

Patanjali unterteilt die menschliche Persönlichkeit in fünf Körper. Er sagt, du hast nicht nur einen Körper, sondern viele Schichten von Körpern, sieben insgesamt.
Den ersten Körper nennt er annamaya kosha, den Nahrungskörper oder Erdkörper, der ständig durch Nahrung erhalten werden muss. Die Nahrung kommt von der Erde. Wenn du keine Nahrung mehr zu dir nimmst, wird dein annamaya kosha dahinsiechen. Also muss man genau darauf achten, was man zu sich nimmt, denn daraus besteht man und es wird einen auf tausenderlei Art und Weise beeinflussen. Letzten Endes ist Nahrung nicht einfach nur Nahrung: Sie wird zu Blut, Knochen, zum Mark deiner Knochen. Sie zirkuliert in deinem Dasein und beeinflusst dich immerzu. Eine reine Nahrung erzeugt einen reinen annamaya kosha, den reinen Nahrungskörper.
Wenn der erste Körper rein und leicht ist, dann ist es einfach, in den zweiten Körper einzutreten; andernfalls wird das schwierig werden. Du bist überladen. Habt ihr das nicht auch schon beobachtet? Wenn ihr zu viel und zu schwer gegessen habt, überkommt euch sofort eine Schläfrigkeit, eine Art Lethargie? Am liebsten würde man sich schlafen legen, die Aufmersamkeit lässt nach. Wenn der erste Körper überladen ist, dann entsteht nur schwer Bewusstheit. Deshalb spielt das Fasten in allen Religionen eine so große Rolle. Doch Fasten ist eine Wissenschaft, damit sollte man nicht herum spielen.
Vor kurzem kam eine Frau zu mir und erzählte, dass sie gefastet habe und nun sei ihr ganzer Körper, ihr ganzes Wesen gestört, sehr gestört. Der Magen funktioniert nicht mehr richtig. Und wenn der Magen nicht funktioniert, dann ist alles geschwächt, die Vitalität geht verloren, du bist nicht richtig lebendig. Du wirst mehr und mehr abgestumpft und tot.
Doch Fasten ist wichtig. Man sollte es sehr sorgsam machen; man sollte die Funtionsweise des annamaya kosha verstehen. Und man sollte es unter der Anleitung eines Menschen machen, der selbst durch alle Phasen seines annamaya kosha hindurch gegangen ist. Und nicht nur das: Er sollte darüber hinausgegangen sein und das annamaya kosha als Beobachter sehen können. Sonst kann Fasten gefährlich sein. Dann sollte man genau die richtige Menge und die richtige Qualität von Nahrung zu sich nehmen, und Fasten ist nicht nötig.
Das ist von Bedeutung, denn es ist dein erster Körper, und die Leute halten mehr oder weniger am ersten Körper fest. Sie erreichen nie den zweiten Körper. Millionen von Menschen wissen nicht einmal, dass sie einen zweiten Körper haben, einen tieferen Körper, der sich hinter der ersten Hülle verbirgt. Diese erste Schicht ist sehr grob.
Den zweiten Körper nennt Patanjali pranamaya kosha, Energiekörper, elektrischer Körper. Der zweite besteht aus elektrischen Feldern – damit beschäftigt sich z.B. die Akupunktur. Dieser zweite Körper ist feinstofflicher als der erste. Menschen, die anfangen, vom ersten zum zweiten Körper überzugehen, werden zu Energiefeldern – sehr anziehend, magnetisch, hypnotisch. Wer sich ihnen nähert, wird sich belebt, aufgeladen fühlen.
Wenn man sich einem Menschen nähert, der nur in seinem Nahrungskörper lebt, wird man sich ausgelaugt fühlen; er saugt dich aus. Oft genug laufen euch Leute über den Weg, die euch das Gefühl geben, euch auszusaugen. Wenn sie wieder fort sind, fühlt man sich ausgelaugt, aufgelöst, so als hätte dir jemand die Energie geraubt. Der erste Körper ist sehr bedürftig, sehr grobstofflich. Wer allzu sehr für den ersten Körper lebt, so wie die körperorientierten Leute, der wird sich niedergedrückt, verspannt, gelangweilt und schläfrig fühlen, energielos, immer auf seiner untersten Energiestufe. Es wird keinerlei Energie für sein inneres Wachstum übrig sein.
Dieser Typ, der erste Typ, der annamaya kosha betonte Mensch, lebt nur um zu essen. Er isst und isst und isst, und das macht sein ganzes Leben aus. Er bleibt irgendwie kindisch. Das erste, was ein Kind tut, wenn es auf die Welt kommt, ist Luft einzusaugen und dann Milch zu saugen. Es muss sich um seinen Nahrungskörper kümmern. Aber wenn ein Mensch an der Nahrungsaufnahme hängen bleibt, bleibt er kindisch, sein Wachstum leidet.
Osho,
Yoga
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The Alpha & Omega
Nächste Woche: der Energie-Körper


