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Osho Was ist der Sucher in der Zukunft?

Was ist der Sucher in der Zukunft?

 
Osho,
In einem deiner letzten Briefe an die Therapeuten schrieb deine Sekretärin, dass du das äussere Sannyas aufgegeben hättest zugunsten des inneren Sannyas. Würdest du bitte mehr darüber sagen?
 
Ich habe hart daran gearbeitet, alles, was äusserlich ist, aufzugeben, so dass nur das Innere für dich zur Explosion verbleibt.
 
Ansonsten ist das Denken des Menschen noch sehr unreif. Es beginnt immer wieder, sich an äussere Symbole zu hängen. Das ist mit all den Religionen der Welt passiert. Sie fingen alle gut an, aber sie gingen alle in die Irre. Und der Grund dafür war: Das Äussere wurde so sehr betont, dass die Leute das Innere völlig vergassen. Den Äusserlichkeiten gerecht zu werden war solch ein das Leben absorbierendes Ziel, dass kein Raum mehr übrig blieb, um sich an deine innere Reise auch nur noch zu erinnern, die ja eigentlich den Sinn der Religiosität darstellt.
 
Wenn du die sogenannten Heiligen, Weisen und Mahatmas beobachtest, ihr Leben betrachtest, wirst du überrascht sein. Sie sind mehr auf die äussere Welt bezogen als du es bist.
 
Ich reiste einmal mit einem sehr berühmten Hindumönch. Es war lustig zu sehen, dass sein ganzes Leben, vierundzwanzig Stunden lang, ausgefüllt war mit unwesentlichen Dingen. Zum Beispiel ass er normalerweise gar nichts, er wollte nur die Milch von einer Kuh trinken. Und die Leute verehrten ihn genau dafür, für etwas, was keine Errungenschaft darstellt. Jedes Kind eines jeden Tiers wird damit geboren, dass es dies tut. Und die Milch darf von keinem anderen Tier sein, nur von Kühen. Die Milch von Büffelkühen war nicht akzeptabel. Faktisch ist sie reichhaltiger. Sie hat mehr Vitalität.
 
Aber die hinduistische Tradition hat die Büffelkuh niemals auch nur liebes Tantchen genannt. Und die Kuh muß eine absolut weisse Farbe haben. Ich war erstaunt: Das war irgendwie eigenartig. Jede andere Farbe, besonders schwarz, aber auch nur schwarze Flecken auf der weissen Kuh war nicht akzeptabel für den Heiligen. Eher fastete er, als einen Kompromiss einzugehen, also transportierten seine Anhänger ihm immer vier bis fünf absolut weisse Kühe hinterher, wohin immer er gerade ging. Denn es ist sehr schwierig, eine ganz und gar rein weisse Kuh zu finden. Ich fragte ihn: Was ist los? Was ist falsch an einer braunen Kuh oder an einer schwarzen Kuh? Oder an einer Kuh mit vielen verschiedenfarbigen Flecken?" Er sagte:" Weiss zu sein ist das Symbol des Heiligseins." Ich sagte: "Mein Gott: Sie muss für dich heilig sein und dabei wird sogar die schwärzeste Kuh die weisseste Milch geben. Du solltest auf die Milch schauen, nicht auf die Kuh. Wer sagt denn, dass du schwarze Milch trinken sollst?"
 
Und er misstraute den Leuten so sehr, und in diesem Land kannst du dir speziell bei Milch nicht sicher sein. Du kannst dir bei gar nichts sicher sein. Sogar bei Arzneimitteln, von denen dein Leben abhängt, kannst du nicht sicher sein. Der Arzt gibt dir möglicherweise einfach Injektionen mit gefärbten Wasser.
 
Tausende von Leuten sind gestorben, weil bei allem und jedem soviel Betrug vorkommt. Das Etikett ist das richtige, aber du kannst nicht wissen, was drin ist. Und bei Milch weiss jeder, dass die Leute sie mit Wasser mischen.
 
Als ich ein Student war, wurde der Mann, der immer die Milch für die Studenten in das Wohnheim brachte, oft gefragt: "Vermischst du sie mit Wasser?"
Und er sagte: "Aber ich kann jeden Eid schwören." Und sein Sohn kam für gewöhnlich mit ihm und trug den Milcheimer und er legte dann immer seine Hand auf den Kopf seines Sohnes und sagte: "Dies ist mein Sohn. Und ich schwöre einen Eid darauf, dass ich niemals in meinem Leben Wasser in die Milch hineingemischt habe."
Eines Tages rief ich ihn in mein Zimmer. Ich sperrte hinter ihm die Türe zu. Er sagte: "Was tust du da?"
Ich sagte: "Einfach ein wenig Geheimhaltung." Und ich fragte ihn folgendes: "Ich kann nicht glauben, dass die Milch, die ich bekomme, nicht mit Wasser vermischt ist. Wie schaffst du es, sogar einen Eid darauf zu schwören?"
Er sagte: "Es ist ganz einfach. Aber sag es niemandem weiter. Ich mische niemals Wasser in die Milch hinein. Ich mische immer Milch in das Wasser hinein. Es ist eine simple Angelegenheit. Ich kann den Eid schwören, denn ich habe es niemals getan. Ich mische immer die Milch in das Wasser hinein. Danach wird ja nicht gefragt."
 
Dieser Hindumönch war so argwöhnisch, die Kuh musste vor seinen Augen gemolken werden. Ich sagte: "Was für einen religiösen Fortschritt, was für eine Art von Bewusstsein erreichst du eigentlich durch all diese Dummheiten? Fünf Kühe müssen dir nachgeschleppt werden. Dann musst du auch noch da herumstehen, wo sie gemolken werden. Als wenn deine ganze Spiritualität von dieser Stupidität abhängt."
 
Das war nur ein Beispiel. Vierundzwanzig Stunden lang ging das so mit ihm. Keine Frau durfte näher als knappe drei Meter an ihn herankommen. Seine Schüler massen ständig die Distanz aus zwischen ihm und der Frau, die gekommen war, um den Heiligen zu sehen. Es musste exakt zwei Meter und vierundsiebzig Zentimeter sein.
Ich sagte: "Was ist das für ein Unsinn?" 
Er sagte: "Du verstehst das nicht. Eine Frau hat eine magnetische Kraft, deren Radius beträgt jedoch nur 2,74 Meter."
Ich sagte: "Wie bist du denn auf diese Idee gekommen?"
Er sagte: "Durch meinen Meister. Er bekam dies von seinem eigenen Meister. Es wird im Geheimen weitergegeben, von Ohr zu Ohr geflüstert, von Generation zu Generation."
Ich sagte: "Seltsam, kannst du das durch irgendeine Schrift unterstützen?"
Er sagte: "Nein, das ist eine private Tradition. Schriften sind öffentlich. Mein Meister kann mich nicht belügen."
 
Natürlich kann sein Meister ihn nicht betrügen. Und niemand weiss, wer der Idiot war, der diese Idee in die Welt setzte. Immer wenn er irgendwo hinging, erkundigte er sich zuerst: "Ist hier irgendeine Frau gewesen?"
 
Er konnte nicht auf einem Platz sitzen, auf dem zuvor eine Frau gesessen hatte, bevor nicht neun Minuten verstrichen waren. Der gleiche Radius. Neun Fuß (2,74 m) reicht es in einen Raum hinein, neun Minuten weit in die Zeit. Nach neun Minuten kann er sich hinsetzen, aber nicht vorher.
Ich sagte: "Du lebst ein phobisches Leben. Das ist keine Heiligkeit. Du lebst doch in ständiger Furcht. Dein ganzes Leben, Tag und Nacht, ist nichts als Furcht.
Und du hast dich so sehr auf äussere Dinge konzentriert, die bedeutungslos sind, dass dir, wie ich sehe, gar keine Zeit für Innerlichkeit bleibt." All die Religionen sind auf das Äusserliche fixiert worden. Ich versuche nun, alles wegzulassen, was äusserlich ist. Meine Leute haben keine äussere Disziplin. Sie sind nicht von Äusserlichkeiten besessen.
 
Ihre ganze Anstrengung und Energie muss nach innen gerichtet werden. Das Leben ist kurz und die Zeit ist so wertvoll. Du kannst sie nicht mit unnötigen Dingen verschwenden. Und du kannst sehen, wie die Leute sie überall um dich herum mit nutzlosen Dingen vergeuden.
 
Ein Shankaracharya hielt sich einmal in Delhi auf und ein armer Mann, ein Angestellter stand auf während der Fragestunde und fragte nach dem Letztendlichen, was es ist und wie man es erlangen kann.
Und der Shankaracharya sah zu ihm hin. Er hatte die gewöhnliche Bürokleidung an, eine lange Hose, ein halbärmliges Hemd, und der Shankaracharya wurde wütend. Er, sagte: "Du hast vielleicht Nerven, mich nach dem Höchsten zu fragen, und dabei eine lange Hose zu tragen. Erst antworte du mir. Hast du das “yoga pavid”, trägst du die Hindu-Schnur unter deinem Buschhemd? Und wenn du urinierst, urinierst du im Stehen oder im Sitzen?"
 
Und all die Idioten, die sich dort versammelt hatten, und ich denke nicht, dass sonst jemand dorthin geht, sie lachten, und der arme Mann sagte: "Mit einer langen Hose ist es sehr schwierig, sich hinzusetzen, und all die Pissoirs in den Büros sind so gemacht, dass man stehend urinieren kann."
Darauf sagte er: "Das ist gegen die Hindu-Religion. Hast du je gehört, dass irgendwelche Seher der Veden im Stehen uriniert haben? Und was ist mit der Schnur? Legst du dir sie auf dein Ohr?"
Er sagte: "Eigentlich habe ich gar keine Schnur." Er sagte: "Das ist zuviel. Du wirst im Höllenfeuer leiden müssen, denn wenn du nicht, während du urinierst, die Schnur auf dein Ohr legst, dann bist du verletzlich für alle Arten von bösen Einflüssen. Das ist der Moment, in dem der Teufel in die Leute hineinfährt."
 
Und das kommt von einem Shankaracharya, der für das Oberhaupt der Hindu-Religion gehalten wird. Als wenn es bei Religion um Urinale ginge, um eine Schnur und wie man die Leute vor dem Bösen beschützt. Und die Hindus haben das schon immer so gemacht, aber ich denke nicht, dass sie vor dem Bösen in irgendeiner Weise geschützt sind. Sie sind ganz genau so menschlich, wie es die Leute irgendwo sonst sind.
 
Ich möchte, dass meine Leute das genau verstehen. Weder deine Kleidung, noch deine äusseren Disziplinen noch irgendetwas, das dir durch Überlieferung und Tradition gegeben worden ist und was du, bloss weil du daran glaubst, akzeptiert hast, wird dir helfen. Das einzige, was eine Revolution in dir erzeugen kann, ist das über das Denken hinausgehen, hinein in die Welt der Bewusstheit. Ausser dem ist nichts religiös. Aber um damit anzufangen, und zwar in einer Welt, die zu sehr von äusseren Dingen besessen ist, musste ich Sannyas auch mit äusseren Dingen beginnen. Wechsle deine Kleider zu Orange, trage eine Mala, meditiere, aber die Betonung lag nur auf Meditation.
Aber ich stellte fest, dass die Leute sehr leicht ihre Kleider wechseln können, aber sie können nicht ihr Denken verändern. Sie können die Mala tragen, aber sie können, was ihr Bewusstsein angeht, nicht weitergehen. Und weil sie in orangenen Kleidern sind, eine Mala tragen und einen neuen Namen haben, glauben sie allmählich wirklich, dass sie ein Sannyasin geworden sind.
 
Sannyas ist nicht so billig. Folglich ist es Zeit und du bist reif genug, dass die Anfangsphase vorüber ist. Wenn du die Farbe Orange magst, wenn du die rote Farbe magst, bestens - - es kann dir nicht schaden, aber es ist auch keine Hilfe. Wenn du die Mala liebst, wenn du das Medaillon mit meinem Bild darin liebst, es ist einfach deine Verzierung, aber es hat nichts mit Religion zu tun.
 
Also reduziere ich jetzt Religion auf ihre absolute Wesentlichkeit. Und das ist Meditation. Wenn du meditierst und wenn du immer höher in deine Bewusstheit hineinreichst, bleiben die Gedanken weit hinten zurück. Du erlebst, dass dein Körper nur ausserhalb von dir ist, dass dein Denken einfach nur um dich herum stattfindet und du in der Mitte stehst, im Zentrum des Zyklons, in äusserstem Schweigen, in absoluter Schönheit, in grossartigem Licht, in völliger Erfüllung. Alles ist unwesentlich, nur der Meditationsvorgang ist es nicht.
 
Ich möchte nicht, dass sich meine Leute in Unwesentlichkeiten verlieren. Zu Beginn war es notwendig. Nun, nach Jahren des mir zuhörens, mich verstehens, bist du in einer Verfassung, in der du von aller äusseren Bindung befreit werden kannst. Und du kannst zum ersten Mal wirklich ein Sannyasin sein, nur dadurch, dass du nach innen gehst.
Osho,
The Last Testament Volume 6, Chapter 12