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Osho Der "religiöse" Verstand

Der "religiöse" Verstand

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Die Existenz ist multidimensional. Von jedem Punkt aus… als wäre sie eine Sonne mit Millionen von Strahlen, die sich in Richtung Unendlichkeit bewegen. Jeder Strahl kann dich zur Unendlichkeit führen, aber wenn du einen auswählst, musst du natürlich andere zurücklassen; und du kannst nur einen auswählen. Du kannst nicht mal auf zwei Pferden reiten, geschweige denn auf zwei Dimensionen? Diese gehen immer weiter auseinander, mehr und mehr; wenn du weiter gehst, ist da eine unendliche, unüberbrückbare Kluft zwischen ihnen. Am Ursprung sind die Strahlen eins. Von dort aus kannst du irgendeinen wählen, sobald du aber gewählt hast, fallen die anderen weg. 
 
Ich habe mich mein Leben lang treiben lassen. Du musst wachsam sein. Und wenn du mich daran erinnern kannst, dass ich irgendwo abgeschweift bin, dann kann ich nach einer Dimension greifen, die zurückgelassen wurde. Aber du solltest nicht erwarten, dass ich aufhöre, mich treiben zu lassen, denn im Ergreifen der anderen Dimension werde ich wiederum viele andere verlassen. 
 
Bei jedem Schritt gibt es das Problem, zu wählen, denn ich bin eine existentielle Person, ich bin kein Denker. Es ist kein logischer Schluss, den ich dir vorlege. Es ist meine Erfahrung, die ich mit dir zu teilen versuche – und die Erfahrung ist so unermesslich, dass ich dir nur einen kleinen Teil zeigen kann. Aber du bist immer willkommen, mich daran zu erinnern. Ja, ich erinnere mich, dass ich in vielen Punkten abgewichen bin; vielleicht kann ich ein paar davon wieder aufnehmen. 
 
Einer war Religion – Religion auf der tiefsten Stufe der Menschheit, der instinktiven Stufe. Alle primitiven Stämme, Ureinwohner, leben nach wie vor mit dieser ersten Art der Religion, die die Theologen `Magie` nennen. 
 
 
Zum Beispiel, wenn es nicht regnet – dies sind die Probleme der Naturvölker – wenn es nicht regnet, was wird der primitive Stamm tun? Er wird ein Ritual veranstalten, vielleicht eine Opferung eines lebenden Menschen – ihr Gott ist sehr blutrünstig. Oder – wenn der Stamm weiter entwickelt ist – wird er anstelle eines Menschen ein Tier wählen. Wenn der Stamm noch etwas weiter entwickelt ist, wird er nicht einmal ein Tier auswählen, nicht einmal einen Menschen, sondern etwas Ähnliches. 
 
Zum Beispiel, jetzt knackt man in Indien eine Kokosnuss. Die Kokosnuss ist dem Schädel eines Menschen sehr ähnlich. Sie hat einen kleinen Bart, einen Schnauzer, zwei Augen, eine kleine Nase. Tatsächlich heißt der Schädel auf Hindi Khopri, und `eine Kokosnuss` heißt Khopra,. Die Ähnlichkeit ist so groß, dass beide den gleichen Namen haben. Das ursprüngliche Ritual war, einen Schädel zu zertrümmern, aber jetzt wäre das kriminell. Sie haben einen guten Ersatz gefunden, eine Kokosnuss. Aber der Gedanke ist derselbe. Sie denken, was immer ihnen Vergnügen bereitet, bereitet ihrem Gott das gleiche Vergnügen. Ein nacktes schönes Mädchen wird vor den Gott platziert, alle möglichen Speisen werden zubereitet und vor den Gott gestellt, und sie tauchen in einen ekstatischen Tanz ein: Es ist eine Art, den Gott zu erfreuen. 
 
Gott ist verärgert, darum kommt der Regen nicht. Wenn er zufrieden gestellt ist, wird der Regen kommen – und Regen kommt, früher oder später; damit hat sich ihr Ritual als gültig erwiesen, der Regen ist gekommen. Hin und wieder kommt es vor, dass gar kein Regen fällt. Dann ist der Gott wirklich sehr verärgert und benötigt mehr Opfer und mehr Rituale. 
 
Dies ist die niedrigste Art der Religion – nenn es Magie-Religion – der Glaube, dass du lediglich durch das Singen einiger Worte, das Ausführen einiger Handlungen den Lauf des Daseins ändern kannst. Es ist einfach dumm. Die Existenz braucht deine Opfer nicht, die Existenz braucht deine Tänze nicht – und nichts kommt bei ihr an. Aber der instinktive Mensch, der Naturmensch, kann nicht mehr als dies tun. Das ist die Grenze, mehr kann er nicht verstehen. 
 
Dieser Urmensch ist noch nicht völlig gestorben, sogar in sogenannten zivilisierten Menschen. Auch du denkst mit derselben Logik. Du opferst niemanden. Aber sogar in zivilisierten Völkern, kultivierten, gebildeten Menschen - wenn sie in Schwierigkeiten sind - kommt sofort ihr primitiver Mensch hoch. Deine Frau ist krank und der Arzt sagt: „Wir haben alles getan, was wir konnten. Jetzt kann sie nur noch ein Wunder retten.“ Sogar der Arzt fällt auf die primitive Stufe zurück. Er sagt dir: „Nur ein Wunder, nur etwas Magisches… Die Medizin hat versagt, die Wissenschaft hat versagt; wir haben alles unternommen, was wir konnten. Wenn sie noch gerettet wird, kann dies nur durch die Gnade Gottes geschehen oder die Gnade eines Heiligen, geh also in den Tempel, die Moschee, die Synagoge, die Kirche oder geh zu einem Priester oder einem Weisen.“ Der Arzt ist in die primitive Religion zurückgefallen. 
 
Und der Mann ist natürlich absolut willig, überall hinzugehen, alles zu unternehmen, denn er will seine Frau retten. Dies ist nicht der Zeitpunkt für ihn, um über philosophische Inhalte nachzudenken – ob sie richtig oder falsch sind, ob sie primitiv oder zivilisiert sind, ob es dumm oder intelligent ist. Dies ist nicht der Zeitpunkt. Er rennt los! Er ist noch nie bei einem Heiligen gewesen, aber jetzt geht er, fällt zu seinen Füssen und fleht: „Rette meine Frau!“ 
 
Der Urmensch ist immer noch in dir, weil das Unbewusste immer noch in dir ist.
 
Der primitive Mensch verschwindet nur mit dem Verschwinden des Unbewussten. Wenn dein Unbewusstsein und dein Bewusstsein eins werden, wird dein gesamter Verstand zum Bewusstsein; dann gibt es kein Zurückfallen zum Urmenschen mehr. Ansonsten ist der primitive Mensch neun Mal stärker in dir als der zivilisierte Mensch. Jedes Mal, wenn dein bewusster Verstand auszusetzen beginnt, dein Intellekt auszusetzen beginnt, verfällst du in den Hokuspokus des Primitiven. 
 
Die Religion des Intellekts – die zweite Kategorie, die höhere Kategorie – ist Pseudoreligion. Christentum, Judentum, Hinduismus, Buddhismus, Jainismus, Islam – dies sind alles Produkte des Verstandes. Sie sind nicht magisch-religiös. Sie besitzen Theologien: Sie haben über die Existenz nachgedacht, ihre Schöpfung, wieso sie erschaffen wurde; wie man aus diesem Rad des Lebens und Sterbens herauskommen kann. Sie haben darüber nachgedacht, Jahrtausende darüber gegrübelt, und jede Religion hat eine Theologie entwickelt. 
 
Das Wort Theologie bedeutet Logik über Gott. Es ist ein Widerspruch in sich. Gott ist keine logische Behauptung; du kannst ihn nicht mit Logik beweisen, du kannst ihn nicht mit Logik widerlegen. Logik hat nichts mit Gott zu tun. Aber Pseudoreligionen können nicht mehr tun als dies, sie können nur darüber nachdenken. Und sie haben einen großen Einfallsreichtum, um Gott darzustellen. Ihre Schriften besagen, Gott erschuf den Menschen nach seinem eigenen Bild. Die Realität ist genau umgekehrt: Der Mensch erschafft Gott nach seinem eigenen Bild. Darum gibt es so viele Götter - weil es so viele Menschen gibt, so viele Rassen, so viele Gesichter – Augen, Nasen… so viele verschiedene Arten. 
 
Du kannst dir nicht vorstellen, dass ein Schwarzer einen weißen Gott erfindet. Du hast vielleicht nicht darüber nachgedacht, wieso dein Teufel wie ein Neger aussieht, wieso dein Teufel schwarz ist. Der Gott der Schwarzen wird schwarz sein; und der Teufel muss natürlich rein weiß sein. Der weiße Mensch hat sich als teuflisch genug erwiesen. Die Schwarzen behaupten es nicht nur, sondern die Geschichte hat die Nachweise dafür geliefert, was alles der weiße Mensch den Farbigen auf der Welt angetan hat. Das muss das Teuflischste in der Geschichte gewesen sein. 
 
Wie kann sich ein Chinese denn Gott anders vorstellen als einen Chinesen? Als Marco Polo nach China ging, war er der erste westliche Mensch, der nach China gelangte. China war unter dem großen Reich von Kublai Khan, Sohn des Dschingis Khan. Kublai war vielleicht einer der größten Herrscher der Welt, denn er herrschte über China, Mittelasien, den Fernen Osten. 
 
Als Marco Polo China erreichte, wollte er eine Audienz. Kublai Kahn war ein Mann großer Intelligenz. Sein Premierminister sagte: „ Ein Mann, der wie ein Affe aussieht, will dich sehen. Dies ist absolut unerhört – kein Herrscher hat je einem Affen eine Audienz erteilt.“ Der weiße Mann sah für sie wie ein Affe aus. 
 
Kublai Khan sagte: „Kein Grund zur Sorge. Wenn er sprechen kann, kann er kein wirklicher Affe sein; da ist etwas Menschliches. Bring ihn rein.“ Und er begann, sich für Marco Polo zu interessieren. Marco Polo war ein sehr intelligenter junger Mann, er wurde ein sehr enger Vertrauter von Kublai Khan. Als er nach Europa zurückkehrte, berichtete er dem Papst: „In China beten sie einen anderen Gott an, der aussieht, wie ein Chinese, und sie finden, dass wir Europäer wie Affen aussehen.“ 
 
Für uns sehen sie etwas eigenartig aus. Sie haben sehr wenig Bart – ein paar Haare, du kannst sie zählen – flache Nasen, stark hervorstehende Wangenknochen. Du kannst dir kein hässlicheres Gesicht vorstellen – aber sie finden das schön. Ein Mann oder eine Frau, die diese hervorstehenden Wangenknochen nicht hat, wird es schwer haben, zu heiraten; genauso wie ein Mann mit einer Nase, die typisch für die indogermanischen Rassen ist: Inder, Deutsche, Engländer, Franzosen, Skandinavier, Holländer, Russen… Sie alle sind eine Rasse, und für sie ist eine spitze Nase, eine lange Nase schön. Aber in China ist das hässlich; und sie können ihren Gott nicht hässlich darstellen. 
 
Marco Polo sagte: „Ich frage mich, ob wir uns vielleicht alles, was wir über Gott denken, nur einbilden? Keiner weiss, wie er aussieht.“ 
 
Der Papst war sehr verärgert und sagte: „Du musst dir das einbilden. Du erfindest Geschichten, damit du als großer Entdecker eines neuen Landes dastehst. Ich kann nicht glauben, dass irgendwo irgendetwas Größeres als das Christentum existiert.“ 
 
Marco Polo sagte: „Der Buddhismus ist viel größer; es gibt Millionen von Mönchen, Tausende von Tempeln und Klöstern. Dein Christentum ist nichts dagegen.“ Aber er war allein. Welchen Beweis hatte er? Er hatte ein paar Dinge mitgebracht, die ihm weggenommen und verbrannt wurden, um die Indizien zu vernichten. 
 
Das ist der pseudoreligiöse Geist. Der pseudoreligiöse Geist glaubt an seine eigenen Vorstelllungen, seine eigenen Ansichten, und hat Angst vor allem, das dagegen spricht oder auch nur ein bisschen davon abweicht. Ansonsten hätten die Religionen nicht über Jahrtausende gekämpft. 
 
Das ist etwas Eigenartiges: Alle Religionen lehren Liebe, und alle Religionen enden in Hass.
 
Alle Religionen lehren die Brüderlichkeit des Menschen, aber sie erschaffen nur Feinde untereinander. Alle Religionen lehren, dass jeder Mensch ein potentielles Recht hat, zu Gott zu gelangen, aber in der Praxis sagen sie: Nur unsere Religion ist die wahre Religion. Ja, jedermann kann zu Gott gelangen, aber er muss auf unserem Weg zu ihm gelangen: Wenn du nicht Jesus Christus folgst, hast du keine Chance. Aber dasselbe wird von Krishna gesagt: „Wenn du dich mir ergibst und alles andere aufgibst, werde ich mich um dich kümmern, sorge dich nicht.“ Und dasselbe gilt für alle anderen Religionen. Sie scheinen wie konkurrierende Ladenbesitzer zu sein – jeder versucht, seine Sache zu verkaufen: sein heiliges Buch, seinen Messias, seinen Gott. 
 
Die Pseudoreligion versetzt dich grundsätzliche immer in Angst, denn tief im Inneren weiß der pseudoreligiöse Mensch, dass es nur seine Einbildung ist, er hat es nicht wirklich erfahren. Er ist selber nicht überzeugt; infolgedessen muss er andere überzeugen. Er schickt Missionare in andere Länder, um mehr und mehr Menschen zum Christentum, zum Islam zu bekehren, zu konvertieren. Wieso? Wieso dieser große Drang, zu bekehren? Psychologisch gesehen, ist es immens wichtig, dies zu verstehen. 
 
Die Person, die jemanden zu bekehren versucht, ist eine Person, die ihrer eigenen Wahrheit misstraut. Mit der Bekehrung anderer Menschen versucht sie, sich selber davon zu überzeugen, dass sie Recht hat. Wenn man so viele Leute bekehren kann, bekommt man genug Rückhalt: „So viele Leute können nicht irren. Solch intelligente Leute… und sie sind zu meinem Glauben gekommen. Mein Glaube muss der Richtige sein.“ 
 
Das Christentum scheint die betrügerischste von allen Religionen zu sein, denn sie ist mehr, als jede andere Religion, an der Bekehrung von Menschen interessiert. Tatsächlich sind das Judentum und der Hinduismus, die beiden ältesten Religionen, nicht daran interessiert, irgendjemanden zu bekehren. Du musst die Psychologie dahinter verstehen. 
 
Warum sind Juden nicht daran interessiert, Missionare auszusenden und Menschen zum Judentum zu bekehren? Ein Jude wird geboren, nicht konvertiert. Hast du irgendwo einen konvertierten Juden gesehen? Es ist einfach absurd. Juden nehmen keine Konvertierten auf. Wenn Gott dich nicht zum Juden gemacht hat, gibt es keinen anderen Weg; die Juden sind Gottes auserwähltes Volk. Kannst du Gottes Auswahl verbessern, indem du jeden beliebigen konvertierst? Wenn Gott dich nicht zum Juden gemacht hat, heißt das, dass du nicht dazu bestimmt bist, ein Jude zu sein; du bist bereits ausgeschieden. Darum haben sie während Jahrtausenden niemals daran gedacht, Menschen zum Judentum zu konvertieren. 
 
Die Hindus haben dieselbe Meinung – dass sie das einzige Volk sind, das von Gott erwählt wurde, um das erste heilige Buch der Welt zu empfangen. Selbstverständlich ist ihre Rig Veda die aller älteste Schrift der Welt und selbstverständlich ist es die Schrift der aller ältesten Religion. Sie haben vier Kasten: die Brahmanen, die Priester; die Kshatriya, die Krieger; die Vaishya, die Geschäftleute; und die Shudra, die Unberührbaren. Nun gab es ein Problem: Wie können sie irgend jemanden bekehren? Und in welche Kaste können sie ihn stecken? 
 
Hinduismus ist nicht ein Ganzes, es sind vier Kasten.
 
Der Brahmane ist der Höchste. Du kannst niemanden in einen Brahmanen umwandeln. Er repräsentiert Gott, daher der Name. Der Name Gottes in Indien ist Brahman, und Brahmane bedeutet, auserwählt von Brahma, berufen von Gott selber. Es gibt keinen Weg, um zum Brahmanen zu werden. Es wird durch die Geburt bestimmt, denn die Geburt ist von Gott bestimmt, es liegt nicht in der Hand des Menschen, über solche Dinge zu entscheiden. 
 
Nun, die Kshatriya lassen auch niemanden herein. Der Krieger ist der zweitwichtigste, und es hat eine traditionelle Bedeutung für ihn, Krieger zu sein; nicht irgendwer - X, Y, Z – kann einfach ein Krieger sein. Es braucht eine lange Tradition, Training. Du musst das Blut des Kriegers in dir haben, du kannst nicht konvertiert werden. 
 
Die einzigen Leute, die dich aufnehmen können, sind die Unberührbaren. Die Vaishya, die Geschäftsleute sind die dritten, aber sie sind höher als die Unberührbaren. Nur die Unberührbaren können dich aufnehmen, aber ohne die Erlaubnis der Brahmanen können sie überhaupt nichts tun. Bekehrung – so ein religiöses Phänomen – ist außerhalb ihrer Befugnis. Sie sind selbst Ausgestoßene. 
 
Hindus und Juden sind so geboren. Darum sind diese beiden Religionen die egoistischsten. Natürlich, andere Religionen müssen auf Bekehrung zurückgreifen, woher bekommen sie sonst ihre Kunden, ihre Klienten. Gott hat sie zu Juden gemacht, Gott hat sie zu Hindus gemacht; jetzt ist die Welt aufgeteilt auf zwei auserwählte Völker Gottes. Woher bekommt Jesus seine Leute? Woher bekommt Buddha seine Leute? Sie waren von Konvertierungen abhängig. Woher bekommt Mohammed seine Mohammedaner? 
 
Diese sind Nachzügler. Die alten Läden besitzen Glaubwürdigkeit; sie sind bereits etabliert, und von Gott selber etabliert. Diese anderen sind Neuankömmlinge auf dem Markt. Natürlich müssen sie Kunden von den alten Läden abziehen; sonst kommt niemand zu ihnen. Und sie müssen neue Reize erfinden: Billigerer Preise, bessere Belohnungen. Und du kannst das sehen…
 
Der Gott der Juden ist ein sehr rauer Kerl.
 
Aber der Gott der Christen ist reine Liebe. Du weißt das nicht… es ist eine so einfache Mathematik: Der Gott der Juden kann ein harter Kerl sein, aber Jesus muss Leute bekehren, darum musste er ein besseres Image von Gott schaffen, glänzender, kultivierter, menschlicher, damit er den jüdischen Gott übertreffen kann. 
 
Wen wird er bekehren? Reiche Leute werden sich sicherlich nicht bekehren lassen, da sie bereits etabliert sind, respektiert, in der höchsten Schicht der Gesellschaft. Sie werden keinem Landstreicher folgen. Sie wollen nicht Gegenstand des Gespötts werden – für was? Darum all diese Seligpreisungen von Jesus: „Gesegnet seien die Armen, sie sollen das Königreich Gottes erhalten…“ denn du kannst nur die Armen erwischen. Die Armen sind bereits wütend, eifersüchtig auf die Reichen, und hier kommt ein Mann der sagt: „Mein Gott ist Liebe. Und mein Gott lässt nur arme Leute in den Himmel ein; reiche Leute haben dort keinen Platz.“ 
 
Das ist simple Geschäftstaktik - nichts Tiefgründiges darin. Aber niemand hat sich die Mühe gemacht, zu beobachten, wie neue Religionen versucht haben, Kunden von den alten Läden zu ihrem eigenen Laden abzuziehen. Sie alle begünstigen die Armen. Seltsam – die Juden verfügen über keine einzige Aussage, in der die Reichen verdammt werden und die Armen nur aufgrund ihrer Armut erhöht werden. Die Juden verfügen über keine einzige Aussage, in der Armut etwas Heiliges ist; die Hindus ebenfalls nicht. Der reiche Mann ist laut Hinduismus reich, weil er in seinen vergangenen Leben religiös war, tugendhaft. Es ist eine Belohnung Gottes. Und der arme Mann ist arm, weil er in seinen vergangenen Leben böse war, unreligiös. Er wurde dafür bestraft. Armut ist eine Strafe, Reichtum eine Belohnung. Hindus oder Juden, die bereits etabliert sind – wieso sollten sie sich um die Armen und Unterdrückten kümmern? Aber Buddha, Jesus, Mahavira, Mohammed – ihr ganzes Interesse gilt den Armen, den Unterdrückten. 
 
Es ist eine einfache Sache: Dies sind die Leute, die bekehrt werden können, dies sind die Leute, die empfänglich sind. Sie haben nichts zu verlieren und alles zu gewinnen. Zum Beispiel, wenn ein Shudra ein Anhänger des Buddhismus wird, ist er ab sofort nicht länger unberührbar. Wenn ein Shudra Christ wird, ist er nicht länger unberührbar. Das ist eine sehr seltsame Welt. 
 
Ich hatte einen Freund, der Rektor einer theologischen Akademie in Jabalpur war, Rektor Mackwan. Ich sagte ihm das: „Wieso seid ihr Christen nur an den Armen interessiert?“ Er sagte: „Bitte komm zu mir nach Hause!“ Ich saß in seinem Büro. Er sagte: „Mein Haus ist direkt hinter der Akademie; komm in mein Haus, ich möchte dir etwas zeigen.“ 
 
Er zeigte mir das Bild eines alten Mannes und einer alten Frau. Sie waren sicher Bettler, in Lumpen, dreckig; du konntest es sogar in ihren Gesichtern sehen – so hungrig. Du konntest sehen, dass sie ihr Leben lang gelitten hatten, es war in die Falten auf ihrer Stirn geschrieben. Er sagte: „Kannst du erkennen, wer sie sind?“ 
 
Ich sagte: „Wie kann ich sie erkennen? – Ich habe diese Leute nie gesehen, aber sie schauen aus wie Bettler.“ 
 
Er sagte: „Sie waren Bettler. Er ist mein Vater, sie ist meine Mutter. Und sie waren nicht nur Bettler, sie waren Shudras, Unberührbare. Sie sind im Alter zum Christentum konvertiert, weil sie so alt waren, des Bettelns müde; und nun waren sie besorgt um ihre Kinder – vor allem um diesen Jungen, der jetzt Rektor der Theologischen Akademie Leonard ist. Was würde mit ihm geschehen, wenn sie sterben? Er würde auch zum Bettler.“ 
 
Weil sie krank waren, gingen sie in ein christliches Krankenhaus, denn kein anderes Krankenhaus nimmt arme Leute auf und gibt ihnen umsonst Medikamente, Essen, Betreuung und Ärzte. Daher gingen sie in ein christliches Krankenhaus, sie mussten. 
 
Und darin liegt die ganze Methodik: Mit der Medizin immer so viel wie möglich von der Bibel mitgeben; mit jeder Spritze ein bisschen Bibel.
 
Beim Essen spricht der Arzt darüber, die Krankenschwester spricht darüber; der Priester kommt jeden Tag und erkundigt sich nach ihrem Gesundheitszustand, wie es ihnen geht. 
 
Zum ersten Mal fühlten sie sich wie menschliche Wesen. Niemand zuvor hat sie je nach ihrem Befinden gefragt. Sie wurden wie Hunde behandelt, nicht wie menschliche Wesen. Und wären sie Hindus geblieben, wären sie gestorben wie Hunde, gestorben an einer Straßenecke. Du weißt das nicht, denn das ist nicht die Art des Westens. Im Westen haben Hunde einen besseren Tod, ein besseres Leben, weil jeder Hund, der niemandem gehört, getötet wird. Der Hund muss jemandem gehören, ein Halsband zeigt den Besitz an. Aber im Osten kannst du niemanden töten. Da gibt es vielleicht einen Hund, der Krankheit und Leiden verbreitet, aber du kannst ihn nicht töten – töten ist Sünde. 
 
Es ist passiert… Ich schweife ab – denk dran! 
 
In Lucknow gibt es einen Tempel für Hanuman, den Affengott. Merkwürdigerweise ist der Tempel von großen Bäumen umgeben, und all diese Bäume sind voller Affen – du siehst nie so viele Affen zusammen. Vielleicht ist das der einfache Grund: Was immer dem Affengott dargeboten wird, fressen die Affen. So sind sie nach und nach zu ständigen Bewohnern geworden. Und der Tempel wurde so berühmt, dass die Menschen von weit herkommen, von fernen Orten. Sie glauben, alles, was immer sie sich wünschen, wird hier erfüllt. Also wünschen sie sich etwas und sie schwören vor dem Affengott: „Wenn unser Wunsch erfüllt ist, werden wir Süßigkeiten im Wert von einundfünfzig Rupien bringen“ – oder was immer sie bringen wollen, oder was immer sie sich leisten können. 
 
So werden jeden Tag so viele Esswaren dargeboten – und es hat überhaupt nichts mit dem Affengott zu tun. Wenn hundert Menschen danach fragen, wird mindestens ein Drittel von ihnen – allein durch simple arithmetische Gesetze – ihre Wünsche erfüllt bekommen. Selbst wenn sie nicht gekommen wären, wären sie keine Verlierer gewesen, aber nun glauben sie, dass ihr Wunsch wegen dem Affengott erfüllt worden ist. Die zwei Drittel, deren Wünsche nicht erfüllt wurden, sind zu einem anderen Tempel weitergezogen – natürlich, denn dieser Affengott scheint ihnen nicht wohl gesonnen zu sein. 
 
Du kannst nicht nach einem Grund fragen, aber es ist sicher, dass dein Wunsch nicht erfüllt wurde, also ziehst du weiter zu einem anderen Tempel. Und es gibt Hunderte von Tempeln in Indien mit Bäumen, die Wünsche erfüllen. Du gehst einfach hin und bittest… und du musst nur ein kleines Bestechungsgeschenk geben. Aber das eine Drittel der Leute, deren Wünsche erfüllt worden sind… Und was für Wünsche die Leute haben: „Mein Sohn möge das Abitur bestehen“; oder „Mein Sohn möge den Job bekommen, für den er sich beworben hat“; oder „Meine Tochter möge einen Ehemann finden, denn ich kann ihr nicht viel Geld mitgeben“; oder „Meine Frau ist krank, bitte mach sie wieder gesund“… ganz simple, alltägliche, menschliche Kleinigkeiten. 
 
Sie fragen nicht nach irgendwelchen Wundern, wie: „Wenn ich durch das Meer gehe, sollte es sich teilen wie bei Moses.“ Dann würden sie wissen, ob der Affengott irgendetwas für sie tun kann oder nicht. Aber dass dein Sohn das Abitur besteht… und Tausende von Menschen bestehen das Abitur ohne die Hilfe des Affengottes. In Wirklichkeit war der Affengott selber kein Abiturient. Und selbst wenn er das Examen ablegen würde, würde er nicht bestehen; du kannst nicht darauf hoffen, dass er besteht. 
 
Aber diese Menschen haben das Gefühl, dass ihre Wünsche erfüllt worden sind, also bringen sie Gaben… So haben sich langsam die Affen angesammelt – die ganze Straße, auf beiden Seiten, ist voller Affen. Aus einem seltsamen Grund sind Affen und Hunde alle gegen Uniformen. Vielleicht waren sie in ihren früheren Leben Revolutionäre: jede Art von Uniform – Briefträger in Indien haben Uniformen, der Polizist hat eine Uniform, die Armee, die Sannyasins… irgendjemand in Uniform, und Hunde und Affen sind gegen sie. 
 
Nachdem sie vielleicht so viele Leute in unterschiedlicher Kleidung, unterschiedlicher Mode gesehen haben, empfinden sie es als Gefahr, jemanden in Uniform zu sehen: „Dieser Mensch sieht nicht wie ein Mensch aus, irgendwas ist irgendwie falsch“… und sie gehen zum Angriff über. Es ist nicht Machiavellis Entdeckung, dass Angriff die beste Verteidigung ist: Wenn du dich verteidigen willst, sollst du angreifen. Warte nicht darauf, dass die andere Seite angreift, denn dann bist du bereits spät dran mit deiner Verteidigung. Gib ihnen nicht diese Chance. 
 
Darum greifen Affen und Hunde uniformierte Menschen an. Es ist einfach mein Gefühl, dass sie Angst haben; diese Leute sehen etwas seltsam aus, nicht genau so wie andere menschliche Wesen. Millionen von Menschen sind dort, und sie greifen diese nicht an. Und sie greifen diese Leute auch nicht an, wenn sie nicht in Uniform sind; sie greifen die Uniform an. Die Uniform gibt ihnen den Eindruck, dass etwas an diesem Menschen faul ist. 
 
Die Affen fingen also an, am Tempel Polizisten, Briefträger und Militärs angriffen… und sie kamen zu Tausenden. Vielleicht hat jemand ihre Wut ausgelöst; niemand weiß, wie es begonnen hat, denn sie sind seit Hunderten von Jahren dort, seit vielen Generationen. Der Tempel ist sehr alt, und sie haben das vorher nie gemacht, aber vor zehn Jahren ist eines Tages plötzlich ein Krawall zwischen den Affen und allen Uniformierten ausgebrochen. Es wurde sehr gefährlich, weil so viele Affen dort waren… schon ein Affe reicht, damit du ausflippst, aber wenn viele Affen, Hunderte, sich einfach auf der Strasse herumtreiben… Die Strasse war blockiert, niemand kam durch. Es war eine Hauptstrasse, und Lucknow wurde so in zwei Seiten geteilt; die Affen ließen niemanden passieren. 
 
Es wurde zu einem Thema in der Regierung von Uttar Pradesh – Lucknow ist die Hauptstadt: „Diese Affen müssen erschossen werden. Sie haben den Frieden in der Hauptstadt gestört. Die Leute können nicht auf die andere Seite gehen, die Leute können nicht auf diese Seite kommen. Büros sind geschlossen, weil viele Leute auf jener Seite leben; viele Büros sind auf jener Seite und Leute leben auf dieser Seite. Jemand, der zur Arbeit auf jener Seite gegangen war, wurde dort zurückgehalten, er konnte nicht hierher zurückkommen. Es muss sofort etwas geschehen.“ 
 
Ein Mann stand auf und sagte: „Wenn ein einziger Affe erschossen wird, gibt es ein riesiges Blutbad, denn der Affe ist ein Hindugott. DU erschießt einen Hindugott. Das wird nicht toleriert.“ Er war ein hinduistischer Chauvinist, der einer hinduistischen chauvinistischen Partei angehörte. Und obwohl das gesamte Parlament außerdienstlich für das Erschießen der Affen war – was sonst konnte man tun? – musste der Beschluss scheitern. Sie wussten, dass geschehen würde, was dieser Mann sagte. Es würde sofort ein Massaker geben. Und das ist es, was sie wollen. 
 
Alle Politiker wollen irgendwo Ärger haben, denn nur dann werden sie benötigt. Wenn alles richtig läuft, wenn es keine Nachrichten gibt, nichts falsch läuft, fühlen sich die Politiker verloren.
 
Ich bin seit 4 Jahren nicht in Indien gewesen. Jetzt vermissen mich die Journalisten. Komische Leute! – Sie alle waren gegen mich; als ich da war, waren alle gegen mich. Sie schrieben gegen mich, ohne sich darum zu kümmern, ob es wahr oder falsch war; neunzig Prozent davon war komplett unwahr. Sie schrieben es, aber es waren Nachrichten, verkäufliche Nachrichten. Jetzt vermissen sie mich, weil sie die Nachrichten, die sie über mich schrieben, nicht mehr schreiben können, und es gibt niemanden, der mich ersetzten kann. 
 
Journalisten, Politiker – diese Art von Leuten sind auf der Suche nach einem Punkt, der gefährlich werden könnte, einem Menschen, der sich als gefährlich erweisen könnte, einer Situation, die zum Problem werden könnte. Dann versuchen sie alle, es so schnell wie möglich zu einem Problem zu machen. 
 
Der Beschluss kam nicht durch; die Straße blieb während fast zwei Wochen blockiert. Affen haben kein langes Gedächtnis; sie müssen es vergessen haben und sich langsam, langsam beruhigt haben. Zuerst kamen die Anhänger mit Süßigkeiten zurück und boten die Süßigkeiten dem Affengott dar, und dann war der Straßenverkehr wieder da…
 
Aber du kannst nicht töten. Du kannst keine Hunde töten; Töten ist nicht gestattet. Aber diese Religionen haben sich gegenseitig umgebracht. Sie können keinen Hund umbringen, sie können keinen Affen umbringen, aber sie können einen Menschen umbringen. Das ist sehr eigenartig. Ich habe Hindus und Mohammedaner gefragt: „Du kannst keine Tiere töten, aber du kannst Menschen töten ohne irgendein Problem. Hat der Mensch kein Leben?“ Nein, die Sache ist geschäftlich. Menschen können zu Mohammedanern konvertiert werden – ein Hund kann das nicht. Hunde liegen außer Reichweite deiner Gebete und Missionare. 
 
Professor Mackwan sagte mir: „Das sind mein Vater und meine Mutter. Sie wären wie Hunde gestorben, und der behördliche Müllwagen hätte sie mit all dem täglich gesammelten Abfall aus der Stadt geschmissen. Da ist niemand, der einen Bettler zu einer Verbrennungsstätte trägt. Wer kümmert sich um einen Bettler? Bettler sind keine Menschen, keine menschlichen Wesen.“ 
 
Und dann führte er mich zu einem anderen Bild von seiner Tochter und seinem Schwiegersohn. Ich schaute auf drei Generationen: Vater und Mutter, kaum menschliche Wesen; Mackwan, der Status gewonnen hat und jetzt einen sehr respektablen Posten innehat, hoch bezahlt. Jetzt kommen Brahmanen und schütteln ihm die Hand, ohne zu wissen, dass er der Sohn zweier Bettler ist, die Shudras waren. Ich kenne seine Tochter, eine der schönsten Frauen, die ich gesehen habe; sie ist mit einem Amerikaner verheiratet. 
 
Wenn man die drei Generationen anschaut… was für eine Veränderung. Du kannst die Enkeltochter nicht mit der Großmutter verbinden, und wie kannst du den Schwiegersohn mit dem Großvater verbinden? Da scheint es keine Brücke zu geben. Der Schwiegersohn ist ein bekannter Wissenschaftler, Professor – sechs Monate unterrichtet er in Indien, sechs Monate in Amerika. Saroj, die Tochter, ist selber Professorin. Sie sind all sehr gebildet; der Sohn ist ein Rektor. Sie haben sich durch die Konvertierung zum Christentum in eine völlig andere Richtung bewegt. Ich konnte nicht widersprechen. Ich sagte: „Dein Vater und deine Mutter haben das gut gemacht.“ 
 
Hindus und Juden sind etabliert. Christen, Mohammedaner und Buddhisten sind nicht etabliert. Sie versuchen, Menschen zu bekehren; aber bei ihrer Bekehrung, was passiert tief innen? Die etablierte Religion wird von einer Vergangenheit unterstützt, Jahrtausende der Vergangenheit, was bedeutet, dass Millionen von Menschen auf diesem Weg waren; du bist nicht allein. 
 
Aber wenn du Jesus folgst, weißt du nur, dass dieser Typ diese phantastischen Ideen hat.
 
Wer weiß? –folgst du einem Narren, oder wirklich dem Sohn Gottes? Er kann entweder dieses oder jenes sein; da gibt es keine dritte Möglichkeit. Entweder er ist der perfekte Idiot…
 
Tatsächlich hat Feodor Dostojewsky ein Buch geschrieben: `Der Idiot` ist der Titel des Buches. Aber der Idiot, die Figur, ist fast jesusähnlich: Sehr unschuldig, einfach, der niemals irgendjemandem etwas getan hat. Eigentlich ist er besser als Jesus. Aber Dostojewsky hat das Buch `Der Idiot`genannt. 
 
Jesus muss Menschen bekehren. Er selber fühlt sich vielleicht unsicher mit dem, was er sagt, und ob es wahr ist oder nicht. Wieso wollte er eigentlich, dass die Juden ihn als Messias akzeptieren? Wieso war er so hartnäckig, dass sie ihn kreuzigen mussten? Er muss sie genervt haben, sie gequält haben mit der Idee. Sie müssen es so satt gehabt haben, dass sie entschieden haben: „Dieser Mann wird uns nicht in Frieden lassen – er muss gekreuzigt werden, sonst wird er uns weiter quälen.“ 
 
Und er wurde immer fanatischer. Er fing an, den großartigen Tempel der Juden „meines Vaters Haus“ zu nennen, und „...ich bin gekommen, meines Vaters Haus zu säubern.“ Und er wollte es wirklich säubern, von allen Priestern und allen Rabbis: Was ist der Nutzen all dieser Leute, wenn der `Eingeborene Sohn` da ist? 
 
Ich bin zu einem Ärgernis geworden. In einem stillen Augenblick muss er gedacht haben: „Vielleicht spinne ich einfach. Ich habe keinen einzigen Rabbi überzeugen können.“ 
 
Tatsächlich habe ich nie versucht, irgendjemanden zu bekehren, aber es gibt ein paar Rabbi-Sannyasins. Das ist seltsam! Und nicht gewöhnliche Rabbis, berühmte Rabbis. Und ich habe in keiner Weise versucht, irgendjemanden zu bekehren, weil ich überhaupt keinen Zweifel habe. Warum sollte ich mir die Mühe machen, irgendjemanden zu bekehren? Ich muss mich nicht selber davon überzeugen, dass ich Recht habe. Ich habe Recht! 
 
Wenn kein einziger Mensch mit mir ist, habe ich genauso Recht, wie ich es jetzt habe. Meine Richtigkeit wächst nicht mit der wachsenden Anzahl der Menschen um mich herum, steigt nicht mit der steigenden Anzahl der Menschen um mich herum. Meine Richtigkeit kommt aus meiner Erfahrung. 
 
Jesus scheint besorgt zu sein, und alle Christen haben sein Leiden in ihren Köpfen. Sie sind alle besorgt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Papst wirklich glaubt, dass er Gott repräsentiert, es ist unmöglich – außer du bist wahnsinnig, dann ist alles möglich. 
 
Pseudoreligionen versuchen ständig, Menschen zu bekehren, oder sie sind so alt, dass die Frage nach Bekehrung nie aufgetaucht ist. Sie sind die Anfänger; von den ersten Anfängen an, haben sie nach den Kunden gegriffen. Wegen dieses Plans, Menschen zu bekehren, gibt es dauernd Kämpfe, Kreuzzüge, Dschihads, heilige Kriege. 
 
Und Pseudoreligionen schaffen weiterhin mehr und mehr Theologie; keiner liest es.
 
Ich habe in meinem ganzen Leben nie jemanden ein theologisches Buch lesen sehen. Ich habe Hunderte Bibliotheken besucht, aber habe nie jemanden gesehen, in irgendeiner Bibliothek, der ein theologisches Buch liest. Ich habe in Universitätsbibliotheken und Regierungsbibliotheken geschaut, und den Bibliothekaren eine Frage gestellt: „Ich möchte gerne wissen, ob irgendein Buch aus der theologischen Abteilung von den Leuten ausgeliehen wird?“ 
 
Sie sagten: „Du bist die erste Person, die danach fragt. Die theologische Abteilung? – Die interessiert keinen. Die Leute interessieren sich nur für Romane. Wer möchte sich schon mit einem theologischen Buch langweilen?“ Einer nahm mich mit in die Theologische Abteilung. Das war die einzige Abteilung, in der du sehen konntest, dass alle Bücher nicht von menschlichen Händen berührt worden waren, so sauber. Hunderte von Theologen schreiben ständig mehr und mehr Bücher… für was? –Die grundlegenden Fragen sind noch nicht beantwortet. Sie verbessern weiterhin ihre Bücher, aber was immer sie tun, die grundlegenden Fragen bleiben unverändert bestehen, denn der Intellekt hat keine Antwort darauf. 
 
Eine einfache Sache kam ihnen nicht in den Sinn: Wenn du in fünf oder zehn tausend Jahren theologischen Denkens nicht fähig warst, eine einzige Frage auszuräumen, ist es jetzt Zeit aufzuhören. Vielleicht bewegst du dich nicht in die richtige Richtung. 
 
Religion in der zweiten Stufe des Bewusstseins, des bewussten Verstandes, des Intellekts, das ist Theologie. Ich nenne es Pseudoreligion – nur Worte über die Wahrheit, Gott, Liebe, aber keine Erfahrung, um es zu bestätigen. 
 
Wenn Religion die dritte Stufe, den höchsten Punkt erreicht, erst dann ist es Religiosität. 
Die erste Stufe nenne ich magisch-religiös. 
Die zweite nenne ich pseudoreligiös. 
Und die dritte nenne ich Religiosität. 
Dann ist es eine Qualität, dann gibt es kein Adjektiv dafür. 
Dann gibt es keine Tradition. 
Dann gibt es keine Schrift, dann gibt es keine Theologie. 
Dann liegt der Ursprung nicht in der Vergangenheit. 
Und das Paradies liegt nicht in der Zukunft. 
Dann ist beides in dir. 
Dann hast du eine neue Erfahrung, und diese Erfahrung drückt sich aus in Barmherzigkeit, Freundlichkeit und Mitgefühl. 
Diese Religion kümmert sich nicht um Gott: 
Ihr Anliegen ist Mitgefühl. 
Diese Religiosität kümmert sich nicht um Himmel und Hölle. 
Ihr Anliegen ist, diese Glückseligkeit mit anderen zu teilen. Diese Religion ist überhaupt nicht daran interessiert, dich zu bekehren, an bestimmte Dogmen zu glauben; ihr einziges Interesse liegt darin, dir zu sagen: „Ich habe es gefunden. Wenn du Interesse hast, kann ich dich an meiner Erfahrung teilhaben lassen. Da gibt es keine Bedingung, die du akzeptieren musst, da gibt es keine Bedingung, dass du mir glauben musst. Es beglückt mich einfach, dies mit dir zu teilen. Dann bleibt es dir überlassen, ob du etwas damit anfangen willst oder nicht. In jedem Fall bin ich glücklich und dankbar, dass du mir erlaubt hast, etwas so Inniges mit dir zu teilen.“ 
 
Ein religiöser Mensch, der vom höchsten Punkt der bewussten Intuition aus wirkt, ist genau wie der Duft einer Blume. 
 
Es ist keine Frage, dich zu bekehren. Sogar wenn niemand an der Rose vorbeikommt, breitet sich ihr Duft aus, zieht weiter… irgendwohin, irgendjemand wird ihn vielleicht empfangen. Und auch wenn niemand erreicht wird, macht es nichts; es ist einfach natürlich für die Blume, ihren Duft zu verströmen. 
 
Auszug aus: Osho, From Misery to Enlightenment Kapitel 6

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