immer weiter geht.
 
Aber wir tun genau das Gegenteil. Die Männer bemühen sich, damit ihre Frauen sich für keinen ausser ihnen interessieren; sie wollen ihr Mittelpunkt sein, das einzige, worauf sie sich konzentrieren. Die Frauen verlangen dasselbe, und beide machen sich gegenseitig verrückt. Sich auf eine Person zu konzentrieren macht einen zwangsläufig verrückt.
 
Wenn dein Leben leichter und spielerischer sein soll, musst du flexibel sein. Du darfst nicht vergessen, dass Freiheit der höchste Wert ist und wenn die Liebe dir keine Freiheit gibt, dann ist es keine Liebe. Freiheit ist der Masstab.
 
Was immer dir Freiheit gibt ist richtig und was immer deine Freiheit zerstört ist falsch. 
 
Wenn du dieses kleine Kriterium nicht vergisst, dann wird dein Leben im Ganzen langsam aber sicher den richtigen Weg einschlagen - deine Beziehungen, deine Meditation, deine Kreativität, alles, was du bist. 
 
Lass die alten, die hässlichen Konzepte fallen... Zum Beispiel sind in diesem Land Millionen gestorben, indem sie bei der Feuerbestattung ihrer Ehemänner lebendig mit ins Feuer gesprungen sind. Das zeigt, dass der Besitzanspruch des Mannes so gross ist, dass er die Frau nicht nur im Leben besitzen will, sondern sogar Angst hat, was nach seinem Tod mit ihr passiert! Er wird nichts mehr tun können - es ist besser, die Frau mit sich zu nehmen. 
 
Und du kannst sehen, dass das nur auf die Frauen zutrifft - in zehntausend Jahren ist kein einziger Mann zu seiner Frau ins Feuer gesprungen. Was bedeutet das? Heisst das, dass nur die Frauen die Männer lieben und die Männer die Frauen nicht lieben? Heisst es, das die Frau kein eigenes Leben hat? Einzig das Leben des Mannes ist ihr Leben - wenn der Mann stirbt, muss sie auch sterben. 
 
Solche unsinnigen Vorstellungen haben sich in unseren Köpfen breit gemacht. Ihr müsst sie immer wieder reinigen - sobald du irgendwelchen Unsinn in deinem Kopf entdeckst, mach ihn sauber, wirf den Unsinn weg. 
 
Wenn du im Verstand klar und rein bist, wirst du für alle Probleme, die dir begegnen, Lösungen finden.
Osho,
Sermons in Stones,Chapter 13