Quantcast

Osho Die einzige Meditation, die es gibt: Beobachten

Die einzige Meditation, die es gibt: Beobachten

 
 
Osho,
Nicht "das Denken stillhalten", sondern ohne Denken sein.
Auch wenn du vielleicht nicht sicher weißt, ob die verschiedenen ortsansässigen Lehrer falsch oder richtig sind, wenn deine eigene Basis fest und echt ist, werden die Gifte falscher Lehren dir nicht schaden können, das "halte dein Denken still" und das "vergiss deine Sorgen" eingeschlossen. Wenn du immer "beunruhigende Sorgen vergißt" und "das Denken still hältst", ohne das Denken an Geburt und Tod zu zerschlagen, dann werden die trügerischen Einflüsse von Form, Empfindung, Wahrnehmung, Wollen und Denken sich ihren Weg bahnen, und du wirst unweigerlich Leere in zwei teilen
Lass los und mach dich ganz ganz weit. Wenn alte Gewohnheiten plötzlich auftauchen, setze nicht dein Denken ein, um sie zu unterdrücken. In eben diesem Moment ist es wie eine Schneeflocke auf einem rotglühenden Ofen. Für diejenigen mit scharfem Auge und geübter Hand, ein Sprung, und sie springen ins Freie
Erst dann lernen sie den Spruch von Jung kennen: Wenn man richtig denkt, entsteht keine mentale Aktivität. Herumgerede verschmutzt mit Namen und Formen, offene Rede ohne Komplikationen. Ohne Denken, aber doch funktionierend, immer in Funktion, aber nicht existierend -- das ohne Denken sein, von dem ich jetzt spreche, geht einher mit Denkfähigkeit. Diese Worte sind nicht dazu da, Menschen hinters Licht zu führen.
 
Schon seit langem existiert ein Missverständnis bezüglich dieser beiden Dinge: Das Denken still halten und ohne Denken sein. Es hat schon viele Leute gegeben, die gedacht haben, das wäre das gleiche. Es scheint gleich zu sein, aber in Wirklichkeit ist es so weit auseinander, wie zwei Dinge nur sein können, und der Gegensatz ist unüberbrückbar.
 
Lass uns also zuerst die genaue Bedeutung dieser beiden Worte herausfinden, denn das ganze Sutra von Ta Hui beschäftigt sich mit dem Verstehen dieses Unterschieds. 
 
Der Unterschied ist sehr subtil. Ein Mensch, der sein Denken stillhält, und ein Mensch, der kein Denken hat, wird von außen genau gleich erscheinen, denn der Mensch, der sein Denken stillhält, ist auch still. Unterhalb seines Schweigens rumort es gewaltig, aber er lässt es nicht an die Oberfläche kommen. Er hat sich ganz unter Kontrolle.
 
Der Mensch mit Nicht-Denken oder ohne Denken hat nichts zu kontrollieren. Er ist einfach reine Stille, ohne dass etwas unterdrückt wird, ohne irgendeine Disziplinierung -- nur ein rein leerer Himmel. 
 
Die Oberfläche kann sehr trügerisch sein. Bei der äußeren Erscheinung muss man sehr wachsam sein, denn beides schaut von außen gleich aus - beide sind still. Das Problem wäre gar nicht entstanden, wenn nicht das stille Denken so leicht zu erreichen wäre. Das lässt sich leicht machen. Ohne Denken zu sein ist nicht so leicht machbar; das ist nicht billig, es ist der größte Schatz in der Welt. 
 
Das Denken kann so tun, als ob es still wäre; es kann so tun, als ob es ohne jeglichen Gedanken, ohne irgendeine Emotion wäre, aber sie sind alle nur unterdrückt, ansonsten quietschlebendig und bereit, jederzeit wieder auszubrechen. Die so genannten Religionen und ihre Heiligen sind dieser Täuschung verfallen, das Denken zu beruhigen. Wenn du ständig still dasitzt und versuchst, deine Gedanken zu kontrollieren, keine deiner Emotionen zuzulassen, keinerlei Bewegung in dir zu gestatten, wird dir das ganz allmählich zur Gewohnheit werden. Das ist die größte Täuschung in der Welt, die du dir selbst suggerieren kannst, denn alles ist genau das gleiche, nichts hat sich geändert, aber es sieht so aus, als wenn du durch eine Transformation hindurchgegangen wärst.
 
Der Zustand des Nichtdenkens oder des ohne Gedanken Seins ist genau entgegengesetzt zur Befriedung des Denkens - es bedeutet, über das Denken hinaus zu kommen. Es bedeutet, so eine Distanz zwischen dir selbst und dem Denken zu schaffen, dass das Denken zum fernsten Stern wird, Millionen Lichtjahre entfernt, und du bist nur ein Zuschauer. Wenn dem Denken der Mund verboten wird, bist du der Kontrolleur. Wenn das Denken nicht ist, bist du der Zuschauer. Das sind die Unterscheidungsmerkmale. 
 
Wenn du etwas kontrollierst, stehst du unter Spannung; du kannst nicht ohne Spannung sein, denn das, was kontrolliert wird, versucht ständig gegen dich zu revoltieren, das was versklavt ist, möchte Freiheit. Dein Denken wird früher oder später explosiv Rache nehmen.
 
Eine Geschichte, die habe ich geliebt...
 
In einem Dorf lebte ein Mann, ein sehr wütender und aggressiver Typ, so gewalttätig, dass er seine Frau wegen irgendeiner Trivialität getötet hatte. Das ganze Dorf hatte Angst vor diesem Mann, denn er kannte kein Argument ausser Gewalt.
 
An dem Tag, an dem er seine Frau ermordet hatte, indem er sie in einen Brunnen gestoßen hatte, kam gerade ein Jainamönch vorbei. Eine Menschenmenge hatte sich versammelt und der Jainamönch sagte: "Dieses wuterfüllte und gewalttätige Denken wird dich in die Hölle führen."
 
Die Situation war so gespannt, dass der Mann sagte: "Ich möchte auch so still sein wie du, aber was kann ich tun? Ich verstehe nichts davon. Wenn mich die Wut packt, raste ich aus, und nun habe ich meine geliebte Frau getötet." 
 
Der Jainamönch sagte: "Der einzige Weg, dieses Denken, das voll von Wut, Gewalt und Rage ist, in die Stille zu führen, ist die Weltentsagung." Der Jainismus ist eine Religion der Entsagung, und die äußerste Entsagung ist, sogar auf Kleidung zu verzichten. Der Jainamönch lebt nackt, weil ihm nicht einmal erlaubt ist, Kleider zu besitzen. 
 
Dieser Mann war sehr arrogant, und es war eine Herausforderung für ihn. Vor allen Leuten warf er seine Kleider auch in den Brunnen, in den er seine Frau gestoßen hatte. Niemand im Dorf konnte es fassen; sogar dem Jainamönch wurde es etwas mulmig dabei: "Ist der verrückt oder was soll das?" Der Mann warf sich ihm vor seine Füße und sagte: "Bei dir hat es vielleicht viele Jahrzehnte gedauert, bis du diese Stufe der Entsagung erreicht hast.…Ich entsage der Welt, ich verzichte auf alles. Ich bin dein Schüler - weihe mich ein."
 
Sein Name war Shantinath, und shanti heißt "Frieden". Es kommt oft vor ... wenn du eine hässliche Frau siehst, dann heißt sie höchstwahrscheinlich Sunderbhai, was soviel bedeutet wie "schöne Frau". In Indien haben die Leute eine seltsame Art ... dem Blinden geben sie den Namen Nayan Sukh. Nayan Sukh bedeutet "einer, dessen Augen ihm großes Vergnügen bereiten".
 
Der Jainamönch sagte: "Du hast einen schönen Namen. Ich werde ihn nicht ändern; ich werde ihn beibehalten, aber von diesem Moment an musst du daran denken, dass Frieden zu deiner ureigenen Schwingung werden muss." 
 
Der Mann disziplinierte sich, machte sein Denken still, fastete lange, quälte sich, und wurde bald berühmter als sein Meister. Wütende Menschen, arrogante Menschen, egoistische Menschen könnten Dinge tun, für die friedvolle Menschen etwas Zeit brauchen, bis sie sie tun können. Er wurde sehr berühmt und tausende von Leuten kamen, nur um seine Füße zu berühren. 
 
Nach zwanzig Jahren kam er in die Hauptstadt. Ein Mann aus seinem Dorf war aus irgendeinem Grund auch da und der dachte: " Es wäre doch gut, wenn ich zu ihm gehen würde. Mal sehen, wie Shantinath sich verändert hat. Man hört so viele Geschichten - dass er ein völlig neuer Mensch geworden ist, dass seine frühere Persönlichkeit verschwunden ist und ein neues, frisches Wesen in ihm entstanden ist, dass er wirklich zum Frieden, zur Stille, zur Gelassenheit geworden ist." 
 
Der Mann ging also hin, mit großem Respekt. Aber als er dann Muni Shantinath sah, sein Gesicht erblickte, seine Augen, konnte er sich nicht vorstellen, dass da irgendeine Veränderung stattgefunden hatte. Da war nichts von der Anmut, die notwendigerweise von einem Bewusstsein ausstrahlt, das still geworden ist. Diese Augen waren immer noch genauso egoistisch - tatsächlich waren sie noch ausgeprägter egoistisch geworden. Die Präsenz dieses Mannes war sogar noch hässlicher, als sie es früher schon gewesen war. 
 
Trotzdem, der Mann ging näher heran. Shantinath erkannte den Mann, der sein Nachbar gewesen war - aber nun war es unter seiner Würde, ihn noch zu kennen. Der Mann sah auch, dass Shantinath ihn wiedererkannt hatte, aber so tat, als hätte er es nicht. Er dachte sich: "Das sagt viel." Er ging ganz nah zu Shantinath und fragte: "Darf ich dir eine Frage stellen? Wie ist dein Name?" 
 
Natürlich kochte Shantinath vor Wut, denn er wusste, dass dieser Mensch genau wusste, wie sein Name war. Aber er hielt sich trotzdem unter Kontrolle und sagte: "Mein Name ist Muni Shantinath."
 
Der Mann sagte: "Das ist ein schöner Name - aber mein Gedächtnis ist sehr kurz, kannst du es noch mal wiederholen? Ich habe es schon wieder vergessen ... welcher Name sagtest du?"
 
Das war zuviel. Muni Shantinath hatte immer einen Stock dabei. Er nahm den Stock in seine Hand ... er hatte alles vergessen - zwanzig Jahre kontrolliertes Denken - und er sagte: "Frag noch einmal und ich werde dir zeigen, wer ich bin. Hast du schon vergessen? - Ich habe meine Frau getötet, der Mann bin ich." 
 
Erst dann wurde ihm klar, was geschehen war .... 
 
Ein einziger Moment der Unbewusstheit, das sah er nun, und zwanzig Jahre waren den Bach hinuntergegangen; er hatte sich überhaupt nicht verändert. Aber Millionen von Menschen fühlen in ihm große Stille... Ja, er ist sehr kontrolliert geworden, er unterdrückt sich in einem fort, und das hat sich bezahlt gemacht. Soviel Respekt, ohne dass er sich diese Anerkennung je verdient hätte - soviel Ehre, sogar Könige kommen, um seine Füße zu berühren.
 
Eure sogenannten Heiligen sind nichts als kontrollierte Tiere. Das Denken ist nichts anderes als das weit zurück reichende Erbe all deiner tierischen Vergangenheit. Du kannst es kontrollieren, aber das kontrollierte Denken ist nicht das erwachte Denken.
 
Der Verlauf von Kontrolle, Unterdrückung und Disziplin wird von allen Religionen gelehrt, und wegen dieser irreführenden Lehre hat sich die Menschheit um keinen einzigen Zentimeter weiterbewegt - sie bleibt barbarisch. Jederzeit legen Leute los und bringen sich gegenseitig um. Im selben Moment schon haben sie sich selbst verloren; sie vergessen völlig, dass sie menschliche Wesen sind, und dass viel mehr, etwas besseres, von ihnen erwartet wird. Es hat nur sehr wenig Menschen gegeben, die imstande gewesen sind, diese Täuschung zu vermeiden, nämlich zu glauben, indem sie das Denken kontrollierten, hätten sie es erreicht, ohne Denken zu sein
 
Der Weg zum ohne Denken sein führt durch einen völlig anderen Prozess: Ich nenne ihn die eigentliche Alchemie. Sie besteht aus nur einem einzigen Element - dem des Aufmerksamseins.
 
Gautam Buddha geht gerade durch eine Stadt, als eine Fliege dahergeflogen kommt und sich auf seine Stirn setzt. Er spricht gerade zu seinem Begleiter, Ananda, und er redet einfach weiter und bewegt dabei seine Hand, um die Fliege zu verscheuchen. Dann wird ihm plötzlich klar, dass seine Handbewegung unbewusst, mechanisch gewesen war. Denn bewusst hatte er zu Ananda gesprochen, die Hand hatte die Fliege ganz mechanisch entfernt. Er bleibt stehen, bricht ab, und obwohl jetzt keine Fliege mehr da ist, bewegt er seine Hand noch einmal bewusst. 
 
Ananda sagt: "Was tust du da? Die Fliege ist längst weggeflogen...." 
 
Gautam Buddha sagt: "Die Fliege ist weggeflogen ... aber ich habe eine Sünde begangen, denn ich tat es in Unbewusstheit." 
 
Das Wort "Sünde" wird nur von Gautam Buddha in seiner richtigen Bedeutung verwendet. Das Wort "Sünde" hat seinen Ursprung in den Wurzeln, die Vergesslichkeit, Unbewusstheit, Unaufmerksamkeit und Dinge mechanisch tun bedeutet - und unser ganzes Leben ist nahezu mechanisch. Wir tun ständig Dinge vom Morgen bis zum Abend, vom Abend bis zum Morgen, wie Roboter.
 
Ein Mensch, der in die Welt des Nicht-Denkens eintreten möchte, hat nur eine einzige Sache zu lernen - ein einziger Schritt und die Reise ist vorbei. Dieser einzige Schritt ist, alles aufmerksam zu tun. Du bewegst deine Hand aufmerksam; du öffnest deine Augen aufmerksam; du gehst, du machst deine Schritte achtsam, bewusst; du isst, du trinkst, aber lass es niemals zu, dass mechanisches Funktionieren von dir Besitz ergreift. Dies ist das einzige alchemistische Geheimnis der Transformation.
 
Ein Mensch, der alles vollbewusst machen kann, wird ein leuchtendes Phänomen. Er ist ganz Licht, und sein ganzes Leben ist voll von Duft und Blüten. Der mechanische Mensch lebt in dunklen Löchern, in dreckigen Löchern. Er kennt die Welt des Lichts nicht; er ist wie ein Blinder. Der aufmerksame Mensch ist der Mensch, der wirklich Augen hat. 
 
Ta Hui dringt ganz langsam in die tieferen Geheimnisse der inneren Transformation ein. Er sagt: "Auch wenn du vielleicht nicht genau weißt, ob die Lehrer der verschiedenen Örtlichkeiten falsch oder richtig sind, wenn deine eigene Basis solide und ursprünglich ist, werden die Gifte falscher Lehrmeinungen dir nicht schaden können."…
 
Er sagt, es ist nutzlos, darüber nachzudenken, wer recht hat und wer im Unrecht ist. Es gibt tausende von Lehrmeinungen, hunderte von Philosophien, und wenn du in diesen Worten weiterhin nach Wahrheit suchst, wirst du in einem Dschungel verloren sein, wo du den Weg nicht mehr finden kannst. Alles, was du weißt, ist, wie du eine feste Grundlage in dir selbst erstellen kannst.
 
...."Das Denken stillhalten", und "die Sorgen vergessen" miteingeschlossen. Wenn du immer "die Sorgen vergisst" und "das Denken still hältst", ohne das Denken in den Kategorien von Geburt und Tod zu zerschmettern, dann werden sich die betörenden Einflüsse von Form, Sinnesreiz, Wahrnehmung, Wollen und Wachbewusstsein sich ihren Weg bahnen, und du wirst unvermeidlich die Leere in zwei aufteilen.
 
Lass dich gehen und mach dich ganz weit und ausgedehnt....
 
Es geht nicht darum, dass du dich getrennt von der Existenz kontrollierst; es geht darum, dass du dich los lässt und ganz weit wirst - so weit wie die Existenz selbst ist. Und im Aufmerksamsein wirst du unbegrenzt: Das ist das einzige in dir, was keine Grenzen hat.
 
Schau doch mal auf dein Beobachten, darauf, wie du nur noch Zeuge bist. Das ist unbegrenzt. Kein Anfang, kein Ende ...es ist formlos. 
 
Dieses absolute Stillsein des Denkens ist ganz genau Nicht-Denken oder ohne Denken sein. Das ist keine Kontrolle, es ist keine Disziplin; es ist nicht so, dass du auf dein Denken soviel Druck ausübst, wie du nur kannst, und es so still hältst. Nein, es ist einfach nicht da. Das Haus ist leer. Da ist niemand, der kontrolliert, und da ist niemand, der kontrolliert wird. Alle Bemühungen um Kontrolle haben sich in ein einziges Aufmerksamsein aufgelöst. Dieses Aufmerksamsein ist expansiv. Hast du erst einmal auch nur ein wenig davon gekostet, wird es sich immer weiter ausdehnen bis zu den äußersten Grenzen des Universums.
 
Wenn alte Gewohnheiten plötzlich auftauchen, benutze nicht dein Denken, um sie zu unterdrücken. Genau dann, in dieser Situation, ist es wie eine Schneeflocke auf einem glühend heißen Ofen.
 
So macht er dich darauf aufmerksam, dass sogar wenn du dich schon auf dem Pfad des Aufmerksamseins bewegst, manchmal vielleicht alte Gewohnheiten wiederaufleben werden. Aber sei unbesorgt; sie sind wie Schneeflocken auf einem rotglühenden Ofen, sie werden ganz von selbst verschwinden. Du schaust einfach zu. Mach dir keine Sorgen, lass dich nicht durcheinanderbringen, mach dir keine Gedanken.
 
Manchmal wird Wut da sein, manchmal wird eine Sehnsucht da sein, manchmal wird Ehrgeiz da sein, aber sie können nicht dein Aufmerksamsein stören. Sie werden kommen und sie werden gehen, ohne eine Spur auf deiner spiegelgleichen Reinheit zu hinterlassen. Aber du musst dich nur an eines erinnern: Fang nicht an, mit ihnen zu kämpfen, um sie zu zerschmettern, zu zerstören und dann wegzuwerfen. Für das Denken ist das ganz natürlich: Wenn etwas falsch läuft, stürze dich darauf und mache es nieder. Dies ist das einzige, dessen du dir bewusst sein musst, denn das ist es, was es einem Menschen niemals gestattet, über das Denken hinaus zu gehen. Alte Gewohnheiten werden kommen - und alte Mechanismen sind sehr alt, viele, viele Leben alt. Deine Bewusstheit ist ganz frisch und ganz neu; dein Mechanischsein ist uralt, also ist es ganz natürlich, dass es zurückkommen wird.
Jemand beleidigt dich - du musst nicht wütend werden, aber plötzlich stellst du fest, dass Wut aufsteigt. Das ist nicht das Resultat einer Anstrengung, es ist bloss eine alte mechanische Gewohnheit, eine alte Reaktion. Kämpfe nicht damit, versuche nicht zu lächeln und die Wut dahinter zu verstecken. Schau ihr einfach zu, und sie wird kommen und sie wird gehen... Wie eine Schneeflocke auf einem rotglühenden Ofen.
 
Für jene mit einsichtigem Scharfblick und einer geübten Hand, ein Sprung und sie sind im Freien. Nur dann kennen sie wirklich den Ausspruch von Jung, dem Untätigen: Bei richtiger Benutzung des Denkens entsteht keine mentale Aktivität. Wenn ein Mensch die Kunst des Aufmerksamseins gelernt hat, kann er auch sein Denken verwenden, und trotzdem entsteht in ihm keine mentale Aktivität.
 
Ich rede gerade zu euch, und ich benutze dabei mein Denken, anders geht das nicht.
 
Das Denken ist der einzige Weg, um irgendeine Botschaft in Worten zu übermitteln; das ist der einzige Mechanismus, der verfügbar ist. Aber mein Denken ist absolut still, da entsteht keine mentale Aktivität: Ich denke nicht darüber nach, was ich als nächstes sagen werde, und ich denke auch nicht darüber nach, was ich soeben gesagt habe. Ich erwidere einfach spontan auf Ta Hui, ohne mich selbst mit hinein zu bringen.
 
Das ist, wie wenn du in die Berge gehst und du rufst und die Berge hallen wider: Die Berge befleißigen sich keinerlei mentaler Aktivität, sie geben einfach ein Echo. Wenn ich über Ta Hui rede, bin ich bloß das Echo der Berge. 
 
Wird das Denken richtig benutzt, entsteht dabei keine mentale Aktivität. Verkorkstes Gerede, verschmutzt durch Namen und Formen; geradeaus gesprochen - ohne Komplikationen: Ohne Denken, aber sachgerecht.…Das ist eine seltsame Erfahrung, wenn du das Denken benutzen kannst, ohne jegliche mentale Aktivität.… Ohne denken, aber funktional, immer in Funktion, aber nicht existent.
 
Seit meiner frühesten Kindheit liebte ich die Stille.
 
So lange, wie es mir nur irgend möglich war, saß ich nur still da. Natürlich dachte meine Familie sich dabei, dass ich ein Nichtsnutz werden würde - und sie hatten recht. Ich erwies mich sicherlich als zu nichts nützlich, aber ich bereue es nicht. 
 
Das gipfelte darin, dass ich manchmal einfach da saß und meine Mutter kam dann zu mir und sagte so etwas ähnliches wie: "Im ganzen Haus scheint niemand da zu sein. Ich brauche aber jemanden, der auf den Markt geht, um Gemüse zu holen." Ich saß vor ihren Augen und sagte dann: "Wenn ich jemanden sehe, werde ich dir Bescheid sagen..."
 
Es war allgemein akzeptiert, dass meine Anwesenheit nichts zu bedeuten hatte; ob ich da war oder nicht, machte keinen Unterschied. Ein- oder zweimal probierten sie es und stellten dann fest: "Es ist besser, ihn außen vor zu lassen und keinerlei Notiz von ihm zu nehmen" - denn am Morgen schickten sie mich los, Gemüse zu holen, und am Abend kam ich dann, um zu fragen: "Ich habe vergessen, wofür ihr mich eigentlich losgeschickt habt, und nun ist der Markt geschlossen." …In den Dörfern schließen die Gemüsemärkte am Abend und die Dörfler kehren in ihre Dörfer zurück.
 
Meine Mutter sagte: "Es ist nicht dein Fehler, es ist unser Fehler. Wir haben zwar schon den ganzen Tag gewartet, aber vor allem hätten wir dich gar nicht darum bitten sollen. Wo bist du denn gewesen?"
 
Ich sagte: "Wie ich aus dem Haus ging, war da ganz in der Nähe ein sehr schöner Bodhibaum" - die Art von Baum, unter der Gautam Buddha erweckt wurde. Der Baum bekam den Namen Bodhibaum - oder auf Englisch bo tree - wegen Gautam Buddha. Man weiss gar nicht mehr, wie er vor Gautam Buddha für gewöhnlich genannt wurde; er muss irgendeinen Namen gehabt haben, aber nach Buddha wurde er mit seinem Namen assoziiert. 
 
Da war ein schöner Bodhibaum, und er war so verführerisch für mich. 
 
Dort war fast immer solch eine Stille, so eine angenehme Kühle in seinem Schatten, niemand, der mich störte, so dass ich nicht an ihm vorbei konnte, ohne mich eine Zeitlang unter ihn zu setzen. Und diese Momente des Friedens haben sich wohl, so denke ich, manchmal über den ganzen Tag hingezogen.
 
Schon nach einigen Enttäuschungen dachten sie sich: "Es ist besser, ihn nicht zu stören." Und ich war unendlich glücklich, dass sie die Tatsache anerkannt hatten, dass ich schon fast nicht existent war. Das gab mir eine ungeheure Freiheit. Niemand erwartete mehr irgendetwas von mir. Wenn niemand irgendetwas von dir erwartet, dann fällst du in eine Stille hinein ... Die Welt hat dich akzeptiert; nun gibt es keine Erwartung mehr an dich. 
 
Wenn ich mich manchmal mit dem Nachhausekommen verspätet hatte, suchten sie nach mir normalerweise an zwei Plätzen. Der eine war der Bodhibaum - und weil sie damit anfingen, nach mir unter dem Bodhibaum zu suchen, fing ich an, auf den Baum zu klettern und in seiner Krone zu sitzen. Dann kamen sie und schauten sich überall um und sagten dann: "Er scheint nicht hier zu sein."
 
Und ich selbst nickte dann zustimmend; ich sagte: "Ja, das ist wahr. Ich bin nicht hier."
 
Aber bald wurde ich entdeckt, denn jemand sah mich hochklettern und sagte ihnen: " Er hat euch hinters Licht geführt. Er ist immer hier, die meiste Zeit sitzt er aber im Baum." - also musste ich ein wenig weiter gehen.
 
Da gab es früher einen mohammedanischen Friedhof ...
 
Jetzt gehen die Leute normalerweise nicht auf Friedhöfe. Natürlich, jeder muss einmal hin, aber davon abgesehen, mögen die Menschen nicht auf Friedhöfe gehen. Also war das der stillste Ort ... denn tote Leute reden nicht, sie werden nicht lästig, sie stellen dir keine unnötigen Fragen, sie fragen dich nicht einmal, wer du bist oder erwarten, dass du dich sonst irgendwie vorstellst.
 
Nun saß ich fast immer in dem mohammedanischen Friedhof. Das war ein großer Platz, mit vielen Gräbern, mit Bäumen, sehr schattigen Bäumen. Als mein Vater es herausfand, dass ich immer dort saß, sagte er: "Das geht zu weit!" Er kam eines Tages, um mich zu finden, und er sagte: "Du kannst wieder anfangen, im Bodhibaum zu sitzen oder unter dem Bodhibaum, und niemand wird dich stören. Aber das geht zu weit, das ist gefährlich - und überhaupt, wenn jemand auf den Friedhof geht, sollte er ein Bad nehmen und seine Kleider wechseln. Du bist schon den ganzen Tag hier gesessen, und manchmal sogar nachts, und wenn du nach Hause kommst, wissen wir gar nicht, woher du jetzt gerade kommst."
 
Das ist allgemeine Gepflogenheit, dass wenn du zurück vom Friedhof kommst ... Normalerweise geht niemand hin, es sei denn, man wird geschickt und man muss gehen; also geht man widerwillig. Vom Friedhof gehen die Leute gewöhnlich direkt zum Fluss, um ein Bad zu nehmen, ihre Kleider zu wechseln, und erst dann betreten sie das Haus. Also sagte mein Vater: "Ich weiss ja gar nicht, wie lange du das schon so tust."
 
Ich sagte: "Seitdem ihr mich auf dem Bodhibaum gestört habt. Ich musste irgendeinen Platz finden ..." Und ich sagte ihm: "Sogar du würdest es dann und wann genießen. Wenn du müde wirst und zu verspannt bist, komm einfach hierher - ein toter Mensch stört niemanden."
 
Er sagte: "Sprich nicht über tote Menschen mit mir - und das besonders in einem mohammedanischen Grab...." Die Mohammedaner sind arm; ihre Gräber sind Lehmgräber. Wenn es regnet, taucht manchmal ein toter Körper auf. Der Lehm ist weggewaschen worden und du kannst den toten Körper sehen - jemandes Kopf zeigt sich, jemandes Bein zeigt sich. Er sagte: "Sag mir nie mehr, ich soll dorthin gehen. Allein schon der Gedanke, dass ich eines Tages in solch einer Stellung sein werde, mit meinem Kopf, der aus einem Grab herausragt, das lässt mich erschaudern ... du bist ein eigenartiger Junge!"
 
Ich sagte: "Was ist verkehrt daran? Der arme Bursche ist tot, er kann nichts mehr tun. Es regnet in Strömen, er kann sich keinen Schirm mehr organisieren, was kann er also machen? Wenn eines seiner Beine zu sehen ist, was kann er tun? Er kann es nicht mehr einziehen - wenn er es einzieht, auch dann wird es Probleme geben, also hält er still und lässt alles so sein, wie es ist." 
 
Die Liebe zur Stille und eine Liebe zum Abwesendsein, hat mir so ungeheuer geholfen, dass ich verstehen kann, wenn er sagt: "Immer funktionierend, aber nimmer existent. Das ohne Denken sein, von dem ich jetzt spreche, ist nicht getrennt davon, über ein Denken zu verfügen. Dies sind keine Worte, um Leute zu betrügen."
 
Ta Hui sagt damit: "Ich verwende diese Worte nicht, um irgendjemanden zu täuschen; ich versuche nicht, damit mein Wissen zu zeigen; ich versuche damit nicht, so zu tun, als ob ich mehr wüsste als ihr. Ich sage diese Worte bloss, um euch meine Erfahrung mitzuteilen, dass Nicht-Denken und Denken zusammen existieren können. Es sollten keine repressiven Methoden angewandt werden, nur reines Aufmerksamsein ... ganz langsam verliert das Denken jeglichen Inhalt. Es wird Nicht-Denken." 
 
Also sind Ohne-Denken-Sein und Denken nicht getrennt. Ohne Denken zu sein ist Denken ohne jeden Inhalt, ohne jeden Gedanken. Es ist genau wie ein Spiegel, der gar nichts reflektiert.
 
Das Schweigen, das entsteht, wenn du ein Spiegel bist, der nichts widerspiegelt, ist die größte Wonne, die die Existenz dem Menschen geben kann. Und von da aus expandiert alles immer weiter - Mysterien über Mysterien - keine Fragen, keine Antworten, aber gewaltige Erfahrungen ... nährend, erfüllend, befriedigend für die hungrige Seele, die Leben über Leben gewandert ist. 
 
Es ist Zeit, Schluss zu machen mit diesem Wandern.
 
Um dieses Wandern zu beenden, gibt es einfache Methode, und das ist: Fang an, dein Denken zu beobachten, deinen Körper, dein Tun. Was immer du gerade tust oder nicht tust, eines musst du dir immer bewusst machen - dass du dabei zuschaust. Verliere den Zuschauer nicht - dann spielt es keine Rolle, ob du ein Christ bist oder ein Hindu oder ein Jaina oder ein Buddhist.
 
Der Zuschauer ist niemand spezielles. Es ist nur reines Bewusstsein.
 
Und nur dieses reine Bewusstsein kann eine neue Menschheit bringen, eine neue Welt, wo Leute sich nicht gegenseitig aufgrund idiotischer Begründungen diskriminieren werden. Nationen, Rassen, Religionen, Lehrsätze, Ideologien - das ist nur für Kinder, zum spielen, nicht für reife Menschen. Für reife Menschen gibt es nur eines in der Existenz, und das ist Hellwachsein.
 
... Ein Mönch macht sich auf, Gautam Buddhas Botschaft zu verbreiten. Er selbst ist noch nicht erleuchtet; darum ruft Gautam Buddha ihn zu sich und sagt ihm: "Bedenke, ich muss dir das sagen, weil du noch nicht erleuchtet bist ... du bist wortgewandt, du sprichst gut, du kannst die Botschaft verkünden. Du magst noch nicht imstande sein, die Saat zu säen, aber du kannst vielleicht ein paar Leute so beeindrucken, dass sie zu mir kommen - aber benutze diese Gelegenheit auch für dein eigenes Wachsen."
 
Der Mönch fragte: "Was kann ich tun, wie kann ich diese Gelegenheit benutzen?"
 
Und Buddha sagte: "Es gibt nur eines, was bei jeder Gelegenheit, in jeder Situation getan werden kann, und das ist Aufmerksamkeit. Du wirst manchmal Leute vorfinden, die durch dich irritiert und wütend werden, weil du ihre Ideologien, ihre Lehrmeinungen und ihre Vorurteile verletzt hast. Bleibe still und aufmerksam. Du magst Tage haben, an denen du kein Essen bekommen kannst, weil die Leute gegen dich sind, sie werden dir nicht einmal Wasser geben. Schau zu ... beobachte deinen Hunger, beobachte deinen Durst .. aber lass dich nicht verunsichern, werde nicht ärgerlich. Was du die Leute lehren wirst, ist weniger wichtig als deine eigene Aufmerksamkeit. 
 
Wenn du aufmerksam zu mir zurückkommst, werde ich höchst erfreut sein. An wie viele Leute du dich wenden konntest, ist nicht wichtig; zu wie vielen Leute du gesprochen hast, spielt keine Rolle. Worum es letztendlich geht, ist, ob du nach Hause gekommen bist, ob du selbst die sichere Grundlage des Zuschauerseins gefunden hast. Dann ist alles andere bedeutungslos."
 
Dies ist die einzige Meditation, die es gibt; alle anderen Meditationen sind Variationen desselben Phänomens.
 
 
Osho, The Great Zen Master Ta Hui, Chapter 28